Kundus-Affäre Das wahre Gesicht des KriegesSeite 3/3

In der Vergangenheit war es gerade diese Weigerung, den deutschen Einsatz quantitativ oder qualitativ zu eskalieren, mit dem die wechselnden deutschen Regierungen dafür sorgten, dass die öffentliche Stimmung nicht vollends kippte. Das ging auch so lange gut, wie die Sicherheitslage im Norden zum Selbstverständnis des deutschen Einsatzes passte: Man konnte die Lage durch bloße Präsenz stabilisieren, deutsche Soldaten beteiligten sich am zivilen Aufbau. Doch seit einiger Zeit sickert der Süden in den Norden des Landes. Wo die Deutschen über Jahre hinweg halbwegs sicher den spärlichen Aufbau flankierten, häufen sich die Anschläge, agieren vermehrt Taliban gegen die Bevölkerung und gegen die fremden Soldaten. Die haben die Veränderung vor Ort zu spüren bekommen, auch in Berlin weiß man darüber schon lange Bescheid.

Nur reagiert hat die deutsche Politik darauf nicht. Sie hätte über einen Abzug debattieren können oder über das Gegenteil: eine Intensivierung des deutschen Engagements und eine veränderte Strategie als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage. Sie hat stattdessen die sogenannte Taschenkarte mit den Einsatzregeln für die Soldaten verändert. Die dürfen seither schneller zur Waffe greifen und sich auch präventiv verteidigen. Ein von deutschen Soldaten kommandierter Bombenangriff auf Talibankämpfer, mit einer hohen Anzahl ziviler Opfer, wie man ihn früher immer bei den Amerikanern kritisiert hatte, war dabei nicht vorgesehen. Und doch erscheint gerade dieses Ereignis wie eine Konsequenz aus der Passivität der Politik und der Überforderung der Soldaten vor Ort. Vielleicht war Oberst Kleins Entscheidung zum Luftangriff einfach nur die tödliche Antwort auf eine aussichtslos gewordene Lage.

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Der Oberst wird sich für seine Entscheidung verantworten müssen, auch wenn man diese Verantwortung juristisch und moralisch nur schwer beschreiben kann. Ein Verteidigungsminister ist zurückgetreten, der amtierende wird mit allen Mitteln um sein Amt kämpfen. Fatal sind die Konsequenzen des Luftangriffs für die deutsche Afghanistanpolitik. Die Berlin-Kundus-Affäre wird die ohnehin schwindende öffentliche Unterstützung für den Einsatz noch weiter schmälern. Ende Januar will die Staatengemeinschaft in London über die Zukunft des Afghanistan-Einsatzes beschließen. Dann wird Obama von Deutschland mehr Engagement verlangen. Und die Kanzlerin wird nichts in der Hand haben.

 
Leser-Kommentare
  1. ...an sich.

    WENN man Krieg führt ist so ein Angriff Teil des Geschäftes.
    DEWEGEN lege ich in meinen ständigen Kommentaren GEGEN diesen Krieg ja die Latte so hoch, den das Ziel muss dann auch solche Aktionen rechtfertigen.

    Das ware Problem sind die Merkels, Steinmeiers und Westerwelles, die solche Kriege aus taktischem Kalkül gegenüber den Amerikanern führen, dabei schweigen, vertuschen und lügen, damit ihre Öffentlichkeit ihnen nicht auf die Schliche kommt.
    Das diese Schliche dazu führen, das die Soldaten in zu geringer Anzahl Vorort sind, um angemessen handeln zu können und eher schlecht ausgerüstet sind, wird von den Merkels, Steinmeiers und Westerwelles BEWUSST in kauf genommen.
    Nur als Beispiel: Warum musste ein amerikanischer Jagdbomber den Angriff fliegen, wieso haben wir dort keine Tornados, wenn wir solche Angriffe ausführen wollen ?
    Doch nicht etwa weil das zu teuer wäre ?

    Wenn soll ich den bitte noch wählen, wenn 2/3 der deutschen Parteien mich so unverschämt vorführen ?

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    • kai1
    • 18.12.2009 um 16:08 Uhr

    Das Problem ist sicherlich die Informationspolitik der Regierung, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Das Problem besteht weiterhin darin, dass es eine an Sicherheitspolitik einerseits freundlich desinteressierte Zivilgesellschaft gibt, die sich andererseits paradoxerweise mehrheitlich gegen einen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ausspricht, von dem sie im Großen und Ganzen nur nebulöse Vorstellungen auf dem Niveau der "BILD-Berichterstattung" hat. Regierungsseitig liegt es deshalb nahe, der Öffentlichkeit die Wahrheit aufzutischen, die sie verträgt.
    Für denjenigen, der sich kontinuierlich und sachlich und nicht nur schlaglichtartig und nicht nur aus regierungsamtlichen Verlautbarungen (wenn überhaupt) mit den Ereignissen in Afghanistan auseinandersetzt, konnte ein solches "Massaker" nicht ganz unerwartet kommen, nachdem sich bereits seit Monaten eine von den Taliban gezielt herbeigeführte Eskalation durch gesteigerte und gezieltere Aktivitäten abzeichnete. "Kunduz" war nur der vorläufige Höhepunkt und es muss nicht notwendigerweise der letzte seiner Art gewesen sein, auch wenn davon auszugehen ist, dass eine deutsche Beteiligung daran eher unwahrscheinlich(er) wird - womit unsere Gutmenschen [ Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf abschätzige Bezeichnungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ], die in der Regel über die Gnade des selektiven Gewissens verfügen, vermutlich gut zurecht kommen.

    Was den Einsatz deutscher Tornados angeht: Erinnern Sie sich noch an das Affentheater, als es um den Einsatz einer Hand voll unbewaffneter Flugzeuge zu Aufklärungszwecken ging?

    • kai1
    • 18.12.2009 um 16:08 Uhr

    Das Problem ist sicherlich die Informationspolitik der Regierung, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Das Problem besteht weiterhin darin, dass es eine an Sicherheitspolitik einerseits freundlich desinteressierte Zivilgesellschaft gibt, die sich andererseits paradoxerweise mehrheitlich gegen einen Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ausspricht, von dem sie im Großen und Ganzen nur nebulöse Vorstellungen auf dem Niveau der "BILD-Berichterstattung" hat. Regierungsseitig liegt es deshalb nahe, der Öffentlichkeit die Wahrheit aufzutischen, die sie verträgt.
    Für denjenigen, der sich kontinuierlich und sachlich und nicht nur schlaglichtartig und nicht nur aus regierungsamtlichen Verlautbarungen (wenn überhaupt) mit den Ereignissen in Afghanistan auseinandersetzt, konnte ein solches "Massaker" nicht ganz unerwartet kommen, nachdem sich bereits seit Monaten eine von den Taliban gezielt herbeigeführte Eskalation durch gesteigerte und gezieltere Aktivitäten abzeichnete. "Kunduz" war nur der vorläufige Höhepunkt und es muss nicht notwendigerweise der letzte seiner Art gewesen sein, auch wenn davon auszugehen ist, dass eine deutsche Beteiligung daran eher unwahrscheinlich(er) wird - womit unsere Gutmenschen [ Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf abschätzige Bezeichnungen. Danke. Die Redaktion/m.e. ], die in der Regel über die Gnade des selektiven Gewissens verfügen, vermutlich gut zurecht kommen.

    Was den Einsatz deutscher Tornados angeht: Erinnern Sie sich noch an das Affentheater, als es um den Einsatz einer Hand voll unbewaffneter Flugzeuge zu Aufklärungszwecken ging?

  2. ...und Frau Merkel wird schweigen, schweigen, schweigen.

    Denn das hat sie perfekt gelernt: wenn man sich zu einem unangenehmen Thema einfach gar nicht äussert, dann hat man Ruhe davor.

    Wo ist die Überschrift auf der ersten Seite der ZEIT, die fragt:
    "Frau Merkel, sagen Sie uns was vorgeht !" ?

    Dabei sind ZEIT, Süddeutsche und FAZ ja noch hyperkritisch im Vergleich zu unserem vorschriftsmäßig staatsfern bezahltem Staatsrundfunk/fernsehen.

    • Era10
    • 18.12.2009 um 10:34 Uhr

    Kurzes Zitat aus Bild online von heute:
    "Das „Kommando Führung Operation Spezialkräfte“ (Kdo FOSK) in Potsdam arbeitet getrennt vom „normalen“ Einsatzführungskommando und führt u. a. die geheimen Operationen des Kommandos Spezialkräfte (KSK)."

    versus (Seite 1 dieses Artikels)

    "Diese geheim operierenden Kräfte werden eng von Deutschland aus mitgeführt, vom Einsatzführungskommando in Potsdam."

    Ich habe nicht damit gerechnet seriöseren Journalismus bei der Bild anzutreffen. Doch es ist leider bei Weitem nicht die erste unzutreffende Feststellung/ Aussage von Zeit online im Zusammenhang mit der sogenannten Kunduz-Affäre. Speziell bei diesem, doch sehr heiklen und auch emotionalen Thema wäre das wirklich wichtig. Ich hoffe auf Besserung.

  3. Der Einsatzbefehl der Bundeswehr ist nicht sinnvoll. Wenn die Bundeswehr nur sich selbst verteidigen darf, wer verteidigt dann die Afghanen gegen die Taliban?

    Gerade im Norden Afghanistans leben die Ethnien die besonders unter der Herrschaft der Taliban zu leiden hatten. Dennoch gewinnen auch dort die Taliban an Macht. Die Bundeswehr mag Brücken und Schulen bauen, die Taliban unterstreichen ihren Herrschaftsanspruch aber mit Waffengewalt. Bei dem jetzigen defensiven Einsatzbefehl wäre jeder Afghane verrückt sich mit der Bundeswehr einzulassen, denn diese darf die Taliban ja nicht bekämpfen.

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    Da die Bundeswehr mit den Afghanen operiert, bedeutet ein ANgriff auf die Afghanin im Bereich der bundeswehr, auch ein Angriff auf die bundeswehr. Das ist doch einleuchtend

    • kai1
    • 18.12.2009 um 16:31 Uhr

    Genau das ist das Problem: Warum haben Afghanen, die guten Willens sind und berechtigterweise nur in Frieden leben wollen, ein ungutes Gefühl, wenn es darum geht, sich von der Bundeswehr schützen zu lassen? Warum lehnen sie (und afghanische Behörden) die Unterstützung der Bundeswehr beispielsweise ab, wenn es darum geht, führende Taliban "nachhaltig dingfest" zu machen. Dass die Bundeswehr keine gezielten Tötungen durchführen darf (sinnigerweise wird der Hitler-Attentäter Stauffenberg heute auch von den Gegnern gezielter Tötungen verehrt!) hat ihr darüber hinaus auch den Zorn und die Verachtung ihrer Alliierten eingetragen, nachdem deutsche KSK Soldaten beim "rechtsstaatlich korrekten, Polizeigrundsätzen entsprechenden Zugriff" schon eine akribisch vorbereitete Aktion "vermasselten".
    Indem die Bundeswehr nicht alle militärisch gebotenen Mittel einsetzen darf, um ein Umfeld zu schaffen, indem es für die afghanische Bevölkerung ein Mindestmaß an Sicherheit vor den Taliban gibt (die letztlich auch die Feinde der Menschen sind, die stabile Verhältnisse anstreben), entwertet sie alle bis jetzt mit viel Engagement durchgeführten zivilen Zwecken dienenden Aufbaumaßnahmen zum Wohle der Bevölkerung.
    Ziviler Aufbau und militärische Sicherheit sind in Afghanistan zwei Seiten einer Medaille, was leider auch viele Mitglieder von NGOs und zivile Entwicklungsexperten nicht hinreichend verstehen.
    Unter diesen Umständen richtet der Einsatz Schaden an, aber nicht durch ein ZU WENIG an Gewalt.

    Da die Bundeswehr mit den Afghanen operiert, bedeutet ein ANgriff auf die Afghanin im Bereich der bundeswehr, auch ein Angriff auf die bundeswehr. Das ist doch einleuchtend

    • kai1
    • 18.12.2009 um 16:31 Uhr

    Genau das ist das Problem: Warum haben Afghanen, die guten Willens sind und berechtigterweise nur in Frieden leben wollen, ein ungutes Gefühl, wenn es darum geht, sich von der Bundeswehr schützen zu lassen? Warum lehnen sie (und afghanische Behörden) die Unterstützung der Bundeswehr beispielsweise ab, wenn es darum geht, führende Taliban "nachhaltig dingfest" zu machen. Dass die Bundeswehr keine gezielten Tötungen durchführen darf (sinnigerweise wird der Hitler-Attentäter Stauffenberg heute auch von den Gegnern gezielter Tötungen verehrt!) hat ihr darüber hinaus auch den Zorn und die Verachtung ihrer Alliierten eingetragen, nachdem deutsche KSK Soldaten beim "rechtsstaatlich korrekten, Polizeigrundsätzen entsprechenden Zugriff" schon eine akribisch vorbereitete Aktion "vermasselten".
    Indem die Bundeswehr nicht alle militärisch gebotenen Mittel einsetzen darf, um ein Umfeld zu schaffen, indem es für die afghanische Bevölkerung ein Mindestmaß an Sicherheit vor den Taliban gibt (die letztlich auch die Feinde der Menschen sind, die stabile Verhältnisse anstreben), entwertet sie alle bis jetzt mit viel Engagement durchgeführten zivilen Zwecken dienenden Aufbaumaßnahmen zum Wohle der Bevölkerung.
    Ziviler Aufbau und militärische Sicherheit sind in Afghanistan zwei Seiten einer Medaille, was leider auch viele Mitglieder von NGOs und zivile Entwicklungsexperten nicht hinreichend verstehen.
    Unter diesen Umständen richtet der Einsatz Schaden an, aber nicht durch ein ZU WENIG an Gewalt.

  4. 5.

    Da die Bundeswehr mit den Afghanen operiert, bedeutet ein ANgriff auf die Afghanin im Bereich der bundeswehr, auch ein Angriff auf die bundeswehr. Das ist doch einleuchtend

  5. Wir führen Krieg in Afghanistan. Leider, aber unvermeidbar.

    Die Entscheidung, Krieg zu führen,sollte immer wohl überlegt sein und eine breite Basis im Parlament haben. Innerparlamentarische machtpolitische Ränkespiele sind bei Fragen von Krieg und Frieden vollkommen fehl am Platze.
    Sowohl die Regierungsparteien, als auch die Opposition tragen hier eine hohe Verantwortung.

    Die Gründe für diesen Krieg sind vielschichtig. Weite Teile der Öffentlichkeit haben zwangsläufig große Probleme, dies nachzuvollziehen. Insbesondere da die Ultima Ratio Krieg zwangsläufig töten, auch Unschuldiger, beinhaltet. Dies führt bei vielen Bürgern zu überforderter Emotionalität statt Rationalität.

    Nur darf sich die Politik vom unaufgeklärten populistischen "Stammtisch" beeinflussen lassen, auch wenn er diesmal mit Vulgärpazifisten besetzt ist?
    Ich denke klar: Nein.

    Leider versagt auch die vierte Gewalt im Staat, die Medien, vollkommen. Weite Teile der schreibenden und sendenden Zunft scheinen keine Ahnung von dem zu haben, worüber sie berichten. Statt zu informieren, polemisiert man. Emotion geht vor Sachlichkeit. Wenn Reporter schon einfachste Formalitäten wie Dienstgrade oder welches Führungkommando für welche Truppen zuständig ist, nicht auf die Reihe bekommen, wie sollen sie dann Sachverhalte verstehen und berichten können, die komplexer werden? Sicherheitspolitik ist nun mal hoch komplex.

    Wie soll die Bevölkerung Urteilsfähigkeit haben, wenn die sie "informierende" Presse keine Ahnung hat?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Vulgärpazifisten" ein herrliches Wort! Werde ich verwenden!

    Das die Presse sich nicht mit Dienstgraden und sonstigen Interna der Streitkräfte auskennt ist zwiespältig. Zum Einen wäre es schon schön wenn sich wenigstens einer oder zwei Schreiber fänden, die es wissen, nur um die Berichterstattung abzurunden.
    Zum Anderen ist es aber eigentlich unwichtig ob der Mann, der einen Befehl ausgeführt hat, nun Schütze oder Portepeé-Unteroffizier oder Waldmeister genannt werden soll.

    Viel Schlimmer ist es doch, das sich angesichts der Nachrichtenlage die Frage stellt ob man dem Demokratisch gewählten Auftraggeber der Armee selbst den Überblick über das Geschehen zutrauen kann! Und um diesen zu behalten ist es wohl ganz legitim sich nicht zu sehr in den Niederungen der Besoldungs- und Beförderungsordnung herumzutreiben (Meine Entschuldigung wenn die genannten Regeln anders heissen sollten).

    • ezoo
    • 18.12.2009 um 12:12 Uhr

    [...] (Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)

    - werfen Sie auf ZEIT-Online gebetsmühlenartig der Presse in einer nicht zu verstehenden Weise vor...
    Mit welcher inhaltlichen Rechtfertigung eigentlich? Warum wollen Sie mehr Ahnung haben als andere Zivilisten?
    Wie kommt das, mit welcher militärischen Qualifikation und Informationslage untermauern Sie Ihre Behauptungen?
    Treten Sie doch mal aus Ihrer Deckung der hintersten Reihe der Anonymität hervor, ...sonst bleiben Sie ein unglaubwürdiger Heckenschütze mit zweifelhaften persönlichen Motiven.
    Sie tun hier in der Causa Afghanistan so, als ob Sie wie ein "Eingeweihter", ein Kenner der aktuellen Umstände für die Belange der Bundeswehr sprechen würden. In Wirklichkeit beschädigen Sie höchstens das gute Aussenbild und sorgen für Ablehnung, wie man aus den Reaktionen der anderen hier sieht.

    Gleichzeitig ihr abgekupfertes Lieblingsschimpfwort "Vulgärpazifist" abzuladen und in einem Atemzug von "..populistischen "Stammtisch".." zu sprechen zeigt objektiv, dass Sie nicht an einer niveauvollen Diskussion interessiert sind.

    "Vulgärpazifisten" ein herrliches Wort! Werde ich verwenden!

    Das die Presse sich nicht mit Dienstgraden und sonstigen Interna der Streitkräfte auskennt ist zwiespältig. Zum Einen wäre es schon schön wenn sich wenigstens einer oder zwei Schreiber fänden, die es wissen, nur um die Berichterstattung abzurunden.
    Zum Anderen ist es aber eigentlich unwichtig ob der Mann, der einen Befehl ausgeführt hat, nun Schütze oder Portepeé-Unteroffizier oder Waldmeister genannt werden soll.

    Viel Schlimmer ist es doch, das sich angesichts der Nachrichtenlage die Frage stellt ob man dem Demokratisch gewählten Auftraggeber der Armee selbst den Überblick über das Geschehen zutrauen kann! Und um diesen zu behalten ist es wohl ganz legitim sich nicht zu sehr in den Niederungen der Besoldungs- und Beförderungsordnung herumzutreiben (Meine Entschuldigung wenn die genannten Regeln anders heissen sollten).

    • ezoo
    • 18.12.2009 um 12:12 Uhr

    [...] (Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion /ft)

    - werfen Sie auf ZEIT-Online gebetsmühlenartig der Presse in einer nicht zu verstehenden Weise vor...
    Mit welcher inhaltlichen Rechtfertigung eigentlich? Warum wollen Sie mehr Ahnung haben als andere Zivilisten?
    Wie kommt das, mit welcher militärischen Qualifikation und Informationslage untermauern Sie Ihre Behauptungen?
    Treten Sie doch mal aus Ihrer Deckung der hintersten Reihe der Anonymität hervor, ...sonst bleiben Sie ein unglaubwürdiger Heckenschütze mit zweifelhaften persönlichen Motiven.
    Sie tun hier in der Causa Afghanistan so, als ob Sie wie ein "Eingeweihter", ein Kenner der aktuellen Umstände für die Belange der Bundeswehr sprechen würden. In Wirklichkeit beschädigen Sie höchstens das gute Aussenbild und sorgen für Ablehnung, wie man aus den Reaktionen der anderen hier sieht.

    Gleichzeitig ihr abgekupfertes Lieblingsschimpfwort "Vulgärpazifist" abzuladen und in einem Atemzug von "..populistischen "Stammtisch".." zu sprechen zeigt objektiv, dass Sie nicht an einer niveauvollen Diskussion interessiert sind.

  6. "Nur reagiert hat die deutsche Politik darauf nicht. Sie hätte über einen Abzug debattieren können oder über das Gegenteil: eine Intensivierung des deutschen Engagements und eine veränderte Strategie als Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage. Sie hat stattdessen die sogenannte Taschenkarte mit den Einsatzregeln für die Soldaten verändert. Die dürfen seither schneller zur Waffe greifen und sich auch präventiv verteidigen."

    Wie heisst es: Angriff ist die beste Verteidigung.

    Die Deutschen sollten sich langsam klar darüber werden, dass sie sich in Afghanistan in einem veritablen Bürgerkrieg befinden. Alsdann ist darüber zu entscheiden, wie mit dieser - nicht ganz so neuen - Situation umzugehen ist: Will man diese Herausforderung annehmen, muss der Einsatz intensiviert werden, sprich mehr Soldaten, mehr auch schwere Ausrüstung und ein veränderter, offensiver Auftrag. Alles andere wäre auch gegenüber den dort stationierten Soldaten, Bürger in Uniform, verantwortungslos. Andernfalls wäre es nur konsequent die Soldaten zurück zu holen und die Afghanen sich selbst zu überlassen. Die momentane Situation ist auf jeden Fall unterträglich, insbesondere für die Truppen vor Ort.

    MfG

    • kai1
    • 18.12.2009 um 11:37 Uhr
    8.

    Als die Bundeswehr-Feldjäger den Tatort inspizieren, stellen sie fest: "Ereignisort ist nicht unverändert. Augenscheinlich keine Leichen/Verletzten mehr vor Ort. ›Bombing-Area‹ ist in Anbetracht des vermeintlichen Personenschadens nahezu 'klinisch' gereinigt."

    Dieser Aspekt des Geschehens wird bei der Diskussion in Deutschland zu wenig gewürdigt.

    Warum wurde der "Tatort" so verändert, dass er sich auf Bildern fast klinisch rein präsentierte? Und: Wer hat hier so gründlich aufgeräumt?

    Merkwürdig, dass kaum einer der Kommentatoren und Foristen diese Fragen stellte.

    Der Verdacht kommt auf, dass, wäre der Tatort unverändert
    geblieben, es sich gezeigt hätte, dass das Ausmaß gar nicht so groß war, wie es Beschreibungen wie "Massenmord" und "Massaker" suggerieren wollten.

    Das Vorgehen ist dabei nicht ungeschickt: es schafft eine Projektionsfläche, auf die eine Zivilgesellschaft ohne Bezug zu den Realitäten des Krieges ihre eigenen Horrorvorstellungen vom Phänomen Krieg, der ja immer nur Töten bedeutet (und bedeuten kann) durch immer neue sich gegenseitig überbietende Horrorzahlen von Getöteten projizieren kann. Die Phantasie wird dadurch quasi beflügelt. In der Selbstzerfleischung dieser Zivilgesellschaft zeigt sich, dass der "Plan" aufgegangen ist.

    Hätte die afghanische Zivilbevölkerung die Opfer aus Pietätsgründen weggeschaft, müsste es im näheren Umkreis viele Gräber geben, was nicht der Fall ist.
    Die Verletzten in Krankenhäusern sagen nichts aus über die Umstände.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ezoo
    • 18.12.2009 um 11:50 Uhr

    "Der Verdacht kommt auf, [...] dass das Ausmaß gar nicht so groß war, wie es Beschreibungen wie "Massenmord" und "Massaker" suggerieren [..]."

    "Die Verletzten in Krankenhäusern sagen nichts aus über die Umstände."

    Ihnen ist nicht mehr zu helfen.

    • lispm
    • 18.12.2009 um 12:47 Uhr

    Wahrscheinlich ist doch eher, daß die zivilen Opfer vertuscht werden sollten.

    Interessant ist doch folgendes:

    WENN die Bundeswehr als Ziel die 'Vernichtung' von bestimmten Taliban gehabt hat, dann wäre es doch logisch, daß die Bundeswehr sich auch hinterher überzeugt hätte, daß die Zielpersonen unter den Opfern sind und wirklich tot sind. Dazu müßte man entweder genaue Aufnahmen von der Aktion haben (auf den Personen zu identifizieren sind) oder man muß die Toten untersuchen.

    Vielleicht war das auch alles egal? Hauptsache genug tote Taliban - wenn man genug Menschen umbringt, dann sind da auch genug bedrohliche Taliban darunter.

    Der Oberst hatte ja wohl auch sechs (!) Bomben angefordert. Auf den Videos ist ja gut zu sehen, was ZWEI Bomben angerichtet haben. Die Tanklaster (eine der angeblichen Gefahren) sind explodiert und brannten aus. Mit sechs Bomben hätte man auch eine grössere Fläche oder verschiedene andere Ziele vernichten können. Sowas sieht doch so aus, als wenn jemand den ganzen Bereich von Taliban säubern wollte und möglichst viele 'vernichten' wollte. Die Waffen sind ja heute sehr präzise und, wie man gesehen hat, die zwei Bomben haben völlig ausgereicht. Warum dann SECHS und welche Ziele wollte der Oberst damit bekämpfen?

    "Der Verdacht kommt auf, dass, wäre der Tatort unverändert
    geblieben, es sich gezeigt hätte, dass das Ausmaß gar nicht so groß war, wie es Beschreibungen wie "Massenmord" und "Massaker" suggerieren wollten."

    Genauso könnte man denken, das Ausmaß war viel größer, und es wäre viel schneller zu der nun losgetretenen Diskussion gekommen, bzw. die Säuberung hatte den Zweck zu vertuschen, um die Diskussion gar nicht erst aufkommen zu lassen.

    Da aber die Auflärung bei der BW selbst lag (sie den Auftrag und die Möglichkeit dazu hatte), sie dies aber "versäumte", scheinen die Indizien eher für meine Version zu sprechen als für ihre, meinen sie nicht ?

    • ezoo
    • 18.12.2009 um 11:50 Uhr

    "Der Verdacht kommt auf, [...] dass das Ausmaß gar nicht so groß war, wie es Beschreibungen wie "Massenmord" und "Massaker" suggerieren [..]."

    "Die Verletzten in Krankenhäusern sagen nichts aus über die Umstände."

    Ihnen ist nicht mehr zu helfen.

    • lispm
    • 18.12.2009 um 12:47 Uhr

    Wahrscheinlich ist doch eher, daß die zivilen Opfer vertuscht werden sollten.

    Interessant ist doch folgendes:

    WENN die Bundeswehr als Ziel die 'Vernichtung' von bestimmten Taliban gehabt hat, dann wäre es doch logisch, daß die Bundeswehr sich auch hinterher überzeugt hätte, daß die Zielpersonen unter den Opfern sind und wirklich tot sind. Dazu müßte man entweder genaue Aufnahmen von der Aktion haben (auf den Personen zu identifizieren sind) oder man muß die Toten untersuchen.

    Vielleicht war das auch alles egal? Hauptsache genug tote Taliban - wenn man genug Menschen umbringt, dann sind da auch genug bedrohliche Taliban darunter.

    Der Oberst hatte ja wohl auch sechs (!) Bomben angefordert. Auf den Videos ist ja gut zu sehen, was ZWEI Bomben angerichtet haben. Die Tanklaster (eine der angeblichen Gefahren) sind explodiert und brannten aus. Mit sechs Bomben hätte man auch eine grössere Fläche oder verschiedene andere Ziele vernichten können. Sowas sieht doch so aus, als wenn jemand den ganzen Bereich von Taliban säubern wollte und möglichst viele 'vernichten' wollte. Die Waffen sind ja heute sehr präzise und, wie man gesehen hat, die zwei Bomben haben völlig ausgereicht. Warum dann SECHS und welche Ziele wollte der Oberst damit bekämpfen?

    "Der Verdacht kommt auf, dass, wäre der Tatort unverändert
    geblieben, es sich gezeigt hätte, dass das Ausmaß gar nicht so groß war, wie es Beschreibungen wie "Massenmord" und "Massaker" suggerieren wollten."

    Genauso könnte man denken, das Ausmaß war viel größer, und es wäre viel schneller zu der nun losgetretenen Diskussion gekommen, bzw. die Säuberung hatte den Zweck zu vertuschen, um die Diskussion gar nicht erst aufkommen zu lassen.

    Da aber die Auflärung bei der BW selbst lag (sie den Auftrag und die Möglichkeit dazu hatte), sie dies aber "versäumte", scheinen die Indizien eher für meine Version zu sprechen als für ihre, meinen sie nicht ?

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