Auslandsstudium Kulturschock in vier Phasen
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Wer sich kein voreiliges Urteil bilden will, sollte keine Reiseführer lesen

Wer sich kein voreiliges Urteil bilden will, sollte keine Reiseführer lesen

Mit dieser Erkenntnis befindet er sich, der Vierstufentheorie des Anthropologen Kalervo Oberg zufolge, schon in Phase Nummer vier des Kulturschocks. Der Amerikaner unterteilte die Zeit, in der man versucht, sich in eine fremde Gesellschaft zu integrieren, in verschiedene Abschnitte.

Auf die »Honeymoon-Phase«, in der alles aufregend erscheint, folgt eine Periode der Ernüchterung, in der Fremdes als merkwürdig oder gar minderwertig wahrgenommen wird. Erst danach kommen die beiden letzten Stadien Erholung und Anpassung, in denen man andere Verhaltensweisen versteht und bestimmte Werte sogar übernimmt.

Wie lange die Phasen dauern, ist zwar individuell verschieden, aber wer glaubt, Erkenntnisse über »die Franzosen« oder »die Finnen« gesammelt zu haben, ist über Phase zwei nicht hinausgekommen. In keinem Land existieren feste Regeln, die für alle Menschen gelten. Denn überall trifft man auf Individuen mit unterschiedlicher Sozialisation.

»Crashkurse, die Studenten vermitteln, durch welches Benehmen sie klassische Missverständnisse im Gastland vermeiden können, helfen nicht«, meint Yvonne A. Henze, »viel wichtiger ist es, die Selbstwahrnehmung zu schulen und zu erklären, dass man andere Länder nicht nach den eigenen Maßstäben bewerten sollte.«

Genau das fiel Christina Geller schwer, die ein Semester in Cincinnati studierte und gerade ihren Bachelor in Kommunikationswissenschaften macht. »In den Vereinigten Staaten ist die Kriminalität so hoch, dass man nach 21 Uhr nicht allein von der Uni nach Hause gehen kann«, sagt sie, »es gibt einen walk home- Service, ein Shuttlebus holt die Studenten ab.« In einem Fast-Food-Restaurant sah sie, wie ein Polizist einen Betrunkenen anpöbelte und brutal hinauswarf. »In Deutschland wäre so etwas nicht passiert«, meint sie. Das mag stimmen, aber andere Länder mit dem eigenen zu vergleichen ist eben verkehrt.

Kürzere Auslandsaufenthalte, die gerade im Trend liegen, haben den Nachteil, dass man entweder nur auf der Euphoriewelle schwimmt oder gar nicht richtig ankommt. In beiden Fällen neigen Rückkehrer oft zu fatalen Verallgemeinerungen, nach dem Motto: »Alle amerikanischen Polizisten sind gewalttätig« oder »In Mexiko wird immer gefeiert, die Leute nehmen das Leben einfach leichter«.

Christian Ziegler hat vor der Abreise bewusst niemanden nach seiner Meinung über Argentinien gefragt und keine Reiseführer gelesen, um sich kein voreiliges Urteil zu bilden. Nach dem Besuch in Villa General Belgrano wollte er wissen, was seine argentinischen Freunde von Deutschen halten. Von einer Studentin, die ein Jahr lang in Hamburg war, bekam er folgende Antwort: »Mir ist aufgefallen, dass deutsche Studenten wenig über Argentinien wissen. Alle haben mich gefragt, ob ich den Autor Jorge Luis Borges mag, und wollten mit mir in Tangoshows gehen, dabei hasse ich die Musik. Ehrlich gesagt, fand ich das ganz schön anstrengend.«

 
Leser-Kommentare
  1. Allgemeine Aussagen und sogenannte Klischees sind oft eine notwendige Form der Vorinformation und sind im regelfall auch nicht vollkommen aus der Luft gegriffen.

    Deswegen halte ich es fuer etwas arg oberlehrerhaft, soclhe Saetze zu schreiben.

    "In keinem Land existieren feste Regeln, die für alle Menschen gelten. Denn überall trifft man auf Individuen mit unterschiedlicher Sozialisation."

    Das weiss jeder und erklaert das Thema auch nicht gut.

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    Unvorbereitet einen Auslandsaufenthalt anzugehen, also alle Reiseführer u sonstigen Möglichkeiten zu meiden und über keine Kenntnisse der Landessprache zu verfügen, ist viel schlimmer als sich zur Not mit klischehaften Vereinfachungen zu behelfen.

    Wahrscheinlich hat fast jedes Land eine kleine Subkultur in der kurze Hosen, lange Haare und Iron Maiden T-Shirt (bitte passende Subkultur einsetzen) normal sind, man sollte selbst aber lieber etwas Anpassungsfähigkeit zeigen. Dies bedarf Vorbereitung.

    Unvorbereitet einen Auslandsaufenthalt anzugehen, also alle Reiseführer u sonstigen Möglichkeiten zu meiden und über keine Kenntnisse der Landessprache zu verfügen, ist viel schlimmer als sich zur Not mit klischehaften Vereinfachungen zu behelfen.

    Wahrscheinlich hat fast jedes Land eine kleine Subkultur in der kurze Hosen, lange Haare und Iron Maiden T-Shirt (bitte passende Subkultur einsetzen) normal sind, man sollte selbst aber lieber etwas Anpassungsfähigkeit zeigen. Dies bedarf Vorbereitung.

  2. Das sieht man besonders im Thema Türkei, wo eine Deinformation zirkuliert, bei der man sich die Haare ausrauft.

    Und das eigentlich Schlimme ist, dass einer dem anderen diese Vorurteile weiter gibt oder viele unter dem Einfluss der diese Vorurteile weiter gebenden Medien stehen.

    Selbstverstaendlich tragen auch betroffene Völker, Laender,Gmeinschaften... mit Schuld daran. Wer Vorurteile ertraegt, ohne etwas dagegen zu tun, darf nicht erwarten, dass sie sich von selbst auflösen.

    Sich gegenseitig verstehen ist eine Kunst, die man nicht von einam Tag auf den anderen lernen kann.

  3. ..gibt es vieles. Aber nicht der pöse Gartenzwerg, Schrankwand Eiche und röhrende Hirsche (Dinge die ich, 23 Jahre alt, eh nur von alt68ern Tiraden kenne) sondern in ziemlich vielen ziemlich anstrengenden Verhaltensweisen, die durchaus sehr vorhersehbar sind (dazu gehören auch die Tiraden der vorgenannten alt68er die stets nach den selben Schemata ablaufen - und am Schluß steht dann gerne "Armes Deutschland."). Nun neige ich öfter zu ironisch-distanziertem Beobachten da ich ja auch halber Amerikaner bin und daher meist in so einer "Zwischenwelt" lebe was Identität und Kultur angeht. Was mir auch erlaubt zu sagen dass sogut wie alles was für "typisch deutsch" (stets im negativen Sinne, offenbar ist kein Deutscher bereit auch irgendwas positives an seinem Land zu finden) rein gar nichts "typisches" ist aber ganz viele andere Dinge schon. Zum Beispiel diese Rechthaberei, besonders wenn es um historische Themen gibt, da wird sich über jedes Detail gezankt als änderte das was. Oder dass Deutsche ihr Land im Grunde hassen und sich andere Identitäten "leihen", dass sind dann die Leute die unbedingt nach Australien, Skandinavien, die Schweiz, etc. "auswandern" wollen und sich schonmal die entsprechenden Flaggen in's Zimmer hängen. Und ich beobachte dass "Jammern" in Deutschland eine Art von sozialer Kitt ist. Amerikaner betreiben "socializing" über Höflichkeit, Deutsche über Gejammere und anstrengende Diskussionen - so wird "Gemeinsamkeit" hergestellt. "Typisch deutsch" gibt's! ;-)

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    • th
    • 21.12.2009 um 16:53 Uhr

    - das trifft die Sache auf den Kopf! "Rechthaberei" auch ...

    Eigentlich ist unser Land ganz schön, wenn einige Bewohner auch manchmal durch "jammern" nerven. Ich glaube z.B. nicht, dass eine bestimmte Sorte von "Kabarett" anderswo genausoviel Erfolg hätte.

    Im täglichen Umgang könnten einige Leute auch etwas freundlicher bzw. höflicher sein: es schadet ja nichts, "Guten Tag!" zu wünschen, oder "Verzeihung!" zu sagen, wenn man sich im Bus durchdrängeln muss.

    Ansonsten ist dieses Land ziemlich wohlhabend, gepflegt, "aufgeräumt", meistens gut funktionierend - besitzt schöne Landschaften (wenn auch die Extreme fehlen) und eine unglaubliche Menge an Kunst- und Kulturschätzen aus fast 2 Jahrtausenden.

    An der Küche könnte man noch einiges verbessern, das Wetter ist eher durchwachsen - und die Sprache wäre schon in Ordnung, wenn die Leute sie etwas pfleglicher behandelten.

    Wahrscheinlich muss man ein paar Jahre im Ausland gelebt haben, um die Heimat zu sehen.

    • Clerk
    • 22.12.2009 um 11:35 Uhr

    Nach meinen Erfahrungen würde ich das Gejammere nicht nur als typisch deutsch betrachten. Man mag es sich kaum vorstellen, aber weiter östlich ist das z. T. noch viel stärker ausgeprägt. In Ländern wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei war das für mich schon selbst mit deutschem Hintergrund manchmal etwas unerträglich. Das "Socializing" über Gejammere und "Negativität" scheint typisch mitteleuropäisch zu sein.

    • Afsoen
    • 25.02.2010 um 18:08 Uhr

    Leider muss ich dem aus vollstem Herzen zustimmen. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass nicht nur Deutsche unter sich im Ausland staendig ueber so ziemlich alles meckern, was dort anders ist als in Deutschland, wir tun es auch auf eine Art und Weise, die Einheimischen durchaus auffaellt und unseren Ruf dementsprechend praegt.

    Vielleicht kann man zu unserer Verteidigung anbringen, dass Deutschland nun einmal ein Land mit einer Lebensqualitaet ist, der nur wenige andere Laender nahekommen. Und dessen werden sich Deutsche meist erst bewusst, wenn sie einmal auf eine Menge der gewohnten Annehmlichkeiten verzichten muessen - und das auch anderen westlichen Industrienationen.

    Waehrend eines Auslandsstudiums machen leider viele den Fehler, sich ausschliesslich in einer geschlossenen community aus Auslaendern zu bewegen. Das kann zwar viel Spass mit sich bringen, und vieles vereinfachen, weil man so den gewohnten Lebensstil unbehelligt weiterfuehren kann, aber das Land selbst lernt man so nicht kennen.

    • th
    • 21.12.2009 um 16:53 Uhr

    - das trifft die Sache auf den Kopf! "Rechthaberei" auch ...

    Eigentlich ist unser Land ganz schön, wenn einige Bewohner auch manchmal durch "jammern" nerven. Ich glaube z.B. nicht, dass eine bestimmte Sorte von "Kabarett" anderswo genausoviel Erfolg hätte.

    Im täglichen Umgang könnten einige Leute auch etwas freundlicher bzw. höflicher sein: es schadet ja nichts, "Guten Tag!" zu wünschen, oder "Verzeihung!" zu sagen, wenn man sich im Bus durchdrängeln muss.

    Ansonsten ist dieses Land ziemlich wohlhabend, gepflegt, "aufgeräumt", meistens gut funktionierend - besitzt schöne Landschaften (wenn auch die Extreme fehlen) und eine unglaubliche Menge an Kunst- und Kulturschätzen aus fast 2 Jahrtausenden.

    An der Küche könnte man noch einiges verbessern, das Wetter ist eher durchwachsen - und die Sprache wäre schon in Ordnung, wenn die Leute sie etwas pfleglicher behandelten.

    Wahrscheinlich muss man ein paar Jahre im Ausland gelebt haben, um die Heimat zu sehen.

    • Clerk
    • 22.12.2009 um 11:35 Uhr

    Nach meinen Erfahrungen würde ich das Gejammere nicht nur als typisch deutsch betrachten. Man mag es sich kaum vorstellen, aber weiter östlich ist das z. T. noch viel stärker ausgeprägt. In Ländern wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei war das für mich schon selbst mit deutschem Hintergrund manchmal etwas unerträglich. Das "Socializing" über Gejammere und "Negativität" scheint typisch mitteleuropäisch zu sein.

    • Afsoen
    • 25.02.2010 um 18:08 Uhr

    Leider muss ich dem aus vollstem Herzen zustimmen. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass nicht nur Deutsche unter sich im Ausland staendig ueber so ziemlich alles meckern, was dort anders ist als in Deutschland, wir tun es auch auf eine Art und Weise, die Einheimischen durchaus auffaellt und unseren Ruf dementsprechend praegt.

    Vielleicht kann man zu unserer Verteidigung anbringen, dass Deutschland nun einmal ein Land mit einer Lebensqualitaet ist, der nur wenige andere Laender nahekommen. Und dessen werden sich Deutsche meist erst bewusst, wenn sie einmal auf eine Menge der gewohnten Annehmlichkeiten verzichten muessen - und das auch anderen westlichen Industrienationen.

    Waehrend eines Auslandsstudiums machen leider viele den Fehler, sich ausschliesslich in einer geschlossenen community aus Auslaendern zu bewegen. Das kann zwar viel Spass mit sich bringen, und vieles vereinfachen, weil man so den gewohnten Lebensstil unbehelligt weiterfuehren kann, aber das Land selbst lernt man so nicht kennen.

    • th
    • 21.12.2009 um 16:53 Uhr

    - das trifft die Sache auf den Kopf! "Rechthaberei" auch ...

    Eigentlich ist unser Land ganz schön, wenn einige Bewohner auch manchmal durch "jammern" nerven. Ich glaube z.B. nicht, dass eine bestimmte Sorte von "Kabarett" anderswo genausoviel Erfolg hätte.

    Im täglichen Umgang könnten einige Leute auch etwas freundlicher bzw. höflicher sein: es schadet ja nichts, "Guten Tag!" zu wünschen, oder "Verzeihung!" zu sagen, wenn man sich im Bus durchdrängeln muss.

    Ansonsten ist dieses Land ziemlich wohlhabend, gepflegt, "aufgeräumt", meistens gut funktionierend - besitzt schöne Landschaften (wenn auch die Extreme fehlen) und eine unglaubliche Menge an Kunst- und Kulturschätzen aus fast 2 Jahrtausenden.

    An der Küche könnte man noch einiges verbessern, das Wetter ist eher durchwachsen - und die Sprache wäre schon in Ordnung, wenn die Leute sie etwas pfleglicher behandelten.

    Wahrscheinlich muss man ein paar Jahre im Ausland gelebt haben, um die Heimat zu sehen.

    Antwort auf ""typisch deutsches".."
    • Clerk
    • 22.12.2009 um 11:35 Uhr

    Nach meinen Erfahrungen würde ich das Gejammere nicht nur als typisch deutsch betrachten. Man mag es sich kaum vorstellen, aber weiter östlich ist das z. T. noch viel stärker ausgeprägt. In Ländern wie Ungarn, Tschechien und der Slowakei war das für mich schon selbst mit deutschem Hintergrund manchmal etwas unerträglich. Das "Socializing" über Gejammere und "Negativität" scheint typisch mitteleuropäisch zu sein.

    Antwort auf ""typisch deutsches".."
    • th
    • 22.12.2009 um 14:26 Uhr

    ich glaube, in Polen wird wenig gejammert. Aber dort ist man ja auch sehr katholisch und freiheits- und traditionsbewusst: das hilft in schwierigen Zeiten.

  4. Unvorbereitet einen Auslandsaufenthalt anzugehen, also alle Reiseführer u sonstigen Möglichkeiten zu meiden und über keine Kenntnisse der Landessprache zu verfügen, ist viel schlimmer als sich zur Not mit klischehaften Vereinfachungen zu behelfen.

    Wahrscheinlich hat fast jedes Land eine kleine Subkultur in der kurze Hosen, lange Haare und Iron Maiden T-Shirt (bitte passende Subkultur einsetzen) normal sind, man sollte selbst aber lieber etwas Anpassungsfähigkeit zeigen. Dies bedarf Vorbereitung.

    • Afsoen
    • 25.02.2010 um 18:08 Uhr

    Leider muss ich dem aus vollstem Herzen zustimmen. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass nicht nur Deutsche unter sich im Ausland staendig ueber so ziemlich alles meckern, was dort anders ist als in Deutschland, wir tun es auch auf eine Art und Weise, die Einheimischen durchaus auffaellt und unseren Ruf dementsprechend praegt.

    Vielleicht kann man zu unserer Verteidigung anbringen, dass Deutschland nun einmal ein Land mit einer Lebensqualitaet ist, der nur wenige andere Laender nahekommen. Und dessen werden sich Deutsche meist erst bewusst, wenn sie einmal auf eine Menge der gewohnten Annehmlichkeiten verzichten muessen - und das auch anderen westlichen Industrienationen.

    Waehrend eines Auslandsstudiums machen leider viele den Fehler, sich ausschliesslich in einer geschlossenen community aus Auslaendern zu bewegen. Das kann zwar viel Spass mit sich bringen, und vieles vereinfachen, weil man so den gewohnten Lebensstil unbehelligt weiterfuehren kann, aber das Land selbst lernt man so nicht kennen.

    Antwort auf ""typisch deutsches".."

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