Tragödie von Kundus Hat sich Deutschland in Afghanistan schuldig gemacht?

Nein. Wer kämpft, der tötet

Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes haben sich  Sicherheitslage und Einsatzregeln schrittweise geändert - öffentlich, nicht im Geheimen

Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes haben sich Sicherheitslage und Einsatzregeln schrittweise geändert - öffentlich, nicht im Geheimen

Der preußische Kriegstheoretiker Carl von Clausewitz hat es in eindringlicher Schlichtheit formuliert: »Es ist alles im Krieg sehr einfach, aber das Einfachste ist schwierig.« Anstatt den »Vorfall von Kundus« – so heißt die blutige Bombennacht des 4. September im Beschönigungsjargon unserer Abgeordneten – parteipolitisch auszuschlachten, sollten sich alle diese Einsicht zu eigen machen. Wobei sie sich darüber klar sein müssen, dass das Geschehen beim Dorfe Yacob Baj nur eine Teilfrage aufwirft: die nach der Legitimität unseres militärischen Handelns am Hindukusch. Dahinter erheben sich die viel gravierenderen Fragen nach der Machbarkeit des ganzen Unternehmens Afghanistan. Zunächst drei persönlich gefärbte Bemerkungen:

Erstens, als Leiter des Planungsstabes unter dem Verteidigungsminister Helmut Schmidt weiß ich, wie mühsam es oft ist, dem Haus rasch und verlässlich Informationen zu entreißen. Dazu kommt die Trägheit eines riesigen, schwer zu durchschauenden bürokratischen Apparates; im vorliegenden Falle womöglich die einlullende Gewöhnung an einen Minister, dessen Wissbegierde begrenzt war.

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Wer den aufrechten Generalinspekteur Schneiderhan kennt, wird ihm schwerlich die Absicht zutrauen, den neuen Minister wissentlich und willentlich hinters Licht zu führen; wer Karl-Theodor zu Guttenberg kennt, wird ihm nicht unterstellen wollen, er habe – wie einst Manfred Wörner im Falle des Generals Kießling – in einer heftigen Gemütsaufwallung einen voreiligen Rausschmiss inszeniert. Lag ein Missverständnis unter Männern vor? Gab es Bewertungsunterschiede? Der parlamentarische Untersuchungsausschuss wird das klären müssen.

Zweitens, als Journalist, der vor einem Jahr nahe Kundus eine halbe Nacht lang eingepfercht in einem Gefechtsstand saß, während draußen fünf Spähtrupps einen Geländestreifen von fünfzehn Quadratkilometer Größe durchkämmten, Schusswechsel inklusive, kann ich mir den Druck vorstellen, unter dem der Oberst Klein seinen Entschluss fasste. Auf den Luftaufnahmen waren Trecker zu sehen, die ja die festgefahrenen Tanklaster wieder hätten aus dem Dreck ziehen können. Und er wusste, dass vier gesuchte Taliban-Führer und eine große Anzahl bewaffneter Aufständischer sich bei den gestrandeten Fahrzeugen aufhielten – Feinde. Also traf er seine Entscheidung, beide Ziele auszuschalten (»vernichten« in der Sprache der alten Heeresdienstvorschrift): die Tanklaster und die Taliban.

Ob diese Entscheidung militärisch angemessen war oder nicht – man wird dem Obersten Klein zubilligen dürfen, dass er nach bestem Wissen und Gewissen und zum Schutz seiner Soldaten gehandelt hat. Und milde wird ihn beurteilen, wer Clausewitzens Kapitel über die »Friktionen« im Kriege kennt. »Die Friktion ist es, die das Leichte so schwer macht«, sagt der klassische Kriegsdenker. Oberst Klein mag die Einsatzregeln verletzt haben, als er Feindberührung meldete, wo es keine gab; auch hätte er wohl seinen Vorgesetzten unterrichten sollen. Aber mit dem deutschen Zivilrecht ist solchem Fehlverhalten schwerlich beizukommen.

Drittens, schon als Zeitungsleser weiß ich: Seit die Bundeswehr Ende 2001 nach Afghanistan ging, hat sich stufenweise alles verändert – ihr Auftrag, ihre Sicherheitslage und ihre Einsatzregeln. Der ursprüngliche Auftrag war es, die afghanische Regierung und das UN-Personal in der Hauptstadt Kabul zu sichern. Zwei Jahre später kam Kundus hinzu, wo die Bundeswehr Stabilität und Aufbau fördern sollte; 2006 übernahm Deutschland das Regionalkommando Nord (seitdem haben wir eine gemeinsame Militärgrenze mit China). Man mag dies mission creep nennen: die schleichende Ausweitung des Auftrags. Aber sie vollzog sich in aller Öffentlichkeit; nichts wurde da vertuscht oder verborgen.

Allmählich änderte sich jedoch auch die Sicherheitslage. Ging die Gefahr für unsere Soldaten bis vor einem Jahr von Sprengfallen aus, von Selbstmordattentaten oder gelegentlichem Raketenbeschuss, so müssen sie jetzt Panzerfaust-Attacken und gezielte Angriffe gewärtigen. Oft werden sie in Feuergefechte verwickelt. Die Zahl der feindseligen Akte erhöhte sich 2009 um 60 Prozent. Seit März registriert die Bundeswehr vermehrt »militärähnliches Vorgehen« der Taliban.

Leser-Kommentare
  1. "Dieser »Strategiewechsel« ist in aller Ausführlichkeit dargestellt worden. Es heuchelt oder lügt, wer heute behauptet, davon habe er nichts gewusst.

    Wer will, dass die Bundeswehr in Afghanistan bleibt, darf ihr nicht einen Arm auf dem Rücken festbinden, zumal eine robustere Kriegsführung sowohl von dem UN-Mandat wie von dem Mandat des Bundestages gedeckt wird. Das sollten auch jene einsehen, die unsere Soldaten an den Hindukusch abkommandiert haben, die SPD und die Grünen. Wenn die Bundeswehr im Notfall oder Zweifelsfall nicht töten darf, muss sie abgezogen werden. Sie ist nicht die Heilsarmee."

    Jenseits all dieser gutmenschlichen Heuchelei der etablierten Parteien, die die Bundeswehr erst in ein Krisengebiet schicken, dann aber, wenn es wie nicht anders zu erwarten zu Opfern bei Soldaten und Zivilisten kommt, die Verantwortung für diese Opfer auf schäbige und feige Art den Soldaten zuschieben wollen, ist dieser Artikel eine Wohltat.

  2. Im Zweifelsfall für den Angeklagten? Nein, im Zweifelsfall töten...

    (Im Inland immerhin nur "Wegsperren für immer", aber gegenüber irgendwelchen Paschtunen kann man so richtig die Sau rauslassen... -- und die ZEIT, die bei jedem schnippischen Wort gegenüber Moslems von "Hetze" spricht und zensiert, hat offenbar gegen Thesen wie die von Herrn Sommer keine Einwände.)

    Tief ist Deutschland gesunken, und ein Boden ist nicht abzusehen.

    Die vorgeschlagene Konsequenz ist immerhin richtig: ... muß die Bundeswehr abgezogen werden.

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    • ribera
    • 20.12.2009 um 19:53 Uhr

    Diese Formulierung, ohne sie in die jeweils aktuelle Lage zu stellen, ist in dieser Allgemeinheit unzulässig und beinhaltet eine ungeheuerliche Unterstellung gegenüber unseren Soldaten.
    Vom sicheren PC-Stuhl heraus und im Nachhinein läßt sich leicht urteilen.
    Wer unsere Soldaten in den Einsatz schickt, muß diese auch mit einem weitreichenden Mandat zur Selbstverteidigung ausstatten. Es ist tödlicher Unsinn, Taliban, die einen Angriff abgebrochen haben, nicht weiter zu verfolgen oder anderswie auszuschalten, so sich die Gelegenheit ergibt. Nur Dumme können fordern, dass man lieber den Angriff der Taliban am nächsten Tag abwarten sollte.
    Unstrittig die Tatsache, dass unnötige Verluste zu vermeiden sind. Unstrittig aber auch das Recht unserer Soldaten, im "Zweifelsfall" sich für das eigene Leben und das der Kameraden zu entscheiden - mit dem Risiko, auch Unschuldige zu treffen.

    • ribera
    • 20.12.2009 um 19:53 Uhr

    Diese Formulierung, ohne sie in die jeweils aktuelle Lage zu stellen, ist in dieser Allgemeinheit unzulässig und beinhaltet eine ungeheuerliche Unterstellung gegenüber unseren Soldaten.
    Vom sicheren PC-Stuhl heraus und im Nachhinein läßt sich leicht urteilen.
    Wer unsere Soldaten in den Einsatz schickt, muß diese auch mit einem weitreichenden Mandat zur Selbstverteidigung ausstatten. Es ist tödlicher Unsinn, Taliban, die einen Angriff abgebrochen haben, nicht weiter zu verfolgen oder anderswie auszuschalten, so sich die Gelegenheit ergibt. Nur Dumme können fordern, dass man lieber den Angriff der Taliban am nächsten Tag abwarten sollte.
    Unstrittig die Tatsache, dass unnötige Verluste zu vermeiden sind. Unstrittig aber auch das Recht unserer Soldaten, im "Zweifelsfall" sich für das eigene Leben und das der Kameraden zu entscheiden - mit dem Risiko, auch Unschuldige zu treffen.

  3. 3.

    Dann zieht doch endlich ab!

    • N128
    • 20.12.2009 um 18:19 Uhr

    Wie weit sind wir gesunken, dass die Ermordung von Zivilisten billigend in Kauf genommen wird.

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    • Mork77
    • 20.12.2009 um 22:02 Uhr

    Genau davon ist ja nicht die Rede. Es ist und bleibt das gleiche Problem wie bei jedem Kampf mit irregulären Streitkräften, exemplarisch im Vietnamkrieg beschrieben. Man kann sie halt von Zivilisten nur dadurch unterscheiden, daß sie eine Waffe tragen. Legen sie diese weg, ist eine Unterscheidung nicht mehr möglich. Als Soldat bekommt man dann unweigerlich irgenwann die Einstellung, daß im Zweifelsfall alle Feinde sind (" bei Nacht ist jeder Vietnamese ein Feind"). Ergebnis: My Lai! Gebilligt wird das nicht. In Kauf genommen auch nicht, Gerade deswegen haben wir ja diese wochenlange Diskussion.
    Wenn man militärisch gegen die Taliban vorgehen will, muß man mit zivilen Todesopfern rechnen, da die Taliban nun mal Zivilisten für ihren Schutz nutzen. Das wollen wir nicht? Gut! dann sollte endlich mit der Verlogenheit Schluß sein und unsere Truppen gehören abgezogen. Man muß gerade im Krieg zu seiner Entscheidung stehen.
    Vielleicht haben unsere Politiker gerade deshalb solche Probleme, da unser parteipolitischer Auswahlprozeß diejenigen bevorzugt, die möglichst ungenau bleiben. Merckel, Westerwelle, Trittin, Gysi und co sind nicht gerade dafür bekannt, Wort zu halten oder dazu zu stehen, was sie gesagt haben. Gäbe es den Konjunktiv nicht, hätte er für unsere Politikerkaste erfunden werden müssen.

    • N128
    • 21.12.2009 um 11:07 Uhr

    genau festgestellt werden und im Bundestag zur Abstimmung kommen.
    Sie bekommen dann aber keine Mehrheit!!!

    Die BW hat zu dienen und nur ganau das zu machen, was das Parlament sagt!!!!!!!!!!

    • BerndL
    • 28.01.2010 um 16:00 Uhr

    Dort ist Krieg, wer etwas anderes sagt, lügt. Im Krieg werden auch Zivilisten getötet.
    Die Bundeswehr soll die Bevölkerung beschützen (und nicht umgekehrt), sie soll die Aufständischen bekämpfen. Die bisherige Angsthasenstrategie und das Einigeln in die Camps hat das Vordringen der Taliban in den vorher sicheren Norden erst möglich gemacht. Die BW muß aktiv gegen die Taliban vorgehen.

    • Mork77
    • 20.12.2009 um 22:02 Uhr

    Genau davon ist ja nicht die Rede. Es ist und bleibt das gleiche Problem wie bei jedem Kampf mit irregulären Streitkräften, exemplarisch im Vietnamkrieg beschrieben. Man kann sie halt von Zivilisten nur dadurch unterscheiden, daß sie eine Waffe tragen. Legen sie diese weg, ist eine Unterscheidung nicht mehr möglich. Als Soldat bekommt man dann unweigerlich irgenwann die Einstellung, daß im Zweifelsfall alle Feinde sind (" bei Nacht ist jeder Vietnamese ein Feind"). Ergebnis: My Lai! Gebilligt wird das nicht. In Kauf genommen auch nicht, Gerade deswegen haben wir ja diese wochenlange Diskussion.
    Wenn man militärisch gegen die Taliban vorgehen will, muß man mit zivilen Todesopfern rechnen, da die Taliban nun mal Zivilisten für ihren Schutz nutzen. Das wollen wir nicht? Gut! dann sollte endlich mit der Verlogenheit Schluß sein und unsere Truppen gehören abgezogen. Man muß gerade im Krieg zu seiner Entscheidung stehen.
    Vielleicht haben unsere Politiker gerade deshalb solche Probleme, da unser parteipolitischer Auswahlprozeß diejenigen bevorzugt, die möglichst ungenau bleiben. Merckel, Westerwelle, Trittin, Gysi und co sind nicht gerade dafür bekannt, Wort zu halten oder dazu zu stehen, was sie gesagt haben. Gäbe es den Konjunktiv nicht, hätte er für unsere Politikerkaste erfunden werden müssen.

    • N128
    • 21.12.2009 um 11:07 Uhr

    genau festgestellt werden und im Bundestag zur Abstimmung kommen.
    Sie bekommen dann aber keine Mehrheit!!!

    Die BW hat zu dienen und nur ganau das zu machen, was das Parlament sagt!!!!!!!!!!

    • BerndL
    • 28.01.2010 um 16:00 Uhr

    Dort ist Krieg, wer etwas anderes sagt, lügt. Im Krieg werden auch Zivilisten getötet.
    Die Bundeswehr soll die Bevölkerung beschützen (und nicht umgekehrt), sie soll die Aufständischen bekämpfen. Die bisherige Angsthasenstrategie und das Einigeln in die Camps hat das Vordringen der Taliban in den vorher sicheren Norden erst möglich gemacht. Die BW muß aktiv gegen die Taliban vorgehen.

  4. ...dieser ganzen Problematik nicht bewusst.
    Wir verlieren uns hier ständig im Klein-Klein des Gesamtbildes.
    Natürlich will ich damit nicht die Soldaten belasten, dass sie Entscheidungen nach besten Wissen und Gewissen, unter hohen zeitlichen,manchmal auch physischen und psychischem Druck, zu treffen haben. Vier Monate oder mehr in einem so andersartigen Land mit extremen Wetterverhältnissen, Infrastruktur, Kultur, weitab der Familie, die man nur selten, wenn überhaupt erreichen kann etc.
    Aber sie führen brav die Order aus, die ihnen durch parlamentarischen Beschluss zugewiesen wurde.
    Dieser parlamentarische Entschluss entsteht aber nicht aufgrund einer Sektlaune. Und selbst wenn die Gründe ursprünglich ehrwürdig, edel und mit dem humanitären Völkerrecht abslout vereinbar gewesen sind (und auch ohne wirtschaftliche Interessen, aber gibt es derlei Gründe überhaupt noch?), so ändern sich Prämissen auch mit der Zeit. Spätestens als die Wiederaufbautrupps und zivilen Organisationen das Feld geräumt hatten, muss sich doch der Schwerpunkt verlagert haben. Aber dennoch wurde der Einsatz von Mal zu Mal verlängert. Ob da vielleicht gar nicht über die geänderten Bedingungen geredet wurde. Mitnichten. Dafür wäre der darauf folgende Diskurs zu desaströs geführt worden. Aber ein paar Dinge kann man ja (selbst vor den Soldaten, aber auf jedem Fall vor dem mündigen Wähler) verschleiern. Als Soldat lehnt man sich auch nur selten gegen den Primat der Politik auf. - Mal tiefgreifend nachdenken!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich verstehe nicht, warum Sie einen zwingenden Gegensatz zwischen wirtschaftlichen und humanitären Interessen sehen. Üblicherweise werden Entscheidungen wie diese nicht nur aufgrund eines einzigen Grundes getroffen, sondern aus einer Vielzahl von Gründen.

    Ich sage Ihnen vermutlich nichts Neues, wenn ich daran erinnere, daß wir in einer überaus komplexen Welt leben. Daher ist es durchaus möglich, daß humanitäre und wirtschaftliche Gründe kein Gegensatz sind und sich nicht widersprechen, sondern für dieselbe Entscheidung unter den gegebenen Möglichkeiten sprechen. Das Vorhandensein von wirtschaftlichen Gründen macht die zum selben Ergebnis führenden humanitären Gründe nicht weniger humanitär, und umgekehrt.

    Ich verstehe nicht, warum Sie einen zwingenden Gegensatz zwischen wirtschaftlichen und humanitären Interessen sehen. Üblicherweise werden Entscheidungen wie diese nicht nur aufgrund eines einzigen Grundes getroffen, sondern aus einer Vielzahl von Gründen.

    Ich sage Ihnen vermutlich nichts Neues, wenn ich daran erinnere, daß wir in einer überaus komplexen Welt leben. Daher ist es durchaus möglich, daß humanitäre und wirtschaftliche Gründe kein Gegensatz sind und sich nicht widersprechen, sondern für dieselbe Entscheidung unter den gegebenen Möglichkeiten sprechen. Das Vorhandensein von wirtschaftlichen Gründen macht die zum selben Ergebnis führenden humanitären Gründe nicht weniger humanitär, und umgekehrt.

  5. ...dieser ganzen Problematik nicht bewusst.
    Wir verlieren uns hier ständig im Klein-Klein des Gesamtbildes.
    Natürlich will ich damit nicht die Soldaten belasten, dass sie Entscheidungen nach besten Wissen und Gewissen, unter hohen zeitlichen,manchmal auch physischen und psychischem Druck, zu treffen haben. Vier Monate oder mehr in einem so andersartigen Land mit extremen Wetterverhältnissen, Infrastruktur, Kultur, weitab der Familie, die man nur selten, wenn überhaupt erreichen kann etc.
    Aber sie führen brav die Order aus, die ihnen durch parlamentarischen Beschluss zugewiesen wurde.
    Dieser parlamentarische Entschluss entsteht aber nicht aufgrund einer Sektlaune. Und selbst wenn die Gründe ursprünglich ehrwürdig, edel und mit dem humanitären Völkerrecht abslout vereinbar gewesen sind (und auch ohne wirtschaftliche Interessen, aber gibt es derlei Gründe überhaupt noch?), so ändern sich Prämissen auch mit der Zeit. Spätestens als die Wiederaufbautrupps und zivilen Organisationen das Feld geräumt hatten, muss sich doch der Schwerpunkt verlagert haben. Aber dennoch wurde der Einsatz von Mal zu Mal verlängert. Ob da vielleicht gar nicht über die geänderten Bedingungen geredet wurde. Mitnichten. Dafür wäre der darauf folgende Diskurs zu desaströs geführt worden. Aber ein paar Dinge kann man ja (selbst vor den Soldaten, aber auf jedem Fall vor dem mündigen Wähler) verschleiern. Als Soldat lehnt man sich auch nur selten gegen den Primat der Politik auf. - Mal tiefgreifend nachdenken!

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    Niemals sind die Entscheidungen für einen Afghanistan-Einsatz, wie Sie schreiben: "ursprünglich ehrwürdig, edel und mit dem humanitären Völkerrecht abslout vereinbar" gewesen. Hier ging es um die Stärkung von bestehenden Bündnissen und der Demonstration von Stärke der westlichen Phalanx an sich. Das sollten Sie übrigens verinnerlichen, es geht in der Politik nicht um die Lösung von Problemen, sondern um das Ausschöpfen des maximalen Nutzens, die diese mit sich bringen. Wer das immer noch nicht verstanden hat, sollte sich zum eigenen Nutzen am besten ausklinken und auch alles für wahr halten, was einem die Medien präsentieren. Macht glücklich, aber nicht klug.

    Niemals sind die Entscheidungen für einen Afghanistan-Einsatz, wie Sie schreiben: "ursprünglich ehrwürdig, edel und mit dem humanitären Völkerrecht abslout vereinbar" gewesen. Hier ging es um die Stärkung von bestehenden Bündnissen und der Demonstration von Stärke der westlichen Phalanx an sich. Das sollten Sie übrigens verinnerlichen, es geht in der Politik nicht um die Lösung von Problemen, sondern um das Ausschöpfen des maximalen Nutzens, die diese mit sich bringen. Wer das immer noch nicht verstanden hat, sollte sich zum eigenen Nutzen am besten ausklinken und auch alles für wahr halten, was einem die Medien präsentieren. Macht glücklich, aber nicht klug.

  6. ...dieser ganzen Problematik nicht bewusst.
    Wir verlieren uns hier ständig im Klein-Klein des Gesamtbildes.
    Natürlich will ich damit nicht die Soldaten belasten, dass sie Entscheidungen nach besten Wissen und Gewissen, unter hohen zeitlichen,manchmal auch physischen und psychischem Druck, zu treffen haben. Vier Monate oder mehr in einem so andersartigen Land mit extremen Wetterverhältnissen, Infrastruktur, Kultur, weitab der Familie, die man nur selten, wenn überhaupt erreichen kann etc.
    Aber sie führen brav die Order aus, die ihnen durch parlamentarischen Beschluss zugewiesen wurde.
    Dieser parlamentarische Entschluss entsteht aber nicht aufgrund einer Sektlaune. Und selbst wenn die Gründe ursprünglich ehrwürdig, edel und mit dem humanitären Völkerrecht abslout vereinbar gewesen sind (und auch ohne wirtschaftliche Interessen, aber gibt es derlei Gründe überhaupt noch?), so ändern sich Prämissen auch mit der Zeit. Spätestens als die Wiederaufbautrupps und zivilen Organisationen das Feld geräumt hatten, muss sich doch der Schwerpunkt verlagert haben. Aber dennoch wurde der Einsatz von Mal zu Mal verlängert. Ob da vielleicht gar nicht über die geänderten Bedingungen geredet wurde. Mitnichten. Dafür wäre der darauf folgende Diskurs zu desaströs geführt worden. Aber ein paar Dinge kann man ja (selbst vor den Soldaten, aber auf jedem Fall vor dem mündigen Wähler) verschleiern. Als Soldat lehnt man sich auch nur selten gegen den Primat der Politik auf. - Mal tiefgreifend nachdenken!

    • LH
    • 20.12.2009 um 18:53 Uhr

    Die grundsätzliche Richtigkeit der Erwägungen des Autors ist wohl gegeben. Aber diese Sache erlaubt schon einen etwas genaueren Blick:

    !. Wie wir wissen ging es nicht so sehr um die Vernichtung zweier Tanker, sondern um die dort georteten Feindkräfte. Grundsätzlich gehört es zum Krieg solche anzugreifen. Aber hier hat die Bundeswehr eskaliert (und in einer Weise eskaliert), die konträr zur Strategie der USA war. Jahrelang hat man versucht den USA das europäische Konzept des Aufbaus unter Vermeidung unnötiger ziviler Opfer beizubringen. Und als selbst die Cowboys endlich in diese Richtung umschwenken, greift die Bundeswehr zu roher Gewalt. Warum?
    2. Das Ziel der Vernichtung von Talibankräften wurde wie berichtet wird von der KSK betrieben. Die KSK hat wohl schon die ganze Zeit einen etwas anderen Krieg dort geführt, über den bisher weitgehend Stillschweigen bewahrt wurde. Es steht zu befürchten, dass wir jetzt auch wissen warum. Darüber ist öffentlich nie wirklich debattiert worden.
    3. Der Versuch der Vertuschung ziviler Opfer war aus Sicht eines mündigen Bürgers eine rechte Frechheit. Wenn im Namen des deutschen Volkes "vernichtet" wird, dann sollte man das Volk darüber nicht auch noch belügen wollen. Jung musste deshalb gehen und Guttenberg hat diese Linie (leider) konsequent weiterverfolgt.
    4. Auch wenn der Krieg legitimes Mittel der Politik sein kann, es bleibt die Frage, ob dieser individuelle Krieg richtig ist. Außer als Gefallen für die USA wohl eher nicht, also raus

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