KakaoanbauSo süß und doch so bitter

Die Deutschen lieben Schokolade und wissen oft nicht um die menschenunwürdigen Bedingungen im Kakaoanbau von Kathrin Burger

Für eine Handvoll Kakaobohnen: Viele Kosumenten wissen nichts über die widrigen Produktionsbedingungen. In vielen Ländern schuften Kinder, von leckerer Schokolade können sie nur träumen

Für eine Handvoll Kakaobohnen: Viele Kosumenten wissen nichts über die widrigen Produktionsbedingungen. In vielen Ländern schuften Kinder, von leckerer Schokolade können sie nur träumen  |  © Issouf Sanogo/AFP/Getty Images

Gut elf Kilogramm Schokolade pro Kopf gönnen sich die Deutschen im Jahr und belegen damit Platz eins auf der Welt. Deutschlands Hersteller setzten 2008 allein mit weihnachtlichen Schoko-Artikeln fast 500 Millionen Euro um. Allerdings hat der Genuss auch einen bitteren Beigeschmack, von dem viele Verbraucher gar nichts ahnen. Noch immer werden Kakaobohnen häufig von Kindern angebaut, unter menschenunwürdigen Bedingungen.

An der Elfenbeinküste – von dort stammen 40 Prozent des weltweit gehandelten Rohkakaos – arbeiten laut Schätzungen der Organisation Anti-Slavery International rund 200.000 Kinder im Kakaoanbau. Und obwohl sich die Schokoladenindustrie vor rund zehn Jahren verpflichtet hat, derlei Missstände zu beseitigen, kommen jüngste Berichte zu einem anderen Schluss: Eine im September erschienene Studie des kirchennahen Instituts Südwind belegt, dass sich die Lage in den betroffenen Staaten, wenn überhaupt, nur unwesentlich gewandelt hat. Zur Verbesserung der Situation gebe es »bislang nur ein paar Pilotprojekte«, so Friedel Hütz-Adams, Autor der Studie.

Anzeige

Auch die Umweltorganisation Greenpeace stieß auf alarmierende Zustände. Sie berichtet von Zehnjährigen, die im Kakaogürtel der Elfenbeinküste durch die harte Arbeit wie müde Alte aussehen und unter Hautkrankheiten sowie schweren Verletzungen leiden, teils zugefügt von Arbeitgebern. Sie müssten ohne Schutzkleidung mit Macheten und Pestiziden hantieren, stundenlang unter sengender Hitze für Hungerlöhne arbeiten, würden teils aus Mali und Burkina Faso verschleppt und auf Plantagen eingesperrt, nur mit einem Minimum an Essen und Trinken.

Ein zentraler Grund für die Missstände liegt im Kakaomarkt selbst. Er ist oft geprägt von ruinöser Konkurrenz und Korruption und damit unberechenbar. Die Preise schwanken stark und bieten den Bauern keine Verlässlichkeit. Allein in Westafrika sind 1,2 Millionen Kleinbauernfamilien abhängig von ihren sensiblen Kakaobäumen, die nur unter tropischer Hitze gedeihen und besonders anfällig für Pflanzenschädlinge sind. Das bedeutet immer wieder Ernteausfälle – und hohe Kosten für Pestizide sowie riesige Mengen an Wasser.

Für diese Plackerei erhält der Bauer an der Elfenbeinküste nur ein Drittel des Exportwertes der Kakaobohnen. In Ländern wie etwa Ghana ist die Quote meist höher, weil hier nicht so viel von Zwischenhändlern, Rebellen oder korrupten Beamten abgeschöpft wird. In vielen Fällen reicht der Erlös nicht einmal für den Kauf von Pflanzenschutzmitteln. So bleibt den Bauern nichts anderes übrig, als bei den Erntehelfern zu sparen. Das aber heißt: »Wenn die Eltern zu wenig verdienen, müssen die Kinder mithelfen«, so Hütz-Adams von Südwind. Oder es werden billige Arbeitskräfte aus Nachbarstaaten geholt – immer wieder Kinder, die von Menschenhändlern an die Kakaobauern verkauft werden.

Die politische Lage an der Elfenbeinküste verschärft die Situation auf den Plantagen. Bis 2007 herrschte dort Bürgerkrieg. Laut einer noch unveröffentlichten Studie der Vereinten Nationen sollen seit 2005 große Mengen Kakao aus der Elfenbeinküste nach Togo geschmuggelt worden sein, um die Bewaffnung von Rebellen zu finanzieren. Im November wurden lange geplante Wahlen erneut verschoben. Für ausländische Käufer ist es schwierig, ein Bild von den Anbaubedingungen im Land zu bekommen. »Man lässt uns dort nicht rein«, sagt der Unternehmer Alfred Ritter von Ritter Sport. Ganz anders in Lateinamerika und Asien , wo Qualitätskontrolleure prüfen können, ob Kinder wie Sklaven für Hungerlöhne beschäftigt werden. »Wenn man Kakaobohnen aus Westafrika kauft, sind das Mischungen, und niemand kann garantieren, dass hier keine Kinderarbeit im Spiel ist«, sagt Ritter.

Ein schier undurchdringliches Handelssystem, das von Land zu Land und von Produkt zu Produkt variiert, bestimmt den Weg der Bohne, bis sie zur Schokolade wird. Oft verdienen auch Zwischenhändler am Kakao. An der Elfenbeinküste sammeln zum Beispiel die sogenannten Pisteurs bei den Kleinbauern den Rohstoff ein und bringen ihn zu den Händlern. Andere Bauern haben sich zu Genossenschaften zusammengeschlossen. Dann läuft der Verkauf an die Exporteure über diese Organisationen. Doch das hilft nur bedingt. Denn garantierte Mindestpreise gibt es in der Regel nicht.

Leserkommentare
    • 1fisch2
    • 25. Dezember 2009 18:40 Uhr

    unspektakulär. Das kling jetzt sicher hartherzig, aber mich überrascht so ein Artikel nicht mehr.
    Ob China, Ob Afrika, Ob Südamerika, und so langsam auch (natürlich nicht so extrem) bei uns hier in Europa, überall zeigt die unverfälschte, unkontrollierte Marktwirtschaft ihr Gesicht. In meiner Verwandschaft lebt eine Bauernfamilie. 12 Stunden-Tage sind normal. Alle arbeiten mit. Mit 60 Jahren sind die beiden "Alten" ausgelaugt, fertig, kraftlos.
    Der Sohn wird den Hof nicht mehr weiterführen können.
    Die 40 Milchkühe machen viel Arbeit und werfen keinen Verdienst mehr ab.

    "Leistung muß sich lohnen" Dieser Satz ist für mich die Lüge des neuen Jahrtausend. Für mich ist dieser Satz vergleichbar mit "Arbeit macht frei". Auch wenn ich jetzt wieder Gegenwind bekomme, sage ich das.

    Neben meinem Garten bewirtschaftet ein Moslem aus Jordanien oder Syrien seinen Garten. Er erklärte mir einmal, daß es in seinem Land ein Sprichwort gibt. "Nimm mir lieber mein Leben als meine Existenz (Beruf/Arbeit).Er meinte damit, daß er und andere seines Volkes lieber sterben möchten, als die Familie nicht mehr ernähren zu können. Die Ernährung der Familie ist eine Ehrensache.

    "Kaltherzigkeit und Rücksichtslosigkeit lohnen sich", so wird ein Schuh daraus, das meinte die FDP als Sie von mehr "Freiheit" sprach. Die Freiheit, andere "durch Arbeit frei zu machen".

    Nicht die Bauern, die die Arbeit haben bekommen den Lohn sondern die Händler oder die Oligopole - in Afrika oder auch hier.

  1. [...] (Bitte bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf derlei Vergleiche. Die Redaktion /ft)

  2. Und wir sehen wieder einmal. Es ändert sich nicht, wenn der Konsument will, sondern dann wenn die Händler und Hersteller wollen. Weil nur sie in ausreichender Menge das Wissen über die Produktionsbedingungen und die Marktmacht haben.

    [...] (Bitte bleiben Sie im Rahmen des guten Geschmacks. Die Redaktion /ft)
    Leute, wenn es euch nicht gefällt, dass im Kapitalismus die Starken die Schwachen für sich rackern lassen, bis sie ausgelutscht sind und billigst entsorgt werden können, dann sagt und macht was dagegen.

    Diese kindische Afrikatour nervt, bei der dann noch die korrupten Afrikaner selber schuld sein sollen, denn wir waschen unsere Hände in Unschuld. Ist schon mal jemand aufgefallen, dass umso übler die Zustände sind, desto billiger wir an deren Naturschätze kommen?

    Das sind die simpelsten Marktgesetze, die da wirken. Das ist wie in good ol' Germany. Je mehr Arbeitslose es gibt, umso ängstlicher werden die Leute, umso billiger wird ehrliche Arbeit.

    Der Markt macht's.

  3. da sind die Kinder so arm, daß sie unter menschenunwürdigen Bedingungen Schokolade anbauen müssen und hier sind bald viele Kinder so arm, daß sie keine Schokolade mehr essen können.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service