Alan Pauls Das Gift der AnhänglichkeitSeite 3/3

Was ist die Liebe? Sie ist vor allem Bindung. Bindung steckt im lateinischen religio. Die Liebe kann eine Religion sein. Jedenfalls hat die Liebe, gerade die rasende, etwas Religiöses: ein Moment von Unbedingtheit, von Unendlichkeit und von Sinnstiftung. Die romantische Liebe hat sich immer als immanent erfahrbare Transzendenz empfohlen. Davon erzählt auch Die Vergangenheit. Genauer: Der Roman erzählt von der seligen Destruktion, die von der Liebesreligion ausgehen kann. Aber es gibt keinen besseren Gott.

Insofern ist es auch ein Roman über die Frage, wie man leben kann. Hätte es Rettung geben können aus den Fängen der Vergangenheit? Es gibt eine Episode, die eine Lebenssinn-Alternative anbietet, aber sie wirkt selber wie eine grausige Selbstverstümmelung. Als Rímini aus seiner Verwahrlosung von einem Fitnesstrainer gerettet wird, unterwirft dieser ihn einem strengen Sportprogramm. Über die Schülergruppe des Fitnesslehrers heißt es: »Auf die Gegenwart beschränkt, auf jene eigentümlich beschränkte Form der Gegenwart, wie die Launen und Pannen des Körpers sie erzeugen, waren sie allesamt Fundamentalisten der Aktualität, für die Vergangenheit und Zukunft nichts als schädliche Fiktionen darstellten, ersonnen aus keinem anderen Grund, als um ihr Insichversunkensein durch das Gift des Geschichtssinns zu gefährden. Alles war hier, jetzt und immer schon. Eine kurzsichtige, unmittelbare Welt, deren Gesetze nur eine Art von Aufschub zuließen: den von einer schlecht absolvierten Übung bis zu ihrer korrigierten Wiederholung.«

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Nein, diese Form der Gesundheit kann die Alternative nicht sein.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich habe das Buch in der original Sprache gelesen .
    Leider werden südamerikanische Autoren viel zu überdreht und sprachlich zu anspruchsvoll übersetzt.
    Das Spanisch der Argentinier ist bleiern und kitschig , vulgär und im Grunde wenig komplex .
    Almodovar ist sogar noch näher als vorher beschrieben.
    Proust hingegen könnte nicht weiter weg sein , von der schábigen und narzistischen Weltanschaung Argentinischer liebender.
    Das Buch ist,bedingt durch die viel zu brillante Übersetzung,überbewertet und kann dem guten Ruf der Schriftsteller in Argentienen leider nichts hinzufügen .
    In einem Land in dem es mehr Psychonalythiker als Geschlechtverkehr gibt kann kein Buch geschrieben werden was den neorothischen Dialektik ansprüchen der Deutschen gerecht wird . Das Buch ist zu gut übersetzt.
    Trotzdem hat es Spass gemacht es zu lesen

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