Liebeskolumne Muss er ihr zuliebe ordentlicher werden?
Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Muss sie sich mit seinem Ordnungsverhalten abfinden?

Muss er sich ihren Sauberkeitsvorstellungen fügen? Oder sie seine Schlamperei tolerieren?
Die Frage: Marie und Stefan wohnen seit drei Jahren zusammen – und haben immer wieder Streit über ihre sehr unterschiedlichen Vorstellungen von Ordnung und Hygiene. Stefan lässt alles um sich herum stehen und liegen. Manchmal legt er sogar seine gebrauchten Socken auf Maries Schreibtisch und entsorgt benutzte Wattestäbchen in der Toilette. Marie ist zunehmend genervt. Sie vermutet, dass Stefan einfach noch nicht erwachsen geworden ist. Immerhin ist er erst mit 32 Jahren von zu Hause ausgezogen und musste nie irgendwelche Verpflichtungen im Haushalt wahrnehmen. Stefan stört sich an den ständigen Vorwürfen seiner Freundin. Es beharrt darauf, dass er sie ja nicht zwinge, ihm ständig alles hinterherzuräumen. Sie solle sich einfach mit seinem Ordnungsverhalten abfinden. Aber das will Marie nicht.
Lesen Sie hier alle bisherigen Ratschläge von unserem Paartherapeuten Wolfgang Schmidbauer
Wolfgang Schmidbauer antwortet: Ich fürchte, sie muss es doch. Es gibt kaum vergeblichere Mühen, als das Ordnungsverhalten des Partners ändern zu wollen. Manche Menschen betrachten das Leben als Setzkasten, in dem alles seinen Platz hat. Andere sind fürs Zwischenlagern. Alles wird erst einmal abgelegt, später kann man ja immer noch aufräumen. So wie Jäger und Sammler, die nicht den Müll entsorgen, sondern den Lagerplatz wechseln.
Setzkasten- und Zwischenlager-Menschen begegnen einander mit Unverständnis. Gefährlich sind Sätze wie: "Du weißt doch, wie mich deine Unordnung kränkt!" Stefan wird seine Zwischenlager nicht Maries Einrede opfern. Marie muss manches aufräumen, wofür sie nicht zuständig ist, und sich von Stefan auf andere Art dafür entschädigen lassen.
- Datum 12.12.2009 - 14:28 Uhr
- Serie Liebeskolumne
- Quelle ZEITmagazin, 10.12.2009 Nr. 51
- Kommentare 10
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Was für ein Schubladendenken! Stefan könnte sich auch Zwischenlager suchen, die weniger stören.
Natürlich ist es wie immer unmöglich jemanden ändern zu wollen - aber es ist doch wohl selbstverständlich das beide, Stefan und Marie Lust haben sich zu verändern, um den Gewohnheiten des jeweils anderen besser zu entsprechen. Und selbst wenn sie es nicht immer schaffen, der Wille zählt, und ist der sichtbar ist das eine der schönste Beweise der Zusammengehörigkeit.
Ihr faellt Aufraeumen viel leichter als ihm. Ist eine faire Arbeitsteilung nicht dann am besten geloest, wenn beide "gleich viel" tun, aber auch das, was ihnen jeweils am leichtesten von der Hand geht?
Vielleicht findet sich ja etwas, das er gerne erledigt, sie aber nicht, dann uebernimmt er da eben zum Ausgleich auch ihren Part. So profitieren beide von der Arbeitsteilung.
Ihr faellt Aufraeumen viel leichter als ihm. Ist eine faire Arbeitsteilung nicht dann am besten geloest, wenn beide "gleich viel" tun, aber auch das, was ihnen jeweils am leichtesten von der Hand geht?
Vielleicht findet sich ja etwas, das er gerne erledigt, sie aber nicht, dann uebernimmt er da eben zum Ausgleich auch ihren Part. So profitieren beide von der Arbeitsteilung.
Ihr faellt Aufraeumen viel leichter als ihm. Ist eine faire Arbeitsteilung nicht dann am besten geloest, wenn beide "gleich viel" tun, aber auch das, was ihnen jeweils am leichtesten von der Hand geht?
Vielleicht findet sich ja etwas, das er gerne erledigt, sie aber nicht, dann uebernimmt er da eben zum Ausgleich auch ihren Part. So profitieren beide von der Arbeitsteilung.
Natürlich muss niemand ihr zuliebe ordentlicher werden. Er muss ihr nur deutlich machen, dass es ihre Aufgabe ist, Ordnung zu schaffen.
Tradierte Grüße aus der Hauptstadt
Wenn jemand meiner Mitbewohner - egal ob Freund, Ehemann oder sonstwer - seine schmutzigen Socken auf MEINEN(!!!) Schreibtisch legt oder etwas in die Toilette schmeißt was dort nicht reingehört, dann würde in der gemeinsamen Wohnung ein kaltblütiger Krieg ausbrechen.
Klar darf man dem anderen nicht vorschreiben wie er über Ordnung/Hygiene zu denken hat, aber der persönliche Bereich der anderen Person sollte davon unberührt bleiben. Und für einige Sachen (wie die Toilette) trägt man gemeinsame "Verantwortung".
Wenn einer meiner Mitbewohner seinen Müll über Tage in gemeinsamen Räumen liegen lassen würde, dann würde ich den einfach mal unter seinen Schreibtisch bewegen - so siehts aus.
"Setzkasten- und Zwischenlager-Menschen begegnen einander mit Unverständnis. "
solange jeder sein eckchen hat und die räume des anderen respektiert, sollte das kein problem sein.
ich bin selbst nicht besonders ordentlich, beschänke den schweinestall jedoch auf den bereich, den nur ich benutze.
im gemeinsam genutzen wohnbereich herumzumüllen zeigt einfach mängel in der sozialisierung.
wenn das kerlchen bis über 30 noch auf muttis schoß gesessen hat, ist es fraglich, ob diese defizite noch aufzuarbeiten sind. ;-)
Mal wieder die uralten, dümmlichen Klischees über Männer und Frauen! Sie: Marke schwäbische Hausfrau mit Aufräum- und Putzmanie, Er bis 32 im Hotel Mama und "musste nie irgendwelche Verpflichtungen im Haushalt wahrnehmen".
Ich kenne serienweise Paare, in denen es genau umgekehrt ist und wo SIE völlig überfordert ist, ihre mehrere Dutzend Handtaschen und Schuhe sachgerecht unterzubringen, aber selbstverständlich erwartet, dass ER ihr hinterherläuft und gentlemenlike den Dreck wegräumt...
...macht der Mann soviel Unordnung, damit er die Lady in solch scharfer Putz-Pose sehen kann wie auf dem Foto?
Kann nur jedem Paar getrennte Badezimmer, und falls möglich, getrennte Schlafzimmer empfehlen.
Ich weiß, ist selten möglich, bei mir zZ auch nicht, wäre aber eine enorme Verbesserung der Lebensqualität in einer Paarbeziehung.
Der weibliche Hegemonieanspruch in der gemeinsamen Wohnung/Haus ist nämlich schrecklich ermüdend und fast schon Dauerpsychoterror, denn gebrauchte Socken auf dem Schreibtisch sind wohl äusserst selten; das ewige Nörgeln über ein Buch auf der Toilette oder die berühmt-berüchtigte Debatte übers Stehpinkeln sind da wohl alltäglicher.
Zum Glück sind die meisten Männer genügsame Wesen, sonst wäre es wohl noch weitaus schlimmer....:)
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