Es scheint zum Verzweifeln oder zum Resignieren. Am Anfang des Jahres sah es danach aus, als ob eine Übereinkunft mit Iran möglich sein könnte; jetzt, am Ende des Jahres, sind die Hoffnungen verflogen. Wer sich fragt, wie der Westen weiter mit der Islamischen Republik und ihren Herrschern umgehen soll, tut gut, sich daran zu erinnern, wie er mit einem anderen hartnäckigen Widersacher, der Sowjetunion, im Kalten Krieg umgegangen ist.

Anders als Iran, das noch Jahre von einer eigenen Atombombe entfernt ist, war die Sowjetunion ein waffenstarrender Nuklearriese. Ihre Führung hatte sogar damit gedroht – so Kreml-Chef Chruschtschow Ende der fünfziger Jahre –, den Westen »zu beerdigen«. Das sowjetische Imperium reichte bis weit nach Europa hinein, an der deutsch-deutschen Grenze standen sich über eine Million Soldaten gegenüber. Die Rivalität zwischen Osten und Westen umspannte den Erdkreis und dehnte sich in den Weltraum aus. Die westliche Gegenstrategie bestand aus zweierlei: aus Entspannung und Abschreckung. Und sie hatte 40 Jahre später, gewiss auch wegen der kräftigen Nachhilfe durch Michail Gorbatschow, Erfolg.

Die bisherige Iranstrategie, entscheidend geprägt von den Vereinigten Staaten, ist dagegen kurzatmig, kurzsichtig und erfolglos. Ein umfassendes Verhandlungsangebot Teherans 2003 wurde von Washington kurzerhand in den Papierkorb befördert. Als Iran in der Erwartung einer realen amerikanischen Gegenleistung auf Drängen der Europäischen Union seine Urananreicherung zeitweise stoppte, stellte das Bush-Team sich taub. Stattdessen wurden Sanktionen verhängt, und man drohte mit militärischen Strafaktionen. Die USA, die EU und schließlich der UN-Sicherheitsrat forderten sogar als Vorleistung für Verhandlungen von Teheran, jegliche Anreicherung vorläufig einzustellen.

Da ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass Iran sein Atomprogramm beschleunigte anstatt innezuhalten. Auch wenn niemand sicher sein kann, ob dahinter die Absicht steckt, eine militärische Atommacht zu werden, eins ist gewiss: Der Fähigkeit dazu ist Iran stetig näher gekommen. Und das würde, wenn es gelänge, zwar nicht den Nahen Osten in einen Atomkrieg stürzen – als Angriffswaffe ist die Atombombe unnütz. Aber wenn Iran, Mitglied im Atomwaffensperrvertrag, ungestraft und ungehindert die Hauptverpflichtung aus dem Vertrag bräche, ließen sich nukleare Möchtegerne in der Region und darüber hinaus kaum noch aufhalten.

Es ist diese kühle Erkenntnis, die Barack Obama dazu veranlasste, gleich zu Beginn seiner Amtszeit eine neue Strategie zu wagen. Statt zu drohen, bot er Teheran Gespräche auf der Basis gegenseitigen Respekts an. Selbst angesichts der brutalen Einschüchterung der Proteste nach der iranischen Präsidentschaftswahl im Juni wahrte er Zurückhaltung, um die Chance auf einen Neuanfang nicht zu zerstören.

Es kam sogar zu einem Briefwechsel zwischen Irans »Oberstem Führer« Chamenei und dem amerikanischen Präsidenten. Iran erklärte sich formal zu umfassenden Gesprächen bereit, schloss aber dabei die Kontroverse um das eigene Atomprogramm aus. Im September wurde der Bau einer neuen, bis dahin verschwiegenen Anreicherungsanlage bei Qom bekannt. Wenig später setzten noch manche auf den Plan, den der Chef der Atombehörde in Wien ausgeheckt hatte: Teheran könnte dafür gewonnen werden, sein niedrig angereichertes Uran zur Aufbereitung nach Russland zu schicken. Daraus wurde nichts. Stattdessen hat Iran nun einen weiteren Ausbau seiner nuklearen Aktivitäten angekündigt.

Da stehen wir nun: back to square one, back to Bush, zurück zum Anfang. Zwar ist Obamas ausgestreckte Hand noch nicht zur Faust geballt, bis Ende des Jahres will er sein Angebot zu umfassenden Verhandlungen noch aufrechterhalten. Die Chancen, dass Teheran ernsthaft darauf eingeht, sind gering. Dort haben die Hardliner erst recht die Oberhand, nachdem die Juni-Ereignisse ihnen die Brüchigkeit des eigenen Regimes vor Augen geführt und die Angst vor zu viel Kontakt mit dem Westen erhöht haben.