Kunstmarkt Kunst als Krisengewinner

Nanne Dekking von der New Yorker Galerie Wildenstein erklärt, welche Werke warum teuer werden

Im Dezember versteigerte Christie's in London das "Porträt eines Mannes" von Rembrandt für 18 Millionen Pfund

Im Dezember versteigerte Christie's in London das "Porträt eines Mannes" von Rembrandt für 18 Millionen Pfund

DIE ZEIT: In der vergangenen Woche sind in London eine Raffael-Zeichnung für 29 Millionen und ein Rembrandt-Gemälde für 20 Millionen Pfund versteigert worden. Waren Sie überrascht?

Nanne Dekking: Nicht sehr. Das war typisch für den momentanen Trend. Wirklich bedeutende Kunstwerke verkaufen sich. Wir haben im Augenblick einen Markt, auf dem die Käufer bereit sind, eine Menge Geld auszugeben, aber nicht bereit sind, dabei ein Risiko einzugehen. Die Qualität muss hoch sein, Provenienz und Zustand einwandfrei.

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ZEIT: Also geht es wieder aufwärts?

Dekking: Es ist in diesem Segment nie abwärts gegangen, und das ist bemerkenswert. Hier in New York sehen wir, dass zum Beispiel das obere Ende des Immobilienmarktes noch immer sehr lebendig ist. Aber selbst die Preise für die schönsten Apartments in den gesuchtesten Gegenden sind definitiv niedriger als vor einem Jahr. Wenn ich um die Ecke unserer Galerie auf die Madison Avenue blicke, sehe ich, dass jeder Modeladen, der aus wirtschaftlichen Gründen schließen musste, durch einen teuren Juwelier ersetzt wird. Die happy few, die auf dem großen Kapital sitzen, sind nicht nur zurückhaltend, was Investitionen in den Aktienmarkt oder den Kauf von Immobilien angeht. Sie haben auch die Sorge, allzu große Summen Bargeld zu halten. Da scheinen bedeutende Kunstwerke oder Juwelen eine gute Alternative zu sein.

ZEIT: War das vorauszusehen?

Dekking: Wir alle wussten seit Ende 2007, dass irgendetwas mit der Wirtschaft passieren würde. Die Blase musste einfach platzen. Die Zeit der Unsicherheit, in der sich niemand bewegt, ist nun vorbei, und wir sehen, dass die Sammler zurückkommen und nach dem Besten suchen. Das wurde zum ersten Mal bei der Yves-Saint-Laurent-Auktion im Februar in Paris sichtbar. Spätestens da habe ich gesehen, dass der Trend lauten würde: Hohe Preise nur für die besten Stücke.

ZEIT: Und das heißt: vor allem im Altmeister-Bereich? 

Dekking: Nein, auch bei den wichtigen Impressionisten, Post-Impressionisten und Zeitgenossen ist das der Fall. Weil niemand etwas riskieren will, ist es schwierig, Werke mit unklarer Herkunft zu verkaufen. Und bei Altmeister-Werken besteht immer die Gefahr, dass sich zwei Experten nicht über die Zuschreibung einigen können. Weil das bei Raffael und Rembrandt nicht der Fall war, haben sie in der vergangenen Woche so hohe Preise erzielt.

ZEIT: Konkret: Welche bedeutenden Werke haben Sie trotz oder wegen der Krise verkaufen können?

Dekking: Wir sprechen aus Respekt vor unseren Kunden nie über Verkäufe. Manchmal werden trotzdem welche öffentlich. Wir haben zwei Manet-Gemälde an den Louvre Abu Dhabi verkauft – einen Zigeuner und ein Stillleben, die einmal zusammengehörten, von Manet aber 1867 nach einer schlechten Kritik getrennt wurden. Ein dritter Teil gehört heute dem Art Institute of Chicago.

ZEIT: Das Wildenstein-Lager ist so geheim wie legendär. Hätten Sie heute einen Leonardo da Vinci anzubieten, würden Sie einen Käufer finden?

Dekking: Die Frage habe ich, glaube ich, schon beantwortet.

ZEIT: Aber nur an einen Privatsammler, weil öffentliche Museen zurzeit keine Chance haben?

Dekking: Gerade hier in den USA haben die Museen sicher stark unter der Krise gelitten, weil sie sehr vom Sponsoring der Wirtschaft oder von privaten Geschenken und Stiftungen abhängen. Die neuen Käufer, die zurzeit nach Spitzenwerken suchen, sind tatsächlich private Käufer.

Die Fragen stellte Stefan Koldehoff

Die Galerie Wildenstein, die zu den bedeutendsten Kunsthandlungen der Welt zählt, wurde vor über 130 Jahren in Paris gegründet. Der Niederländer Nanne Dekking, 49, ist Vizepräsident des heute in New York ansässigen Unternehmens

 
Leser-Kommentare
  1. Die Kunst als Krisengewinner macht mir wieder viel Mut und ich denke, dass ich meine elitäre Galerie und Privatsammler
    noch finden werde.Mit sechzig fängt das Malen, Zeichnen und Plastizieren/Modellieren erst richtig an!

    h.m.j.

    Maler Bildhauer und Amateurfotograf

    • luccas
    • 18.12.2009 um 21:56 Uhr

    Zitat:
    "Wir alle wussten seit Ende 2007, dass irgendetwas mit der Wirtschaft passieren würde. Die Blase musste einfach platzen."

    Die Blase, Lady Dekking, ist auch in Sachen Kunst geplatzt. Da ändert auch das bescheuerte Verhalten der Galeristen, bei Auktionen ihre eigenen Angebote hochzupuschen, nix dran.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Kainyc
    • 19.12.2009 um 8:32 Uhr

    Erstens: Nanne Dekking ist ein Herr. Die von Ihnen erwaehnte "Lady Dekking" existiert nicht. - Ziemlich peinlich, wenn man wie Sie versucht sueffisant jemanden zu diskreditieren, aber seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

    Dann moechte Ihnen sagen, dass es immer das oberste Gebot sein sollte sich nur ueber die Sachverhalte zu aeussern, von denen man auch Ahnung hat. Das ist bei Ihnen leider nicht der Fall. Auktionsergebnisse auf solch hohem Niveau sind nicht das Resultat von Preistreiberei. - Das kann bei solchen Preisen gar nicht mehr sein. Es kann bei Auktionen jedoch bis zu einem gewissen Grad Preistreiberei stattfinden, da haben Sie recht. Das "window of opportunity" hierfuer ist jedoch klein, denn jemand muss die Arbeit zum Schluss ja kaufen, verstehen Sie?

    Vielleicht Sie den Kunstmarkt mit etwas mehr Mass und Perpektive beurteilen, wie mir scheint.

    • Kainyc
    • 19.12.2009 um 8:32 Uhr

    Erstens: Nanne Dekking ist ein Herr. Die von Ihnen erwaehnte "Lady Dekking" existiert nicht. - Ziemlich peinlich, wenn man wie Sie versucht sueffisant jemanden zu diskreditieren, aber seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

    Dann moechte Ihnen sagen, dass es immer das oberste Gebot sein sollte sich nur ueber die Sachverhalte zu aeussern, von denen man auch Ahnung hat. Das ist bei Ihnen leider nicht der Fall. Auktionsergebnisse auf solch hohem Niveau sind nicht das Resultat von Preistreiberei. - Das kann bei solchen Preisen gar nicht mehr sein. Es kann bei Auktionen jedoch bis zu einem gewissen Grad Preistreiberei stattfinden, da haben Sie recht. Das "window of opportunity" hierfuer ist jedoch klein, denn jemand muss die Arbeit zum Schluss ja kaufen, verstehen Sie?

    Vielleicht Sie den Kunstmarkt mit etwas mehr Mass und Perpektive beurteilen, wie mir scheint.

    • Kainyc
    • 19.12.2009 um 8:32 Uhr
    3. @2:

    Erstens: Nanne Dekking ist ein Herr. Die von Ihnen erwaehnte "Lady Dekking" existiert nicht. - Ziemlich peinlich, wenn man wie Sie versucht sueffisant jemanden zu diskreditieren, aber seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

    Dann moechte Ihnen sagen, dass es immer das oberste Gebot sein sollte sich nur ueber die Sachverhalte zu aeussern, von denen man auch Ahnung hat. Das ist bei Ihnen leider nicht der Fall. Auktionsergebnisse auf solch hohem Niveau sind nicht das Resultat von Preistreiberei. - Das kann bei solchen Preisen gar nicht mehr sein. Es kann bei Auktionen jedoch bis zu einem gewissen Grad Preistreiberei stattfinden, da haben Sie recht. Das "window of opportunity" hierfuer ist jedoch klein, denn jemand muss die Arbeit zum Schluss ja kaufen, verstehen Sie?

    Vielleicht Sie den Kunstmarkt mit etwas mehr Mass und Perpektive beurteilen, wie mir scheint.

    Antwort auf "Geplatzt."

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