Die Frage: Beate und Wilhelm sind schon seit vielen Jahren verheiratet, die Kinder längst aus dem Haus. Aber mit einem Problem wird Wilhelm nicht fertig: mit seiner Eifersucht auf eine Jugendliebe von Beate, die vor einigen Jahren frisch verwitwet auftauchte. Beate findet Wilhelm intolerant und spießig, weil er ihren unschuldigen Kontakt zu diesem Uraltfreund nicht erträgt. Soll sie ihr Leben einschränken? Sie nimmt ihm doch nichts weg, ist für ihn da, wenn er etwas mit ihr unternehmen oder mit ihr schlafen will. Er aber erträgt ihren Kontakt zur Jugendflamme nicht. Diese Beziehung mache ihn krank, sagt er und bringt sogar vom Hausarzt eine Hochdruck-Diagnose mit. Freunde reden Wilhelm zu, sie beide seien doch über 60, da sei Toleranz angesagt. "Ihr habt leicht reden", sagt er. "Eifersucht wird im Alter nicht besser!"

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Dass alte Menschen weniger unter Eifersucht leiden als junge, ist in der Tat ein Mythos; sie leiden sogar eher mehr. Denn wer jung ist, hat mehr Möglichkeiten, sich von den zur Eifersucht gehörenden Verlustängsten abzulenken. Solche Ängste führen zu inneren Qualen, die man seinem Partner ersparen sollte. Leider ist das nicht immer möglich, ohne das Gefühl zu haben, zu Kreuze zu kriechen. Wilhelm möchte vermutlich keine Beate, die sich aus Angst fügt, sondern eine, die sich liebevoll zu ihm bekennt. Hilfreich ist es, Eifersucht nicht als Zeichen eines miesen Charakters zu deuten. Dadurch wird das Selbstgefühl des Eifersüchtigen noch mehr geschwächt. Verlustängste lassen sich besser ertragen, wenn die zärtliche Bindung betont wird und die Partner nach Kompromissen suchen.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

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