NS-Kriegsverbrechen Spalier am MördergrabenSeite 5/5

Unmittelbar nach dem Ende der Exekutionen meldete Otto Ohlendorf übereifrig die völlige Vernichtung der Juden auf der Krim. Tatsächlich folgte noch eine ganze Reihe weiterer gemeinsamer Mordaktionen von Einsatzgruppe und Feldgendarmerie, die schließlich auf das Umland von Simferopol ausgedehnt wurden. Erst im Juli 1942, nach der Eroberung der Festung Sewastopol durch die 11. Armee, wurde die Feldgendarmerieabteilung von der Krim abgezogen.

Hans Heinrich Eggebrecht wurde wie andere Feldgendarmen in die kämpfende Truppe versetzt, das Kriegsende erlebte er schwer verwundet und dekoriert mit zwei Eisernen Ritterkreuzen in einem Wehrmachtslazarett. Rasch gelingt es ihm, in das Leben zurückzukehren, das er vor dem Krieg geführt hat. Bereits im Herbst 1945 setzt er sein Studium an der Musikhochschule in Weimar fort, er wird an der Universität Jena promoviert und erhält 1949 eine Assistentenstelle am Institut für Musikwissenschaft an der Ostberliner Universität. Er musste sich keinem Entnazifizierungsverfahren stellen. Mit dem Beginn seiner akademischen Laufbahn manipuliert Eggebrecht seine Biografie.

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Sämtliche Fragebögen, die er ausfüllt, enthalten falsche Angaben, sowohl über seine Tätigkeiten in den NS-Organisationen vor dem Krieg wie auch seine Zugehörigkeit zur Feldgendarmerieabteilung 683 während des Kriegs. Bei seiner Bewerbung auf die Berliner Assistentenstelle trägt er im Personalfragebogen unter Punkt 7, »Waren Sie Soldat?«, ein: »Panzerjäger, dann Infanterie«. Eggebrechts Vergangenheit sollte seiner glanzvollen Karriere zu keinem Zeitpunkt im Wege stehen.

Boris von Haken ist promovierter Musikwissenschaftler und Historiker. Im Frühjahr 2010 veröffentlicht er ein Buch mit dem Titel »Holocaust und Musikwissenschaft«, das sich mit dem Fall Eggebrecht befasst

 
Leser-Kommentare
    • xpeten
    • 20.12.2009 um 20:28 Uhr

    von kleinen und größeren Eggebrechts. Wahrscheinlich sind sie sogar immer noch mehrheitsfähig. Jedenfalls bekommen sie z.Zt. wieder Oberwasser, erkennbar an immer frecherer und immer unverhohlenerer fremdenfeindlicher und rassistischer Hetze.

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    die unglaublichen Verbrechen in die Eggebrecht mutmasslich verwickelt war, für Ihr tagespolitisches Süppchen zu vereinnahmen. Pfui!

    die unglaublichen Verbrechen in die Eggebrecht mutmasslich verwickelt war, für Ihr tagespolitisches Süppchen zu vereinnahmen. Pfui!

  1. Die Breite solchen Seins lässt einen ratlos zurück.

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    • xpeten
    • 22.12.2009 um 11:46 Uhr

    Was genau finden Sie daran so ungewöhnlich? Schauen Sie sich doch einmal die Biographien anderer Naziverbrecher an, oder die Biographien von denen, die im Spanischen Bürgerkrieg "tätig" waren, oder in Szrebrenica, etc., etc.

    @3 sprechen Sie mit mir?

    • xpeten
    • 22.12.2009 um 11:46 Uhr

    Was genau finden Sie daran so ungewöhnlich? Schauen Sie sich doch einmal die Biographien anderer Naziverbrecher an, oder die Biographien von denen, die im Spanischen Bürgerkrieg "tätig" waren, oder in Szrebrenica, etc., etc.

    @3 sprechen Sie mit mir?

  2. die unglaublichen Verbrechen in die Eggebrecht mutmasslich verwickelt war, für Ihr tagespolitisches Süppchen zu vereinnahmen. Pfui!

  3. Hört denn diese Selbstzerfleischung niemals auf? Der heldenhafte Kampf gegen den allgegenwärtigen deutschen Nazismus wird um so heldenhafter geführt, je länger diese Zeit zurückliegt.

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    • xpeten
    • 23.12.2009 um 12:02 Uhr

    @Rainer Unsinn, man kann doch, erst recht als Deutscher, nicht oft genug auf Tendenzen aufmerksam machen, die Massenphänomene wie den Nationalsozialismus erst möglich machen.

    Diskussionen um Einwanderung, "Volksempfinden", Minarettverbote, etc., aber auch Kommentare, die zum endlichen Vergessen deutscher Schandtaten auffordern, lassen eine erhöhte Wachsamkeit geboten erscheinen. Die Fähigkeit, aus der Geschichte zu lernen, ist beileibe nicht jedem in die Wiege gelegt.

    • xpeten
    • 23.12.2009 um 12:02 Uhr

    @Rainer Unsinn, man kann doch, erst recht als Deutscher, nicht oft genug auf Tendenzen aufmerksam machen, die Massenphänomene wie den Nationalsozialismus erst möglich machen.

    Diskussionen um Einwanderung, "Volksempfinden", Minarettverbote, etc., aber auch Kommentare, die zum endlichen Vergessen deutscher Schandtaten auffordern, lassen eine erhöhte Wachsamkeit geboten erscheinen. Die Fähigkeit, aus der Geschichte zu lernen, ist beileibe nicht jedem in die Wiege gelegt.

  4. Wie dem auch sei:
    Auf jeden Fall hat Boris von Haken einen Jackpot geknackt. Musikwissenschaftler, Historiker, das sind nicht gerade Brotberufe. Am Lukrativsten ist es dann, NS-Verstrickungen berühmter Persönlichkeiten aufzudecken und dann Skandalbücher zu verkaufen. Umgekehrt, wenn ein Historiker sich beispielsweise mit Kriegsverbrechen der Briten oder USA während des 2. Weltkrieges auseinandersetzen würde, schriebe er sich um Kopf und Kragen, verlöre seine Professur und damit seine Existenzgrundlage. So erklärt sich eine gewisse Tendenziosität der Geschichtsschreibung.
    Vor 200 Jahren baute, komponierte, schrieb, malte man für die Ewigkeit. Heute wird nur noch "entzaubert", "am Mythos gekratzt", "in Frage gestellt" und "entlarvt".

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    Was bitte ist, und wie soll man erkenne, eine "bestimmte Tendenziösität der Geschichtsschreibung"? Die Geschichte 1933 bis 1945 gibt es nun mal; wäre es besser, sie unter den Teppich zu kehren? Das Problem ist eben, dass die Nazizeit unsere ganze moderne Geschichte prägt: wo gibt es denn so etwas, einen völligen Absturz eines modernen, großartigen, kultivierten Landes in einen Rassewahn mit vielen, vielen Millionen Toten? das bleibt eben ein immenses Rätsel und es ist richtig, daran weiter zu forschen.

    Sie schrieben, "wenn ein Historiker sich beispielsweise mit Kriegsverbrechen der Briten oder USA während des 2. Weltkrieges auseinandersetzen würde, schriebe er sich um Kopf und Kragen, verlöre seine Professur und damit seine Existenzgrundlage." - Haben Sie einfach bloß keine Ahnung und reden nur dumm daher, oder war das eine bewusste Lüge? Kein Geschichtsprofessor kann seine Professur verlieren, indem er sich mit einem Thema seiner Wahl methodisch korrekt auseinandersetzt. Und selbst grobe Patzer könnten aufgrund der Freiheit der Wissenschaft keinen Beamten die Stelle, wohl aber freilich den Ruf als ernstzunehmender Wissenschaftler, kosten. Also, wovon reden Sie überhaupt?

    Was bitte ist, und wie soll man erkenne, eine "bestimmte Tendenziösität der Geschichtsschreibung"? Die Geschichte 1933 bis 1945 gibt es nun mal; wäre es besser, sie unter den Teppich zu kehren? Das Problem ist eben, dass die Nazizeit unsere ganze moderne Geschichte prägt: wo gibt es denn so etwas, einen völligen Absturz eines modernen, großartigen, kultivierten Landes in einen Rassewahn mit vielen, vielen Millionen Toten? das bleibt eben ein immenses Rätsel und es ist richtig, daran weiter zu forschen.

    Sie schrieben, "wenn ein Historiker sich beispielsweise mit Kriegsverbrechen der Briten oder USA während des 2. Weltkrieges auseinandersetzen würde, schriebe er sich um Kopf und Kragen, verlöre seine Professur und damit seine Existenzgrundlage." - Haben Sie einfach bloß keine Ahnung und reden nur dumm daher, oder war das eine bewusste Lüge? Kein Geschichtsprofessor kann seine Professur verlieren, indem er sich mit einem Thema seiner Wahl methodisch korrekt auseinandersetzt. Und selbst grobe Patzer könnten aufgrund der Freiheit der Wissenschaft keinen Beamten die Stelle, wohl aber freilich den Ruf als ernstzunehmender Wissenschaftler, kosten. Also, wovon reden Sie überhaupt?

  5. Trotz der Verwerflichkeit dieses verhaltens muss die Wissenschaft prinzipiell frei von psychologisierenden Einfluessen betrachtet werden.
    Es ist ja schon lange bekannt, dass es vielen engagierten Nazis spaeter moeglich war, nahezu unbehelligt ein traditionelles buergerliches Leben aufzunehmen.

    Ob jedoch das Werk eines Wissenschaftlers, gleich auf welchem Gebiet, davon betrofen sein muss, ist eine andere Frage.

  6. Was bitte ist, und wie soll man erkenne, eine "bestimmte Tendenziösität der Geschichtsschreibung"? Die Geschichte 1933 bis 1945 gibt es nun mal; wäre es besser, sie unter den Teppich zu kehren? Das Problem ist eben, dass die Nazizeit unsere ganze moderne Geschichte prägt: wo gibt es denn so etwas, einen völligen Absturz eines modernen, großartigen, kultivierten Landes in einen Rassewahn mit vielen, vielen Millionen Toten? das bleibt eben ein immenses Rätsel und es ist richtig, daran weiter zu forschen.

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