Forschungsförderung Platz für große Träume

Mit dem neuen Institute of Science and Technology (IST) will Österreich die besten Naturwissenschaftler aus aller Welt anlocken. Werden die Forscher dem Ruf in die Provinz folgen?

Österreichs Exzellenzinitiative: Am Institute of Science and Technology (IST) soll Spitzenforschung gebündelt werden

Österreichs Exzellenzinitiative: Am Institute of Science and Technology (IST) soll Spitzenforschung gebündelt werden

Der Präsident bittet zum Interview. Er werde auf Englisch antworten, erklärt sein Sprecher schon am Telefon, dafür könnten die Fragen auf Deutsch gestellt werden. »Der Präsident versteht jedes Wort. Er fühlt sich nur wohler, wenn er Englisch sprechen kann.«

Es ist eine Episode, die eigentlich nicht weiter bemerkenswert ist in der Welt der Spitzenforschung von MIT, Harvard oder der ETH Zürich, in der das Führungspersonal international rekrutiert wird. Eigentlich. Denn der erste Präsident des Institute of Science and Technology Austria (IST), der Interviews mit deutschsprachigen Journalisten grundsätzlich nur auf Englisch gibt, heißt Thomas Henzinger und ist geborener Österreicher. Muttersprache: Deutsch.

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Im vergangenen Herbst wurde es eröffnet, das Institut, das Österreichs Anschluss an die wissenschaftliche Weltklasse sichern soll – doch vorerst sind es vor allem eigenwillige Gesten, die den Anspruch des IST demonstrieren.

Das IST Austria sei Österreichs Version der deutschen Exzellenzinitiative, verkündet sein erster Präsident stolz, im Grunde jedoch ist es mehr eine Art Antithese, ein radikaler Gegenentwurf: Anders als die Deutschen hat die ehemalige Regierungskoalition aus Konservativen und der rechtsgerichteten FPÖ sich vor fünf Jahren entschieden, nicht das bestehende Uni-System in all seinen vermeintlichen Verkrustungen aufzuwerten, sondern etwas ganz Neues zu schaffen. Eine Spitzen-Uni am Reißbrett sozusagen, die die besten Naturwissenschaftler aus aller Welt anziehen soll.

Leser-Kommentare
    • th
    • 18.12.2009 um 15:52 Uhr
    1. Na ja

    daraus kann ein großer Erfolg, ein Flop oder etwas Mittelmäßiges werden - der Artikel berichtet ja eigentlich nur über das - natürlich äußerst wichtige - Beiwerk: Finanzierung, Standort, Internationalität, "Exzellenz", auch Landschaft (Niederösterreich) und Leute (ehemalige Heiminsassen) werden nicht vergessen, und der Neid der Kollegen findet seinen Platz.

    Das einzige, worüber man wenig erfährt, ist:

    was machen die "exzellenten" Leute?
    wie machen sie es?
    Kurze Fragen, zu deren Beantwortung man lange Texte mit vielen Abbildungen schreiben könnte.

    Und hier liegt die Crux der Berichterstattung über Wissenschaft:
    von der eigentlichen Arbeit kann nur wenig gesprochen werden - deshalb weicht man aus in Fragen des Wissenschafts-Managements, der Wissenschafts-Politik und des Wissenschafts-Marketings, wie z.B. Rankings, Bologna-Prozesse, Instituts-Benennungen usw.

    Im Hintergrund aber lauert die Bedrohung durch immer neue Formen von Richard Feynmans "Cargo Cult Science". Das soll kein Vorwurf, nicht einmal eine Kritik sein, sondern nur eine leise Anmerkung, dass das Streben nach "Exzellenz" mit allem was dazugehört nicht das Streben nach wissenschaftlichen Ergebnissen ersetzen kann.

    s. wikipedia,
    "http://de.wikipedia.org/wiki/Cargo-Kult-Wissenschaft"

    bzw. Originaltext:
    "http://calteches.library.caltech.edu/51/2/CargoCult.pdf"

    • bgohla
    • 18.12.2009 um 19:02 Uhr

    bitte schreiben sie doch nicht «computerwissenschaft». auf englisch heisst es zwar leider «computer science», aber auf deutsch sagt man eigentlich informatik. diese hat bekanntermassen soviel mit computern zu tun, wie astronomie mit teleskopen.

  1. ... anlocken, internationales Kapital anlocken, "Experten" anlocken. Gähhhn. Ich kann Kommentator 1 nur recht geben, die Verwalter wissen vor Prestigegeilheit offenbar nicht wohin.

    Depremierend ist vor allem: nichts davon müsste man anlocken. Experten und Spitzenforscher kann man unter guten Bedingungen leicht selbst ziehen, sogar das kleine Österreich hätte dazu genug Leute und die müssten dann noch nichtmal unbedingt englisch schwafeln (auch so eine Sache die extrem nervt). Kapital entsteht, wie überall, durch Schulden, auch die kann man selbst machen, dafür braucht man keine externen Geldgeber, denen man dann Rendite und Zinsen zahlen muss. Nichts davon haben unsere Politiker verstanden.

    Statt gemeinsam aufzubauen, balgt man sich wie im Kindergarten um die wenigen zufällig gelungenen Scherenschnitte und nennt das dann internationale Konkurrenz. Und wenn jemand sich geschickt mit der Schere anstellt, verdoppeln die anderen ihre Anstrengungen, ihm das Arbeitsergebnis zu entreißen. Perverse kranke Welt!

    Na, sehen wir es positiv, wenigstens arbeiten künftig einige fähige Leute unter guten Bedingungen, auch wenn dann im nächsten Jahr halt wieder die Studenten auf die Straße gehen müssen, weil die Studienbedingungen sich mal wieder verschlechtern und es mal wieder heißt: "Kein Geld, liebe Kinder! Ihr wisst ja wie das ist: die harte internationale Konkurrenz! *Seufz*"

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