Boehringer Ingelheim Ein Stern fällt vom UnternehmenshimmelSeite 3/3

Der Druck im Marketing steigt, die Stimmung im Konzern sinkt

Eigentlich sollte die Studie, an der insgesamt 30000 Patienten teilnahmen, darlegen, dass der teure Blutdrucksenker von Boehringer, parallel zum billigen Standardmedikament verabreicht, die bessere Wirkung zeigt. Doch leider gab der Test das nicht her. Er belegte nur, dass viele Patienten das Mittel besser vertragen, was allerdings wohlbekannt ist und nicht nur auf das Boehringer-Mittel zutrifft.

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Zudem bekamen die hauseigenen Arzneivertreter offenbar einen problematischen Sonderauftrag: Wie aus den Aussagen zweier Mitarbeiter hervorgeht, die im Oktober beim Arbeitsgericht Mainz Klage gegen ihren Arbeitgeber erhoben, sollten die Arzneivertreter Listen darüber führen, welcher Arzt wie viel zu verordnen gedächte, und sie sollten willige Ärzte gezielt bearbeiten und den Erfolg durch Nachfragen bei nahe gelegenen Apotheken nachprüfen.

Wenn das stimmt, wäre das Verführung zum Rechtsbruch. Weil die Arzneibranche solche Verschreibungsdaten jahrelang im großen Stil aufkaufte, um ihr Marketing zu optimieren, versucht die Gesundheitspolitik seit 2007, dem per Sozialgesetzbuch einen Riegel vorzuschieben. Sie hat die Weitergabe derartiger Daten zu kommerziellen Zwecken verboten. Und für den Chef in Ingelheim ist es besonders peinlich, seine Firma in ein solches Verfahren verwickelt zu sehen, setzte sich Barner doch in seiner Zeit als Vorsitzender des Pharmaverbands VFA besonders für die Sauberkeit der Branche ein. Gegen rüde Vertriebsmethoden rief er sogar ein eigenes Selbstkontrollorgan ins Leben.

Der Hausjurist des Unternehmens, Mark Schneider, hat denn auch alles getan, um die Vorwürfe zu entschärfen: Apothekenbesuche seien zwar Pflicht, dienten aber dazu, dort die Handhabung von Arzneien zu erläutern, erklärte er vor Gericht, und die Ärztelisten seien nur geführt worden, um die »Doppelbespaßung« von Medizinern zu verhindern. Die Kläger wollten nach Vertagung des Verfahrens dazu gegenüber der ZEIT nicht Stellung nehmen.

Fragt man bei Ärzten nach, entsteht zumindest ein gemischter Eindruck. So berichtet etwa der Allgemeinmediziner Leonhard Hansen, dass er innerhalb weniger Monate gleich mehrfach Besuch von Boehringer-Vertretern bekommen habe, die ihm alle partout den Blutdrucksenker Micardis schmackhaft hätten machen wollen. Hansen, lange Jahre auch Leiter der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, sagt: »Ich kannte Boehringer früher als solides Unternehmen. Aber dieses Marketing finde ich absolut grenzwertig.«

Inzwischen hat das Unternehmen den Versuch aufgegeben, die Krise ohne Einschnitte zu überstehen. Die Marketingmannschaft in den USA, die Barners Vorgänger für viel Geld auf 3300 Leute ausgebaut hatte, bekam gerade ein Drittel der Stellen gestrichen. Auch hierzulande scheinen Umbauten zu drohen.

Treuherzig beteuert der Firmenchef: »Die Zahl der Mitarbeiter bleibt konstant, und ich bin sicher, wir kommen um betriebsbedingte Kündigungen herum.« Das Wort »Sozialplan« will er nicht in den Mund nehmen. Allerdings hat er gerade mit dem Betriebsrat eine, wie das Unternehmen es nennt, »Transfervereinbarung« abgeschlossen, die faktisch die gleichen Fragen regelt: Abfindungen für ausscheidende Mitarbeiter und die Ausgleichsansprüche für jene, die schlechter bezahlte oder vom Wohnort entfernte Stellen annehmen.

Bei den Mitarbeitern hinterlässt das alles längst Spuren. Eine Umfrage zur Arbeitszufriedenheit (»Your View on our Culture«), an der sich knapp 80 Prozent der 41000 Angestellten beteiligt haben, fiel schlechter aus als vor zwei Jahren. Sie liegt der ZEIT vor.

Vor ein paar Tagen löschte Boehringer nun auch still und leise seine ehrgeizigen Wachstumsziele auf der eigenen Internetseite. Nicht gerade ein gutes Vorzeichen für das Jubiläumsjahr.

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Dieser Konzern ist ökonomisch relevant, da es einer der wenigen wirklich großen Forschungszentren ist. DAs dumme ist, dass er auch ein sehr unethischer Konzern ist. Besonders was Tierversuche angeht, wurde er in der Vergangenheit immer wieder durch Tierschützer torpediert, und das völlig zu recht. Diese Firma hat allen ernstes in mitten einer Wohngegend ein Tierversuchszentrum eingerichtet, wo es tausnede Schweine quält und tötet um bessere antibiotika für die Mastschweine in der Amssentierhaltung zu entwickeln! Dadurch würde die haltung der schweine noch einfacher und noch Tiershcutzwidriger.
    Ich weiß dass an jedem Medikament blut klebt, weshalb ich ohnehin nur welche kaufe, wenn es absolut notwenidg ist. Aber von dieser Firma kaufe ich nichts. Das geht einfach zu weit.

    Über ihren bankrott wäre ich ausgesprochen erfreut.

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    @ daftone

    "Diese Firma hat allen ernstes in mitten einer Wohngegend ein Tierversuchszentrum eingerichtet,"
    Ein solche Tierversuchszentrum existiert nicht.
    "... wo es tausnede Schweine quält und tötet"
    Da es nicht existiert, werden dort keine Tiere getötet.
    "... um bessere antibiotika für die Mastschweine in der Amssentierhaltung zu entwickeln!"
    Richtig ist, dass die Firma Boehringer ein Tierversuchszentrum für Schweine und Rinder in Hannover bauen wird. Dort werden keine Tiere gequält. Es werden dort keine Antibiotika entwickelt werden, sondern Tierimpfstoffe. Richtig ist, medizinische Gefahren für die Tiere durch diese Impfstoffe in Massentierhaltung zu reduzieren.
    " Dadurch würde die haltung der schweine noch einfacher und noch Tiershcutzwidriger."
    Um Tiere gesund zu halten ist kein Verstoß gegen Tierschtzgesetze notwendig.

    @ daftone

    "Diese Firma hat allen ernstes in mitten einer Wohngegend ein Tierversuchszentrum eingerichtet,"
    Ein solche Tierversuchszentrum existiert nicht.
    "... wo es tausnede Schweine quält und tötet"
    Da es nicht existiert, werden dort keine Tiere getötet.
    "... um bessere antibiotika für die Mastschweine in der Amssentierhaltung zu entwickeln!"
    Richtig ist, dass die Firma Boehringer ein Tierversuchszentrum für Schweine und Rinder in Hannover bauen wird. Dort werden keine Tiere gequält. Es werden dort keine Antibiotika entwickelt werden, sondern Tierimpfstoffe. Richtig ist, medizinische Gefahren für die Tiere durch diese Impfstoffe in Massentierhaltung zu reduzieren.
    " Dadurch würde die haltung der schweine noch einfacher und noch Tiershcutzwidriger."
    Um Tiere gesund zu halten ist kein Verstoß gegen Tierschtzgesetze notwendig.

  2. @ daftone

    "Diese Firma hat allen ernstes in mitten einer Wohngegend ein Tierversuchszentrum eingerichtet,"
    Ein solche Tierversuchszentrum existiert nicht.
    "... wo es tausnede Schweine quält und tötet"
    Da es nicht existiert, werden dort keine Tiere getötet.
    "... um bessere antibiotika für die Mastschweine in der Amssentierhaltung zu entwickeln!"
    Richtig ist, dass die Firma Boehringer ein Tierversuchszentrum für Schweine und Rinder in Hannover bauen wird. Dort werden keine Tiere gequält. Es werden dort keine Antibiotika entwickelt werden, sondern Tierimpfstoffe. Richtig ist, medizinische Gefahren für die Tiere durch diese Impfstoffe in Massentierhaltung zu reduzieren.
    " Dadurch würde die haltung der schweine noch einfacher und noch Tiershcutzwidriger."
    Um Tiere gesund zu halten ist kein Verstoß gegen Tierschtzgesetze notwendig.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 1"

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