Finis' Medienbeobachtungen Paparazzi verprügeln?

Fotografen können nerven. Dabei befriedigen sie nur unsere Lust auf immer mehr und neue Bilder.

Der amerikanische Rocksänger Axl Rose hat auf dem Flughafen Los Angeles einen Fotografen verprügelt, weil er fand, der Mann sei ihm und seiner Frau zu nahe gekommen. Prügeln ist nicht okay, keine Frage, aber wer jemals einer feierlichen Preisverleihung beigewohnt hat, wo Kameraleute und Fotoreporter die Bühne so umlagern, dass dem Publikum in festlicher Garderobe der Blick auf die Preisträger verstellt wird und ihm nur mehr der Anblick verblichener Jeans und hochgerutschter Holzfällerhemden verbleibt, der wird all jene, die sich gegen den Hornissenschwarm der Fotojäger wehren, milde beurteilen.

Aber ach! Sind wir nicht alle längst bildersüchtig, längst abhängig von der optischen Droge und insofern verlogen, als wir zwar Fotografen verachten, aber nach ihren Produkten gieren? Und obwohl es in dieser Welt keinen größeren Überfluss gibt als den an Bildern: Es werden immer mehr.

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, manchmal sagt es mehr, als man mit Worten sagen kann, und manchmal lügt es mehr, als man mit Worten lügen kann. Denn das Bild ist ein Tiger, der zuweilen den eigenen Herrn attackiert.

Beispiel: Zwei der seriösesten Zeitungen, die es überhaupt gibt, die Frankfurter Allgemeine und die Neue Zürcher Zeitung, zeigen in einer gemeinsamen Sonderbeilage, was man sich alles zu Weihnachten schenken könnte, wenn man genug »Bimbes« (Helmut Kohl) hätte, so etwa »Festtagsmode« unter dem Titel »O Herr, lass Abend werden!«. Sie wird vorgeführt von einer Mädchenfrau, die sexy zu nennen sicherlich im Sinne des Fotografen wäre und die von Seite zu Seite kindlicher inszeniert wird. Auf der letzten trägt sie ein knappes Hemdchen und ein knappes Röckchen. Sie steht mit gespreizten Beinen da, und zwischen ihren Beinen steht ein großes Reh aus Plüsch. Nun, nun, das Reh wird ihr doch nichts tun? Hoffen wir es.

Auch das Magazin der Süddeutschen tappte kürzlich in die Bilderfalle. Die Sonderausgabe zum Klimagipfel zeigt auf dem Titel schmelzendes Polareis. Drinnen sieht man eine Anzeige der Firma Rolex: eine leicht bekleidete Dame, daneben die Uhr, dahinter die Antarktis. Wird es bald möglich sein, den Südpol im Abendkleid zu überqueren? Das hoffen wir lieber nicht.

Nein, man sollte Fotografen nicht verprügeln. Aber sie könnten ihre Modelle etwas vollständiger bekleiden – und sich selber etwas gepflegter, das wäre schon was.

 
Leser-Kommentare
  1. Stimmt, man sollte Fotografen nicht verprügeln.
    Aber so mancher Fotograf könnte sich selber etwas gepflegter benehmen, das wäre schon was.

    Ihre Models vollständiger bekleiden?
    Wieso das denn?
    ;)

  2. "Fotografen können nerven.
    Dabei befriedigen sie nur unsere Lust auf immer mehr und neue Bilder."

    Also nein, was soll denn diese plumpe Ausrede.
    Fotografen laufen nicht rum und wünschen,
    den Endabnehmer mit Bildern zu erfreuen.
    Sie suchen "Hotshots"
    und das aus ureigenstem Interese.

    Machmal "lügt" ein Bild?
    Das ist meist die Schere im Kopf.
    Öfter, denke ich,
    lügt in der Berichterstattung der Fotograf.
    Mit Provokation und Gestaltung.

    Um teure Bilder zu kriegen
    scheuen manche Zeitgenosen
    vor keiner Taktlosigkeit zurück.

    Selbst Prinzen kloppen,
    wenn sie genervt sind,
    dabei haben die eigentlich
    eine Erziehung zur Contenance genosen.
    Ein Axel Rose fackelt da nicht lange rum.
    Da gibt’s dann auf die Fresse.
    Das ist nicht schön, nein,
    schön ist das wirklich nicht.
    Nun, Axel kann es sich leisten
    und der Fotograf lebt ja noch.

    Worum es geht, ist, daß der Fotograf das, was er tut,
    nicht etwa deshalb tut, weil er “… nur unsere Lust
    auf immer mehr und neue Bilder."
    zu befriedigen wünscht.
    Nein.
    Er tut es, weil er seine Arbeit macht.
    Und die Art und Weise
    spielt dabei nun mal eine Rolle.
    Wie es der Umgang mit Menschen
    nun mal immer tut.

    Das ist der Punkt.

    Der Fotograf wird’s überleben
    und Axel Rose wird`s bezahlen.
    So ist die Welt halt manchmal.

    Also bitte keine Ausreden.

  3. "Fotografen können nerven.
    Dabei befriedigen sie nur unsere Lust auf immer mehr und neue Bilder."

    Also nein, was soll denn diese plumpe Ausrede.
    Fotografen laufen nicht rum und wünschen,
    den Endabnehmer mit Bildern zu erfreuen.
    Sie suchen "Hotshots", “Hingucker“,
    und das erstmal aus ureigenstem Interesse.

    Manchmal "lügt" ein Bild?

    Das mag so sein,
    oft geschieht das wohl im Kopf des Betrachters.
    Öfter, denke ich,
    “lügt“ in der Berichterstattung der Fotograf.
    Mit Provokation und Gestaltung.

    Um teure Bilder zu kriegen
    scheuen manche Zeitgenossen
    vor keiner Taktlosigkeit zurück.

    Selbst Prinzen kloppen,
    wenn sie genervt sind,
    dabei haben die eigentlich
    eine Erziehung zur Contenance genossen.
    Ein Axel Rose fackelt da nicht lange rum.
    Da gibt’s dann auf die Fresse.
    Das ist nicht schön, nein,
    schön ist das wirklich nicht.
    Nun, Axel kann es sich leisten
    und der Fotograf lebt ja noch.

    Worum es geht, ist,
    daß der Fotograf das, was er tut,
    nicht etwa deshalb tut,
    weil er “… nur unsere Lust
    auf immer mehr und neue Bilder."
    zu befriedigen wünscht.

    Nein.
    Er tut es, weil er seine Arbeit macht,
    und die Art und Weise
    spielt dabei nun mal eine Rolle,
    wie es der Umgang mit Menschen
    nun einmal immer tut.

    Das ist der Punkt.

    Der Fotograf wird es überleben
    und Axel Rose wird für den Vorgang bezahlen.
    So ist die Welt halt manchmal.

    Bitte keine Ausreden.

  4. Schießt ein Paparazzi nicht mehrere Bilder,
    und nimmt dann nicht das "bessere"?

    Axel hatte auch eine Wahl,
    aber er mußte sich sofort
    und gültig entscheiden.

    Schon schwierig.

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