ZEITmagazin Autotest Männer schauen und staunen

Hanns-Bruno Kammertöns, ZEIT-Redakteur, fährt den Audi RS 6 Avant

Schöner kann eine Tankstelle kaum gelegen sein als die Döttinger Höhe in der Eifel. Nach hinten raus sanft gewellte Wiesen, nach vorne raus eine prima Bundesstraße und dahinter der Nürburgring. Lange Geraden, volle Kanne, sechster Gang – ob Regen oder Sonnenschein, hier wird noch am Limit gefahren. Gerade bei Dauerregen – und wann regnet es hier nicht? – wird abgeröhrt, dass es eine Freude ist. Auch der Audi RS 6, der treue Freund, scheint zu spüren, dass dies eine Gegend ist, wo man ihn nicht als Makel sieht, sondern nur als Möglichkeit. Wenn seine unfassbar rote Silhouette mit den dezent-dicken Backen für kurze Momente aus den Nebelschwaden herausbricht, dann bedeutet das Alarm. Dann werfen Fußgänger besorgt die Köpfe herum.

Schon der Sound des Motors, der von ferne an einen Schiffskutter in Cuxhaven erinnert und von Lamborghini aus Sant’Agata Bolognese stammt: 580 PS, stimuliert durch zwei Turbolader, die dem Vorwärtstrieb des Fahrzeugs bemerkenswert gut bekommen. Fahrer und Beifahrer des RS 6 werden selbst bei einer gemütlichen Landpartie mit gefühlten zehn Bar in das Alcantaraleder der Sportsitze gepresst, bis es wieder so weit ist und die keramikbewehrten Bremsscheiben zu glühen beginnen. Jet-Atmosphäre. Wenn der RS 6 vor roten Ampeln abrupt zum Stehen kommt, dann straffen sich die Gurte zu Fesseln, Gegenschub, so muss sich derjenige fühlen, der auf einem Flugzeugträger landet und mit dem Haken die Stahltrosse erwischt. Nachtanken und durchatmen – die Döttinger Höhe erlaubt beides.

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Hier fährt niemand Fahrrad, hierher kommt niemand mit der Eisenbahn, Schienen sind das Letzte, was diese Gegend braucht. Da kommt man lieber mit dem Trecker, mit dem Moped oder einem Wagen wie dem RS 6. Links vom Eingang der Döttinger Höhe rollt das Fahrzeug aus, autogerecht sind die Bordsteine abgesenkt. Ein leichtes Blubbern noch, und dann macht auf die Tür! Nicht einfach, aus den Schalensitzen zu klettern. Schräg hinter den Zapfsäulen beginnt der Gastraum, in dem nervös wippende Gasfüße schnell zur Ruhe kommen. Kein Ort für Chichi, für Kochmützen oder Sterne. Diese Herberge bietet Zimmer mit Blick auf die Bundesstraße und Glasvitrinen, in denen Tausende Modelle von kleinen Rennwagen stehen. Ferraris ohne Zahl, Porsches, Audis, auch der RS 6 ist vertreten. Männer schauen und staunen, an der Döttinger Höhe in der Eifel ist das ganze Jahr über Weihnachten.

 
Leser-Kommentare
  1. Von einem hochwertigen Angebot wie Zeit Online erwarte ich, dass sich die Autoren mit dem italienischen Plural auskennen, der wiederum kein "s" am Ende kennt. Scampi, Spaghetti, Tifosi... und eben Ferrari! Auch hinter dem Plaural deutscher Automarken macht sich das "s" übrigens nicht schön.

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    • 09.12.2009 um 13:04 Uhr

    über dieses Auto: was für eine Verschwendung!

    So viel PS in so einer kleingeistigen Verpackung...

    Wer soll so etwas kaufen? Ein paar Jungunternehmer oder Unernehmensberater, die sich auf der Autobahn einen Ego-Kick errasen müssen? Oder ist das nur für das sportive Image für Audi gut? Damit jeder Audifahrer sich als Teil der Lamborghini-/Rennfahrer Familie fühlen kann und teenagerhaft in Pin-UP Träumen schwelgen kann?
    Für den Alltagsverkehr macht dieser Wagen doch gar keinen Sinn mehr und markiert seinen Besitzer deutlich als "geltungsbedürftig" - die Understatement Idee ist somit auf den Kopf gestellt.
    Für meinen Geschmack sind schon viel zu viel PS-Boliden auf unseren Straßen unterwegs, deren Fahrer leider zu häufig mit ihrer waghalsigen, dem Verkehr völlig unangepassten Fahrweise auffallen müssen. Welch geistig armselige Zeitgenossen...
    Wie hat neulich einer zu mir gesagt: "man kann doch nie genug PS unter'm Hintern haben".. da hab ich mir gedacht: "stimmt, wenn's am Grips und Selbstbewusstsein hapert, geht's gegen Unendlich!"
    Und wenn ich schon so viel Geld für ein Auto ausgeben würde/könnte, dann doch lieber für einen ästhetisch schönen Sportwagen mit Charakter.

  2. 3.

    Langweilig. Fast so langweilig wie ein 600Ps Q7 oder 600 Ps X5. Eine Tonne Elektronik hilft einer Tonne Motor dabei sich nicht um den nächsten Baum zu wickeln.

    Als ob man einer Kuh eine Rakete in den Arsch schieben könnte um es dann als Rennpferd zu verkaufen. Der RS6 hat dabei aber noch weniger Stil.

  3. 4. Neid

    nein, ich kann mir das Auto nicht leisten.
    Sollte ich es mir doch leisten können, werde ich
    es mir sehr überlegen, Typschilder zu entfernen,
    um das Ding nicht zerkratzt zu bekommen. Warum?
    Die Aussagen hier erinnern mich stark an das
    Verhalten, als Student schön mit dem Fahrrad
    unterwegs zu sein, zu behaupten damit die
    Umwelt zu schützen, um später im Berufsleben
    dann eine "dicke Karre" zu fahren.
    Schwäche wird zur Tugend erklärt.
    Bei manchen Lesern hat es allerdings doch nicht geklappt.
    Opportunismus und Sozialneid pur.

    Dicken Gruß

    Adipositas per magna

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    • 09.12.2009 um 17:55 Uhr

    wenn Sie sich, wie die überwältigende Mehrheit die Anschaffung nicht leisten können, oder? Da können Sie sich auch ihre manischen Zerkratzängste dann komplett sparen, zu viel kindliche Fiktion...
    Ich hab natürlich schon auf so eine "Sozialneid-Antwort" gewartet, das musste ja von irgendeinem Limbischen System abgesondert werden... hätte allerdings eher auf einen "Quattro- oder Porsche-Fahrer" getippt, da hätte der Vorwurf wenigstens von der Logik her Sinn gemacht...
    Nirgends wurde übrigens Schwäche zur Tugend erklärt, oder sind die 180 PS des normalen Avants zu schwach, um das Fahrzeug voranzubringen? Also, ich fahre ca. 600-900 km jede Woche mit einer dieselgetriebenen E-Klasse W210 und kann sagen: die Motorisierung reicht völlig aus.

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    • 09.12.2009 um 17:55 Uhr

    wenn Sie sich, wie die überwältigende Mehrheit die Anschaffung nicht leisten können, oder? Da können Sie sich auch ihre manischen Zerkratzängste dann komplett sparen, zu viel kindliche Fiktion...
    Ich hab natürlich schon auf so eine "Sozialneid-Antwort" gewartet, das musste ja von irgendeinem Limbischen System abgesondert werden... hätte allerdings eher auf einen "Quattro- oder Porsche-Fahrer" getippt, da hätte der Vorwurf wenigstens von der Logik her Sinn gemacht...
    Nirgends wurde übrigens Schwäche zur Tugend erklärt, oder sind die 180 PS des normalen Avants zu schwach, um das Fahrzeug voranzubringen? Also, ich fahre ca. 600-900 km jede Woche mit einer dieselgetriebenen E-Klasse W210 und kann sagen: die Motorisierung reicht völlig aus.

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    • 09.12.2009 um 17:55 Uhr

    wenn Sie sich, wie die überwältigende Mehrheit die Anschaffung nicht leisten können, oder? Da können Sie sich auch ihre manischen Zerkratzängste dann komplett sparen, zu viel kindliche Fiktion...
    Ich hab natürlich schon auf so eine "Sozialneid-Antwort" gewartet, das musste ja von irgendeinem Limbischen System abgesondert werden... hätte allerdings eher auf einen "Quattro- oder Porsche-Fahrer" getippt, da hätte der Vorwurf wenigstens von der Logik her Sinn gemacht...
    Nirgends wurde übrigens Schwäche zur Tugend erklärt, oder sind die 180 PS des normalen Avants zu schwach, um das Fahrzeug voranzubringen? Also, ich fahre ca. 600-900 km jede Woche mit einer dieselgetriebenen E-Klasse W210 und kann sagen: die Motorisierung reicht völlig aus.

    Antwort auf "Neid"
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    ...der Mercedes verbraucht wahrscheinlich 5 Liter weniger und spart damit nicht mal soviel wie Ihr Flug in den Urlaub.

    Jeder hat Träume, sei es ein Toyota Prius, ein Porsche, Fernreisen oder ein alter Mercedes.

    Nicht die Träume müssen verschwinden, sondern innovative Produkte her (Tesla).

    Und das Auto hat doch Understatement.

    PS: Das hier ist das Automagazin

    ...der Mercedes verbraucht wahrscheinlich 5 Liter weniger und spart damit nicht mal soviel wie Ihr Flug in den Urlaub.

    Jeder hat Träume, sei es ein Toyota Prius, ein Porsche, Fernreisen oder ein alter Mercedes.

    Nicht die Träume müssen verschwinden, sondern innovative Produkte her (Tesla).

    Und das Auto hat doch Understatement.

    PS: Das hier ist das Automagazin

  4. ...der Mercedes verbraucht wahrscheinlich 5 Liter weniger und spart damit nicht mal soviel wie Ihr Flug in den Urlaub.

    Jeder hat Träume, sei es ein Toyota Prius, ein Porsche, Fernreisen oder ein alter Mercedes.

    Nicht die Träume müssen verschwinden, sondern innovative Produkte her (Tesla).

    Und das Auto hat doch Understatement.

    PS: Das hier ist das Automagazin

  5. So lange mit Stolz so etwas wie dieses PKW-PS-Monster gebaut wird, glaube ich nicht an den Erfolg eines Klimagipfels.

  6. zunächst wollte ich schreiben, Autos, die die Welt nicht braucht. Wenn man sich aber überlegt, was für eine ressourcenplündernde Maschine da von Audi auf die Räder gestellt wurde, dann kann einem schon Elend werden. Angesichts des laufenden Klimagipfels ist die Vorstellung dieses Autos in der Zeit einfach anachronistisch.

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