Martenstein Die Kokainsteuer

Harald Martenstein schlägt vor, Zigaretten und Alkohol endlich zu verbieten - und im Gegenzug Kokain zu legalisieren.

Ich plädiere dafür, Zigaretten und Alkohol endlich zu verbieten. Ja, es soll verboten sein. Die Polizei soll Razzien veranstalten. Auf Zigarrenrauchen, Chardonnaytrinken und Weißbierzischen sollen ruhig Gefängnisstrafen von mindestens sechs Monaten stehen. Ich sage dies deshalb, weil ich gerne Wein trinke und auch rauche, zum Beispiel gerade jetzt beim Schreiben. Gleichzeitig soll das Kokain legalisiert werden. Mit Kokain habe ich, womöglich als einziger Kolumnist Deutschlands, nichts am Hut.

Alle Kolumnen von Harald Martenstein aus dem ZEITmagazin zum Nachlesen

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Seit Jahren werden Zigaretten, vor allem wegen der steigenden Steuer, unablässig teurer, auch der Zugang zu dieser Droge wird immer schwieriger, man braucht jetzt an den Automaten Codekarten. Ich habe eine Internetseite gefunden, auf der die Entwicklung der Drogenpreise in den letzten Jahrzehnten von Experten analysiert wird. Es ist eine Tatsache, dass seit den achtziger Jahren alle illegalen Drogen billiger geworden oder zumindest im Preis stabil geblieben sind. In der Zeit, in der zum Beispiel auf der Münchner Wiesn der Preis für die Maß Bier sich verdoppelte, fiel in der Berliner Hasenheide der Preis für ein Gramm Haschisch um 10 bis 20 Prozent, angeblich bei steigender Qualität des Produkts. Der Grund dafür ist, dass der Staat bei legalen Drogen mit großer Begeisterung an der Steuerschraube dreht, so wie die Lohnnebenkosten steigen und überhaupt alles ständig steigt.

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Einer der merkwürdigsten Vorfälle in der Geschichte der Arbeitskämpfe hat sich im Jahre 1999 im Hamburger Stadtteil St. Georg ereignet. Damals streikten dort die Dealer, meist illegale Einwanderer aus Afrika, um gegen die sinkenden Kokainpreise zu protestieren. Eine Dosis kostete nur noch zehn Mark. Am Verkauf aber waren immer drei Händler beteiligt, einer nahm Kontakt zum Kunden auf, der zweite nahm das Geld an, der dritte händigte die Ware aus, es war also sehr serviceintensiv. Manchmal mussten die Dealer lange auf Kundschaft warten. Sie bekamen möglicherweise noch niedrigere Stundenlöhne als eine Friseurin in Thüringen, das heißt, als Dealer konnte man praktisch kein menschenwürdiges Leben mehr führen, man hatte aber mangels Arbeitsgenehmigung auch keine Alternative auf dem Arbeitsmarkt.

Als kürzlich die Wirtschaftskrise ausbrach, fielen in London die Kokainpreise sogar noch tiefer. In der Zeitung Telegraph stand, dass in den Pubs der Londoner City eine sogenannte line Kokain bereits für zwei Pfund zu haben sei, während in denselben Pubs ein großes Bier 2,75 Pfund koste.

Das heißt, wenn der Staat die Zigaretten und den Alkohol verbietet, werden an allen Straßenecken für 60 oder 80 Cent Zigarettenpäckchen verkauft, ein passabler Chardonnay kostet dann voraussichtlich noch einen Euro fünfzig. In den ehemaligen Zigarettenlädchen verkaufen sie dann Kokain und Haschisch, die wegen der Kokain- und Haschischsteuer natürlich so teuer geworden sind, dass es sich kaum jemand leisten kann. Das Rauschgiftproblem ist gelöst. Geraucht wird nur noch im Verborgenen – nun, das ist auch heute schon so. Nutzen und Schaden für die Volksgesundheit halten sich ungefähr die Waage.

Leser-Kommentare
  1. klasse artikel!
    s' ist wahrheit dran und doch zum schmunzeln.

    doch eins am ende:
    "Als Nächstes plädiere ich dafür, die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs unter Strafe zu stellen."
    die benutzung öffentlicher verkehrsmittel IST eine strafe ...

  2. auch wenn ich der Legalisierung von Kokain an sich nichts abgewinnen kann (auch wenn dann der Konsum ihrer AUfassung nach abnimmt)

  3. Ausgezeichnet !

    • Alobam
    • 11.12.2009 um 12:35 Uhr

    Also die sinkenden Preise bei steigender Qualität kann ich für Cannabis nur bestätigen!

  4. Mit Witz und Wharm und doch auf eine gewisse Art und Weise zutreffend.

  5. ...wenn die Junkies dieser gesetzlichen Regelung durch eine Selbstverpflichtungserklärung zuvor gekommen wären - bei den Banken jedenfalls funktioniert das immer prächtig !

    • Slink
    • 12.12.2009 um 21:23 Uhr

    Sie wollen alla Valentin'scher Groteske auf einen Mißstand aufmerksam machen, oder nur einen Kalauer ablassen, oder Ihre Suchten rechtfertigen, oder Sympathien anderer Süchtlinge bekommen, oder was ist hier Ihre Aussage?
    Muss man genügend Wein und Nikotin intus haben, um das zu verstehen? Humor ist doch, wenn man leicht lachen kann.
    Ihre Erläuterungen, warum sich legale Drogen verteuern und illegale verbilligen sind absurd, nicht grotesk und vernachlässigen komplett die relevanten Aspekte von betreffender Marktsituationen / unterschiedlicher Nachfrage (..und Angebot.. und und...),
    Warum ist wohl das Koks in London billiger geworden, nachdem tausende Käufer = Broker / Financial Analysts gefeuert wurden und arbeitslos sind?
    Wissenschaftlich empirisch bewiesen ist zuvorderst: Übermäßiger Alkohlkonsum /Nikotinkonsum beeinträchtigt Wahrnehmung und Denkvermögen. Wer gerne beim Schreiben trinkt und raucht, und viel schreibt, lebt vielleicht gefährlich, auch wenn's noch so gut zum Intellektuellen-Image passen soll.
    Ich schenke mir jetzt ein Glas Wein ein, warte ein Weilchen, ob ich den Witz doch noch verstehe, und wenn nicht, dann poste ich meinen Senf aus Protest dafür, dass ich nicht lachen konnte und zieh mir dann einen Sketch von Karl Valentin rein...
    ????
    Done!

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    Also, wenn sie es nicht lustig finden, dann ist das völlig okay, aber das ist doch kein Grund anderen den Spaß zu verderben!
    Ich finde, Herr Martenstein schafft es gleichzeitig auf einen Missstand aufmerksam zu machen und zum Schmunzeln zu bringen. Danke!

    Also, wenn sie es nicht lustig finden, dann ist das völlig okay, aber das ist doch kein Grund anderen den Spaß zu verderben!
    Ich finde, Herr Martenstein schafft es gleichzeitig auf einen Missstand aufmerksam zu machen und zum Schmunzeln zu bringen. Danke!

  6. aber das thema ist doch viel zu brisant..wer hat denn da den Deckel drauf? Wir wissen doch mittlerweile alle,daß die Verbreitung von Drogen erst durch strenge Verbote diese Ausmaße annahm, der Druck worauhin Drogen weltweit kriminalisiert wurden kam übr.aus den USA, dort saßen und sitzen die großen chemie-Unternehmen,die lieber ihre synthetischen Präparate vermarkten lassen. Warum wird wohl bis heute der Hanfanbau bekämpft,obwohl ein Hektar Hanf mehr Papier erzeugt als ein Hektar Wald und das nahchaltig u.jährlich!
    u. es gab bis heute keinen Haschtoten (nebenbei bemerkt)
    Wem nützt ein Verbot wirklich?wird dadurch auch nur ein Mensch gerettet? Das Gegenteil ist der Fall, durch kriminsalisierung verelenden die Menschen sehr viel schneller und die Verbreitung von aids oder Drogen Prostitution nehmen zu, ebenso die Beschaffungskriminalität!Soviel zu den angeblich so billigen Drogen!
    Wenn wir das Thema demokratisch angingen,dann hätten unsere ca.8-10 Millionen Bundesbürger,die andere Drogen als Nikotin und Alkohok konsumieren endlich die selben Rechte wie jeder andere Mensch! Je länger wir das zu tode diskutieren umso schlimmer wirds am ende, umso mehr abhängige Konsumenten müssen illegal Geld beschaffen u.die Spirale geht weiter! Daher wird die Mafia auch stets gegen eine Legalisierung sein,damit die Preise stabil bleiben, die Politiker werden an entscheidender Stelle von den passenden Lobbyisten geschmiert..oder blicken Sie wer in Brüssel was macht?

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    • Kometa
    • 14.12.2009 um 10:06 Uhr

    Natürlich gibt es Unterschiede zwischen H a s c h k o n s u m e n t e n, die friedlich und gemein- und freund-schaft-jointlich eine oder mehrere Tüten verqualmen - und alkohol-besoffenen Terrortrupps (z. B. im Einsatz gegen Schwule) und Drogentoten, die zwar auch irgendwann mit Hasch angefangen haben, dann in die Bredouille der Abhängigkeiten (meist von mehreren Stoffen) kamen und sich wg. Lust- oder Laststeigerungen hochgedröhnt haben - und als Drogentote verendet sind.
    -

    Also: von nichtexistenten "Haschtoten" zu reden, ist ein bewusster oder vorsätzlicher Quatsch! - Jeder will den (d.h. seinen!) Rauschstoff - billig, ohne Gefahr, ohne Einschränkungen, ohne Kontrolle - und lügt dafür (… oder lässt die Zusammenhänge weg, dass es „heiler“ klingt und nicht gern oder offen von „higher“-Risiko singt!

    • Kometa
    • 14.12.2009 um 10:06 Uhr

    Natürlich gibt es Unterschiede zwischen H a s c h k o n s u m e n t e n, die friedlich und gemein- und freund-schaft-jointlich eine oder mehrere Tüten verqualmen - und alkohol-besoffenen Terrortrupps (z. B. im Einsatz gegen Schwule) und Drogentoten, die zwar auch irgendwann mit Hasch angefangen haben, dann in die Bredouille der Abhängigkeiten (meist von mehreren Stoffen) kamen und sich wg. Lust- oder Laststeigerungen hochgedröhnt haben - und als Drogentote verendet sind.
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    Also: von nichtexistenten "Haschtoten" zu reden, ist ein bewusster oder vorsätzlicher Quatsch! - Jeder will den (d.h. seinen!) Rauschstoff - billig, ohne Gefahr, ohne Einschränkungen, ohne Kontrolle - und lügt dafür (… oder lässt die Zusammenhänge weg, dass es „heiler“ klingt und nicht gern oder offen von „higher“-Risiko singt!

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