Bologna-Reform »Wir sind bürokratisiert«
Physik-Professor Jürg Fröhlich über die weitreichenden Folgen der Bologna-Reform an der ETH Zürich
DIE ZEIT: Herr Fröhlich, Sie haben sowohl den Untergang der Swissair als auch die Krise der UBS schon vor Jahren vorausgeahnt.
Jürg Fröhlich: Nach der Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein zur UBS habe ich in einem Essay geschrieben, eine so große Bank in einem so kleinen Land sei ein Risiko. Sollte sie zusammenkrachen, dann hätte die Schweiz ein Riesenproblem. Als dann das Desaster eintraf, haben alle möglichen Politiker und Wirtschaftsfachleute gesagt, man hätte nie eine so große Bank entstehen lassen dürfen. Diesen Gedanken hatte ich in der Tat schon ein paar Jahre früher.
ZEIT: Wie kommt es, dass Sie als Physikprofessor auch Muße für andere Dinge haben?
Fröhlich: Meine Interessen sind recht breit. Natürlich ist man als ETH-Professor zeitlich sehr in Anspruch genommen. Aber wer sich das Berufsleben nicht so organisiert, dass er nicht wenigstens jede Woche zwei drei Stunden Zeit hat, um über andere Dinge nachzudenken, der macht etwas falsch.
ZEIT: Stimmt es, dass die zeitliche Belastung für Professoren zugenommen hat?
Fröhlich: Ja. Der administrative Aufwand ist viel größer als früher. Unser Physik-Departement ist zu einem mittelgroßen Betrieb geworden – das braucht viel Organisation und Controlling. Es kommen andere Dinge hinzu: Man muss heute zum Beispiel umfangreiche Drittmittel einwerben und seine didaktischen Fähigkeiten evaluieren lassen.
ZEIT: Und das Tun der Professoren wird kritischer beobachtet.
Fröhlich: Sicher. Offenbar wirbt die EPF Lausanne doppelt so viele Drittmittel ein wie die ETH Zürich. Das kommt daher, dass die ETH schon immer gut mit Eigenmitteln ausgestattet worden ist. Jetzt wirft man uns vor, wir bemühten uns zu wenig um Drittmittel. Nun, es wäre möglich, mehr Drittmittel zu bekommen.
ZEIT: Aber?
Fröhlich: Das braucht viel Zeit. Darunter leidet dann anderes. So kommt es, dass die Leiter von großen Forschungsgruppen die Übersicht darüber verlieren, was ihre Mitarbeiter genau tun. In solchen Gruppen kann es dann gelegentlich zu unethischem Verhalten kommen, beispielsweise zu Fälschungen.
ZEIT: Warum wird immer alles bürokratischer?
Fröhlich: Das hat unter anderem damit zu tun, dass die Studierendenzahlen stark zugenommen haben. Die ETH wird oft als Elite-Universität bezeichnet, und in vielen Bereichen ist sie auch eine, aber gleichzeitig ist sie eine Massen-Universität. Wenn wir eine Elite-Universität mit fünftausend Studenten wären, wäre unsere Lebensqualität an der Uni höher.
ZEIT: Fänden Sie das gut?
Fröhlich: Ich habe gemischte Gefühle. Die Studierenden in Princeton sind sicher ambitionierter als diejenigen in Zürich. Das liegt auch daran, dass sie sehr viel Geld für ihr Studium bezahlen, und das wirkt dann schon motivierend. Aber grundsätzlich ist mir das amerikanische Konzept der Elite-Universität nicht besonders sympathisch. Erstens werden die sozial schwächeren Schichten benachteiligt. Zweitens befürchte ich, dass Leute, die immer nur in Eliten verkehrt haben, am Ende etwas abgehoben sind.
ZEIT: Dann ist die ETH als Mittelding zwischen Massen- und Eliteuniversität vielleicht der bestmögliche Kompromiss?
Fröhlich: Sie ist ein hervorragender Kompromiss. Unsere Biologie-, Chemie-, Mathematik- und Physikdepartemente gehören zu den besten Europas, und wir bilden sehr solide Berufsleute aus. Die heutige Situation ist aber nicht befriedigend. Die Hälfte unserer Physik- und Mathematikstudenten fällt in den Prüfungen am Ende des ersten Jahres durch. Das finde ich schockierend.
ZEIT: War es früher besser?
Fröhlich: Bestimmt. Zu meiner Zeit beendeten vierzig Prozent der Studierenden ihr Studium nicht. Jetzt haben wir fünfzig Prozent Misserfolg schon im ersten Jahr. Dies liegt wohl auch daran, dass die Ausbildung in Mathematik und Naturwissenschaften an den Mittelschulen ein wenig vernachlässigt wurde.
ZEIT: Albert Einstein hat während seines Studiums an der ETH Zürich viele Vorlesungen geschwänzt. Das wäre heute undenkbar.
Fröhlich: Einstein hat ziemlich regelmäßig Mathematikvorlesungen besucht. Was die Physik betrifft, so hat er die großen Klassiker seiner Zeit alle selbstständig zu Hause studiert. Er hätte keine Vorlesungen dieser Qualität hören können. Einstein hat die für ihn richtige Strategie gewählt.
ZEIT: Heute würde man ihn rauswerfen.
Fröhlich: Wahrscheinlich schon. Exzentrische Talente laufen im heutigen System Gefahr, auf der Strecke zu bleiben. Das Studium ist sehr bürokratisiert. Die Studenten stehen im Banne der Kreditpunkte und schauen, wie sie möglichst billig möglichst viele Punkte sammeln können. Das ganze Bologna-System ist ja letztlich eine Folge davon, dass unsere Universitäten heute Massen-Universitäten sind. Wenn mehr Leute studieren, studieren auch mehr solche, die für ein Hochschulstudium im Grunde genommen nicht prädestiniert sind. Die werden dann irgendwie mitgeschleppt. Deshalb muss man die Studienpläne straffen und häufiger Leistungskontrollen durchführen. So haben die schwächeren Studenten eher eine Chance, das Studium erfolgreich zu beenden. Für die guten Studenten hingegen sind die Bedingungen schlechter geworden.
ZEIT: Besteht die Gefahr, dass das Niveau eines ETH-Studiums längerfristig sinkt?
Fröhlich: Sicher. Aber die 50-Prozent-Misserfolgsquote nach dem ersten Jahr ist auch Ausdruck davon, dass wir nicht bereit sind, das Niveau zu senken.
Grundsätzlich ist mir das amerikanische Konzept der Elite-Universität nicht besonders sympathisch
Jürf Fröhlich, Physiker in Zürich
ZEIT: War Bologna ein Fehler?
Fröhlich: Ich frage mich, ob wir uns nicht mehr dagegen hätten wehren sollen. Der Prozess wurde uns oktroyiert und ist viel zu schnell abgelaufen. Darum sind unsere Lehrpläne heute noch Baustellen. Schade ist, dass man die wenigen Vorteile des Bologna-Systems nicht umgesetzt hat.
ZEIT: Zum Beispiel?
Fröhlich: Ich hatte gehofft, dass die Durchlässigkeit zwischen benachbarten Studiengängen erhöht würde – dass man etwa nach einem Physik-Bachelor mit geringen Zusatzauflagen eine Master-Ausbildung in Chemie absolvieren könnte. Das wurde verpasst.
ZEIT: Was halten Sie von Rankings?
Fröhlich: Ich halte sie für wenig aussagekräftig und potenziell gefährlich. Man kann Universitäten nicht linear bewerten. Das Schielen auf Ranglisten und auf die Höhe der Drittmittel wirkt korrumpierend. Ich publiziere dann nicht, weil ich etwas Wichtiges zu sagen habe, sondern um einen möglichst hohen Impact Factor zu erreichen. Es gibt noch weitere Modetrends mit problematischen Nebenwirkungen. So sollen heute bereits die Studierenden global rekrutiert werden. Die ETH macht dabei auch mit – ohne sich zu überlegen, was sie damit aufs Spiel setzt.
ZEIT: Was steht auf dem Spiel?
Fröhlich: Wir haben schon Klagen bekommen von Eltern hiesiger Studenten, die sich von den ausländischen Kommilitonen verdrängt fühlen. Es ist wichtig, dass es einen Grundstock an regionalen Studenten gibt. Mit »regional« meine ich Bündner, Romands, Tessiner, aber auch Süddeutsche und Norditaliener. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Studierenden, sondern auch für die Fakultät. Es braucht Leute, die das hiesige System kennen. Die wissen, bei wem man reklamieren muss, wenn etwas fehlt. Außerdem sind einheimische Professoren wichtig als Rollenmodelle.
ZEIT: Rollenmodelle?
Fröhlich: Wir müssen unseren Nachwuchs pflegen, mitreißen und begeistern. Dazu brauchen wir auch einheimische Professoren, deren Beispiel zeigt, dass man eine akademische Karriere erfolgreich beschreiten kann, wenn man hinreichend talentiert ist. Aber heute bewerben sich bei uns auf Professuren oft keine Schweizer, die hinreichend qualifiziert sind. Wir haben in der Nachwuchsförderung ein Stück weit versagt.
ZEIT: Müsste man im Zweifelsfall Einheimische vorziehen, auch wenn sie schlechter sind?
Fröhlich: Nein, das wäre fatal. Aber es sollte zumindest kein Nachteil sein, wenn man aus der Gegend stammt. Eine Zeit lang gab es die Tendenz, Leute vorzuziehen, die den Duft der weiten Welt mitbringen.
Das Gespräch führte Mathias Plüss
- Datum 09.12.2009 - 15:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.12.2009 Nr. 51
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Es ist immer noch zu schwierig, von einer Uni zu einer anden zu wechseln, auch wenn es im gleichen Bundesland ist. Da gibt es sehr viele Hürden, also läuft nocht gar nichts. Das hat mir zumindest ein Sprachstudent mir erzählt. Er will wechseln, darf aber nicht. Es würde als Austausch gelten, ein stinknormaler Wechsel geht aber nicht. Toll, was nützt das ganze, wenn es nur einen schönen Namen hat. Nichts. Aber seien wir nicht so pessimistisch. In so etwa 40 Jahren könnte es langsam anfangen zu funktionieren. Wenn die Medizin dann auch noch die Menschen länger leben liesse, dann könnte ich es miterleben.
"Müsste man im Zweifelsfall Einheimische vorziehen, auch wenn sie schlechter sind?...Nein,..Aber es sollte zumindest kein Nachteil sein, wenn man aus der Gegend stammt...."
huebsch geschrieben, fein ausgedruckt.Man kann wohl solche Formulierung als Muster nachahmen, dann kommt sowas aus:
Muesste man im Zweifelsfall reiche Studierde vorziehen, auch wenn sie schlechter sind? ...Nein, aber es sollte zumindest kein Nachteil sein, wenn man aus der reicher Familie stammt.
Diesr Professor vertritt praktisch eine Auslaenderschielende und Armstudierdeargweohnende Auffassung unter liberalen Schein.
Interessante Aussage. Erst wird die Aussage verfälscht, dann wird eine "armstudierargwöhnende" Auffassung unterstellt. Vielleicht könnte man ihn auch noch in eine rechtsradikale oder sonstige abwegige Ecke stellen?
Was für ein unmöglicher Kommentar.
Interessante Aussage. Erst wird die Aussage verfälscht, dann wird eine "armstudierargwöhnende" Auffassung unterstellt. Vielleicht könnte man ihn auch noch in eine rechtsradikale oder sonstige abwegige Ecke stellen?
Was für ein unmöglicher Kommentar.
Interessante Aussage. Erst wird die Aussage verfälscht, dann wird eine "armstudierargwöhnende" Auffassung unterstellt. Vielleicht könnte man ihn auch noch in eine rechtsradikale oder sonstige abwegige Ecke stellen?
Was für ein unmöglicher Kommentar.
@3"...wie sie möglichst billig möglichst viele Punkte sammeln können. ...dass unsere Universitäten heute Massen-Universitäten sind. Wenn mehr Leute studieren, studieren auch mehr solche, die für ein Hochschulstudium im Grunde genommen nicht prädestiniert sind."
Trifft sowas noch nicht die armen Studierde? Glauben Sie dass reiche Studenten "billig" Punkte sammeln muessen? Oder gehoert die reiche Studierde zu "Massen"?
Und was habe ich ihrer Meinung nach genau verfaelscht?
Wenn man den mitschwingenden Ton dessen,
"Aber es sollte zumindest kein Nachteil sein, wenn man aus der Gegend stammt. Eine Zeit lang gab es die Tendenz, Leute vorzuziehen, die den Duft der weiten Welt mitbringen."
nicht erkennt,und nicht sich gestoert fuehlt, verzweifele ich ob er genuegend Scharfsinn besetzt oder vorsaetzlich die Brisanz wegschaut, oder einfach nicht ausreichend demokratisch ausgebildet ist.
was von "doof, aber reiche Eltern" gehört?
"Trifft sowas noch nicht die armen Studierde? Glauben Sie dass reiche Studenten "billig" Punkte sammeln muessen? Oder gehoert die reiche Studierde zu "Massen"?"
was von "doof, aber reiche Eltern" gehört?
"Trifft sowas noch nicht die armen Studierde? Glauben Sie dass reiche Studenten "billig" Punkte sammeln muessen? Oder gehoert die reiche Studierde zu "Massen"?"
die Reformen zu beeinflussen. Ich war 2004 bei den Streiks dabei. Unsere Studentengeneration hatte die MÖglichkeit, die Reform sinnvoll zu gestalten und hat die Chance vergeudet. Die heutigen Studenten dürfen sich nicht nur bei den Kultusministern, den Regierungen, den Professoren, sondern bei ihren studentsichen Vorgängern bedanken. Wenn sie Zeit haben;-((((
Prof. Fröhlich bringt zum Ausdruck, dass die Massenuniversität ebenso wie der Druck, sich permanent vergleichen zu müssen den Universitäten genau wie den Studierenden das Leben schwer macht. Mit Bologna hat dies höchstens so weit zu tun, als dass der Versuch unternommen wird, es möglichst vielen Jugendlichen zu ermöglichen, ein Studium zu absolvieren. Wenn man dies akzeptiert, so kann man kein Studium wie vor 40 Jahren realisieren. Bologna ist der Versuch, die Probleme erträglich zu gestalten und den besten letztlich doch, spätestens im Master ein adäquates und hochwertiges Studium zu ermöglichen. Wenn dies bislang nur halbherzig umgesetzt wurde, so liegt dies nicht zuletzt an den Hochschullehrern, den Studierenden und der Bürokratie an den Hochschulen, welche dachten, einfach so wie früher weiter machen zu können.
Anstatt die schon vor Bologna vorhandenen Probleme ehrlich zu analysieren und Lösungen zu suchen, hat man sich in eine grosse Strukturreform geflüchtet, mit dem Hauptziel der Vereinheitlichung, nicht Verbesserung der Ausbildung. Eine typische Reaktion von Politikern, Bürokraten und Managern. Auftretende Probleme kann man jetzt als Startschwierigkeiten verkaufen.
Gegen "Bachelor und Master" ist nichts zu sagen - ein abgeschlossenes Kurzstudium ist besser als ein abgebrochenes Langzeitstudium, und ob "Master" oder "Magister" oder "Diplom" ist egal.
Aber die verbreitete Vorstellung, eine wissenschaftliche Ausbildung sei der Konsum einer Ware "Wissen" (legen Sie die Credits in den Warenkorb und bezahlen Sie an der Kasse), so dass man Methoden der Unternehmensorganisation einfach übernehmen könnte, und "der Markt es richten" werde, ist nur die moderne Version des "Nürnberger Trichters".
Das ist der tiefere Grund, warum Einstein hier als Gegenbeispiel zum modernen "Studierenden" auftaucht.
Übrigens kann man sich auch nicht so einfach durch Sammeln von Credit-Punkten zum Bundesligaprofi oder zur international bekannten Kammersängerin ausbilden lassen. Es braucht schon ein wenig Begabung, Engagement, Interesse und nicht zuletzt Zähigkeit. Und zu solcher Mischung gehören dann eben auch Eigensinn und Originalität, mit einem Wort, das Gegenteil von Bereitschaft zur Anpassung an einen genormten Betrieb.
Mir scheint, mit Prof. Fröhlich hat sich eine Stimme der Vernunft gemeldet.
Anstatt die schon vor Bologna vorhandenen Probleme ehrlich zu analysieren und Lösungen zu suchen, hat man sich in eine grosse Strukturreform geflüchtet, mit dem Hauptziel der Vereinheitlichung, nicht Verbesserung der Ausbildung. Eine typische Reaktion von Politikern, Bürokraten und Managern. Auftretende Probleme kann man jetzt als Startschwierigkeiten verkaufen.
Gegen "Bachelor und Master" ist nichts zu sagen - ein abgeschlossenes Kurzstudium ist besser als ein abgebrochenes Langzeitstudium, und ob "Master" oder "Magister" oder "Diplom" ist egal.
Aber die verbreitete Vorstellung, eine wissenschaftliche Ausbildung sei der Konsum einer Ware "Wissen" (legen Sie die Credits in den Warenkorb und bezahlen Sie an der Kasse), so dass man Methoden der Unternehmensorganisation einfach übernehmen könnte, und "der Markt es richten" werde, ist nur die moderne Version des "Nürnberger Trichters".
Das ist der tiefere Grund, warum Einstein hier als Gegenbeispiel zum modernen "Studierenden" auftaucht.
Übrigens kann man sich auch nicht so einfach durch Sammeln von Credit-Punkten zum Bundesligaprofi oder zur international bekannten Kammersängerin ausbilden lassen. Es braucht schon ein wenig Begabung, Engagement, Interesse und nicht zuletzt Zähigkeit. Und zu solcher Mischung gehören dann eben auch Eigensinn und Originalität, mit einem Wort, das Gegenteil von Bereitschaft zur Anpassung an einen genormten Betrieb.
Mir scheint, mit Prof. Fröhlich hat sich eine Stimme der Vernunft gemeldet.
was von "doof, aber reiche Eltern" gehört?
"Trifft sowas noch nicht die armen Studierde? Glauben Sie dass reiche Studenten "billig" Punkte sammeln muessen? Oder gehoert die reiche Studierde zu "Massen"?"
Anstatt die schon vor Bologna vorhandenen Probleme ehrlich zu analysieren und Lösungen zu suchen, hat man sich in eine grosse Strukturreform geflüchtet, mit dem Hauptziel der Vereinheitlichung, nicht Verbesserung der Ausbildung. Eine typische Reaktion von Politikern, Bürokraten und Managern. Auftretende Probleme kann man jetzt als Startschwierigkeiten verkaufen.
Gegen "Bachelor und Master" ist nichts zu sagen - ein abgeschlossenes Kurzstudium ist besser als ein abgebrochenes Langzeitstudium, und ob "Master" oder "Magister" oder "Diplom" ist egal.
Aber die verbreitete Vorstellung, eine wissenschaftliche Ausbildung sei der Konsum einer Ware "Wissen" (legen Sie die Credits in den Warenkorb und bezahlen Sie an der Kasse), so dass man Methoden der Unternehmensorganisation einfach übernehmen könnte, und "der Markt es richten" werde, ist nur die moderne Version des "Nürnberger Trichters".
Das ist der tiefere Grund, warum Einstein hier als Gegenbeispiel zum modernen "Studierenden" auftaucht.
Übrigens kann man sich auch nicht so einfach durch Sammeln von Credit-Punkten zum Bundesligaprofi oder zur international bekannten Kammersängerin ausbilden lassen. Es braucht schon ein wenig Begabung, Engagement, Interesse und nicht zuletzt Zähigkeit. Und zu solcher Mischung gehören dann eben auch Eigensinn und Originalität, mit einem Wort, das Gegenteil von Bereitschaft zur Anpassung an einen genormten Betrieb.
Mir scheint, mit Prof. Fröhlich hat sich eine Stimme der Vernunft gemeldet.
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