Roger Willemsen fragt Dieter Hildebrandt "Wo ist Ihr Zorn geblieben?"
Dieter Hildebrandt ist schon seit 82 Jahren Dieter Hildebrandt. Sein jüngstes Buch trägt den Titel "Nie wieder 80".
ZEITmagazin: Sie sind mir einer!
Dieter Hildebrandt: Wollen Sie damit etwa meine Einzigartigkeit betonen?
ZEITmagazin: So wie Sie macht es jedenfalls keiner.
Hildebrandt: Das hoffe ich doch. Mich hat noch nie einer kopiert.
ZEITmagazin: Was sollte es an Ihnen auch schon zu kopieren geben?
Hildebrandt: Wenn Sie das freundlich meinen, bin ich einverstanden.
ZEITmagazin: Freundlich oder nicht, Sie machen das jetzt schon so lange…
Hildebrandt: Was sollte ich denn sonst machen?
ZEITmagazin: Na, den Hund ausführen zum Beispiel.
Hildebrandt: Ich habe zwei.
ZEITmagazin: Bayern München beim Verlieren zuschauen.
Hildebrandt: Holländer in mein Herz schließen?
ZEITmagazin: Und sonst so?
Hildebrandt: Muss ja.
ZEITmagazin: Eigentlich waren Sie doch immer zornig.
Hildebrandt: Noch eigentlicher war ich immer gutmütig.
ZEITmagazin: Wo ist Ihr Zorn geblieben?
Hildebrandt: Verflogen.
ZEITmagazin: Möchten Sie es Ihrem Zorn nie gleichtun?
- Datum 01.12.2009 - 14:15 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf einer Seite lesen
- Serie Roger Willemsen fragt
- Quelle ZEITmagazin, 03.12.2009 Nr. 50
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Habe Roger Willemsen mal am Eppendorfer Baum gesehen. Es sah so aus, als erklärte er einer Frau die Welt (also so etwas wie die Ursituation eines sublimierenden Mannes). Eine Freundin von mir hat ihn mal im Restaurant am Nebentisch erlebt. Er erklärte einer jungen Frau die Welt, sagte sie. Warum eigtl. fragen erklären nicht die Frauen mal Roger die Welt ? Eine Frage, rational unlösbar, wie ein buddhistisches Koan. ;-)
G. Losse: Sie werden wohl auch nicht müde?
Dieter Hildebrandt: Doch; so ab 23.55 Uhr lässt die Konzentration nach.
G. Losse: Sie glauben nach wie vor an die heilende Wirkung des Kabaretts?
Hildebrandt: Nein, schon lange nicht mehr. Aber so brauche ich wenigstens nicht zum Therapeuten.
G. Losse: Was sollten Sie da auch?
Hildebrandt: Na, zum Beispiel über das politische Kabarett sprechen.
G. Losse: Ist Ihnen das nicht zu langweilig?
Hildebrandt: Warum? Die Merkel wechselt doch jetzt vierteljährlich ihr Kabinett aus - das ist viel Stoff!
G. Losse: Vermissen Sie nicht den Strauß, den Wehner und jetzt den Marktgrafen?
Hildebrandt: Den Neuss vermisse ich! Kennen Sie den?
G. Losse: War der die Vorlage für "Neuss aus der Anstalt"?
Hildebrandt: Tun Sie nicht so ungebildet! Sonst glaub' ich's Ihnen!
G. Losse: Ärgert Sie heute eigentlich noch irgendetwas?
Hildebrandt: Dumme Fragen.
G. Losse: Danke!
Hildebrandt: Höflich sind Sie ja.
G. Losse: Hatten Sie mal was mit der Noack?
Hildebrandt: Ja! Aber sagen Sie's bitte nicht weiter: Wir hatten viele kleinere und größere Ideen für unser Kabarett-Programm.
G. Losse: Und der Sammy Drechsel - wie war der denn so?
Hildebrandt: Der hat sich eigentlich nur für Fussball interessiert. Er war ein guter Manager.
G. Losse: Stimmt es, dass Helmut Markwort versucht hat, Sie seit längerem in seinen Sonntags-Stammtisch einzuladen?
Hildebrandt: Da verwechseln Sie etwas: Er möchte Timo Hildebrand - hinten ohne "T" wie Tor - einladen.
G. Losse: Vielen Dank!
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren