Gespräch mit Fatih Akin "Meine Mutter jagte meine Freunde davon"Seite 2/2

 Akin: Einmal hatten wir Streit mit einem Jugoslawen. Der war viel krimineller als wir, kaltblütiger. Er sagte: "Wir machen das jetzt Mann gegen Mann!" – genau wie mein Vater. Ich war der Erste, der sich mit ihm duellierte. Aber obwohl ich Kampfsport machte, hätte er mich fast in Stücke gehauen. Meine Freunde kamen mir zu Hilfe, mit Baseballschlägern und Ketten. Die haben ihn wirklich sehr blutig geschlagen.

ZEITmagazin: Sie gerieten also immer tiefer hinein in das Gangleben?

Akin: Ja, es gab auch Probleme mit der Polizei. Ich wurde immer wieder in Handschellen nach Hause gebracht. Aber nur wegen Prügeleien. Ich habe mich nie an Autodiebstählen oder Einbrüchen beteiligt. Und ich habe nie Heroin genommen oder gedealt oder für Junkiemädchen den Zuhälter gemacht, so wie meine Freunde. Die sind alle gescheitert. Abgeschoben, Gefängnis, Überdosis...

Das war meine Rettung
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ZEITmagazin: Warum ist es Ihnen anders ergangen? 

Akin: Ich wechselte rechtzeitig zu einer rein politischen Gruppe. Deren kriminelle Energie beschränkte sich darauf, Graffiti zu sprühen und sich mit Rechten zu prügeln.

ZEITmagazin: Dieser Wechsel hat Sie gerettet?

Akin: Es gab mehrere Faktoren. Einmal war ich damals sehr religiös. Jede Woche ging ich in die Moschee zum Freitagsgebet und spielte sogar mit dem Gedanken, Priester zu werden. Der Koran ist viel alttestamentarischer als das Evangelium. Der Gott darin ist ein Gott, vor dem man sich fürchten muss. Mit dieser Angst bin ich aufgewachsen, weshalb ich nicht klaute und keine Drogen nahm. Noch entscheidender aber war meine Mutter. Sie machte es zu ihrer Lebensaufgabe, mich zu retten. Sie redete mit den Lehrern, jagte meine Freunde davon und verfolgte mich bis ins Jugendhaus. Das war mir peinlich vor den anderen, aber ich hatte auch Mitleid mit ihr. Sie war damals an Brustkrebs erkrankt und drohte mir mit der Dramatik einer türkischen Mutter: "Du rettest mich jetzt, indem du gut wirst in der Schule und aufhörst, Scheiße zu bauen. Sonst sterbe ich."

ZEITmagazin: Und sie hatte Erfolg mit dieser Erpressung?

Akin: Ja, ich schaffte dann das Abitur. Und ich fing früh an zu arbeiten, als Fahrer und Beleuchter beim Film. Man könnte sagen: Mein Vater hat mich durch sein Vorbild in diese Strukturen gebracht – und meine Mutter hat mich da wieder rausgeholt.

Das Gespräch führte Herlinde Koelbl

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Gewalt

    "Der Koran ist viel alttestamentarischer als das Evangelium. Der Gott darin ist ein Gott, vor dem man sich fürchten muss. Mit dieser Angst bin ich aufgewachsen, weshalb ich nicht klaute und keine Drogen nahm."

    Wie seltsam - Gewaltverherrlichung und Gewaltausübung sind o.k., Diebstahl und Drogen nicht?

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    ist zum beispiel Auge um auge - Zahn um Zahn, man könnte sich nu drüber streiten ob das ein aufruf zur gewalt oder verherrlichung ist.

    ist zum beispiel Auge um auge - Zahn um Zahn, man könnte sich nu drüber streiten ob das ein aufruf zur gewalt oder verherrlichung ist.

  2. ist zum beispiel Auge um auge - Zahn um Zahn, man könnte sich nu drüber streiten ob das ein aufruf zur gewalt oder verherrlichung ist.

    Antwort auf "Gewalt"
  3. Vorzeigefilmemacher zieht über den Islam her.

  4. Ich versteh beim besten Willen nicht, wie man über das Gesagte auf Gewaltverherrlichung und "über den Islam herziehen" kommen kann.

    Wachen Sie auf: Es gibt in westlichen Städten Zonen und Milieus, die den Arm des Gesetzes nur aus der Ferne kennen. Manche können nun so tun als wäre Religion der Grund, dann möge man aber beweisen warum bei vielen "Aussiedlern" (Russlanddeutsch etc) genau dieselben Gewaltprobleme existieren.

    Stellen Sie sich vor, sie lebten in einer Anarchie, und eine Gemeinschaft möchte Regeln aufstellen, um das Gesetz des Stärkeren aus der Welt zu schaffen. Können Sie eine gerechtere Regel als "Auge um Auge" aufstellen? Ist nicht auch im deutschen Rechtssystem die _Angemessenheit_ einer Strafe zu einer zu bestrafenden Tat wichtig?

    Ohne Vertrauen in den Staat macht man seine eigenen Gesetze. Dieses Vertrauen aufzubauen ist nicht allein Sache von Ausländern oder sozial Schwachen. Da müssen alle mitmachen.

  5. Haette mir eine etwas andere Vergangenheit von Fatih vorgestellt.

    Andererseits ist es nicht leicht, Auslaender, insbesondere Türke zu sein in Deutschland. Man muss sich mit den Mitteln eines Imigranten (Einwohners mit sog. Imigrationshintergrund) behaupten. Da sind die Methoden rau. Oft gibts eben kein Pardon.

    Akin ist in diesem Umfeld des Zwiespaalts aufgewachsen. Keiner hat ihm einen goldenen Teppich vor die Füsse gerollt. Er hat es sich erkaempft wie seinerzeit Dschingis Khan.

    Nur so konnte er Fatih Akin werden. Sowohl Deutsche als auch Türken sind stolz auf ihn.

  6. Völlig egal, welche "Ali Baba" Gute-Nacht-Geschichte erzählt wird:
    Was hat er geplärrt,- wegen der Schweiz?!

    An No. 5:
    Stolz? Bin ich... ja... aber nicht auf dieses Waschweib,- sondern auf die Schweiz!

  7. und seine Kommentare im Interview auch nicht.

    Jeder sucht sich eine Rechtfertigung, die haben eine Gang gegründet wegen der Rechten.

    Dann haben sie sich mit einem Jugoslawen geprügelt und später gegen jeden § in Deutschland verstoßen.

    Herr Akin, dann wundern sie sich nicht, wenn es immer mehr Deutsche werden die solche Menschen nicht in Deutschland haben möchten.

    Außerdem glaube ich ihnen kein Wort.
    Hier geht es wieder mal um Werbung, ein Faß aufmachen und so den neuen Film vermarkten.

    • Ota
    • 24.12.2009 um 14:10 Uhr

    Leute, lest erst einmal genau, was Fatih gefragt wurde und was er antwortete. Wenn Ihr dann außerdem persöhnliche Erfahrungen mit den Lebensumständen Jugendlicher mit sog. "Migrationshintergrund" habt, dann gebt Euren Senf dazu !
    Dann wißt Ihr, wovon Ihr schreibt. Aus den meisten Kommentaren spricht die blanke Ahnungslosigkeit!
    Wer nichts Inhaltliches zu sagen hat, möge einfach schweigen oder bestenfalls interessiert nachfragen.
    Mit Jugendlichen der o.g. Bevölkerungsgruppe habe ich beruflich jetzt ca. 30 Jahre direkt zu tun - täglich !
    Den Kommentar von Burak Emir kann ich nur entschieden unterstützen, genau so läuft es unter diesen Lebensumständen ab - egal ab davon jugendliche Türken, Albaner, Russen, Maghrebiner - oder auch deutsche "Ureinwohner" betroffen sind.
    Nirgends hat Fatih Akin Gewalt verherrlicht, als o.k. oder mit dem Islam vereinbar bezeichnet.
    ERKLÄRT hat er sie, nicht rechtfertigt!
    Gute Besserung !

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