Sozialdebatte Revolution der Tugend

Vom Sozialstaat profitieren die Reichen am meisten. Der Mittelstand hingegen hat das Nachsehen und wird bald den Aufstand proben.

Star und Masse: Ricky Wilson von den Kaiser Chiefs nimmt ein Liebesbad

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Der Untergang der kommunistischen Staaten in Osteuropa hat den sozialdemokratischen Sozialstaat westeuropäischer Prägung unter zunehmenden Druck gesetzt. Und in der Tat: Der westliche Sozialstaat war, historisch gesehen, in erster Linie eine Maßnahme gegen den Aufstand der Massen, gegen die kommunistische Gefahr, gegen die drohende totale Enteignung der vermögenden Klassen. Solange die Angst vor dem Kommunismus akut war, war auch die Bereitschaft des Bürgertums durchaus vorhanden, in erheblichem Maß Steuern zu zahlen, um die Massen zu pazifizieren und die kommunistische Gefahr zu bannen. Der Sozialstaat, wie jeder Staat überhaupt, dient nämlich weder der Gleichheit noch der Gerechtigkeit, sondern vielmehr der Sicherheit. Und jeder weiß, dass Sicherheit Geld kostet – manchmal auch viel Geld. Allerdings hat das Ende des Weltkommunismus bei vielen das Gefühl erzeugt, dass die Sicherheitslage sich verbessert hat und die Investitionen in die Pazifizierung der Massen dementsprechend gesenkt werden können.

Ob dies stimmt oder nicht, ist eine empirische Ermessensfrage, die nicht theoretisch behandelt werden kann. Es stellt sich aber eine andere Frage, die durchaus von theoretischer Relevanz ist: Gibt es für die vermögenden Klassen einen anderen Grund, den Sozialstaat zu pflegen, außer der etwas antiquierten Aufgabe, die kommunistische Revolution zu verhindern? Nun, ich würde sagen, dass es diesen Grund gibt, denn es ist der Sozialstaat, dem die heutigen vermögenden Klassen ihr Vermögen verdanken.

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Wer gern über die Macht des Kapitals spricht, vergisst oft, dass der Staat als Ort der Macht viel älter ist als der Kapitalismus. Den Staat gab es bereits vor dem Kapitalismus – und es wird ihn nach dem Kapitalismus aller Wahrscheinlichkeit nach auch noch geben. Der Staat ist per definitionem hierarchisch aufgebaut und verfügt über die Mittel, seine Beschlüsse, wenn nötig gewaltsam, durchzusetzen. Schon deswegen kann der Staat zu keinem Ort der Gleichheit werden. Der Staat basiert auf Ungleichheit – und erzeugt Ungleichheit. Allerdings ändert sich die Art der Ungleichheit, die der Staat erzeugt, entsprechend seiner jeweiligen Beschaffenheit. Der feudale Staat ermöglichte und förderte zugleich Turnierkämpfe als Mittel der Elitebildung. Der spätere absolutistische Staat förderte die Fähigkeit zur höfischen Intrige und zur internationalen Diplomatie. Der kapitalistische Staat hat die Entstehung des Marktes ermöglicht, die Regeln festgelegt, nach denen der Markt funktioniert, zwischen rechtmäßigen und kriminellen Methoden der Kapitalbildung unterschieden und Marktakteure dazu gezwungen, bestimmte ökonomische Strategien zu verfolgen und andere Strategien zu vermeiden. In diesem Sinne ist der Markt kein Bereich der individuellen Freiheit, sondern der Anpassung an die Marktregeln, deren Gültigkeit letztlich vom Staat bestimmt und garantiert wird.

Nun stellt sich also die Frage: Welche Strategie soll derjenige, der in einem Sozialstaat lebt, verfolgen, um zu reüssieren? Die Antwort ist eigentlich allgemein bekannt: Er soll möglichst viele Menschen ansprechen, an möglichst viele Konsumenten verkaufen – er soll expandieren. Und zu expandieren heißt: nach unten, in die Basis der sozialen Pyramide hinein zu expandieren, an die Armen zu appellieren, die zahlreicher sind als die Reichen.

In letzter Zeit redet man viel über den neuen immensen Reichtum der Superreichen. Auf den Listen mit den Namen dieser Superreichen, die hin und wieder publiziert werden, finden sich die Namen der Besitzer von Aldi oder Ikea neben denjenigen der Ölmagnaten aus Saudi-Arabien und Russland. Nun fragt man sich: Welchen Rohstoff besitzen Deutschland und Schweden, der mit dem Öl verglichen werden könnte? Dieser Rohstoff ist der Sozialstaat. Denn der Sozialstaat erzeugt eine riesige Masse von armen, aber nicht völlig verarmten Konsumenten, die in großer Zahl billige Produkte konsumieren – und somit große Vermögen entstehen lassen. Das heutige Kapital verkauft den Sozialstaat an ihn selbst – und verdient dabei in einem Ausmaß, das früher unvorstellbar schien.

Hier verwende ich freilich einen etwas erweiterten Begriff des Sozialstaates. Dieser Begriff umfasst alle Hilfen, die den Arbeitslosen zur Verfügung gestellt werden, aber auch alle anderen Maßnahmen, die das Leben der Arbeiterschaft und anderer vergleichbarer Bevölkerungsschichten erleichtern, inklusive verschiedener Arten der staatlichen Hilfe in Bereichen des Erziehungs- und Gesundheitswesens. Dazu gehören auch sämtliche Investitionen in die Entwicklungsländer, Hilfen zur Seuchen- oder Katastrophenbekämpfung und so weiter, die durch staatlich oder privat finanzierte und weltweit agierende Stiftungen und Organisationen geleistet werden. In diesem Sinne kann man heute von einem globalen Sozialstaat sprechen. Dieser Staat bleibt freilich mehr als unvollkommen, ist aber zugleich in einigen seiner zentralen Aspekte bereits Realität. Nun schafft diese weltweite soziale Fürsorge eine riesige Masse von Konsumenten, die zwar arm sind und manchmal am Rand des Existenzminimums leben, die aber, dank des Sozialstaates, an diesem Rand bleiben und zusammengefasst eine immense Kaufkraft besitzen. Und es ist diese kumulative Kaufkraft der Armen, welche die Marktwirtschaft zu dem gemacht hat, was sie heute ist.

In früheren Zeiten bediente die Wirtschaft in erster Linie die vermögenden Klassen. Wer kein Geld hatte, konsumierte kaum, sondern produzierte nur. Kaufleute wurden reich, wenn sie an Reiche verkauften. Wer an Arme verkaufte, blieb bescheiden. In unserer Zeit sind aber nur diejenigen wirklich erfolgreich, die möglichst billig und an möglichst viele verkaufen. So entsteht eine Konkurrenz nach unten, welche die ganze heutige Weltwirtschaft beherrscht. Das gilt nicht nur für McDonald’s oder neue chinesische Produkte für den billigen Massenkonsum. Die globale Kulturindustrie setzt in erster Linie auf möglichst billige Unterhaltung, auf Erfolg bei den, sagen wir ruhig, untersten Einkommensschichten. Auf diese Weise kann man Millionen und sogar Milliarden verdienen – durch Fußball, Popmusik, populäre TV-Shows, Unterhaltungsfilme et cetera. Und das bedeutet: Zwischen den heutigen globalen Geldeliten und den heutigen globalisierten Massen gibt es zwar eine finanzielle, aber keine kulturelle Distanz.Wenn ein globaler Popstar in die Menschenmenge ruft: I love you , dann ist er völlig aufrichtig. Er liebt diese Massen, weil er sie melkt, und diese Massen lieben ihn, weil sie es offensichtlich genießen, gemolken zu werden. Ein Klassenkampf von oben ist daher aus simplen ökonomischen und kulturellen Gründen völlig ausgeschlossen. Die heutigen Geldeliten leben in einem symbiotischen Verhältnis mit dem Sozialstaat, sie teilen seine Kultur und sind mit ihm in gegenseitiger Liebe verbunden.

Die Unzufriedenheit mit dem Sozialstaat ist keine Sache der Eliten oder der Massen, sondern eine der Mittelschicht. Die Mittelschicht zahlt Steuern, aber sie profitiert kaum vom Sozialstaat – das tun nur die großen Unternehmen. Zugleich hat die heutige Mittelschicht das Gefühl, dass sich niemand um sie kümmert und niemand sie wirklich ernst nimmt. Sie hat nämlich andere kulturelle Ansprüche und Standards als diejenigen, die für die heutigen globalisierten Massen und Eliten charakteristisch sind. Aber diese Ansprüche können im Kontext der heutigen Wirtschaft nicht befriedigt werden, denn die Mittelschicht befindet sich zahlenmäßig in der Minderheit und ist somit für die Wirtschaft unattraktiv. Die kumulative Kaufkraft der Mittelschicht ist viel niedriger als die kumulative Kaufkraft der unteren Einkommensstufen. Damit sind alle Ansprüche, in einem Café zu sitzen und Proust zu lesen, statt auf einem großformatigen Bildschirm inmitten einer großen Menschenmenge Fußball anzuschauen, automatisch erledigt. Diese Ansprüche gelten inzwischen übrigens nicht nur als ökonomisch unerfüllbar, sondern auch als moralisch verdächtig, arrogant, dekadent und sogar unmenschlich.

Der Mensch der gebildeten Mittelschicht kann zwar versuchen, sich äußerlich an die herrschende Kultur anzupassen. Aber wie geschickt auch immer er sich anstellt, er bleibt dem herrschenden Staat der Liebe kulturell fremd – nicht liebend und ungeliebt. Und es ist in erster Linie diese kulturelle Distanz, welche die gebildete Mittelschicht von der übrigen Gesellschaft, von den Massen wie von den Eliten trennt, die in dieser Mittelschicht ein revolutionäres Potenzial erzeugt. Nun könnte man vielleicht sagen, dass die gebildete Mittelschicht eigentlich irrelevant ist, dass sie mit der Zeit einfach verschwindet, zum Sozialfall wird und in den unteren Schichten versinkt. Aber eine solche Entwicklung scheint wenig plausibel zu sein – und zwar aus einem einfachen Grund: Es ist ebendiese Mittelschicht, die den Sozialstaat trägt und pflegt und seine hierarchischen Stufen besetzt. Die verwaltende Mittelschicht verkörpert eigentlich den Sozialstaat – auch wenn sie am wenigsten von ihm profitiert.

Deswegen kann man erwarten, dass diese Mittelschicht irgendwann zur Einsicht kommt, dass es ziemlich widersinnig ist, eine gesellschaftliche Struktur zu tragen, von der nur andere profitieren, wobei diese Mittelschicht in dem von ihr selbst geschaffenen Sozialstaat keine kulturelle Heimat findet und finden kann. Erst wenn die Mittelschicht zu dieser Einsicht gelangt, kann man wirklich einen neuen politischen Kampf erwarten – eine neue Revolution der Tugend, die in der Tradition der Französischen Revolution und der russischen Oktoberevolution stehen wird. Ein solcher Kampf könnte voraussichtlich auf zweierlei Arten entschieden werden. Entweder kehrt man zurück zu einer neomittelalterlichen oder neofrühbürgerlichen Ökonomie, die nur die Aristokratie und die reiche Bourgeoisie als Konsumenten kennt und die übrige Bevölkerung ihrem eigenen Schicksal überlässt. Oder, was viel plausibler ist, man kehrt zu einer dirigistischen, neokommunistischen Ökonomie zurück, die den Konsum der Armen am Markt vorbei regelt. In diesem Fall bekommt die Mittelschicht – als Staatsapparat – volle gesellschaftliche Macht, Achtung und Anerkennung, indem sie die spätkapitalistischen Profiteure des Sozialstaates ausschaltet und selbst zum Objekt der Massenliebe wird.

Boris Groys, geboren 1947, ist Philosoph und Mathematiker. Er lehrt an der University of New York. Seine »Einführung in die Anti-Philosophie« ist jüngst bei Hanser erschienen

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Bravo!

    Dem ist rein gar nichts mehr hinzu zu fügen!!!

  2. Endlich mal ein Text der mich wirklich zu 100 % begeistert hat. Und den letzten Vorschlag sollte man so schnell wie möglich ausführen. Und selbst das mit dem Cafe geht mir auch so ;)

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    Ich wuerde den letzten Satz nicht als "Forderung" sehen, sondern als eine Option, wohin sich die Gesellschaft entwickeln koennte.

    Eine andere Option waere es, die unteren Klassen mit noch ein wenig mehr (!) Kaufkraft auszustatten und dies in die Mittelschicht hin zu erweitern (z.B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen). Dann gaebe es sowohl mehr Sicherheit, als auch (!) mehr Moeglichkeiten (durch Zeitgewinn) fuer die gebildete Mittelschicht,sich Freiraeume fuer eine spezifische Kultur zurueckzuerobern.

    Ich wuerde den letzten Satz nicht als "Forderung" sehen, sondern als eine Option, wohin sich die Gesellschaft entwickeln koennte.

    Eine andere Option waere es, die unteren Klassen mit noch ein wenig mehr (!) Kaufkraft auszustatten und dies in die Mittelschicht hin zu erweitern (z.B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen). Dann gaebe es sowohl mehr Sicherheit, als auch (!) mehr Moeglichkeiten (durch Zeitgewinn) fuer die gebildete Mittelschicht,sich Freiraeume fuer eine spezifische Kultur zurueckzuerobern.

    "Damit sind alle Ansprüche, in einem Café zu sitzen und Proust zu lesen, statt auf einem großformatigen Bildschirm inmitten einer großen Menschenmenge Fußball anzuschauen, automatisch erledigt."

    Das scheint mir eine zentrale Aussage, an der das übrige Drum und Dran der Argmunatation aufgehängt ist. Nur - von welcher Mittelschicht spricht der Mann, die im Cafe Proust lese und nicht Fußball schaue? Da beschreibt jemand wohl seine ganz eigenen, persönlichen Probleme, dass man nämlich als Proust-Leser und Nicht-Fußball-Schauer schlicht und einfach sowas von out ist - auch in der "mittelschicht", wer immer dazu gehören mag. Da würde sich dann doch eher ein Besuch beim Psychotherapeuten empfehlen als der Aufruf zur Welterevolution.

    Ich wuerde den letzten Satz nicht als "Forderung" sehen, sondern als eine Option, wohin sich die Gesellschaft entwickeln koennte.

    Eine andere Option waere es, die unteren Klassen mit noch ein wenig mehr (!) Kaufkraft auszustatten und dies in die Mittelschicht hin zu erweitern (z.B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen). Dann gaebe es sowohl mehr Sicherheit, als auch (!) mehr Moeglichkeiten (durch Zeitgewinn) fuer die gebildete Mittelschicht,sich Freiraeume fuer eine spezifische Kultur zurueckzuerobern.

    Ich wuerde den letzten Satz nicht als "Forderung" sehen, sondern als eine Option, wohin sich die Gesellschaft entwickeln koennte.

    Eine andere Option waere es, die unteren Klassen mit noch ein wenig mehr (!) Kaufkraft auszustatten und dies in die Mittelschicht hin zu erweitern (z.B. durch ein bedingungsloses Grundeinkommen). Dann gaebe es sowohl mehr Sicherheit, als auch (!) mehr Moeglichkeiten (durch Zeitgewinn) fuer die gebildete Mittelschicht,sich Freiraeume fuer eine spezifische Kultur zurueckzuerobern.

    "Damit sind alle Ansprüche, in einem Café zu sitzen und Proust zu lesen, statt auf einem großformatigen Bildschirm inmitten einer großen Menschenmenge Fußball anzuschauen, automatisch erledigt."

    Das scheint mir eine zentrale Aussage, an der das übrige Drum und Dran der Argmunatation aufgehängt ist. Nur - von welcher Mittelschicht spricht der Mann, die im Cafe Proust lese und nicht Fußball schaue? Da beschreibt jemand wohl seine ganz eigenen, persönlichen Probleme, dass man nämlich als Proust-Leser und Nicht-Fußball-Schauer schlicht und einfach sowas von out ist - auch in der "mittelschicht", wer immer dazu gehören mag. Da würde sich dann doch eher ein Besuch beim Psychotherapeuten empfehlen als der Aufruf zur Welterevolution.

  3. ..." Der westliche Sozialstaat war, historisch gesehen, in erster Linie eine Maßnahme gegen den Aufstand der Massen, gegen die kommunistische Gefahr, gegen die drohende totale Enteignung der vermögenden Klassen. Solange die Angst vor dem Kommunismus akut war, war auch die Bereitschaft des Bürgertums durchaus vorhanden, in erheblichem Maß Steuern zu zahlen, um die Massen zu pazifizieren und die kommunistische Gefahr zu bannen"...

    ist in der Tat die Grundlage für die Veränderungen in der westlichen Welt, die als Folge des Abhandenkommens des "sozialistischen Konkurrenzmodells" das Denken und Handeln der wirtschaftlichen und politischen Eliten bestimmte.

    Seit dieser Zeit, also Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts, erleben wir z.B. hierzulande ein stetiges Absinken der Massenkaufkraft, Abschöpfen auch der untersten Einkommensklassen via Gesundheitssystem etc.

    Dieser Artikel von Boris Groys sollte und könnte sehr gezielt auch an Schulen auf-und durchgearbeitet werden.

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    ...warum in den Schulen bis zum Abitur immer noch der Stoff gelehrt wird, den schon die Eltern der Schüler "eingepaukt" bekamen?
    Meine Tochter hat da noch Glück, da ich im Osten mein Abi ablegte und wir uns wenigstens zu hause über aktuell politische Fragen unterhalten und nicht über die Dekadenz der Katholiken im 13. Jahrhundert.
    Während meiner Schulzeit wurde uns die "hässliche Fratze" des Kapitalismus vor Augen geführt - über die perversen Auswüchse des Sozialismus wurde dagegen kein Wort verloren.
    Jede Gesellschaft stellt nur ihre positiven Seiten ins Rampenlicht - alles andere bekommt man nur mit, wenn man genauer hin hört.
    Was uns im Osten der Kapitalismus bringen würde, das wusste ich schon durch ARD, ZDF, den SFB und den Bayerischen Rundfunk. Schließlich gehörten diese Sender im Osten zu meinen Standard-Programmen.
    Der Sozialismus stalinistischer Prägung hatte nie eine Chance. Doch wir hatten im Osten die Chance, vieles anders zu machen und zu verändern.
    Stattdessen haben sich die Menschen, blind von der D-Mark und den 100,- Mark Begrüßungsgeld, durch ein Klientel verschachern lassen, dass heute entweder durch sich selbst oder deren Kinder wieder versucht, den Rest von "Sozialstaat" meistbietend zu verschachern, indem weiter Schulden angehäuft werden, all jene steuerlich entlastet werden, die - gemessen an ihrem tatsächlichen Einkommen - kaum Steuern zahlen und der Rest der Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird.
    Das kann auf Dauer nicht friedlich enden.

    ...warum in den Schulen bis zum Abitur immer noch der Stoff gelehrt wird, den schon die Eltern der Schüler "eingepaukt" bekamen?
    Meine Tochter hat da noch Glück, da ich im Osten mein Abi ablegte und wir uns wenigstens zu hause über aktuell politische Fragen unterhalten und nicht über die Dekadenz der Katholiken im 13. Jahrhundert.
    Während meiner Schulzeit wurde uns die "hässliche Fratze" des Kapitalismus vor Augen geführt - über die perversen Auswüchse des Sozialismus wurde dagegen kein Wort verloren.
    Jede Gesellschaft stellt nur ihre positiven Seiten ins Rampenlicht - alles andere bekommt man nur mit, wenn man genauer hin hört.
    Was uns im Osten der Kapitalismus bringen würde, das wusste ich schon durch ARD, ZDF, den SFB und den Bayerischen Rundfunk. Schließlich gehörten diese Sender im Osten zu meinen Standard-Programmen.
    Der Sozialismus stalinistischer Prägung hatte nie eine Chance. Doch wir hatten im Osten die Chance, vieles anders zu machen und zu verändern.
    Stattdessen haben sich die Menschen, blind von der D-Mark und den 100,- Mark Begrüßungsgeld, durch ein Klientel verschachern lassen, dass heute entweder durch sich selbst oder deren Kinder wieder versucht, den Rest von "Sozialstaat" meistbietend zu verschachern, indem weiter Schulden angehäuft werden, all jene steuerlich entlastet werden, die - gemessen an ihrem tatsächlichen Einkommen - kaum Steuern zahlen und der Rest der Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird.
    Das kann auf Dauer nicht friedlich enden.

  4. Da sollten wir uns eigentlich keine Gedanken machen, der Aufstand kommt noch schon früh genug.

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    • Pjotah
    • 22.12.2009 um 12:50 Uhr

    Also gestern?

    • Pjotah
    • 22.12.2009 um 12:50 Uhr

    Also gestern?

    • Andi42
    • 20.12.2009 um 17:49 Uhr

    Sagt mir bitte, ob ich Folgendes richtig verstanden habe: Die Unterschicht genießt es, von der Oberschicht "gemolken" zu werden?
    Wo ich viele Aspekten dieses Artikels zustimmen kann, so halte ich diese Aussage für zynisch und völlig fehl am Platz.
    ...ich habe viel "Kontakt mit der Unterschicht" und was ich wahrnehme, ist vor allem ein tiefer Hass und Neid auf "die reichen Säcke da oben"...
    Es ist in meinen Augen ein Wunder, dass das ganze System so lange stabil geblieben ist (was wir wahrscheinlich dem Sozialstaat und der einst breiten Mittelschicht zu verdanken haben...)

    Grüße,
    Andi42

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    "Neid auf die reichen Saecke da oben" ist eine Sache - der Genuss, gemolken zu werden drueckt sich aber auf der anderen Seite darin aus, das Spiel begeistert mitzuspielen. In Casting-Shows, bei der Schlacht um Sonderangebote oder Celebrity-Cult. Was wuerde wohl mit den Gehaeltern von Autorennfahrern passieren, wenn in Europa niemand mehr bei der Formel 1 einschalten wuerde?

    "Genießt es, gemolken zu werden": Man gibt ihnen Brot, Spiele, Mario Barth und Big Brother, so wurden sie zu Genießern.

    Sagt mir bitte, ob ich Folgendes richtig verstanden habe: Die Unterschicht genießt es, von der Oberschicht "gemolken" zu werden?
    Wo ich viele Aspekten dieses Artikels zustimmen kann, so halte ich diese Aussage für zynisch und völlig fehl am Platz.

    Ich schätze, der Autor meinte das nicht so in dem Artikel, sondern hat eine ungünstige Wortwahl getroffen. Das Popstar-Beispiel ist ja kein "Ausmelken" in dem Sinne, sondern es wird den Leuten Unterhaltung geliefert in einer Qualität und zu einem Preis, den sie okay finden, und da gönnen sie es dem Star, dabei auch viel zu verdienen.

    "Neid auf die reichen Saecke da oben" ist eine Sache - der Genuss, gemolken zu werden drueckt sich aber auf der anderen Seite darin aus, das Spiel begeistert mitzuspielen. In Casting-Shows, bei der Schlacht um Sonderangebote oder Celebrity-Cult. Was wuerde wohl mit den Gehaeltern von Autorennfahrern passieren, wenn in Europa niemand mehr bei der Formel 1 einschalten wuerde?

    "Genießt es, gemolken zu werden": Man gibt ihnen Brot, Spiele, Mario Barth und Big Brother, so wurden sie zu Genießern.

    Sagt mir bitte, ob ich Folgendes richtig verstanden habe: Die Unterschicht genießt es, von der Oberschicht "gemolken" zu werden?
    Wo ich viele Aspekten dieses Artikels zustimmen kann, so halte ich diese Aussage für zynisch und völlig fehl am Platz.

    Ich schätze, der Autor meinte das nicht so in dem Artikel, sondern hat eine ungünstige Wortwahl getroffen. Das Popstar-Beispiel ist ja kein "Ausmelken" in dem Sinne, sondern es wird den Leuten Unterhaltung geliefert in einer Qualität und zu einem Preis, den sie okay finden, und da gönnen sie es dem Star, dabei auch viel zu verdienen.

  5. ...warum in den Schulen bis zum Abitur immer noch der Stoff gelehrt wird, den schon die Eltern der Schüler "eingepaukt" bekamen?
    Meine Tochter hat da noch Glück, da ich im Osten mein Abi ablegte und wir uns wenigstens zu hause über aktuell politische Fragen unterhalten und nicht über die Dekadenz der Katholiken im 13. Jahrhundert.
    Während meiner Schulzeit wurde uns die "hässliche Fratze" des Kapitalismus vor Augen geführt - über die perversen Auswüchse des Sozialismus wurde dagegen kein Wort verloren.
    Jede Gesellschaft stellt nur ihre positiven Seiten ins Rampenlicht - alles andere bekommt man nur mit, wenn man genauer hin hört.
    Was uns im Osten der Kapitalismus bringen würde, das wusste ich schon durch ARD, ZDF, den SFB und den Bayerischen Rundfunk. Schließlich gehörten diese Sender im Osten zu meinen Standard-Programmen.
    Der Sozialismus stalinistischer Prägung hatte nie eine Chance. Doch wir hatten im Osten die Chance, vieles anders zu machen und zu verändern.
    Stattdessen haben sich die Menschen, blind von der D-Mark und den 100,- Mark Begrüßungsgeld, durch ein Klientel verschachern lassen, dass heute entweder durch sich selbst oder deren Kinder wieder versucht, den Rest von "Sozialstaat" meistbietend zu verschachern, indem weiter Schulden angehäuft werden, all jene steuerlich entlastet werden, die - gemessen an ihrem tatsächlichen Einkommen - kaum Steuern zahlen und der Rest der Menschen an den Rand der Gesellschaft gedrängt wird.
    Das kann auf Dauer nicht friedlich enden.

    Antwort auf "Die Aussage:"
  6. man hat sich den Sozialstaat geleistet, damit Ruhe ist.
    Jetzt wird nur noch in klinen Schritten getestet, wie weit man das Ausbeutungsspiel treiben kann.
    Je eher der Aufstand kommt, um so eher wird diesem Spiel Einhalt geboten. dabei haben sich besonders die deutschen Reichen gut abgesichert. Durch die Globalisierung sind sie kaum noch angreifbar.
    Der Egoismus der Geldeliten führt jedoch in den Ruin, auch für diese Leute (Außer für Haus- und Grundbesitzer, Landwirte, Bergwerksbesitzer). Der Sozialstaat ist die eigentliche Grundlage für Wirtschaftswachstum. Er erhöht die Breitenkaufkraft. Was wir jetzt haben führt letztlich nur zu gewaltigen Überkapazitäten, weil sich niemand mehr die Produkte leisten kann.

  7. 8. Wie

    bringt man die "Massen" dazu ihrer Freiheit eine positive Bedeutung zu verleihen? Vielleicht fällt es ein bißchen leichter sobald die fossilen Brennstoffe ausgehen, und das "Überleben" schwerer wird. Jetzt stehen Konzerne und Prekariat gemeinsam gegen die aufbauenden Kräfte. Beispiel: Mobilfunkmasten. Sorgen um ihre Gesundheit oder die Umwelt machen sich nur einigermassen gebildete Leute. Die Armen, die heute meist keinen Festnetzanschluss mehr haben aber viel telefonieren, sorgen für die Nachfrage. Und o2("die Luft zum Atmen der Proleten") baut den Mast gegen den Willen der Besonnen und Vorsichtigen:
    http://www.wochenspiegel-...
    Die Reichen wohnen natürlich weit weg von einem Mobilfunkmasten.
    Gleiches gilt für Flüge nach Malle usw: Wer sich um das Klima derart sorgt um dann auch auf einen Flug zu verzichten, ist der gebildete Mittelschichtler.
    Wir haben aber alles Recht die "unten" und die "oben" auf den Pfad der Tugend zurückzubringen!

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    Sorgen über Mobilfunkmasten machen sich vor Allem Leute, die sich für gebildet halten. Diese Einbildung ist jedoch nicht mit Bildung zu verwechseln, sondern mit ihrem genauen Gegenteil.

    Wären diese Leute tatsächlich gebildet, dann wüßten Sie natürlich genug über die physikalischen und medizinischen Zusammenhänge sowie deren wissenschaftlichen Forschungsstand, daß ihnen klar wäre, daß von den Masten keine Gefahr ausgeht. Wenn die Leute gebildet wären, wüßten sie auch, daß es keine Studie gibt, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und zum Ergebnis kommt, daß eine Gefahr von den Mobilfunkmasten ausginge.

    Das, was diese Leute mit Bildung verwechseln, ist nur die auf ihrer Überforderung basierende Skepsis gegenüber den Wissenschaften, dem technischen Fortschritt sowie ihrer Angst vor der Zukunft. Das ist zwar nur allzu menschlich, hat aber mit Bildung nun wirklich rein gar nichts zu tun.

    Sorgen über Mobilfunkmasten machen sich vor Allem Leute, die sich für gebildet halten. Diese Einbildung ist jedoch nicht mit Bildung zu verwechseln, sondern mit ihrem genauen Gegenteil.

    Wären diese Leute tatsächlich gebildet, dann wüßten Sie natürlich genug über die physikalischen und medizinischen Zusammenhänge sowie deren wissenschaftlichen Forschungsstand, daß ihnen klar wäre, daß von den Masten keine Gefahr ausgeht. Wenn die Leute gebildet wären, wüßten sie auch, daß es keine Studie gibt, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und zum Ergebnis kommt, daß eine Gefahr von den Mobilfunkmasten ausginge.

    Das, was diese Leute mit Bildung verwechseln, ist nur die auf ihrer Überforderung basierende Skepsis gegenüber den Wissenschaften, dem technischen Fortschritt sowie ihrer Angst vor der Zukunft. Das ist zwar nur allzu menschlich, hat aber mit Bildung nun wirklich rein gar nichts zu tun.

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