Indonesien Party mit den AhnenSeite 3/3
Die Zuschauer beim Hahnenkampf werfen mit abgenagten Maiskolben
Die Balinesen kommen mir vor wie verwegene große Brüder, die einem Dinge aus einer schillernden fremden Welt erzählen, ohne dass ich das nachprüfen könnte. Doch langsam gefällt mir das. Überall lauert ein Sinn. Als wir nach Hause kommen, ist es Mitternacht, und Gus Des Mutter flicht und schnippelt immer noch an Opfergebinden herum. Seit Tagen geht das so. Die Gespinste aus Palmblättern wirken wie von kunstsinnigen Spinnen gewoben und sollen morgen zum Einsatz kommen. Da steigt eine große Abschiedsparty für die Ahnen, die man gerade auf Besuch unter den Menschen wähnt.
Dass sie enttäuscht sein könnten, scheint mir an meinem letzten Tag undenkbar. In den wie onduliert aufragenden Steingebirgen der Tempel weiß ich gar nicht, wohin ich zuerst schauen soll. Grell geschminkte Mädchen tanzen ruckhaft wie Marionetten. Affenwesen mimen die Armee des Ramayana- Helden Hanuman. Überall halten sich Betende bunte Blüten an die Stirn. Selig treibe ich im Bilderstrom dahin. Aber Gus De hat andere Pläne. Mit flatternden Sarongs brausen wir auf dem Motorrad zu einer Art Westfalenstadion des Hahnenkampfs. In ganz Asien gibt es keine größere Arena dafür. Auf den steilen Rängen brüllen rund 2000 Männer ihre Wetteinsätze in die Hitze. Es riecht nach Schweiß und Erregung, unten in der Manege treiben die Besitzer ihre Vögel zur Raserei. Als immer mehr Rücken die Sicht auf den Kampfplatz versperren, hagelt es abgenagte Maiskolben. Aber niemand pöbelt, der Furor ist freundlich und ein erfrischender Kontrast zu der ziselierten Zartheit Balis.
Als eine neue Runde beginnt, fällt der Tumult jäh in sich zusammen. Mit tänzerischer Anmut wird der nächste Kampf eröffnet. Die Hähne weichen den Attacken aus, indem sie über ihre Gegner hinwegfliegen. Doch bald verknäulen sie sich zu einem wilden Federchaos. Der Verlierer landet in einem blutverschmierten Graben, wo er für den Kochtopf präpariert wird. Drei Mal setze ich auf Hähne mit weißem Gefieder. Aber ihre schwarzen Kontrahenten machen kurzen Prozess. Muss ich mir Sorgen machen? Fragend sehe ich Gus De an. »Alles ist gut«, sagt der. »In der Erde wohnen die Dämonen und trinken das Blut. Sie werden dir gewogen sein.«
Ich setze mich vor das Stadion, starre auf ein Reisfeld und stelle mir vor, wie das Hahnenblut in die Mäuler kleiner Teufel rinnt, die mich dafür beschützen werden. Und plötzlich kommt mir Balis Geisterwelt tröstlich vor. Ich inhaliere den zuckrigen Rauch einer Nelkenzigarette und möchte bleiben.
© ZEIT Grafik
Information Bali
Veranstalter: Die beschriebene Reise mit sieben Übernachtungen im traditionellen Gästehaus oder Landhaus einer Familie kostet im Doppelzimmer 1210 Euro pro Person. Im Preis inbegriffen sind Vollpension, ein »kulturell sensitives Programm«, der Flug mit Malaysia Airlines ab Frankfurt über Kuala Lumpur sowie die Transfers. Buchung unter: Lotus Travel Service, Baaderstraße 3, 80469 München, Tel. 089/20208990, www.lotus-travel.com
Auskunft: Visit Indonesia Tourism Office, Tel. 089/59043906, www.my-indonesia.info
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- Datum 10.12.2009 - 07:29 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.12.2009 Nr. 51
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