Lernsoftware in der Schule Klug, aber gefährlich?Seite 2/2

Auch Fileccia kennt diese Argumente – und trotzdem wird er nicht müde, seine Position zu erklären: Gerade weil die Spiele zum Alltag der Jugendlichen gehörten, müssten sie in den Unterricht integriert werden. Um zu verdeutlichen, dass die Gefahr mancher Computerspiele kein Argument für ihre Verbannung aus dem Unterricht ist, sondern vielmehr ein Grund dafür, sie einzusetzen, erzählt er das Beispiel von Bastian. Einmal seien nach dem Unterricht Schüler auf ihn zugekommen und hätten ihm erzählt, dass sie sich Sorgen um Bastian machten. Ganze Tage und Nächte würde er vor dem Computer sitzen und spielen.

»Dadurch, dass ich diese Spiele nicht grundsätzlich verteufele, haben die Jugendlichen Vertrauen zu mir. Sie wissen, dass sie solche Probleme ansprechen können.« Fileccia fand gemeinsam mit den Eltern des Jungen eine Lösung: Sie überzeugten ihn, sich psychologisch betreuen zu lassen. »Wir müssen auf die Kluft zwischen schulischer und medialer Lebenswelt reagieren und die Herausforderungen dieser Entwicklung aktiv gestalten«, sagt auch Michael Wagner von der Universität Krems.

Dass Computerspiele als Lernhilfsmittel genutzt werden können, hat die Spiele-Industrie schon länger erkannt und bringt immer neue Produkte auf den Markt, die versuchen wollen, bestimmte Kompetenzen spielerisch zu vermitteln. Mit sogenannten Serious Games sollen schulische Inhalte transportiert werden. Dennoch: Wer glaubt, durch den Einsatz dieser Spiele die Lehrer zu entlasten, liegt falsch. »Je komplexer das Medium ist, umso mehr ist der Pädagoge gefordert, die Eindrücke und Lernerfolge einzuordnen und zu strukturieren«, sagt der Medienpädagoge Helmut Meschenmoser. Dafür aber brauche man Lehrer mit hoher Medienkompetenz – und genau darin sieht Meschenmoser das Hauptproblem.

Es fehlten grundsätzliche Kenntnisse über den Nutzen der Spiele im Unterricht: »Viele kennen nur die Ballerspiele und wissen gar nicht, welche qualitativ hochwertigen Angebote es gibt.« Aber auch die Inhalte, die bei bestimmten Spielen vermittelt würden, müssten sorgfältig geprüft werden. Gerade für Kinder, die in der Schule eher schwache Leistungen zeigten, jedoch einen großen Erfahrungsschatz beim Spielen am Computer hätten, könnten solche Spiele und ihr Einsatz im Unterricht durchaus sinnvoll sein. Denn im Gegensatz zum sonst eher lehrerzentrierten Schulunterricht könne der Schüler beim Computerspiel sein eigenes Tempo individuell bestimmen, sagt Meschenmoser. Die Motivation »Ich will selber etwas lernen« komme auf diese Weise eher, als wenn der Lehrer alles vorgebe. Letztendlich gibt es aber für ihn kein Entweder-oder: Jedes Medium habe seine Berechtigung, sagt er, aber Computerspiele komplett aus dem Unterricht zu verbannen grenze an Realitätsverweigerung.

 
Leser-Kommentare
  1. Diese Einstellung der konservativen Lehrer verwundert mich kein Bisschen. Es ist ja nicht so, dass es nur an Computerspielen liegt. Lehrer haben wohl generell ein Problem mit Spielen aller Art im Unterricht. Ich persöhnlich habe Einsatz von Spielen im Unterricht allgemein nur bei Sprachlehrern beobachtet und dann auch bei selbstständigen Profis und nicht bei Beamten aus der Schule.

  2. spielerisch lernen ist das einfachste und beste konzept. wieso sonst wird es so oft im tierreich praktiziert? wie lernen wohl raubkatzen, wie sie sich behaupten?

    wie würden menschen das lernen am besten lernen? genau, durch spielen.

    aber wenn man sich die mehrzahl der menschen anschaut, die betreuer oder lehrer werden, muss man sich nicht wundern. das sind idioten, wie sie im buche stehen. ist mir gerade heute wieder negativ aufgefallen, als ein kindergarten ausflug hatte. diesen frauen, die die gruppen betreuen, würde ich meine kinder nicht anvertrauen. ehrlich nicht.

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    "aber wenn man sich die mehrzahl der menschen anschaut, die betreuer oder lehrer werden, muss man sich nicht wundern. das sind idioten, wie sie im buche stehen."

    Ach ja, was freut man sich als angehender Lehrer immer über diese Kommentare. Nichts gegen Sie, aber mich wundert es nicht, dass die Berufswahl für viele so tabubehaftet ist.

    Zum Thema: Ich befürworte das in jeder Hinsicht. Wir haben eine solche Fülle an hochwertigen interaktiven Medien, dass es geradezu unverantwortlich und höchst irrational ist, diese nicht zu nutzen. Dass Computerspiele ausschließlich zur Zerstreuung dienen hielt ich schon immer für unfundiert.

    "aber wenn man sich die mehrzahl der menschen anschaut, die betreuer oder lehrer werden, muss man sich nicht wundern. das sind idioten, wie sie im buche stehen."

    Ach ja, was freut man sich als angehender Lehrer immer über diese Kommentare. Nichts gegen Sie, aber mich wundert es nicht, dass die Berufswahl für viele so tabubehaftet ist.

    Zum Thema: Ich befürworte das in jeder Hinsicht. Wir haben eine solche Fülle an hochwertigen interaktiven Medien, dass es geradezu unverantwortlich und höchst irrational ist, diese nicht zu nutzen. Dass Computerspiele ausschließlich zur Zerstreuung dienen hielt ich schon immer für unfundiert.

  3. 3.

    "aber wenn man sich die mehrzahl der menschen anschaut, die betreuer oder lehrer werden, muss man sich nicht wundern. das sind idioten, wie sie im buche stehen."

    Ach ja, was freut man sich als angehender Lehrer immer über diese Kommentare. Nichts gegen Sie, aber mich wundert es nicht, dass die Berufswahl für viele so tabubehaftet ist.

    Zum Thema: Ich befürworte das in jeder Hinsicht. Wir haben eine solche Fülle an hochwertigen interaktiven Medien, dass es geradezu unverantwortlich und höchst irrational ist, diese nicht zu nutzen. Dass Computerspiele ausschließlich zur Zerstreuung dienen hielt ich schon immer für unfundiert.

    • Nandus
    • 19.12.2009 um 8:49 Uhr

    Bilden war in einer Phase meiner Jugend, gang und gäbe: zwar nicht im elektronischen Spielumfeld, dafür aber mit z.T. nächtelangen Runden des Wissenspiels "Trivial Pursuit" mit manchmal recht spannenden Auswüchsen, wie z.B. anschließenden (philosophischen) Diskusssionen. Für mein Verständnis von der Welt hat mir das sicher wesentlich mehr gebracht als die Fläche unter einer Kurver zu berechnen oder arme kleine Gedichte mittels Jambus, Dactylus & Co zu filetieren. Nebenbei hat es auch einfach Spaß gemacht und soziale Bindungen gestärkt.

    Zu Baller (bzw. sog. "Killer") -Spielen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß sie mich nie auch nur ansatzweise dazu gebracht hätten irgendwelche pervertierten Realitätsvorstellungen zu entwickeln - im Gegenteil, ein guter EgoShooter (wie es korrekt heisst - auch in Bayern), sorgt wegen ansprechnder Graphik für gute Laune und durch die entstehende Anspannung während des Spiels dannach für absolute Entspannung.

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    @ Nandus
    "Zu Baller (bzw. sog. "Killer") -Spielen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß sie mich nie auch nur ansatzweise dazu gebracht hätten irgendwelche pervertierten Realitätsvorstellungen zu entwickeln"

    - das ist genau der richtige Ansatz, denn auch diese Art von Spielen ist für 99% aller Spieler eine harmlose Unterhaltungsmethode. Es gibt immer Menschen die nicht damit umgehen können, das muss nicht unbedingt jetzt bei Computer/Konsole sein, sondern auch dem Fernsehen. Die Spiele die in den Medien an den Pranger gestellt werden, sind zumeist für Erwachsene gedacht, also USK 18. Wenn Kinder und Jugendliche an diese Spiele kommen, dann ist das nicht die Schuld der Spieleentwickler sondern der unverantwortlichen Verkäufer (genau wie beim Verkauf von Alkohol an nicht Volljährige).

    @captainmic:
    Ich selbst studiere auch Lehramt und finde solche pauschalen Verunglimpfungen unmöglich. Gut man kann schon sagen, dass Pädagogen z. T. ein recht seltsames Völkchen seien können. Das hängt immer von der Person im Einzelnen ab. Aber dahinter steckt Methode - es geht um das Erziehen von Kindern. Die einen machen dies sehr statisch, die anderen setzen es unbemerkt gut um. Da ist man halt wieder bei der Problematik guter/schlechter Lehrer oder Betreuerin.

    @ Nandus
    "Zu Baller (bzw. sog. "Killer") -Spielen kann ich aus eigener Erfahrung sagen, daß sie mich nie auch nur ansatzweise dazu gebracht hätten irgendwelche pervertierten Realitätsvorstellungen zu entwickeln"

    - das ist genau der richtige Ansatz, denn auch diese Art von Spielen ist für 99% aller Spieler eine harmlose Unterhaltungsmethode. Es gibt immer Menschen die nicht damit umgehen können, das muss nicht unbedingt jetzt bei Computer/Konsole sein, sondern auch dem Fernsehen. Die Spiele die in den Medien an den Pranger gestellt werden, sind zumeist für Erwachsene gedacht, also USK 18. Wenn Kinder und Jugendliche an diese Spiele kommen, dann ist das nicht die Schuld der Spieleentwickler sondern der unverantwortlichen Verkäufer (genau wie beim Verkauf von Alkohol an nicht Volljährige).

    @captainmic:
    Ich selbst studiere auch Lehramt und finde solche pauschalen Verunglimpfungen unmöglich. Gut man kann schon sagen, dass Pädagogen z. T. ein recht seltsames Völkchen seien können. Das hängt immer von der Person im Einzelnen ab. Aber dahinter steckt Methode - es geht um das Erziehen von Kindern. Die einen machen dies sehr statisch, die anderen setzen es unbemerkt gut um. Da ist man halt wieder bei der Problematik guter/schlechter Lehrer oder Betreuerin.

  4. Da an deutschen Gymnasien/Universitäten vor allem akademische Amateurpädagogen ihr Unwesen treiben (Studium der Physik, Mathematik, Germanistik etc, mit anschließendem Workshop: Überleben im Klassenzimmer), werden es wohl lange die Gamedesigner sein, welche Kinder und Jugendliche in ihren Bann ziehen. Schon heute holt sich meine Tochter ihr Wissen über Algebra etc. verständlicher aus kleinen Videos bei YouTube als im Mathe-Unterricht. Schade, denn die Forschung hat bereits seit langem erstaunliche Erkenntnisse darüber gewonnen wie lehren und lernen effektiver und kreativer umzusetzen sind. Bildungspolitisch befinden wir uns unweit des frühen 19. Jahrhundert, daran haben auch die 68ziger-Vorruheständler nichts wesentlich geändert. Im Gegenteil: anstelle kreativem Denken, gibt es Hochdruck-Studiengänge mit Junggesellen-Abschluss auf der Basis von "Wissensvermittlung im Spritzgussverfahren". Allein die Namensgebung "Bachelor" ist eine Bankrotterklärung der deutschen Bildungspolitik. Man kann nur hoffen, dass wirklich bald ein iPod-App "Abi" auf den Markt kommt oder Nintendo und Sony sich dem Problem annehmen...

  5. Da an deutschen Gymnasien/Universitäten vor allem akademische Amateurpädagogen ihr Unwesen treiben (Studium der Physik, Mathematik, Germanistik etc, mit anschließendem Workshop: Überleben im Klassenzimmer), werden es wohl lange die Gamedesigner sein, welche Kinder und Jugendliche in ihren Bann ziehen. Schon heute holt sich meine Tochter ihr Wissen über Algebra etc. verständlicher aus kleinen Videos bei YouTube als im Mathe-Unterricht. Schade, denn die Forschung hat bereits seit langem erstaunliche Erkenntnisse darüber gewonnen wie lehren und lernen effektiver und kreativer umzusetzen sind. Bildungspolitisch befinden wir uns unweit des frühen 19. Jahrhundert, daran haben auch die 68ziger-Vorruheständler nichts wesentlich geändert. Im Gegenteil: anstelle kreativem Denken, gibt es Hochdruck-Studiengänge mit Junggesellen-Abschluss auf der Basis von "Wissensvermittlung im Spritzgussverfahren". Allein die Namensgebung "Bachelor" ist eine Bankrotterklärung der deutschen Bildungspolitik. Man kann nur hoffen, dass wirklich bald ein iPod-App "Abi" auf den Markt kommt oder Nintendo und Sony sich dem Problem annehmen...

  6. Da an deutschen Gymnasien/Universitäten vor allem akademische Amateurpädagogen ihr Unwesen treiben (Studium der Physik, Mathematik, Germanistik etc, mit anschließendem Workshop: Überleben im Klassenzimmer), werden es wohl lange die Gamedesigner sein, welche Kinder und Jugendliche in ihren Bann ziehen. Schon heute holt sich meine Tochter ihr Wissen über Algebra etc. verständlicher aus kleinen Videos bei YouTube als im Mathe-Unterricht. Schade, denn die Forschung hat bereits seit langem erstaunliche Erkenntnisse darüber gewonnen wie lehren und lernen effektiver und kreativer umzusetzen sind. Bildungspolitisch befinden wir uns unweit des frühen 19. Jahrhundert, daran haben auch die 68ziger-Vorruheständler nichts wesentlich geändert. Im Gegenteil: anstelle kreativem Denken, gibt es Hochdruck-Studiengänge mit Junggesellen-Abschluss auf der Basis von "Wissensvermittlung im Spritzgussverfahren". Allein die Namensgebung "Bachelor" ist eine Bankrotterklärung der deutschen Bildungspolitik. Man kann nur hoffen, dass wirklich bald ein iPod-App "Abi" auf den Markt kommt oder Nintendo und Sony sich dem Problem annehmen...

  7. Ruhig mal den Trailer anschauen:

    http://www.techforce.de/p...

    Im Bereich der Pädagogik liegt noch vieles brach, in Bezug auf "spielerisches lernen" am PC.

    ... fast ein wenig schade, dass nur "die Sims" erwähnt wurden.

    http://de.wikipedia.org/w...

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