Schulunterricht im Internat

Eine starke Schule

Das Motto der Internatsleiterin Annette von Rantzau lautet: "Stärken stärken, Schwächen schwächen." Sie hat ein Buch über ihre Schüler geschrieben.

Der Unterschied zwischen der deutschen und der angelsächsischen Pädagogik, hat ein kluger Kenner beider Systeme einmal formuliert, sei der, dass die Engländer eher auf die Stärken der Schüler setzten, die Deutschen aber lieber auf ihren Schwächen herumritten. Annette von Rantzau führt das Internat Schloss Rohlstorf in der Nähe von Bad Segeberg. Das Motto ihrer Schule ist »Stärken stärken, Schwächen schwächen«. Rohlstorf ist anders als die klischeehafte Vorstellung von deutschen Internaten. An der Schule gibt es nicht nur eine Sorte Kinder und eine Sorte Examen, es gibt Kinder mit allerlei möglichen und unmöglichen Hintergründen, und der Hauptschulabschluss wird ebenso angestrebt wie das Abitur. Hauptsache, Abschluss und nicht Abbruch, heißt die Devise.

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Annette von Rantzau erzählt in ihrem Buch von Kindern, die viele Hürden überwunden haben, obwohl man sie bereits als Versager aussortiert hatte. Sie schreibt aber auch von Kindern, die als kleine Egoisten eintrafen und durch die Gemeinschaft geläutert wurden. Die Pädagogik, die Rantzau in ihrer Schule seit zehn Jahren erprobt, erinnert in ihren Prinzipien ein bisschen an Kurt Hahn und seine Erlebnispädagogik. Sport und die Erfahrung, etwas allein oder in der Gruppe zu meistern, sei es beim Angeln oder beim Segeltörn, spielen eine große Rolle. Ganzheitliche Pädagogik lässt sich in einem Internat mit überschaubarer Schülerzahl und engagiertem Personal offenbar besser verwirklichen als in großen Halbtagsschulen. Ein Kind wie der im Buch beschriebene Oliver, der als funktionaler Analphabet nach Rohlstorf kam, konnte durch gezielte Einzelförderung zum Hauptschulabschluss geführt werden. Er wurde nicht als Problemkind behandelt, sondern fand im Internat immer wieder Gelegenheit, seine Begabungen für Sport und Technik zu entfalten. Jetzt träumt er sogar vom Realschulabschluss.

Annette von Rantzau: Wir mögen dich so, wie du bist

Stärken stärken und Schwächen schwächen in der Gemeinschaft; Passagen Verlag, Wien 2009; 228 S., 24,90 €

 
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Leser-Kommentare

  1. , in Deutschland eine Internat-Schule zu besuchen, als ein Hauptschule in Großstädten. Ar

  2. Was wollte oder sollte uns dieser Artikel sagen?

    Wahrscheinlich, dass wir das Buch kaufen sollen ...

    ... schade um die Zeit zum Verfassen, Einstellen und Lesen.

    Das Thema ist wichtig, da sollten nur Texte mit Inhalt zu verfasst werden.

  3. Na, um was geht es denn nun in dem Buch? Was heißt denn dort "Stärken stärken"? Von Hansi sagt seine Lehrerin auch: "In Deutsch ist er schwach, aber Mathe ist seine STÄRKE, da fördern wir ihn!" Als Ich-kann-Schule-Lehrer finde ich es allerdings pervers, die Stärken zu "fördern", die eh schon stark sind und die das Kind schon als stark mitgebracht hat. Da sollten sich Pädagogen nicht mit fremden Federn schmücken.
    Um die schwachen und geschwächten STÄRKEN geht es! Die müssen gestärkt werden. Und wenn Hansi in Mathe bisher VER-SAGT = NEIN zu sich selber sagt, dann ist es meine Aufgabe als Lehrer, ihn zu einem JA-Sager zu sich selbst und seinen Schreib- und weiteren Fähigkeiten zu erZIEHen. ErZIEHen heißt konkret, dass ich mir dafür was einfallen lasse, was ZIEHT. Stärken stärken, die das dringend brauchen ist oberstes Ich-kann-Schule-Prinzip; für Schwächenschwächen aber würde ich nicht den kleinen Finger krumm machen, die erledigen sich von selbst, wenn die Stärken stark sind. Ich grüße freundlich.
    Franz Josef Neffe

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  • Von Christine Brinck
  • Datum 22.12.2009 - 10:24 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 17.12.2009 Nr. 52
  • Kommentare 3
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