WM 2010 Ein Kick fürs ganze Land?Seite 3/3
»Wir kriegen ein bisschen was, aber den großen Reibach machen andere«, zürnt Nthateng Motaung. Sie betreibt ein kleines Gästehaus in Soweto und hat ihre Zimmer an Match verkauft, an die Schweizer Firma, die WM-Unterkünfte und Tickets zentral vermarktet. »Ich bin mal gespannt, welche Wucherpreise die verlangen.« Es hat sich im Lande herumgesprochen, dass Philippe Blatter, der Chef einer Teilhaberfirma von Match, ein Neffe von Fifa-Präsident Sepp Blatter ist. Die Leute ahnen, dass sein Imperium am Ende als Hauptprofiteur des Turniers dastehen wird.
Der ökonomische Nutzen wird meist gewaltig überschätzt
Nach der WM 2006 in Deutschland konnte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung »keinerlei nennenswerte gesamtwirtschaftliche Effekte« feststellen. Der ökonomische Nutzen wird gewaltig überschätzt, die Kosten werden grob unterschätzt, das zeigen vergleichende Studien über Megaevents in aller Welt. Viele Experten erwarten, dass es auch in Südafrika so sein wird.
Das trickle down, das Durchsickern der WM-Dividende zu den ärmeren Schichten, dürfte recht bescheiden ausfallen. Kurzer Bauboom, prächtige Stadien, bessere Infrastruktur, modernisierte Informations- und Kommunikationstechnologien, gesteigerte Umsätze einzelner Branchen wie Hotel- und Gastgewerbe, Einzelhandel, Sportartikelindustrie oder Sicherheitsdienste, rund 50000 Arbeitsplätze, von denen aber viele nur temporär sein werden. Eine realistische Prognose könnte ungefähr so aussehen: Der Weltcup schafft Jobs, überwindet aber nicht die Massenarbeitslosigkeit. Er verbessert den Personenverkehr, löst aber nicht die fundamentalen Probleme des Transports. Er setzt Wachstumsimpulse, führt aber keinen nachhaltigen Aufschwung herbei.
Doch die fußballbegeisterten Afrikaner argumentieren ohnehin nicht ökonomisch. Sie erinnern an das Sommermärchen 2006, als Deutschland das gängige Kraut-Image überwand und sich als fröhliche, weltoffene, unverkrampfte Nation präsentierte. Auch Afrika bietet das größte Sportfest der Erde die Chance auf ein neues Image jenseits der Zerrbilder vom verlorenen, moribunden Kontinent – als moderner, friedlicher und heiterer Erdteil. Das Motto des Weltcups unterstreicht diese Hoffnung: Ke nako, it’s time to celebrate humanity! Begegnet uns Afrikanern endlich auf Augenhöhe, und erkennt uns als gleichwertige Mitglieder der Weltfamilie an!
Eines lässt sich schon vor dem Anpiff im Juni 2010 mit Gewissheit sagen: Seit dem Ende der Kolonialherrschaft in den 1960er Jahren gab es kein Ereignis, das das afrikanische Selbstwertgefühl mehr gestärkt hätte. Das kann man auch in den Gesichtern der Mädchen und Jungen lesen, die in der Hillwood-Grundschule am Programm »Kicking for Peace« teilnehmen. Sie schwärmen von den großen afrikanischen Fußballstars, die es der Welt zeigen werden. Sie träumen davon, dass Drogba, Essien und Eto’o nach Lavender Hill kommen, in ihre Township, die von Armut und Gewalt geplagt ist.
Die Kinder dürfen manchmal bei Turnieren mitspielen. Ein Knirps verrät, was das Allerbeste daran ist: »Da kriegen wir was zu essen.«
- Datum 18.12.2009 - 14:25 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 03.12.2009 Nr. 50
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Leiste gerade einen entwicklungsolitischen Freiwilligendienst im Western Cape..habe dementsprechend die Moeglichkeit 2 Cups hintereinander live zu erleben, und zu Vergleichen:
- Die Freude ueber den Worldcup ist enorm, viel groesser als zum vergleichbaren Zeitpunkt im Sportevent verwoehnten Deutschland! Fernsehwerbung, Tagesgespraech usw. usw.
- Der praktische Nutzen fuer die schwarze Bevoelkerung wird vermutlich gering bis ueberhaup nicht vorhanden sein!
- Aber das Selbstwertgefuehl steigt enorm, man ist stolz den Blick der Welt auf sich ruhen zu wissen und als Vertreter Afrikas aufzutreten....und dies gilt fuer jeden einzelnden Suedafrikaner! Und wer arbeitslos in einem Township lebt, fuehlt sich nicht selten uebergangen, unwichtig...nutzlos..
- Viele Projekte nutzen den Cup als Auffhaenger fuer Tuniere, Aktivitaeten usw...
Vorrangig geht es vorallem um eins...um den Sport! Und auch wenn Bfana Bfana in letzer Zeit unterirdisch gespielt hat, und nicht selten betreten auf den Boden geschaut wird, wenn das Gespraech auf die Suadafrikanischen Heros zu sprechen kommt, ist mir bisher kein Mensch, unabhaengig der Hautfarbe, begegnet, der nicht Rugby und Fussball verliebt ist!! Der Wirtschaftlich sowie politische Faktor spielt gerade in den Townships nicht die vorrangige Rolle wenn es um die WM geht...
Typisch Suedafrikanisch wird sich mit glaenzenden Augen und einer selbstverstaendlichen Verliebtheit auf das Fussball-, wenn nicht sogar Sport-, Event das Jahres gefreut!!!
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