Forschungsförderung Platz für große TräumeSeite 5/5

Ein paar Türen weiter haben sich Paul Bendich, 30, und Bei Wang, 28, eingerichtet. Bendich ist Amerikaner, Wang Chinesin. Bis vor Kurzem haben beide an der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina gearbeitet, Bendich als Postdoc, Wang an ihrer Doktorarbeit. Dann ist ihr Professor von Thomas Henzinger abgeworben worden, und sie mussten mitgehen. Jetzt geben sie sich Mühe, das Positive an ihrer Situation herauszustellen. »Das ist für mich wie ein Auslandssemester«, sagt Bei Wang, die »auf jeden Fall« nach Amerika zurückgehen will. Bendich hat immerhin einen Zweijahresvertrag. »Als Wissenschaftler muss man flexibel sein«, sagt er, seine Augen blitzen hinter den runden Brillengläsern auf. »Man muss da hingehen, wo die Jobs sind. So einfach ist das.«

Was auch heißt: Die guten Wissenschaftler, die nach Klosterneuburg kommen, sind genauso schnell wieder weg, wenn ihnen eine andere Hochschule bessere Bedingungen bietet. Wäre es daher doch nachhaltiger gewesen, die Exzellenzmillionen ausschließlich in bestehenden Universitäten anzulegen? Nein, sagt selbst Wiens Uni-Rektor Winckler, der sich von Anfang an um Fairness gegenüber dem neuen Institut bemüht hat. »Aber man hätte parallel weitere Hochschulen prämieren müssen.« Genau das war ursprünglich geplant, doch hat die Regierung das Projekt aus Finanznot abgesagt. »Was bei vielen Rektoren hängen bleibt, ist darum nicht der positive Qualitätseffekt durch das IST, sondern die Tatsache, dass durch die einseitige Förderung für die anderen Gelder fehlen.«

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Und doch wäre es zu einfach, die Rolle der Bedenkenträger allein den Rektoren zuzuschieben, deren Hochschulen bei der Förderung leer ausgegangen sind – oder den Studenten, die mehr für sich selbst herausholen wollen. Selbst IST-Vordenker Olaf Kübler fängt an zu drucksen, sobald die Rede auf das deutsche Beispiel Exzellenzinitiative kommt. Nun ja, das sei schon auch eine tolle Sache, murmelt er, gibt sich einen Ruck und wird plötzlich deutlich: »Diese Bindung, diese Nachhaltigkeit – das an einem neuen Institut mit einer anfänglich aus der ganzen Welt zusammengesuchten Söldnertruppe zu erreichen ist eine formidable Aufgabe. Ich hoffe natürlich, dass es bei IST Austria gelingt.«

So ist das erhoffte Weltklasseinstitut im Jahr eins seines Betriebs vor allem eine Projektionsfläche für Forscherträume, deren provisorische Mensa im Keller des Altbaus mit acht Tischen und einer kleinen Salatbar auskommt.

Zwischen den Gebäuden und Baugrundstücken verlieren sich die Arbeiter, dazu ein paar verbliebene Bewohner der früheren Anstalt, die noch oben auf dem Berg in einem Heim leben, und ab und an ein paar Besucher, denen der Pressesprecher das Gerippe des künftigen Laborbaus zeigt. »Wir haben keine Angst vor den deutschen Eliteuniversitäten«, sagt Thomas Henzinger am Ende noch. Wie gesagt, der Anspruch ist schon da.

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Leser-Kommentare
    • th
    • 18.12.2009 um 15:52 Uhr
    1. Na ja

    daraus kann ein großer Erfolg, ein Flop oder etwas Mittelmäßiges werden - der Artikel berichtet ja eigentlich nur über das - natürlich äußerst wichtige - Beiwerk: Finanzierung, Standort, Internationalität, "Exzellenz", auch Landschaft (Niederösterreich) und Leute (ehemalige Heiminsassen) werden nicht vergessen, und der Neid der Kollegen findet seinen Platz.

    Das einzige, worüber man wenig erfährt, ist:

    was machen die "exzellenten" Leute?
    wie machen sie es?
    Kurze Fragen, zu deren Beantwortung man lange Texte mit vielen Abbildungen schreiben könnte.

    Und hier liegt die Crux der Berichterstattung über Wissenschaft:
    von der eigentlichen Arbeit kann nur wenig gesprochen werden - deshalb weicht man aus in Fragen des Wissenschafts-Managements, der Wissenschafts-Politik und des Wissenschafts-Marketings, wie z.B. Rankings, Bologna-Prozesse, Instituts-Benennungen usw.

    Im Hintergrund aber lauert die Bedrohung durch immer neue Formen von Richard Feynmans "Cargo Cult Science". Das soll kein Vorwurf, nicht einmal eine Kritik sein, sondern nur eine leise Anmerkung, dass das Streben nach "Exzellenz" mit allem was dazugehört nicht das Streben nach wissenschaftlichen Ergebnissen ersetzen kann.

    s. wikipedia,
    "http://de.wikipedia.org/wiki/Cargo-Kult-Wissenschaft"

    bzw. Originaltext:
    "http://calteches.library.caltech.edu/51/2/CargoCult.pdf"

    • bgohla
    • 18.12.2009 um 19:02 Uhr

    bitte schreiben sie doch nicht «computerwissenschaft». auf englisch heisst es zwar leider «computer science», aber auf deutsch sagt man eigentlich informatik. diese hat bekanntermassen soviel mit computern zu tun, wie astronomie mit teleskopen.

  1. ... anlocken, internationales Kapital anlocken, "Experten" anlocken. Gähhhn. Ich kann Kommentator 1 nur recht geben, die Verwalter wissen vor Prestigegeilheit offenbar nicht wohin.

    Depremierend ist vor allem: nichts davon müsste man anlocken. Experten und Spitzenforscher kann man unter guten Bedingungen leicht selbst ziehen, sogar das kleine Österreich hätte dazu genug Leute und die müssten dann noch nichtmal unbedingt englisch schwafeln (auch so eine Sache die extrem nervt). Kapital entsteht, wie überall, durch Schulden, auch die kann man selbst machen, dafür braucht man keine externen Geldgeber, denen man dann Rendite und Zinsen zahlen muss. Nichts davon haben unsere Politiker verstanden.

    Statt gemeinsam aufzubauen, balgt man sich wie im Kindergarten um die wenigen zufällig gelungenen Scherenschnitte und nennt das dann internationale Konkurrenz. Und wenn jemand sich geschickt mit der Schere anstellt, verdoppeln die anderen ihre Anstrengungen, ihm das Arbeitsergebnis zu entreißen. Perverse kranke Welt!

    Na, sehen wir es positiv, wenigstens arbeiten künftig einige fähige Leute unter guten Bedingungen, auch wenn dann im nächsten Jahr halt wieder die Studenten auf die Straße gehen müssen, weil die Studienbedingungen sich mal wieder verschlechtern und es mal wieder heißt: "Kein Geld, liebe Kinder! Ihr wisst ja wie das ist: die harte internationale Konkurrenz! *Seufz*"

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