Die Europäische Kommission will die Emissionslast von Lebensmitteln berechnen
Die erste Initiative, das Genter Beispiel nach Deutschland zu holen, ist gerade dabei, zu scheitern. In Magdeburg wurde ein Antrag der kommunalen Fraktion aus SPD und Tierschutzpartei sowie den Grünen, einen vegetarischen Tag einzurichten, zunächst öffentlich von der Fleischerinnung kritisiert. Auch der Vorschlag der anderen Ratsfraktionen, stattdessen einen Tag der bewussten Ernährung zu etablieren, stößt auf wenig Begeisterung. Zwar steht der Beschluss noch aus, in zwei Ausschüssen des Rats wurde der Antrag jedoch schon abgelehnt. In Ernährungsfragen, heißt es dann auch im zuständigen Ministerium vorsichtig, könne »der Staat nur Empfehlungen aussprechen«, die Gestaltung des eigenen Speiseplans »sollte in der Verantwortung jedes Einzelnen bleiben«.
In anderen Ländern denkt man da schon einen Schritt weiter. In Schweden beispielsweise tragen seit diesem Herbst erste Lebensmittel spezielle Etiketten, die den jeweiligen CO₂-Fußabdruck ausweisen. So können Konsumenten etwa sehen, dass ein Rinder-Burger mit Speck fast sechsmal so viel Kohlendioxidemissionen verursacht wie einer mit Geflügelfleisch. Auch die Europäische Kommission arbeitet an einer Methode zur Berechnung der Emissionslast von Lebensmitteln; sie soll im kommenden Jahr vorgestellt werden.
Und in den Niederlanden investiert das Landwirtschaftsministerium derzeit sechs Millionen Euro in die Erforschung von »nachhaltiger Proteinproduktion«. Denn es reiche nicht, einfach nur an das schlechte Gewissen der Fleischesser zu appellieren, hat die Landwirtschaftsministerin Gerda Verburg erkannt: »Wenn der Konsument sich für nachhaltige Nahrung entscheiden will, dann muss auch ein entsprechendes Angebot vorhanden sein.«
Deshalb werden in den Niederlanden eiweißreiche Alternativlebensmittel aus Pflanzen, Algen oder gar Insekten erforscht; Sozialwissenschaftler loten aus, wie viel Bevormundung dem Bürger an der Fleischtheke zugemutet werden kann; und an der Universität von Maastricht wird sogar an künstlichem Fleisch gearbeitet.
Das schlagendste Argument für den Verzicht auf Fleisch könnte allerdings aus der Medizin kommen. In der Zeitschrift The Lancet rechneten britische und australische Forscher kürzlich vor, wie sehr der gelegentliche Verzicht der Gesundheit zugutekommen würde. 30 Prozent weniger Fleisch könnte demnach die Zahl der in Großbritannien an Herz-Kreislauf-Erkrankungen Verstorbenen jährlich um 18.000 senken. In Gent wird man diese Studie mit Freude lesen.
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- Datum 10.12.2009 - 11:08 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 10.12.2009 Nr. 51
- Kommentare 12
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Also mal ganz ehrlich, der Klimawandel ist nach dem Beginn des globalen Terrors die zweite Möglichkeit/Masche die Bevölkerung einzuschrenken und sie lässt es mit sich machen, wie man merkt sogar ganz eifrig.
"Den erschrockenen Genter Bürgern rechnete der Inder vor, dass schon ein einmaliger Fleischverzicht pro Woche zur Einsparung von 170 Kilogramm CO₂ im Jahr führe. Wenn also alle 240.000 Einwohner der Stadt Gent sich einmal in der Woche vegetarisch ernährten, könnte man damit die Emissionen von 18.000 Autos wettmachen."
Genau meine lieben Mathematiker toll super. Wann kommen dann die ersten darauf, dass weniger Menschen auch weniger Fleisch essen, weniger Tiere brauchen, weniger Zucht.. und weniger Menschen auch weniger Autofahren, etc. ? Das kommt schon noch keine sorge.
Ich könnte kot... über solche Beiträge. Im übrigen, bei der ach so tollen Berechnung, es gibt bis heute keine Berechnung, wenn denn der Mensch den Klimawandel überhaupt beeinflusst, wie viel der Mensch ausmacht rein rechnerisch, denn der Klimawandel findet auch so statt. Wenn nicht ganz ohne uns.
Stück für stück lassen wir uns weiter einschränken.
Im Dritten Reich nannte man das "Eintopfsonntag".
http://de.wikipedia.org/w...
"...der schmächtige junge Mann mit dem blassen Gesicht..."
vielleicht doch besser nicht vegan ;)
für diesen Beitrag! Es ist traurig, wenn auch angesichts der Reaktionen (man siehe z.B. die ersten drei Kommentare hier) verständlich, dass der (übrigens umfassend belegte) Zusammenhang zwischen Klimawandel und Fleischkonsum nach wie vor kaum thematisiert wird. Dabei könnten an dieser Stelle so leicht wie kaum sonst (d.h. ohne dass dabei große Investitionen erforderlich wären) große Effekt erzielt werden.
Niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit wurde dermaßen viel Fleisch konsumiert, das in 90% der Fälle unter den absolut unwürdigen Bedingungen der Massentierhaltung produziert wird und der Gesundheit mit Sicherheit nicht zuträglich ist. Die negativen Folgen der industriellen Fleischproduktion - Klimawandel, Umweltverschmutzung, Zerstörung von Wäldern und Landschaften, gesundheitliche Schäden, Antibiotikaresistenzen, etc. - die ja letztlich immense Kosten verursachen, werden dabei auf alle abgewälzt, nur damit das Fleisch im Supermarkt möglichst billig ist und die Industrie einen möglichst großen Profit erzielt. Allen persönlichen Geschmacksvorlieben zum Trotz: Es geht, auch bei Ernährungsfragen, eben nicht nur um individuelle Entscheidungen, sondern auch um die gesellschaftlichen Folgen (lokal wie global) dieser Entscheidungen. Darum bin ich dankbar, dass "Die Zeit" diese unangenehme Wahrheit endlich einmal ausspricht (wenn auch nur relativ am Rande). Ich wünsche mir für die Zukunft, dass dieses so wichtige Thema häufiger ehrlich diskutiert wird.
auch interessant, nur ist die Idee "fleischfreier Tag" eine sehr oberflächliche Scheinlösung. In Deutschland beträgt der Anteil der Emission klimawirksamer Gase der GESAMTEN Landwirtschaft laut UBA gerade mal 8%, also würden wir, falls wir die Produktion aller Nahrungsmittel einstellen, immer noch mit 92% unserer Emissionen dasitzen. Die so oft gescholtenen Methan-Emissionen wurden dabei im Zeitraum von 1990 bis 2004 immerhin schon halbiert, was bisher bei keinem anderen klimawirksamen Gas gelang.
Wenn man bedenkt, dass eine rein pflanzliche Ernährung denkbar unpopulär ist (gerade mal eine/r von 1000 Menschen ernährt sich vegan, lt. "Nationaler Verzehrstudie II, Milch und Käse ist hingegen klimawirksamer als Schweine- oder Hühnerfleisch ), dürfte selbst bei sehr intensivem und teurem Propagandaeinsatz kaum möglich sein, die Ernährungsgewohnheiten so gravierend zu verändern, dass wir vielleicht maximal eine Emissionsreduktion von 2-3% auf dem Ernährungssektor erreichen können.
Das ist natürlich besser als gar nichts, aber wer meint, er/sie könnte hierzulande mit Messer und Gabel die Welt retten, ist auf dem Holzweg.
In einer Industrienation muss da Schwergewicht der Reduktionsanstrengung notwendigerweise auf anderen Bereichen liegen.
auch interessant, nur ist die Idee "fleischfreier Tag" eine sehr oberflächliche Scheinlösung. In Deutschland beträgt der Anteil der Emission klimawirksamer Gase der GESAMTEN Landwirtschaft laut UBA gerade mal 8%, also würden wir, falls wir die Produktion aller Nahrungsmittel einstellen, immer noch mit 92% unserer Emissionen dasitzen. Die so oft gescholtenen Methan-Emissionen wurden dabei im Zeitraum von 1990 bis 2004 immerhin schon halbiert, was bisher bei keinem anderen klimawirksamen Gas gelang.
Wenn man bedenkt, dass eine rein pflanzliche Ernährung denkbar unpopulär ist (gerade mal eine/r von 1000 Menschen ernährt sich vegan, lt. "Nationaler Verzehrstudie II, Milch und Käse ist hingegen klimawirksamer als Schweine- oder Hühnerfleisch ), dürfte selbst bei sehr intensivem und teurem Propagandaeinsatz kaum möglich sein, die Ernährungsgewohnheiten so gravierend zu verändern, dass wir vielleicht maximal eine Emissionsreduktion von 2-3% auf dem Ernährungssektor erreichen können.
Das ist natürlich besser als gar nichts, aber wer meint, er/sie könnte hierzulande mit Messer und Gabel die Welt retten, ist auf dem Holzweg.
In einer Industrienation muss da Schwergewicht der Reduktionsanstrengung notwendigerweise auf anderen Bereichen liegen.
Die Produktion von Käse erzeugt übrigens mehr CO2 als Rindfleisch. ( 8,3 CO2 Käseproduktion zu 6,4 CO2 Rindfleischproduktion )
auch interessant, nur ist die Idee "fleischfreier Tag" eine sehr oberflächliche Scheinlösung. In Deutschland beträgt der Anteil der Emission klimawirksamer Gase der GESAMTEN Landwirtschaft laut UBA gerade mal 8%, also würden wir, falls wir die Produktion aller Nahrungsmittel einstellen, immer noch mit 92% unserer Emissionen dasitzen. Die so oft gescholtenen Methan-Emissionen wurden dabei im Zeitraum von 1990 bis 2004 immerhin schon halbiert, was bisher bei keinem anderen klimawirksamen Gas gelang.
Wenn man bedenkt, dass eine rein pflanzliche Ernährung denkbar unpopulär ist (gerade mal eine/r von 1000 Menschen ernährt sich vegan, lt. "Nationaler Verzehrstudie II, Milch und Käse ist hingegen klimawirksamer als Schweine- oder Hühnerfleisch ), dürfte selbst bei sehr intensivem und teurem Propagandaeinsatz kaum möglich sein, die Ernährungsgewohnheiten so gravierend zu verändern, dass wir vielleicht maximal eine Emissionsreduktion von 2-3% auf dem Ernährungssektor erreichen können.
Das ist natürlich besser als gar nichts, aber wer meint, er/sie könnte hierzulande mit Messer und Gabel die Welt retten, ist auf dem Holzweg.
In einer Industrienation muss da Schwergewicht der Reduktionsanstrengung notwendigerweise auf anderen Bereichen liegen.
Es könnte einem Beklemmungen auslösen, wenn man die wenigen, aber doch eindeutigen Kommentare zu diesem Artikel liest. Was bitte ist mit Deutschland los? Immer noch das Land der ewigen Meckerer? Der Pessimisten und Gegenredner? Warum schafft es die Mehrheit scheinbar nicht, selbst in Anbetracht eines so inspirierenden Artikels mal kurz die Scheuklappen und die ach so einfache "Ist doch eh alles Blödsinn"-Mentalität über Bord zu werfen, kurz innezuhalten und sich zu fragen: Was kostet es mich, 1 Tag in der Woche auf Fleisch zu verzichten? Bringt das ganze tatsächlich "Zero"?
Die Antworten sind einfach:
Es kostet für die meisten Menschen nur ein wenig Entbehren der Bequemlichkeit, weil sie statt der 3-6 Optionen Tier mal die verfügbaren und tatsächlich sehr zahlreichen Alternativen erfassen müssten.
Und es bringt nur eine Nuance, im Grunde fast nur ein Zeichen. Doch ein Zeichen ist mehr als Nichts und schon dafür alleine sollten wir uns aus unserer schicken kleinen "ich hab ja alles was ich brauche"-Welt heraus bequemen und unseren Beitrag leisten. Sei er auch noch so klein.
So geschehen gestern Nacht - es geht eben auch anders: http://www.fleischfreier-...
Was ich interessant finde, ist dass nirgendwo auf den schon seit geraumer Zeit und, zumindest früher, von vielen praktizierten fleischfreien Freitag Bezug genommen wird. Da erinnert man sich anscheinend eher noch an das dritte Reich als irgend etwas religiöses.
Ich bin weder Vegetarier noch gläubig, aber zumindest die Sache mit dem freiwillegen Verzicht einmal die Woche scheint mir zu der handvoll sinnvollen Dinge zu gehören, die die Kirche (angesichts des Verhaltens des Klerus, vor allem in früheren Zeiten, mit geringer Glaubwürdigkeit) eingeführt hat.
Mag keinen grossen Einfluss auf das Klima haben, aber wenn weniger Anbau von Soja zu Futtermitteln benötigt würde, hätte es positiven Einfluss an vielen Stellen, z.B. Regenwald und Welternährung um nur zwei zu nennen.
Aber das geht wieder mal völlig unter in dieser einseitigen Fixierung auf die CO2 Bilanz.
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