Regierungskrise Sind so ruhige HändeSeite 2/2
Dabei stärkt der schlingernde Start der Koalition noch andere Zentrifugalkräfte. Der Streit um das Wachstumsbeschleunigungsgesetz offenbart auch die neue Stärke der CDU-Ministerpräsidenten. Während nach Angela Merkels Wiederwahl und Wechsel zu einer »bürgerlichen« Regierung der Eindruck vorherrschte, sie habe ihre innerparteilichen Skeptiker in den Ländern endgültig auf Distanz gebracht, geschieht nun das Gegenteil: Wegen der knappen Mehrheit im Bundesrat kann jetzt jeder einzelne CDU-Regierungschef Hand an die Vorhaben der Bundesregierung legen. Das muss ja nicht immer so spektakulär passieren wie vergangene Woche beim Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten. Peter Harry Carstensens »Ihr habt sie ja nicht alle«, mit dem der Kieler Regierungschef die aktuellen Steuersenkungspläne kommentierte, wird in die schwarz-gelben Annalen eingehen – selbst wenn er sich seinen Widerstand am Ende noch abkaufen lässt.
Der Eklat demonstriert mehr als die Rage über Steuergeschenke für Hotelbetreiber. Darin zeigt sich vielmehr die ganze Wahrheit über eine Steuersenkungspolitik, die ohne Rücksicht auf den Zustand der öffentlichen Haushalte durchgezogen wird, um unbezahlbare, gleichwohl gegebene Wahlversprechen einzulösen. Der Fehler, der nun sehenden Auges begangen werden muss, liegt in dem billigen Wahlkampf begründet, der die allgemeine Krisenstimmung mit der Aussicht auf »mehr Netto« bekämpfte. »Wir haben uns im Wahlkampf das Gefängnis gebaut, in das wir jetzt einziehen«, hat kürzlich ein prominenter CDU-Politiker das Dilemma der Koalition beschrieben. Für den aktuellen Streit mit den Ländern wird sich eine Lösung finden. Doch das grundsätzliche Problem unfinanzierter Steuergeschenke wird Merkels zweite Regierung als Dauerkonflikt begleiten.
Noch vor jedem gemeinsamen Erfolg hat die neue Koalition mit dem Streiten begonnen. Was sie gerade einübt, ist der Modus des Zerredens, der unfrohe Wettbewerb ums Rechthaben. Wenn die Partner irgendwann vor ernsteren Problemen stehen, könnte sich dieses Muster schon tief eingeschliffen haben. Die Kanzlerin jedenfalls hat bislang keinen sichtbaren Versuch unternommen, den frühen Erosionsprozess zu stoppen. Vermutlich hofft sie, dass darin die überzogenen Erwartungen der FDP zerrieben werden. Doch erodieren könnte dabei auch ihre Kanzlerschaft.
- Datum 04.12.2009 - 13:29 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.12.2009 Nr. 50
- Kommentare 31
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"Noch vor jedem gemeinsamen Erfolg hat die neue Koalition mit dem Streiten begonnen."
Da hab ich wohl was verpasst. Ich kann bis jetzt keine Erfolge erkennen, dafür aber ein heilloses Durcheinander.
Das ist ja mal ein ganz neuer und vor Allem völlig überraschender Schachzug in Merkel'scher Politik ;))
Eigentlich spielte es ja bei der letzten Wahl keine Rolle, ob man von Frau Merkel oder Herrn Steinbrück nicht oder falsch regiert wird.
Merkel geht es nicht um politische Erfolge, scheint es, sondern wie einem risikoscheuen Manager darum, möglichst nicht unangenehm aufzufallen, wenn es sich vermeiden läßt.
Das Ergebnis sind Stillstand und absurde Fehlentwicklungen wie das "Schuldenwachstumsbeschleunigungsgesetz".
das ist merkels kommunistische sozialisation: herumsitzen, pokerface auf und irgendwann als erste das sagen, was schon sowieso alle wussten, aber aufgrund der machtverhältnisse nicht zu sagen gewagt hatten.
prima strategie im kommunismus. hat ihn aber leider auch nicht vor dem zusammenbruch gerettet.
jetzt haben wir schon eine Regierungskrise, durch Tatsachen die vor der Regierungszeit vorgefallen sind. Was wäre wohl aus Rot-Grün ohne Lafontaines Abgang und der Spendenaffäre geworden. De Umfragewerte sind ja auch schlecht. Also ich plädiere für Neuwahlen bis zur nächsten Umfrage. Da allerdings die Umfragen nicht ergen, was dei regierung tun soll, kann sie ja irgendetwas tun. Aber was ist, wenn das nächste Mal andere gefragt werden.
Wenn die Kanzlerin sich zu weit raushängt, hat man einen Grund ihr Einmischung in einen hochdemokratischen Prozess, Untersuchungsausschuss, vorzuwerfen.
Ich will der Zeit keine mutwillige Stärkung der SPD oder Wahlkampfhilfe für NRW unterstellen. Aber bei aller Diskussions- und Denkfreude scheint sie doch eben sehr deutsch: Herr lass "Basta" regnen.
FDP und CSU zerreiben sich gegenseitig, und wer bleibt übrig?
...wer Böses dabei denkt.
Nein, wir haben Sesselpupser, Showmaster und Vielflieger. Schade um das viele Geld, die diese Versager bekommen. Es kommt noch so weit, daß anständige Leute sich scheuen, in den Bundestag gewählt zu serden, weil sie sich des zweifelhaften Umgangs schämen. Die Mehrheit der Deutschen ist anständig und vernünftig und hat so eine Regierung nicht verdient.
das "Trio Infernale" deutscher Politik, setzt seine Arbeit unbeirrt fort!
das "Trio Infernale" deutscher Politik, setzt seine Arbeit unbeirrt fort!
so kann man sie denn ausbauen, wenigstens hier. Die echte ist noch weit weg! http://kallewestrich.blog...
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