Minarett-Debatte Hochmut der Vernunft

Warum findet das Schweizer Minarett-Verbot so viel Applaus? Über den Aufklärungs-Fundamentalismus liberaler Intellektueller

Die Schweiz ist ein glückliches Land. Sie ist die Heimat der Freiheitsliebe und ein Musterschüler direkter Demokratie, von Bergen umstellt und von Freunden umzingelt. Wir bewundern die Schweiz. Doch vor Kurzem hat die glückliche Schweiz in einer Volksabstimmung beschlossen, ihre Bundesverfassung um einen kleinen, unscheinbaren Artikel zu ergänzen. Über diese Volksabstimmung ist viel geschrieben worden, denn das Ergebnis verblüffte die Weltöffentlichkeit: Die kompakte Majorität der Schweizer Bürger hat sich dafür entschieden, dass die Religionen künftig nicht gleich, sondern ungleich behandelt werden. »Artikel 72 Absatz 3 neu« heißt schlicht: »Der Bau von Minaretten ist verboten.«

Aber nicht nur die Volksabstimmung, in der eine Mehrheit die Rechte einer Minderheit beschneidet, ist erstaunlich. Erstaunlich ist auch der Umstand, dass Intellektuelle die Schweizer Entscheidung nicht nur gutheißen, sondern sie sogar feiern: als tapfere Widerstandshandlung gegen den allmächtigen Islam, als Fanal gegen die Gleichgültigen, die Feigen und Angepassten.

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Wer sind diese Intellektuellen? Es sind nicht bedrängte Christenmenschen. Es sind auch nicht klerikale Konservative, die am Matterhorn das Abendland gegen die Türken verteidigen. Es sind vielmehr säkulare Intellektuelle, die in der Tradition von Liberalismus und Aufklärung stehen und für die ein Lessing, ein Heinrich Heine oder Ludwig Börne ein Vorbild abgibt. Auch die neuen Aufklärer kämpfen mit der Fackel der Vernunft gegen den Fanatismus, genauer: Sie kämpfen gegen den Islam, gegen seine Dunkelmänner und falschen Freunde. Die Schweizer, sagen sie, haben Mut. Eifern wir ihnen nach.

Die Schweizer Stimmen waren kaum ausgezählt, da meldete sich der Publizist Henryk M. Broder zu Wort und fand an der Abstimmung spontan Gefallen. Nicht die Muslime hätten verloren, schreibt er; verloren hätten die »Appeaser« und die »Gutmenschen, die eine andere Kultur immer verteidigenswerter finden als die eigene«. Broder, der seit Jahren vor der Islamisierung Europas warnt, gibt sich stets große Mühe, lustig zu schreiben, aber er meint es bitterernst: Er will die westliche Toleranz vom Maß der Religionsfreiheit in islamischen Diktaturen abhängig machen (siehe zu diesem Argument auch Gustav Seibt in der SZ vom 14.12.2009) »Tit for tat«, ruft Broder, und das heißt: Solange in den arabisch-islamischen Ländern christliche Gebetshäuser untersagt seien, so lange müsste Muslimen auch hierzulande der Bau von Moscheen verboten werden. »Wenn iranische Frauen in Vollverschleierung durch München flanieren können, müssen europäische Frauen in der Kleidung ihrer Wahl durch Teheran oder Isfahan gehen dürfen, ohne von den notgeilen Greifern der Sittenpolizei belästigt zu werden«.

Wie Broder, so begrüßt auch die amerikanische Historikerin Anne Applebaum in der Washington Post die Schweizer Abstimmung. Es mag sein, schreibt sie gut gelaunt, dass gut integrierte Muslime das Minarettverbot als Provokation empfänden, aber alles in allem sei das Ergebnis doch eine gute Vorbeugung gegen den fundamentalistischen Missbrauch der eidgenössischen Religionsfreiheit.

Nicht anders die bekannte Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali. Auch sie betrachtet das Minarettverbot als verdiente Niederlage der kosmopolitischen Träumer, die die Furcht der kleinen Leute, der Arbeiter und Angestellten, schmählich vergessen hätten. Was den Islamismus angeht, weiß Hirsi Ali allerdings, wovon sie spricht. Die gebürtige Somalierin war Abgeordnete des niederländischen Parlaments, als fundamentalistische Killer ihr Morddrohungen ins Haus schickten und sie zwangen, unterzutauchen. Aber auch schon vorher weigerte sich Hirsi Ali beharrlich, in einem Minarett ein religiöses Zeichen zu sehen. Für sie handelt es sich um ein brandgefährliches politisches Symbol, vergleichbar nur dem Hakenkreuz der Nazis oder Hammer und Sichel des Kommunismus. Entsprechend betrachtet sie den Islam als religiös getarnten Kampfverband, als eine totalitäre politische Theologie, die unter dem Schleier spiritueller Erbauung auf faktische Welteroberung zielt. Deshalb muss die Religion, die keine ist, aufgeklärt und, so darf man ergänzen, zum Verschwinden gebracht werden.

Nicht ganz so radikal, aber mit viel polemischem Überschuss argumentiert die Berliner Soziologin Necla Kelek. Sie nennt die Schweizer Entscheidung »tragisch« und lehnt es ausdrücklich ab, Minarette verbieten zu lassen. Aber auch für Kelek ist der Islam eine subversive Theologie, die auf die Gesellschaft im Ganzen zielt, auf ihre Freiheit und ihre Lebensweise. Der Islam, schreibt sie in einer Antwort auf Gerhard Schröder (ZEIT Nr. 51/09), sei beileibe »nicht nur der Glaube an den Einen Gott«, wer das annehme, lebe auf dem Mond. »Das Misstrauen der Schweizer gegenüber den Moscheevereinen rührt auch aus der Konspiration, die in den Moscheen gepflegt wird… Von den Muslimen erfahren die Schweizer so wenig wie die Deutschen. Aber läuft sicher auch unter Religionsfreiheit« (FAZ vom 11.12.2009). Für Kelek gibt es keinen Zweifel: Die Mehrheitsgesellschaften verdrängen die islamische Gefahr und lassen sich vom esoterischen Zauber des Heiligen betören. In Wirklichkeit, schrieb sie an anderer Stelle, sei die Nächstenliebe dem Islam »genauso fremd wie die Seelsorge.«

Was ist an diesen Sätzen falsch? Und ist überhaupt etwas falsch? Haben die Mahner und Warner nicht recht – zumal dann, wenn man an den infamen Präsidenten Ahmadineschad denkt, der die iranische Theokratie mit Mord und Folter verteidigt und Israel mit atomarer Vernichtung droht? Und verdient die leidgeprüfte Aayan Hirsi Ali nicht Bewunderung dafür, wenn sie die schwache Stimme der liberalen Vernunft gegen den Fanatismus der Orthodoxie erhebt?

Leser-Kommentare
  1. http://www.mehr-demokrati...
    2002 stimmt zum ersten Mal eine Mehrheit im Deutschen Bundestag für die Einführung des bundesweiten Volksentscheids; diese verfehlt jedoch die nötige Zweidrittel-Mehrheit, weil sich die CDU gegen den Vorschlag stellt.

    • tfdfdp
    • 17.12.2009 um 18:05 Uhr

    " sie spricht sie vielmehr als Bürger an und fordert von ihnen das Selbstverständliche: dass sie ihre Glaubenswahrheiten mit den Menschenrechten vereinbaren und die Verfassungsgrundsätze ebenso achten wie die Freiheit der Gewissensentscheidung. Dieses Programm zielt nicht auf die säkularistische Privatisierung der Religion, sondern auf ihre demokratische Entschärfung. "

    Das, was der Autor als Hochmut der Vernunft meint deklarieren zu können, stellt sich mir lediglich als deren Konsequenz dar. Denn das oben zitierte Ansinnen mag, wie auch die Ausführungen des Autors, gut gemeint und von dem Wunsch eines einvernehmlichen Miteinanders geprägt sein. Doch wird in eklatanter Art und Weise verkannt, dass die dogmatische Besonderheit des Islam gerade darin besteht, dass er eine Säkularisierung nicht nur nicht kennt, sondern dem Gläubigen schlicht verbietet.

    Der Islam fordert konsequent von jedem Gläubigen, die Grundsätze des Glaubens in jedem Lebensbereich, gleich ob privat oder politisch, durch- und umzusetzen.

    Entsprechend halte ich den Islam bzw. seine Lehren an sich, deren konsequente Umsetzung unterstellt, für schlicht mit den Grundsätzen des Grundgesetzes nicht vereinbar.

    Genau dieses Problem scheint von einem wachsenden Anteil der Bevölkerung erkannt zu werden und dürfte wohl der eigentliche Grund für die Entscheidung der Schweizer gewesen sein.

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    http://www.perlentaucher....

    Ich halte den Islam auch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Sollte ich jemals gefragt werden, werde ich gegen den Islam stimmen!

    http://www.perlentaucher....

    Ich halte den Islam auch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Sollte ich jemals gefragt werden, werde ich gegen den Islam stimmen!

    • Frankz
    • 17.12.2009 um 18:15 Uhr

    Das Apriori, dass Islam und das Christentum als zwei ähnliche Religionen gleichzusetzen sind, kann in Frage gestellt werden. Die globalen politiko-religiösen Ansprüche des Islams kennt das Christentum nicht. Höchstens ein Vergleich mit dem Christentum im Mittelalter wäre zutreffend. Ein zweites Apriori ist, dass Islam und das Christentum in Europa gleichberechtigt sein müssen. Daraus basiert sich das Argument, dass Minaretten berechtigt sind, weil Kirchen Türme haben. Europa ist aber ein christliches Kontinent, wo Glockentürme zum Stadtbild gehören. Das könnte sich zwar ändern, aber es bleibt eine politische Entscheidung, ob eine Anderung stattfinden soll oder nicht. Religionsfreiheit ist in Europa gesichert, und das Minarettenverbot verletzt sie nicht. Man könnte auch argumentieren, dass die türkische Sprache gleichberechtigt wie die deutsche Sprache sein soll, dass Deutschland ein zweisprachliches Land ist. Ahnliches ist in den 70ziger Jahre in Kanada entschieden, wo Französisch zur zweiten Staatssprache erhoben wurde.

    Man könnte sich fragen, ob ein Glockenturmverbot für neue Kirchen in islamischen Ländern eine ähnliche Entrüstung in Europa auslösen würde. Der Vergleich mit islamischen Ländern wird aber von manchen abgelehnt, weil sie nicht als Modell dienen sollen. [...].
    [entfernt. Bitte verzichten Sie zukünftig auf derart herabwürdigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]

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    bevor ein Glockenturm verboten werden kann, muss erstmal der Bau einer Kirche erlaubt sein. Und das ist den allermeisten islamischen Ländern nicht erlaubt (Ausnahme m.W. Malaysia) bzw wird es praktisch unmöglich gemacht. Der alles entscheidende Unterschied ist aber: Der Islam bzw dessen Politiker halten das für richtig und gleichzeitig fordern sie die völlige Religionsfreiheit einschließlich der Gotteshäuser in anderen Ländern(siehe Reaktion der türkischen Regierung). Sie sehen auch keinen Widerspruch darin, Religionsfreiheit nicht zu gewähren und sie gleichzeitig für die Muslime zu fordern, denn es gibt nur einen Gott, die "anderen" sind die Ungläubigen, das sind keine Religionen und deshalb muss man auch keine Freiheit gewähren, die Argumente sind in der Tat bestechend, es ändert aber nichts daran, dass unsere Grundwerte, die sich ja nicht auf eine Staatsreligion stützen, den Werten des Islam tatsächlich überlegen sind, das gilt auch für andere Lebensbereiche, und das ist auch gut so.

    bevor ein Glockenturm verboten werden kann, muss erstmal der Bau einer Kirche erlaubt sein. Und das ist den allermeisten islamischen Ländern nicht erlaubt (Ausnahme m.W. Malaysia) bzw wird es praktisch unmöglich gemacht. Der alles entscheidende Unterschied ist aber: Der Islam bzw dessen Politiker halten das für richtig und gleichzeitig fordern sie die völlige Religionsfreiheit einschließlich der Gotteshäuser in anderen Ländern(siehe Reaktion der türkischen Regierung). Sie sehen auch keinen Widerspruch darin, Religionsfreiheit nicht zu gewähren und sie gleichzeitig für die Muslime zu fordern, denn es gibt nur einen Gott, die "anderen" sind die Ungläubigen, das sind keine Religionen und deshalb muss man auch keine Freiheit gewähren, die Argumente sind in der Tat bestechend, es ändert aber nichts daran, dass unsere Grundwerte, die sich ja nicht auf eine Staatsreligion stützen, den Werten des Islam tatsächlich überlegen sind, das gilt auch für andere Lebensbereiche, und das ist auch gut so.

    • Hontes
    • 17.12.2009 um 18:43 Uhr

    Ein wesentlicher Unterschied wird leider viel zu wenig beleuchtet.

    Die Glocken werden üblicherweise zum Anzeigen der Uhrzeit und vor/während eines Gottesdienst genutzt.

    In Zusammenhang mit einem Gottesdienst stellt das Glockenläuten ein neutrales Signal dar.

    Hingegen ruft der Muezzin ein Glaubensbekenntnis vom Minarett.

    Ich denke, dass viele Nicht- und Andersgläubiger hierin einen nicht ganz unerheblichen Unterschied sehen.

    Eines hat der Volksentscheid in der Schweiz endlich geschafft. Es ist eine Diskussion in Gang gekommen. Ergebnis offen.

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    bravvoooo!

    endlich bringt's mal wieder jemand auf den punkt

    • outis
    • 19.12.2009 um 9:02 Uhr

    Das Glockengeläut, ist genau wie der Ruf des Muezzis, eine Aufforderung zum Gebet. Wer keine Minarette will, muss auch Kirchtürme abreißen.
    http://de.wikipedia.org/w...

    bravvoooo!

    endlich bringt's mal wieder jemand auf den punkt

    • outis
    • 19.12.2009 um 9:02 Uhr

    Das Glockengeläut, ist genau wie der Ruf des Muezzis, eine Aufforderung zum Gebet. Wer keine Minarette will, muss auch Kirchtürme abreißen.
    http://de.wikipedia.org/w...

  2. Als Soziarbeiter weiss ich um die (immer wieder auch recht komplexen) Aspekte rund um das Thema "Integration von Menschen mit Migrationshintergrund". Man stößt da in der Realität auch immer wieder recht schnell an Grenzen. Es gibt einfach kulturell bedingte Unterschiede, die sich nicht immer mit den westlich-europäisch (auch christlich) eingefärbten Konzepten, Ideen, Kommunikationsritualen, emotionalen Beziehungsgestaltungsangewohnheiten oder eben auch Herangehensweisen beheben lassen. Schon gar nicht im Kontext nur einer Generation. (Müssen sie vielleicht auch nicht.) (?)
    Ich formuliere mal eine etwas überspitzte, leicht polemische und provokante These: Vielleicht kommt das Minarettbauverbot der Schweizer den Kommunikations- und Umgangsgepflogenheiten vieler Menschen aus islamisch geprägten Ländern näher, als es "uns" lieb ist. Vielleicht ist das ein Verhandlungsangebot, ein Diskursangebot, das eher dem Kommunikationsduktus der "anderen Kultur" entspricht.
    An meinen privaten Kontakten zu Menschen aus islamisch geprägten Ländern (hauptsächlich Männer) weiss ich auch hauptsächlich deren lockeren Umgang mit Haltungen und Meinungen zu schätzen, die in "unserer" Kultur durchaus als reaktionät bezeichnet werden würden. Nur hört es sich in deren Ausdrucksweise herzlicher an. Finde ich. Ob Herr Assheuer bei der Annäherung der Kulturen mit seiner Forderung nach "Verbündete im Mainstream der Muslime finden" im Rahmen seines Kommunikationsangebots Erfolg hat, wage ich zu bezweifeln.

  3. Gesellschaftlich basiert Religion, wie auch Politik oder die Rechtsprechung, auf der Auslegung von Texten. Und wir sind mitten in einem Kampf um die Deutungshoheit bestimmter historischer Texte.
    Das ist nicht weiter erstaunlich für eine vielleicht durchaus notwendige gesellschaftliche Debatte. Aber es ist nicht nur schade, sondern geradezu erschütternd, dass eigentlich ganz gescheite Medienmenschen wie Herr Broder oder Frau Kelek sich so freigiebig für eine Sache einspannen lassen, die so leicht ausser Kontrolle geraten könnte, dass es zu einem Flächenbrand kommen könnte, der dann nicht mehr nur die involvierten Printerzeugnisse in Flammen aufgehen lässt. Und sehen die Kämpferinnen für Frauenrechte wie Frau Hirsi Ali oder Frau Schwarzer und Frau Julia Onken, denn nicht, dass diejenigen, denen sie ihre Argumente zur freien politischen Verwendung überlassen, sich in Wirklichkeit einen Dreck scheren um die Gleichstellung der Frau, weil sie eben für die Hierarchisierung der Menschen innerhalb eines ethnozentrischen Kategoriensystems eintreten?

    Begrifflichkeiten im Kontext von "Vernunft" und "Demokratie" sind historisch gewachsene Gebilde, deren Beständigkeit und Bedeutung mit jeder neuen Debatte auf dem Prüfstand steht. Mit der aktuellen emotional ausufernden Kakophonie tun wir hier im Westen alles dafür, diese Begriffe abermals zu verstümmeln und auszuhöhlen.

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    Sie werden bei einer realen Auseinandersetzung nicht um Emotionen herumkommen. Hier im Netz und auch sonst, wenn es um eine rein inhaltliche Auseinandersetzung, also auch um die Deutung von Texten geht, mag Ihre Sichtweise noch interssant sein. Im Zusammenleben von Menschen spielen Emotionen aber oft eine sehr wichtige Rolle. Meines Erachtens eben in islamisch geprägten Ländern noch viel mehr als bei "uns". Das war auch einer der Gründe für meinen Einwand unter dem Titel "Unterschiede". Wobei ich durchaus der Meinung bin, dass selbst im Bereich der Textdeutung Emotionen eine Rolle spielen. Und auch spielen sollten. Texte entstehen durch Menschen für Menschen. Wer Emotionen da ausklammert oder abwertet, kann keinem menschlichen Ansinnen mehr gerecht werden. Sie gehören nun mal dazu.

    Klar sind Emotionen als anthroplogische Konstante ein Faktor, mit dem immer zu rechnen ist. Ich muss das berücksichtigen, aber ich muss es auch als ein Problem betrachten. Der Mensch ist neurologisch betrachtet gerade noch dazu fähig, eine emotionale Bindung zu seinem unmittelbarsten Umfeld aufzubauen: Familie, Freundeskreis. Was in konzentrischen Kreisen darüber hinausgeht, pflegt er vielleicht noch mit patriotischer Wertschätzung als "unsere" Verbündete oder dergleichen zu bezeichnen, jenseits davon gibt`s dann aber bald nur noch amorphe Menschenmasse, bzw. "die Fremden". Die Bevölkerung eines Staates, oder gar das Zusammenleben von Menschen auf einem ganzen Kontinent, geschweige denn die Grösse "Weltbevölkerung", das sind Kategorien, die für den Menschen nur noch abstrakt zu fassen sind. Da hört leider die emotionale Bindung auf - und der Konflikt an.
    Mein Veto ist also: Wer auf (inter-)nationaler Ebene über das Zusammenleben verschiedenster Menschen auf einem immer kleiner werdenden Planeten spricht oder schreibt, der muss sich seiner Emotionen ohne Unterlass bewusst sein, oder er stürzt andere in eine Katastrophe. Das beherzigen in der aktuellen Debatte die Allerwenigsten.

    Sehr geehrte Mitforisten, zum ersten möchte ich ihnen für ihre m.E. klugen und mit kühlem Kopf geschrieben Beiträge danken.

    Zum zweiten wollte ich etwas einwerfen, zum Thema "eigentlich gescheite Medienmenschen wir Herr Broder". Bis vor kurzem habe ich dessen Ausführungen auch imemr noch interessiert gelesen, auch wenn ich oft nicht mit ihm übereinstimme. Nachdem ich jedoch diese Palmer/Broder Geschichte mal gelesen habe, hat sich meine Meinung über den Herrn Broder deutlich verschlechtert:

    http://www.stuttgarter-na...

    (Wenn der Link nicht funkioniert einfach "Palmer an Broder" googlen)

    Herr Broder ist m.E. ein Paradebeispiel für Leute die "Flächenbrände" auslösen - und niemand der sich hat einspannen lassen.

    Grüße,

    Sie werden bei einer realen Auseinandersetzung nicht um Emotionen herumkommen. Hier im Netz und auch sonst, wenn es um eine rein inhaltliche Auseinandersetzung, also auch um die Deutung von Texten geht, mag Ihre Sichtweise noch interssant sein. Im Zusammenleben von Menschen spielen Emotionen aber oft eine sehr wichtige Rolle. Meines Erachtens eben in islamisch geprägten Ländern noch viel mehr als bei "uns". Das war auch einer der Gründe für meinen Einwand unter dem Titel "Unterschiede". Wobei ich durchaus der Meinung bin, dass selbst im Bereich der Textdeutung Emotionen eine Rolle spielen. Und auch spielen sollten. Texte entstehen durch Menschen für Menschen. Wer Emotionen da ausklammert oder abwertet, kann keinem menschlichen Ansinnen mehr gerecht werden. Sie gehören nun mal dazu.

    Klar sind Emotionen als anthroplogische Konstante ein Faktor, mit dem immer zu rechnen ist. Ich muss das berücksichtigen, aber ich muss es auch als ein Problem betrachten. Der Mensch ist neurologisch betrachtet gerade noch dazu fähig, eine emotionale Bindung zu seinem unmittelbarsten Umfeld aufzubauen: Familie, Freundeskreis. Was in konzentrischen Kreisen darüber hinausgeht, pflegt er vielleicht noch mit patriotischer Wertschätzung als "unsere" Verbündete oder dergleichen zu bezeichnen, jenseits davon gibt`s dann aber bald nur noch amorphe Menschenmasse, bzw. "die Fremden". Die Bevölkerung eines Staates, oder gar das Zusammenleben von Menschen auf einem ganzen Kontinent, geschweige denn die Grösse "Weltbevölkerung", das sind Kategorien, die für den Menschen nur noch abstrakt zu fassen sind. Da hört leider die emotionale Bindung auf - und der Konflikt an.
    Mein Veto ist also: Wer auf (inter-)nationaler Ebene über das Zusammenleben verschiedenster Menschen auf einem immer kleiner werdenden Planeten spricht oder schreibt, der muss sich seiner Emotionen ohne Unterlass bewusst sein, oder er stürzt andere in eine Katastrophe. Das beherzigen in der aktuellen Debatte die Allerwenigsten.

    Sehr geehrte Mitforisten, zum ersten möchte ich ihnen für ihre m.E. klugen und mit kühlem Kopf geschrieben Beiträge danken.

    Zum zweiten wollte ich etwas einwerfen, zum Thema "eigentlich gescheite Medienmenschen wir Herr Broder". Bis vor kurzem habe ich dessen Ausführungen auch imemr noch interessiert gelesen, auch wenn ich oft nicht mit ihm übereinstimme. Nachdem ich jedoch diese Palmer/Broder Geschichte mal gelesen habe, hat sich meine Meinung über den Herrn Broder deutlich verschlechtert:

    http://www.stuttgarter-na...

    (Wenn der Link nicht funkioniert einfach "Palmer an Broder" googlen)

    Herr Broder ist m.E. ein Paradebeispiel für Leute die "Flächenbrände" auslösen - und niemand der sich hat einspannen lassen.

    Grüße,

  4. http://www.perlentaucher....

    Ich halte den Islam auch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Sollte ich jemals gefragt werden, werde ich gegen den Islam stimmen!

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    Auf die Abstimmung bin ich gespannt: "Islam - ja oder nein?". Bin froh, dass es hierzulande keine Volksabstimmungen gibt, sonst käme wahrscheinlich so ein Unfug dabei raus. Das wäre das absolute Gegenteil davon, sich mit Problemen zu befassen.

    • K.Eh.
    • 19.12.2009 um 14:04 Uhr

    Ich habe Ihr Link angeklickt - und was war's? Necla Kelek, war ja zu erwarten! Warum fragen Sie eigentlich, wenn Sie sich für "den" Islam interessieren, nicht jemanden, der ihn kennt? Schon allein die Gegenüberstellung, hier Islam (also Religion) und da Grundgesetz ist doch schon vollkommen absurd.

    Auf die Abstimmung bin ich gespannt: "Islam - ja oder nein?". Bin froh, dass es hierzulande keine Volksabstimmungen gibt, sonst käme wahrscheinlich so ein Unfug dabei raus. Das wäre das absolute Gegenteil davon, sich mit Problemen zu befassen.

    • K.Eh.
    • 19.12.2009 um 14:04 Uhr

    Ich habe Ihr Link angeklickt - und was war's? Necla Kelek, war ja zu erwarten! Warum fragen Sie eigentlich, wenn Sie sich für "den" Islam interessieren, nicht jemanden, der ihn kennt? Schon allein die Gegenüberstellung, hier Islam (also Religion) und da Grundgesetz ist doch schon vollkommen absurd.

  5. Denken wir an das Treiben der katholischen Kirche vor 600 Jahren, an ihren, bis heute erhobenen, Anspruch der allein seligmachenden. Mit welchen brutalen Mitteln hat sie ihre Ansprüche durchgesetzt! Und ganz sichaer ging es nicht um die Verherrlichung Gottes sondern um gut getarnte Machtansprüche des Vatikans. Die jungen muslimischen Männer und Frauen, die sich in grenzenlosem Haß gegenüber Andersgläubigen selbst töten, sind von ihren Religionslehrern irregeleitet. Diese Blutströme, die angeblich aus religiösen Gründen fließen und flossen, hat mit Sicherheit weder der Prophet Mohamed noch Jesus von Nazareth gewollt.

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    Der selbsernannte "Prophet Mohammed" hat persönlisch Krieg geführt! Quelle Wikipedia

    genau! ebenso wie zwischen mystischem christentum und vatikan-staats-vermachtung unterschieden werden muss, sollte das, um der differenzierung willen mit dem islam auch geschehen.

    es gibt UN-fundamentalistische und äusserst friedliebende strömungen im islam.

    beides: mystisches christentum und mystischer islam haben eines gemeinsam:

    man kriegt nicht besonders viel davon mit, so wie auch nicht umsonst damals die schriftstücke JENER christen in tonkrügen geheimgehalten und versteckt werden mussten.

    noch heute tut der vatikan diese schriften - die mittlerweile unter dem namen apokryphe schriften veröffentlicht sind - ab.

    warum? ganz einfach: den vatikan interessiert religion im ur-sprünglichen sinne von rück-bindung an gott nicht die bohne. er ist eher dran interessiert seine firmeneigene bank und sein kino im (vatikan-)staat zu behalten.

    Oh, ja ich erinnere mich gut was die katholische Kirche damals alles Schlimmes gemacht hat. Deshalb sollte man bei den Moslems auch nicht so pingelig sein, bestechende Argumentation.

    Hinsichtlich der Fakten haben sie wohl Recht, doch ist ihre Beurteilung nur aus der heutigen Sicht heraus so eindeutig.
    Die Menschen glaubten damals wirklich, das sie im Namen Gottes handelten, die Missbräuche entstammten menschlicher Schwäche, die immer zu Geltung kommt, wenn kein Recht oder Gesetz dies verhindert und entsprechende Vorstellungen keine andere Rechtsetzung vorher ermöglichten.
    Weder die theologischen noch philosophischen Voraussetzungen der damaligen Zeit ließen eine andere Interpretation zu. Sie wurden aufgrund dieser Erfahrungen mühsam auch um den Preis vieler Menschenleben errungen.
    Das gilt für politische Systeme genauso wie für Religionen oder jede andere Normsetzung der Menschheitsgeschichte.
    Die Institutionalisierung durch Klerus, Mullahs etc., Polizei, Armee etc. ist dabei sowohl Fortschritt, als auch Fortschrittsverzögerung, wenn sie sich bzw. ihre Vorausetzungen grundlegend geändert haben oder neue Erkenntnisse und erlittenes Unrecht Fortschritt erforderlich machen.
    Veränderungen, auch Notwendige, bedeuten den Verlust von Macht und Besitzständen, was der Bereitschaft zur neuen Erkenntnis auch heute nicht förderlicher ist, geschweige denn die Fähigkeit überhaupt zu begreifen, wenn es einem selbst doch gut geht.
    Dem Islam fehlen die europäischen Erfahrungen, des gläubigen Machtmissbrauchs, die diesbezüglichen Gesetze entspringen fremden Normen, weshalb sie von breiten islamischen Bevölkerungskreisen nicht wirklich mitgetragen werden.

    H.

    Der selbsernannte "Prophet Mohammed" hat persönlisch Krieg geführt! Quelle Wikipedia

    genau! ebenso wie zwischen mystischem christentum und vatikan-staats-vermachtung unterschieden werden muss, sollte das, um der differenzierung willen mit dem islam auch geschehen.

    es gibt UN-fundamentalistische und äusserst friedliebende strömungen im islam.

    beides: mystisches christentum und mystischer islam haben eines gemeinsam:

    man kriegt nicht besonders viel davon mit, so wie auch nicht umsonst damals die schriftstücke JENER christen in tonkrügen geheimgehalten und versteckt werden mussten.

    noch heute tut der vatikan diese schriften - die mittlerweile unter dem namen apokryphe schriften veröffentlicht sind - ab.

    warum? ganz einfach: den vatikan interessiert religion im ur-sprünglichen sinne von rück-bindung an gott nicht die bohne. er ist eher dran interessiert seine firmeneigene bank und sein kino im (vatikan-)staat zu behalten.

    Oh, ja ich erinnere mich gut was die katholische Kirche damals alles Schlimmes gemacht hat. Deshalb sollte man bei den Moslems auch nicht so pingelig sein, bestechende Argumentation.

    Hinsichtlich der Fakten haben sie wohl Recht, doch ist ihre Beurteilung nur aus der heutigen Sicht heraus so eindeutig.
    Die Menschen glaubten damals wirklich, das sie im Namen Gottes handelten, die Missbräuche entstammten menschlicher Schwäche, die immer zu Geltung kommt, wenn kein Recht oder Gesetz dies verhindert und entsprechende Vorstellungen keine andere Rechtsetzung vorher ermöglichten.
    Weder die theologischen noch philosophischen Voraussetzungen der damaligen Zeit ließen eine andere Interpretation zu. Sie wurden aufgrund dieser Erfahrungen mühsam auch um den Preis vieler Menschenleben errungen.
    Das gilt für politische Systeme genauso wie für Religionen oder jede andere Normsetzung der Menschheitsgeschichte.
    Die Institutionalisierung durch Klerus, Mullahs etc., Polizei, Armee etc. ist dabei sowohl Fortschritt, als auch Fortschrittsverzögerung, wenn sie sich bzw. ihre Vorausetzungen grundlegend geändert haben oder neue Erkenntnisse und erlittenes Unrecht Fortschritt erforderlich machen.
    Veränderungen, auch Notwendige, bedeuten den Verlust von Macht und Besitzständen, was der Bereitschaft zur neuen Erkenntnis auch heute nicht förderlicher ist, geschweige denn die Fähigkeit überhaupt zu begreifen, wenn es einem selbst doch gut geht.
    Dem Islam fehlen die europäischen Erfahrungen, des gläubigen Machtmissbrauchs, die diesbezüglichen Gesetze entspringen fremden Normen, weshalb sie von breiten islamischen Bevölkerungskreisen nicht wirklich mitgetragen werden.

    H.

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