Jahresrückblick Die Erde ist eine ScheibeSeite 3/3
Wenn wir ein Foto von Tom Cruise zu sehen bekommen, wie er in Freizeitkleidung, sein Kind auf dem Arm, mit Einkaufstüten aus dem Wal-Mart kommt, dann gibt es dieses Foto, weil Tom Cruise möchte, dass wir ihn so sehen: einer wie ich und du, Tüten und Kinder schleppend. Vermutlich hatte der Fotograf einen Anruf bekommen. Und wenn Scharping »erwischt« wird, wie er mit seiner Geliebten poussiert, oder Barack Obama in Shorts am Strand, dann sind natürlich wir Betrachter es, die von diesen Bildern erwischt werden sollen: an unserer sentimentalen Stelle.
Wir aber, und an unserer statt die Fotografen, wollen ungern immer nur inszenierte Kost vorgesetzt kriegen. Und so stachelt der Kontrollwahn der Prominenten die Fotografen an, die Wichtigen, Berühmten, Mächtigen doch noch in einem ungeschützten Moment zu erwischen.
So ist es gekommen, dass jetzt auch im seriösen Sektor der Fotografie, in dem bis vor Kurzem ein Ehrenkodex das Privatleben der Politiker fast zuverlässig schützte, der Held des Krawallsektors aufgetaucht ist: eben der Paparazzo. Jedenfalls seine Methode, sein Stil.
Der Umzug der Regierung nach Berlin hat den Stilwandel beschleunigt. Der Bonner Ehrenkodex, das Privatleben der Politiker zu schonen, sofern es nicht strafrechtlich relevant wird, dieses humane rheinische Bilderverbot gilt nicht mehr. Wäre ihm nachts in Bonn ein betrunkener Bundeskanzler entgegengetorkelt, sagt ein erfahrener Agenturfotograf, hätte er sich gesagt, darüber wird nicht berichtet, und wäre weitergegangen, ohne die Kamera zu zücken. Mit so viel Anstand könnte ein Bundeskanzler oder eine Kanzlerin in Berlin nicht mehr rechnen. Sie oder er würde gnadenlos abgeschossen.
Auch hier gilt: Dazu gehören zwei. Wer, etwa als hübsche, junge Ministerin, die Tür zum Privaten weit aufreißt, um einer vorteilhaften Homestory willen, der muss sich nicht wundern, wenn auch an bösen Tagen Druck auf der Tür ist.
- Datum 11.12.2009 - 16:05 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 10.12.2009 Nr. 51
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Ich stelle mir vor, das wäre der BILD passiert: die Häme der "aristokratischen" "Zeit" wäre ihr gewiss! Wovon ich spreche? Nun, dann sollten Sie nochmals aufmerksam den Text zum Bild von Franz Josef Jung auf S. 17 des Zeit-Magazins Nr. 51 lesen. Der Verfasser der Bild-Beschriftung mag ein guter Lyriker sein, Ahnung hat er keine, denn KT zu Guttenberg war bereits Verteidigungsminister, Jung hingegen Arbeitsminister.
So viel zu dieser "dramatischen" Bildunterschrift.
Da sind diese beiden Bilder, das erste ist das Cover mit dem Blitzlicht, und das zweite, zwei Seiten danach, ist das mit Westerwelle im Auto. Und den Details nach zu urteilen, sind beide dasselbe Bild, nur in verschiedenen Stadien der Bearbeitung.
Es wäre schön, wenn man dazu etwas mehr erfahren hätte.
Das ist weit mehr als ein Lapsus! Ausgerechnet in einem Artikel, der sich mit der manipulativen Kraft von Bildern auseinandersetzt, so ein eklatanter Fehler. Wieder einmal werden Journalisten eines Qualitätsblattes Opfer ihrer selbst erzeugten Wirklichkeit: Vorurteile, Vorverurteilungen, Verschwörungstheorien. Ganz gleich aus welcher politischen Brille man das betrachtet: Die Medien täten insgesamt gut daran, die hoch prekäre und ambivalente “Kundus-Affäre” mit großer Zurückhaltung zu behandeln und den parlamentarischen Gremien den Vorrang bei der Aufklärung zu lassen. Und übrigens: Ist schon mal ein Chefredakteur wegen so eines Fehlers zurück getreten?
Der Fehler um Jung und Guttenberg wurde ja bereits kommentiert. Fehler Nummer zwei: Carla Bruni besuchte die Stadt L'Aquila, die nicht vor drei Jahren von einem schweren Erdbeben beschädigt wurde, sondern: am 6. April 2009. Davor gab es schon in den Jahren 1315, 1703, 1786, 1915 sowie 1958 schwere Erdbeben. Aber kein erwähnenswertes vor drei Jahren.
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