Klimagipfel 2009 "Es kostet 1000 Milliarden"
Der indische Windkraft-Unternehmer Tulsi Tanti über neue Jobs in Deutschland und seine ehrgeizigen Ziele im Kampf gegen den Klimawandel.
DIE ZEIT: Werden sich 192 Länder auf eine gemeinsame Klimapolitik einigen und sie verwirklichen?
Tulsi Tanti: Was ich am Weltklimagipfel wunderbar finde, ist, dass dort sehr viele Regierungschefs zusammensitzen. Sie nehmen die Sache ernst. Aber ich bin nicht sehr optimistisch, dass wir jetzt schon eine globale Vereinbarung bekommen, die den Klimawandel wirklich begrenzt.
ZEIT: Seien Sie doch bitte für einen Moment optimistisch.
Tanti: Im besten Falle einigen sich die Staaten auf ein verbindliches, gemeinsames globales Ziel. Eigentlich hat die Menschheit ja keine Wahl. Die richtig schwierigen Fragen kommen aber erst nach der Einigung: Wie verändern wir, ganz konkret, die Gesetze auf nationaler Ebene, damit wir die Klimaziele erreichen? Wer zahlt wie viel?
ZEIT: Wie sollten die Kosten für die Klimapolitik global verteilt werden? Plädieren Sie für ein Menschenrecht auf Mindestverschmutzung gerade auch für arme Staaten?
Tanti: Die Kosten für den Kampf gegen den Klimawandel dürfen nicht jene 1,6 Milliarden Menschen tragen, die heute noch nicht einmal über Elektrizität verfügen. Sie müssen wir aus der Armut holen, und dafür brauchen wir Wachstum. Die übrigen fünf Milliarden Menschen müssen für den Klimawandel zahlen, unabhängig davon, wo sie leben, ob in China, Indonesien oder Deutschland. Um das Zwei-GradZiel zu erreichen, müssen wir die Menge CO₂ festlegen, die jeder Mensch kostenfrei in die Atmosphäre bringen darf, egal ob es am Ende 1,5 oder 2 Tonnen im Jahr sind. Für das, was über diesem Wert liegt, muss jeder zahlen.
ZEIT: Wie wollen Sie das machen?
Tanti: Durch eine vom Staat erhobene CO₂-Steuer, die an der Quelle erhoben wird, bei Öl, Elektrizität und Nahrungsmitteln. Die Einnahmen werden in weitere Klimaschutzmaßnahmen investiert.
ZEIT: Und das soll innerhalb weniger Jahre weltweit gelingen?
Tanti: Wie gesagt, ich bin vorsichtig optimistisch.
ZEIT: Sie selbst verdienen Ihr Geld mit Windkraftanlagen. Was kann Windkraft leisten?
Tanti: Wir benötigen für den schnellen Aufbau unserer Branche noch eine gewisse staatliche Unterstützung.
ZEIT: Deutschland subventioniert Ihre Industrie mit Milliarden!
Tanti: Von Deutschland können viele andere Länder lernen. Die Regierung hat den Ausbau der Energiegewinnung aus erneuerbaren Ressourcen mit Nachdruck vorangetrieben und ist auf diesem Gebiet weltweit führend. Aber wenn Sie an den Klimawandel denken und die Kürze der Zeit, die den Menschen bleibt, bevor es zu großen Wohlstandsverlusten kommt, dann brauchen wir, weltweit gesehen, eine konzertierte Aktion von Staat und Unternehmen. Die Windkraft trägt rund ein Prozent zur weltweiten Energieproduktion bei. Für das nächste Prozent brauchen wir deutlich weniger staatliche Unterstützung. Und danach bald gar keine mehr.
ZEIT: Wie stellen Sie sich das vor?
Tanti: In nur zehn Jahren müssen 20 Prozent der weltweiten Energieproduktion aus erneuerbaren Energiequellen kommen. Heute sind es drei Prozent. Die Produktion in nur zehn Jahren zu versechsfachen ist nicht ohne revolutionäre Maßnahmen möglich. Die Technik ist da. Aber es fehlt die Liquidität. Die Banken sollten deshalb große Fonds auflegen. Dieses Problems sollte sich die Politik annehmen. Zudem müssen die staatlichen Genehmigungsverfahren von oft drei bis vier Jahren auf wenige Monate verkürzt werden.
ZEIT: Sie setzen also auf einen staatlich gesteuerten Megaplan inklusive Druck auf die Finanzindustrie, billiges Geld bereitzustellen.
Tanti: Bitte verstehen Sie mich nicht falsch – ich will keinen staatlichen Megaplan, aber es braucht die richtigen Anreize! Es kostet etwa 1000 Milliarden Dollar, um das Klimaziel zu erreichen. Zugleich ist der Nutzen unmittelbar erkennbar. Man verringert nicht nur den CO₂-Ausstoß. In erneuerbare Energien zu investieren bringt Jobs in jedem Land, macht Staaten unabhängiger, und es bringt stabile Energiepreise über Jahrzehnte.
ZEIT: Warum sollten Staaten die Erzeugung erneuerbarer Energieformen nicht gleich in eigener Regie aufbauen? In Deutschland war die Energieerzeugung die meiste Zeit in Staatshand.
Tanti: Es ist alles eine Frage der Zeit. Hat man viel Zeit, kann es der Staat möglicherweise gut erledigen. Hat man so wenig Zeit wie wir beim Klimawandel, dann müssen es Private tun, weil sie schneller agieren können. Außerdem sind die windigen Plätze auf dieser Erde nicht immer dort, wo die Staaten heute in der Lage wären, so eine Industrie aufzubauen.
ZEIT: Die Windkraft, Ihr Geschäft, ist anderen erneuerbaren Energiequellen in einer Hinsicht deutlich unterlegen. Sie braucht mehr Fläche. Doppelt so viel wie etwa Solarenergie.
Tanti: So groß ist der Unterschied nicht. Windkraft braucht etwa ein Drittel mehr Fläche, ist dafür aber um ein Vielfaches preiswerter. Und die technische Entwicklung ist längst nicht am Ende.
ZEIT: Windkraft war für Sie zunächst ein Hilfsmittel. Sie wollten mit Ihrer Textilfabrik in Indien unabhängig werden von lokalen Strompreisen und Stromausfällen. 15 Jahre später haben Sie einen der größten Hersteller für Windkraftanlagen aufgebaut, den es auf der Welt gibt. Und Sie reden wie ein Umweltaktivist. Warum – weil es gut für Ihr Geschäft ist?
Tanti: Natürlich wollen wir bei Suzlon Geld verdienen, aber das ist nicht alles, was mich antreibt. Wir sind in den vergangenen zehn Jahren um bis zu 70 Prozent im Jahr gewachsen. Das muss kein Unternehmen. Ich möchte persönlich einen spürbaren Unterschied machen beim Kampf gegen den Klimawandel. Aber das wird nur möglich sein, wenn Suzlon noch viel größer ist. Deshalb habe ich die Vision, dass unsere Anlagen in zehn Jahren jährlich zehnmal so viel Megawatt erzeugen können wie heute.
ZEIT: Sie glauben das erreichen zu können?
Tanti: Das ist sehr ambitioniert, aber technisch machbar und mein persönliches Ziel. Nur wenn wir alle uns ehrgeizige Ziele setzen, können wir den Klimawandel noch aufhalten.
ZEIT: Sie besitzen rund 90 Prozent an dem deutschen Windkraftanlagenhersteller Repower aus Hamburg. Als Sie dort vor einiger Zeit eingestiegen sind, ging die Sorge um, Sie wollten nur die Technologie kopieren und die Firma dann fallen lassen.
Tanti: Wir haben viele Hundert Millionen Euro für Repower bezahlt. Seit wir die Mehrheit an Repower erworben haben, ist die Zahl der Mitarbeiter von 1200 auf 1900 gestiegen, der Umsatz von 670 Millionen Euro auf 1,2 Milliarden Euro und das Ergebnis von 29 Millionen Euro auf 77 Millionen Euro.
ZEIT: Welche Zukunft hat Repower in Ihrer Unternehmensplanung?
Tanti: Repower ist technisch führend und deshalb ein sehr wichtiger Bestandteil unserer Firmengruppe. Das Unternehmen wächst schon jetzt dynamisch – vor allem im Hochleistungssegment. Repower wird für uns in Zukunft noch wichtiger und soll aus Deutschland heraus weiter wachsen.
ZEIT: Wird Hamburg damit quasi zum zweiten Unternehmenssitz?
Tanti: In wenigen Regionen auf der Welt ist das Wissen über Windkraft so groß wie in Norddeutschland und in Dänemark. Das wollen wir nutzen. Hamburg könnte zukünftig unser weltweites Technologiezentrum werden.
Die Fragen stellten Götz Hamann und Christian Tenbrock
- Datum 17.12.2009 - 07:29 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.12.2009 Nr. 52
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Wow, wir haben Götter unter uns.
Es gibt keinen Klimawandel, den Menschen stoppen können.
Außer durch einen nuklearen Winter, und selbst da wäre ich nicht so sicher.
Jedenfalls nicht durch CO2, wie die aktuelle Klimaentwicklung zeigt,: mehr CO2 und doch sinken die Temperaturen seit über 10 Jahren wieder ab.
Können die "tollen" Modelle der Klimaapologeten aber nicht erklären.
Muß man halt wieder paar "Korrekturwerte" einpflegen.
So etwas ist ja keine Trickserei ;-)
Wird auf einer Baustelle der leistungsfähige Bagger durch 20 Mann mit Schaufeln in der Hand ersetzt, entstehen genauso viele Arbeitsplätze zusätzlich, wie wenn effizient erzeugte "fossile" Energie durch aufwändig erzeugte "erneuerbare" ersetzt wird, nämlich Null.
Mehr Aufwand für die gleiche Leistung verteuert nur das Produkt und dieses Geld fehlt in anderen Branchen, in denen die Menschen ihre Arbeit verlieren.
Weil natürliche Ressourcen eine abnehmende Masse sind (sie verbrauchen sich), die Geldmenge eine zunehmende - seit vielen vielen Jahren. Schon aus diesem Grund brauchen Sie sich keine Sorgen machen, Geld könne jemals wirklich fehlen.
Weil natürliche Ressourcen eine abnehmende Masse sind (sie verbrauchen sich), die Geldmenge eine zunehmende - seit vielen vielen Jahren. Schon aus diesem Grund brauchen Sie sich keine Sorgen machen, Geld könne jemals wirklich fehlen.
Keine Frage - Naturschutz ist eine wichtige Sache, die Vermeidung von Emission, gleich welcher Art, auch. Bedenkt man jedoch den Anteil des energieabhängig produzierten CO2 an der Gesamtemission, ist dieser doch eher gering. Dennoch gibt es gute Argumente für alternative Energien. Die Schonung von Resourcen ist hier ein wichtiger Punkt - es gibt sinnvollere Anwendungen für Öl, als es in Motoren zu verfeuern.
Nicht vergessen sollte man bei all dem jedoch auch die Klimaveränderungen nicht, die über die letzten Millionen Jahre und auch in der jüngeren Vergangenheit statt fanden. So warm wie heute war es schon einmal und so kalt wie vor ein paar Jahrzehnten auch schon. Das legt die Vermutung nahe, dass die Welt insgesamt einem permanenten Klimawandel unterworfen ist, der periodisch auftritt - ob wir das wollen oder auch nicht. Auf dieser Welt leben unzählige Lebewesen, die allein durch ihre Existenz zur Erwärmung beitragen, weil sie Energie verbrauchen. Das wird man nicht abstellen können. Das Erdklima nun durch die Senkung von CO2-Emission verändern zu wollen, ist, was unsere Eingriffsmöglichkeiten betrifft, eigentlich ein wenig vermessen - es wird die Welt insgesamt wenig interessieren. Richtig ist es aber, aufgrund der direkten Effekte zu handeln - also um Umweltgifte zu verringern. Darin sehe ich einen positiven Effekt. An eine Umkehr oder ein Aufhalten des Klimawandels indes glaube ich nicht. Der kommt seit Millionen Jahren immer wieder.
Weil natürliche Ressourcen eine abnehmende Masse sind (sie verbrauchen sich), die Geldmenge eine zunehmende - seit vielen vielen Jahren. Schon aus diesem Grund brauchen Sie sich keine Sorgen machen, Geld könne jemals wirklich fehlen.
Sie haben vollkommen recht. Die absolute Menge fossiler Energieträger ist begrenzt und die nominale Geldmenge erhöht sich seit Jahrzehnten.
Was folgt daraus?
Mit zunehmendem Verbrauch verteuern sich fossile Energieträger. Eines Tages wird ihre Nutzung teurer als die Nutzung "erneuerbarer" Energie. Ab diesem Punkt ist der Einsatz der "Erneuerbaren" sinnvoll - vorher nicht.
Wie bereits erwähnt, verteuert ein unnötiger Mehraufwand für die gleiche Leistung die Erzeugung von Energie. Eine steigende Geldmenge verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich.
Sie haben vollkommen recht. Die absolute Menge fossiler Energieträger ist begrenzt und die nominale Geldmenge erhöht sich seit Jahrzehnten.
Was folgt daraus?
Mit zunehmendem Verbrauch verteuern sich fossile Energieträger. Eines Tages wird ihre Nutzung teurer als die Nutzung "erneuerbarer" Energie. Ab diesem Punkt ist der Einsatz der "Erneuerbaren" sinnvoll - vorher nicht.
Wie bereits erwähnt, verteuert ein unnötiger Mehraufwand für die gleiche Leistung die Erzeugung von Energie. Eine steigende Geldmenge verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich.
Es sah zunächst so aus als ob die Klimaänderung ein Katalysator sein kann um die globale Kooperation voran zu bringen. Dass diese nötig ist in einer Welt die finanziell und wirtschaftlich schon so eng verflochten ist, ist klar.
Wenn eines Tages ein Asteroid auf Kollisonskurs mit der Erde entdeckt würde, würden all die seichten Schwätzer ruckartig ihre Egoismen und Zynismen abschütteln. Die ganze Welt müsste ihre Kräfte bündeln und sich als eine Menschheit erleben. Wenn das überlebt würde wäre es vermutlich der Beginn einer neuen Epoche. Leider wird der Klimawandel wohl als nicht so bedrohlich empfunden, so dass der gegenteilige Effekt, das Zerfallen in Interessengrüppchen statt findet. Die Spieltheorie kann zum Verständnis helfen aber effektive Instrumente wurden daraus noch kaum entwickelt. Das Dilemma "ich mache nix wenn nicht die anderen mindestens ebenso viel machen" muss überwunden werden. Das war/ist ja bei der Finanzkrise ähnlich.
Es kann leider sein dass die Kräfte der Verantwortungslosigkeit stärker sind als die der Einsicht. Dann kippt das Gefüge in eine fatale, die andere Richtung.
"Der Westen" muss also im eigenen Interesse massiv in Vorleistung gehen um alle anderen mit zu ziehen. Der Witz dabei ist dass dies ja keineswegs sein Nachteil wäre. Wenn man sieht dass komplette Gemeinwesen, Städte und Dörfer in kürzester Zeit Energie-Autonomie erreichen sieht man doch dass es machbar ist. Warum wird diese Best Practice nicht konsequent von allen umgesetzt?
Sie haben vollkommen recht. Die absolute Menge fossiler Energieträger ist begrenzt und die nominale Geldmenge erhöht sich seit Jahrzehnten.
Was folgt daraus?
Mit zunehmendem Verbrauch verteuern sich fossile Energieträger. Eines Tages wird ihre Nutzung teurer als die Nutzung "erneuerbarer" Energie. Ab diesem Punkt ist der Einsatz der "Erneuerbaren" sinnvoll - vorher nicht.
Wie bereits erwähnt, verteuert ein unnötiger Mehraufwand für die gleiche Leistung die Erzeugung von Energie. Eine steigende Geldmenge verstärkt diesen Effekt noch zusätzlich.
und will dann Steuern dafür? Und die Armen kriegen Geld, damit sie es sonstwie verjubeln? http://viereggtext.blogsp...
...müssen wir die Menge CO₂ festlegen, die jeder Mensch kostenfrei in die Atmosphäre bringen darf, egal ob es am Ende 1,5 oder 2 Tonnen im Jahr sind. Für das, was über diesem Wert liegt, muss jeder zahlen."
Genau das ist im Ansatz einleuchtend aber falsch. Wir müssen alle Klimagasverpuffungen besteuern und, wo wir entscheiden, dass wir Bedürftige unterstützen wollen, separat den Einzelnen Geld zuführen. Die Vermengung zweier wirtschaftlich relevanter Aktivitäten macht intransparent und dadurch unkontrollierbar.
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