Religion Ich bekenneSeite 6/6
Und wie ich mir denn einen Papst vorstelle, der jedes Wort auf die Goldwaage lege? Ich müsse mir doch bewusst sein, dass dann nur noch Wohlfeiles zu erwarten sei. "Päpste kommen und gehen. Ich kann Ihnen aber auch nicht sagen, ob vom nächsten anderes zu erwarten ist." Wir reden fast eine Stunde lang. Er nimmt mich ernst. Er hört zu. Dann sagt er: "In meinen Augen ist Ihre Kritik am Papst vielleicht ein Auslöser, aber doch niemals der Grund, sich von der Kirche zu trennen. Das Problem, das Sie mit der Kirche haben, hat mit dem Papst vielleicht viel weniger zu tun, als Sie denken."
Ich fühle mich ertappt. In der Tat habe ich bislang zwar sämtliche Fehler der Kirche hinterfragt, aber nicht nach den eigenen gesucht. Ich habe mich auch nie gefragt, ob ich auch ohne einen schlechten Papst von der Kirche abgerückt wäre. Zum Abschied sagt er: "Glauben ist nicht zum Wohlfühlen da. Glauben ist immer ein bisschen Zumutung, und damit müssen Sie leben."
Ich bin beeindruckt. Tatsächlich habe ich meinen Glauben bislang zum Wohlfühlen benutzt: als nette Ummantelung meines säkularisierten Lebens.
Als ich ins Freie trete, fällt mir die Sonne ins Gesicht. Ein Kind, das offenbar seinen Kommunionsanzug trägt, springt zwischen Mutter und Vater umher. Ich habe in meiner Kindheit gelernt zu glauben, so wie man auch ein Instrument lernt. Als Erwachsener habe ich verlernt, dieses Instrument zu spielen. Jetzt ahne ich, dass es ein Reichtum ist, den ich nicht einfach abgeben sollte. Wenigstens nicht ganz. Früher, wenn Ostermesse war, gab es das Spiel unter uns Kindern, das Osterlicht, die brennende Kerze, aus der Kirche mit nach Hause zu tragen. Also hatten wir diese Kerze und schützten sie gegen den Wind, auf dass sie nicht erlösche. So ähnlich muss ich meinen Glauben jetzt auch schützen, denke ich.
Am Ende der Reise hat mich kein Pfarrer vom Papst überzeugt. Die meisten wollten es ja auch gar nicht. Es hat etwas Beruhigendes, zu erfahren, auf wie wenig Gehör dieser Papst in seiner Kirche stößt. Sie reden über ihn wie über ein Problem. Wieso sollte ich dann seinetwegen austreten? Wenn sie mich also nicht rauswerfen nach dieser Recherche, werde ich in diesem seltsamen Verein bleiben, sicher noch eine Weile.
Ich habe mir sogar vorgenommen, mal wieder in die Kirche zu gehen (nicht nur an Weihnachten). Gelungen ist es mir noch nicht.
- Datum 18.12.2009 - 14:18 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 17.12.2009 Nr. 52
- Kommentare 37
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Gestern war ich bei einem Geistlichen (zu einem Tischgespräch), der mir einreden wollte, dass man durch die große, ohne Bedingungen, ohne Anforderungen gelebte und geschenkte Liebe (... hier durch den Partner, nicht durch den Papst!) am reichsten beschenkt wird.
Meine Frage (oder nur leise, aber eindringliche Aussage:) Dass auch i c h m i c h verstanden fühlen möchte in einer solchen langjährigen, durch Kinder usw. gesegneter "Liebe" als Anpassung an den anderen, de alles selbstverständlich nimmt - (... die verstand er als Zölibatärer nicht; er fühlte davo nix; er war es zufrieden: Nein, er saß still da. Er "hüpfte nicht dabei im Takt abwechselnd einige Male auf dem rechten und linken Fuße nach vorne und sang mit näselnder Stimme: ‚H–a–a–lä–ä–lu–u–jäh ... Halalala – ha–lälälä–u–u–ha–ha! ...’“(Ja, aus: Ludwig Thoma: "Der Postsekretär im Himmel" übernommen.)
Da klickt man sich durch die sechs Seiten dieses Artikels, hofft, daß am Ende irgendetwas Substantielles herauskommen möge, und dann ist es doch nur die Nabelschau eines ohnehin nicht ernsthaft zweifelnden Katholiken-Praktikanten, aufgewachsen im kuschelweichsten Öku-Katholizismus, gelegentliche Gespräche mit dem Schöpfer und ökumenische Harmonieerlebnisse inklusive.
Es gab wohl keine Pfarrer, die bei der Predigt brüllten wie die ersaufenden Rindviecher, daß AIDS eine Strafe Gottes für Unzucht sei? Kein Herumstehen an den Gräbern an Allerheiligen, frierend, der Pfarrer latscht mit seinen Ministranten mehrmals um den Friedhof herum, die Großmutter erstickt fast an ihrem Weinkrampf, die Umstehenden murmeln den schmerzensreichen Rosenkranz und man möchte einfach nur weglaufen, weil das so grauenvoll ist? Keine Broschüren zuhause, in denen Abtreibungen aus der Sicht des Embryos geschildert wurden, garniert mit Vorwürfen an die unfeine Frau Mutter, oder Informationen zu den Prophezeiungen von Fatima (und wenn ihr nicht brav seid, dann kommt der Weltuntergang)? Keine Kommunionsvorbereitungsheftchen mit Erzählungen, in denen Hostien sich in echtes Fleisch verwandelten, Rotgardisten kurz vor der beabsichtigten Hostienschändungen vor den Tabernakeln verreckten, todkranke jüdische Kinder ohne Wissen der Eltern von christlichen Hilfslehrern notgetauft wurden und Protestanten, die an Fronleichnam einsahen, daß ihr falsches Bekenntnis sie schnurstracks in die Hölle führen würde? [...]
Sie haben hier einen Artikel für lau gelesen und müssen natürlich erstmal drüber herziehen.
Was Sie machen hat sich meiner Meinung nach in der letzten Zeit unter "Nichtgläubingen" ausgebreitet: Sie wollen über das Gewissen anderer herrschen.
Ihr könnt es einfach nicht akzeptieren, dass andere an einen Gott Glauben und kommt in einem Tonfall daher, der alles andere als sachlich ist.
Wenn Sie nicht glauben gut... Aber fangen Sie nicht an, Glaubenden so zu begegnen wie Ihr Kommentar sich liest.
Natürlich gibt es die "Auswüchse des trashig-selbstgerechten Fanatenkatholizismus altbayrischer Fabrikation".
Aber Ihr habt dieselben Auswüchse.
Sie haben hier einen Artikel für lau gelesen und müssen natürlich erstmal drüber herziehen.
Was Sie machen hat sich meiner Meinung nach in der letzten Zeit unter "Nichtgläubingen" ausgebreitet: Sie wollen über das Gewissen anderer herrschen.
Ihr könnt es einfach nicht akzeptieren, dass andere an einen Gott Glauben und kommt in einem Tonfall daher, der alles andere als sachlich ist.
Wenn Sie nicht glauben gut... Aber fangen Sie nicht an, Glaubenden so zu begegnen wie Ihr Kommentar sich liest.
Natürlich gibt es die "Auswüchse des trashig-selbstgerechten Fanatenkatholizismus altbayrischer Fabrikation".
Aber Ihr habt dieselben Auswüchse.
Keine devot-masochistischen (Kinder)heiligen wie Anna de Guigné, Imelda Lambertini, Maria Goretti oder Lidwina die Dulderin? Kein Freundeskreis Maria Goretti, mit seinen Indoktrinationsschriften und seinem stetigen Kampf gegen den Sexualkundeunterricht? Kein Tuntenhausen, Weihenlinden, Altötting, Birkenstein mit expliziten Beschreibungen von Naturkatastrophen, Unfällen und Krankheiten auf Votivtafeln, denen die jeweiligen Stifter nur entgangen seien, weil sie so ausdauernd gebetet hatten - im Gegensatz zu den anderen? Kein Gefühl der Leere und Entfremdung während man in der Kirche stand und sich die verschiedenen Darstellungen von Tod und Leid besah, die zum Blut-, Schweiß- und Tränenkult der Katholiken dazugehören? Und nicht mal das mulmige Gefühl, daß die Allaugenkrake namens Gott einen sogar auf dem Klo und im Dunklen beobachtet, weil sie Kameras mit Nachtsichtgeräten hat, auf jedem Tentakel eines? Keine Schreiereien ("Kind des Teufels!!!") am Sonntagmorgen, weil man keinen Bock mehr auf den Gottesdienst hat und am Wochenende ausschlafen möchte?
All diese Auswüchse des trashig-selbstgerechten Fanatenkatholizismus altbayrischer Fabrikation nicht mitgekriegt? Dann kann ich mir den Kulturschock bei Ratzingers Anblick und den Schock, wenn der Typ den Mund aufmacht, gut vorstellen und würde empfehlen, meine Recherchen mal auf dieses Gebiet auszudehnen. Vielleicht tritt es sich dann ja etwas leichter aus.
Alles was sie beschreiben gibt es und gab es in der Kirche, selbstverständlich. Kirche war und ist es in Teilen immer noch, ein Spiegelbild der Gesellschaft.
Kirche ist auch eine Organisation und damit den menschlichen Missbräuchen ausgesetzt. Engstirnigkeit Bigotterie, Bevormundung ist überall zu finden. Wir haben es uns nur bequem gemacht und den Eiferern das Feld überlassen. Gesellschaften neigen dazu besonders im Wohlstand passiv zu erwarten, dass die Aktiven ihre Aufgabe erfüllen und Dummheit und Machtmissbrauch kontrolliert wird. Doch die Wenigsten tun selbst etwas dafür, sie erwarten das das geregelt wird. Es ist ja schließlich dumm sich angreifbar zu machen, Überzeugungen zu äußern, weil die Spießer, die Angepassten, die Mitläufer die Gelegenheiten ja schon mal nutzen, einen aus dem Rennen zu werfen.
Wer aber diesen Leuten das Feld überlässt und/oder den Respekt vor Ihnen verliert, darf sich nicht wundern, wenn er immer wieder den Club wechseln muss bzw. immer aufs neue enttäuscht wird.
Ein Konsument wird immer enttäuscht werden, nur Gestalter können Zufriedenheit erlangen, sogar die falschen Gestalter, eben weil sie gestalten, statt sich nur zu beschweren.
H.
Alles was sie beschreiben gibt es und gab es in der Kirche, selbstverständlich. Kirche war und ist es in Teilen immer noch, ein Spiegelbild der Gesellschaft.
Kirche ist auch eine Organisation und damit den menschlichen Missbräuchen ausgesetzt. Engstirnigkeit Bigotterie, Bevormundung ist überall zu finden. Wir haben es uns nur bequem gemacht und den Eiferern das Feld überlassen. Gesellschaften neigen dazu besonders im Wohlstand passiv zu erwarten, dass die Aktiven ihre Aufgabe erfüllen und Dummheit und Machtmissbrauch kontrolliert wird. Doch die Wenigsten tun selbst etwas dafür, sie erwarten das das geregelt wird. Es ist ja schließlich dumm sich angreifbar zu machen, Überzeugungen zu äußern, weil die Spießer, die Angepassten, die Mitläufer die Gelegenheiten ja schon mal nutzen, einen aus dem Rennen zu werfen.
Wer aber diesen Leuten das Feld überlässt und/oder den Respekt vor Ihnen verliert, darf sich nicht wundern, wenn er immer wieder den Club wechseln muss bzw. immer aufs neue enttäuscht wird.
Ein Konsument wird immer enttäuscht werden, nur Gestalter können Zufriedenheit erlangen, sogar die falschen Gestalter, eben weil sie gestalten, statt sich nur zu beschweren.
H.
Michael Stolz hätte sich nur eine Frage stellen müssen: Glaube ich an Gott, glaube ich an Jesus, ja oder nein? Darum geht es bei uns Christen, nicht aber ob man den Papst gut findet oder nicht. Der Papst ist nicht Gott, sondern nur der oberster Diener der katholischen Kirche, mehr nicht. Päpste irren sich, Päpste ändern sich, Päpste machen vieles falsch und vieles richtig. Päpste sind normale Menschen.
Das was ich über den Papst hier gesagt habe ist übrigens zutiefst katholisch und selbst Papst Benedikt würde mir Recht geben wenn ich fragen würde ob er das genauso sage. Das sage ich übrigens aus einer tiefen katholischen Überzeugung.
Zum Papst: Ich finde man sollte versuchen sich mit dem Papst inhaltlich auseinander setzen und weniger darauf geben welche Informationsfetzen man irgendwo aufgegriffen hat. Beispiel: Was der Papst in Regensburg gesagt hat war was anderes als Matthias Stolz meint hier als Schlussfolgerung bringen zu müssen. Aber auch was er zu Williamson gesagt hat. Wenn man Pauschalisierungen glaubt ohne den Hintergrund zu kennen kommt man nicht weiter, sondern tut meistens den anderen unrecht.
Ich selber war früher inniger Atheist und der Papst war für mich alles mögliche ... nur kein ernstzunehmender Mensch. Nun bin ich zum Glauben gekommen und habe den Weg in die katholische Kirche gefunden und ich bin sehr froh darüber das man mich wieder aufgenommen hat.
Das meine ich wirklich so, denn für mich ist es etwas besonderes dabei zu sein.
Man sollte sich also inhaöltlich mit dem Papst auseinander setzen. Aha. Alles vollkommen aus dem Kontext gerissen. Wäre doch nett, wenn sie uns an ihrem erleuchteten Hintergrundwissen teilhaben ließen, anstat hier einfach mal so Sachen zu behaupten!
Man sollte sich also inhaöltlich mit dem Papst auseinander setzen. Aha. Alles vollkommen aus dem Kontext gerissen. Wäre doch nett, wenn sie uns an ihrem erleuchteten Hintergrundwissen teilhaben ließen, anstat hier einfach mal so Sachen zu behaupten!
Sie glauben, dass Ihre Leser Ihnen glauben, dass Sie glauben, dass man Sie für diesen Artikel aus dem Verein Kirche rausschmeißen könnte. Trotzdem möchten Sie gerne weiterhin bei denen mitmachen. Aber so richtig Bock haben Sie eigentlich doch nicht (siehe letzter Satz des Artikels).
Ich neige eher dazu, das Gegenteil zu glauben: Entweder Sie wurden bereits für Ihre gute Kirchenwerbung von dieser bezahlt oder man wird Ihnen für Ihren Artikel sehr dankbar sein und Sie beglückwünschen.
Ein sehr interessanter und lesenswerter Artikel.Die beschriebenen Zweifel kennt wohl jeder Katholik,aber Zweifel sind m.E. "normal",wenn man sich mit seinem Glauben auseinandersetzt.
Nur sollten sie nicht zur Identitätskrise führen.Und ansonsten möchte ich mich einem Vorredner anschliessen:
"...Glaube ich an Gott, glaube ich an Jesus, ja oder nein? Darum geht es bei uns Christen, nicht aber ob man den Papst gut findet oder nicht."
Ich finde es schlichtweg geschmacklos, die vertrauliche Situation eines Beichtgesprächs schamlos auszunutzen. Nicht nur, dass es genug Anhaltspunkte gibt, die entsprechenden Beichtväter zu identifizieren, die gleichgültige Attitüde des Autors lässt mir das Blut in den Adern gefrieren. So kalte Artikel möchte ich einfach nicht lesen. Wenn der Autor mir eine bessere Alternative zeigen kann, wo ich Frieden, Gerechtigkeit, Licht und eine Liebe finden kann, die nicht enttäuscht und wahr ist, dann nehme ich ihn ernst. So aber zieht mich das destruktive Gesäusel nur herunter. Frohe Weihnachten! Und dem Autor eine extra Portion Zuwendung vom Himmel.
dem ist nichts mehr hinzuzufügen...frohe Weihnachten
dem ist nichts mehr hinzuzufügen...frohe Weihnachten
dem ist nichts mehr hinzuzufügen...frohe Weihnachten
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