Minarett-Debatte Hochmut der VernunftSeite 2/2

Und doch: Bei aller berechtigten Angst vor dem Islamismus verdienen die säkularen Aufklärer Widerspruch. In ihrem Religionsbegriff steckt ein großer, unaufgeklärter Rest, ein Hochmut der Vernunft, der ihrer liberalen Sache mehr schadet als nutzt. Vor allem in den Büchern und Interviews Hirsi Alis erscheint die religiöse Welt des Islams oft genug als blanker »Un-Sinn« – als dunkle Verirrung, die in erratischer Unversöhnlichkeit aus einer archaischen Wüstenlandschaft in die Gegenwart des taghellen Liberalismus hineinragt. Weil der Islam für Hirsi Ali das »ganz Andere« der säkularen Vernunft ist, darf es nur ein Entweder-oder geben: Die Muslime müssten eine »Wahl treffen zwischen den Werten der Länder, in die sie gekommen sind, und den Werten der Länder, die sie verlassen haben«. Muslime, heißt dies, müssen ihrer Religion abschwören; sie müssen sie radikal privatisieren und sich in andächtiger Einkehr jeder Aussage über die Welt enthalten. Nur wer seinen Glauben aufgibt oder ihn im privaten Seelenwinkel stumm vor der Gesellschaft verbirgt, nur der ist ein guter Bürger.

Säkularisten wie Broder, Kelek oder Hirsi Ali sind der Auffassung, dass der liberale Staat erst dann zufriedenstellend funktioniert, wenn er von einer säkularen Gesinnung getragen wird; wenn der Einfluss der (islamischen) Religion auf die politische Willensbildung so weit wie möglich eingedämmt wird. Anders gesagt: Die historische Säkularisierung des Staates muss in der Säkularisierung der Gesellschaft ein Fundament haben. Alles andere ist für Hirsi Ali ein Einfallstor für den islamischen Feind – einen Feind, in dem sie umstandslos einen neuen Totalitarismus erkennt, nicht minder gefährlich als Faschismus und Kommunismus.

Gegen diesen Säkularismus lässt sich alles Mögliche vorbringen, aber der wichtigste Einwand lautet: Er wird das Gegenteil bewirken. Schon aus diesem Grund lohnt es sich, eine aufregende Kontroverse nachzulesen, die vor knapp zwei Jahren im Perlentaucher geführt und in Thierry Chervels Buch Islam in Europa (Suhrkamp Verlag) wieder abgedruckt wurde. Pedantisch zerpflücken darin der Historiker Timothy Garton Ash und der Kulturwissenschaftler Ian Buruma die Argumente der Säkularisten und zeigen, dass ihr Kampf gegen den Islam selbst eine fundamentalistische Schlagseite hat. Niemand, schreiben sie, könne von den Muslimen verlangen, mit ihrer Religion Tabula rasa zu machen. »Wenn wir religiösen Extremismus besiegen wollen, müssen wir den Mainstream der Muslime als Verbündete gewinnen« – und dann könne man nicht erwarten, dass sie dem Glauben ihrer Väter abschwören.

Und was nun? Vielleicht ist der Weg, den die Deutsche Islam Konferenz beschreitet, der Erfolg versprechende. Diese fordert nicht den Verzicht auf religiösen Selbstausdruck und kämpft nicht gegen Minarette. Die Islamkonferenz reduziert Muslime auch nicht auf ihre religiöse Identität; sie spricht sie vielmehr als Bürger an und fordert von ihnen das Selbstverständliche: dass sie ihre Glaubenswahrheiten mit den Menschenrechten vereinbaren und die Verfassungsgrundsätze ebenso achten wie die Freiheit der Gewissensentscheidung. Dieses Programm zielt nicht auf die säkularistische Privatisierung der Religion, sondern auf ihre demokratische Entschärfung. Niemand muss seinen Glauben verleugnen; jeder kann aus seiner religiösen Überzeugung heraus Einfluss auf die politische Willensbildung nehmen.

Zugegeben: Was ist das verschlissene Wort »Integration« gegen eine Division von Plakaten, auf denen Minarette sich wie iranische Atomraketen in den westlichen Himmel recken? Auch wer sich über das islamistische Gewaltpotenzial keine Illusionen macht, der muss doch über eine mentale Radikalisierung erschrecken, die von der Schweiz ausgeht und in anderen Ländern vermutlich dankbar aufgenommen wird. Dankbar deshalb, weil der Affekt gegen den Islam nicht nur religiöse, sondern auch gesellschaftliche Gründe hat. Die Finanzkrise erschüttert die ökonomische Weltbildsicherheit, und es ist keineswegs Zufall, dass in der finanzstärksten Partei der Schweiz, in der rechtspopulistischen SVP, Marktfundamentalismus und Aufklärungsfundamentalismus eine schlagende Verbindung eingehen. Kurzum, die erschütterte Identität soll nun neu befestigt werden, und dafür braucht man einen äußeren Feind, von dem man behaupten kann, er habe längst von der nationalen Seele Besitz ergriffen. Diese Saat ist aufgegangen; die meisten Befürworter des Minarett-Verbots leben in Gegenden, wo sich gar keine Muslime finden.

Übrigens, Thilo Sarrazin hat sich wieder gemeldet: Nun fordert er ein Kopftuchverbot an Berliner Schulen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. http://www.mehr-demokrati...
    2002 stimmt zum ersten Mal eine Mehrheit im Deutschen Bundestag für die Einführung des bundesweiten Volksentscheids; diese verfehlt jedoch die nötige Zweidrittel-Mehrheit, weil sich die CDU gegen den Vorschlag stellt.

    • tfdfdp
    • 17.12.2009 um 18:05 Uhr

    " sie spricht sie vielmehr als Bürger an und fordert von ihnen das Selbstverständliche: dass sie ihre Glaubenswahrheiten mit den Menschenrechten vereinbaren und die Verfassungsgrundsätze ebenso achten wie die Freiheit der Gewissensentscheidung. Dieses Programm zielt nicht auf die säkularistische Privatisierung der Religion, sondern auf ihre demokratische Entschärfung. "

    Das, was der Autor als Hochmut der Vernunft meint deklarieren zu können, stellt sich mir lediglich als deren Konsequenz dar. Denn das oben zitierte Ansinnen mag, wie auch die Ausführungen des Autors, gut gemeint und von dem Wunsch eines einvernehmlichen Miteinanders geprägt sein. Doch wird in eklatanter Art und Weise verkannt, dass die dogmatische Besonderheit des Islam gerade darin besteht, dass er eine Säkularisierung nicht nur nicht kennt, sondern dem Gläubigen schlicht verbietet.

    Der Islam fordert konsequent von jedem Gläubigen, die Grundsätze des Glaubens in jedem Lebensbereich, gleich ob privat oder politisch, durch- und umzusetzen.

    Entsprechend halte ich den Islam bzw. seine Lehren an sich, deren konsequente Umsetzung unterstellt, für schlicht mit den Grundsätzen des Grundgesetzes nicht vereinbar.

    Genau dieses Problem scheint von einem wachsenden Anteil der Bevölkerung erkannt zu werden und dürfte wohl der eigentliche Grund für die Entscheidung der Schweizer gewesen sein.

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    http://www.perlentaucher....

    Ich halte den Islam auch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Sollte ich jemals gefragt werden, werde ich gegen den Islam stimmen!

    http://www.perlentaucher....

    Ich halte den Islam auch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Sollte ich jemals gefragt werden, werde ich gegen den Islam stimmen!

    • Frankz
    • 17.12.2009 um 18:15 Uhr

    Das Apriori, dass Islam und das Christentum als zwei ähnliche Religionen gleichzusetzen sind, kann in Frage gestellt werden. Die globalen politiko-religiösen Ansprüche des Islams kennt das Christentum nicht. Höchstens ein Vergleich mit dem Christentum im Mittelalter wäre zutreffend. Ein zweites Apriori ist, dass Islam und das Christentum in Europa gleichberechtigt sein müssen. Daraus basiert sich das Argument, dass Minaretten berechtigt sind, weil Kirchen Türme haben. Europa ist aber ein christliches Kontinent, wo Glockentürme zum Stadtbild gehören. Das könnte sich zwar ändern, aber es bleibt eine politische Entscheidung, ob eine Anderung stattfinden soll oder nicht. Religionsfreiheit ist in Europa gesichert, und das Minarettenverbot verletzt sie nicht. Man könnte auch argumentieren, dass die türkische Sprache gleichberechtigt wie die deutsche Sprache sein soll, dass Deutschland ein zweisprachliches Land ist. Ahnliches ist in den 70ziger Jahre in Kanada entschieden, wo Französisch zur zweiten Staatssprache erhoben wurde.

    Man könnte sich fragen, ob ein Glockenturmverbot für neue Kirchen in islamischen Ländern eine ähnliche Entrüstung in Europa auslösen würde. Der Vergleich mit islamischen Ländern wird aber von manchen abgelehnt, weil sie nicht als Modell dienen sollen. [...].
    [entfernt. Bitte verzichten Sie zukünftig auf derart herabwürdigende Äußerungen. Danke, die Redaktion/vv]

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    bevor ein Glockenturm verboten werden kann, muss erstmal der Bau einer Kirche erlaubt sein. Und das ist den allermeisten islamischen Ländern nicht erlaubt (Ausnahme m.W. Malaysia) bzw wird es praktisch unmöglich gemacht. Der alles entscheidende Unterschied ist aber: Der Islam bzw dessen Politiker halten das für richtig und gleichzeitig fordern sie die völlige Religionsfreiheit einschließlich der Gotteshäuser in anderen Ländern(siehe Reaktion der türkischen Regierung). Sie sehen auch keinen Widerspruch darin, Religionsfreiheit nicht zu gewähren und sie gleichzeitig für die Muslime zu fordern, denn es gibt nur einen Gott, die "anderen" sind die Ungläubigen, das sind keine Religionen und deshalb muss man auch keine Freiheit gewähren, die Argumente sind in der Tat bestechend, es ändert aber nichts daran, dass unsere Grundwerte, die sich ja nicht auf eine Staatsreligion stützen, den Werten des Islam tatsächlich überlegen sind, das gilt auch für andere Lebensbereiche, und das ist auch gut so.

    bevor ein Glockenturm verboten werden kann, muss erstmal der Bau einer Kirche erlaubt sein. Und das ist den allermeisten islamischen Ländern nicht erlaubt (Ausnahme m.W. Malaysia) bzw wird es praktisch unmöglich gemacht. Der alles entscheidende Unterschied ist aber: Der Islam bzw dessen Politiker halten das für richtig und gleichzeitig fordern sie die völlige Religionsfreiheit einschließlich der Gotteshäuser in anderen Ländern(siehe Reaktion der türkischen Regierung). Sie sehen auch keinen Widerspruch darin, Religionsfreiheit nicht zu gewähren und sie gleichzeitig für die Muslime zu fordern, denn es gibt nur einen Gott, die "anderen" sind die Ungläubigen, das sind keine Religionen und deshalb muss man auch keine Freiheit gewähren, die Argumente sind in der Tat bestechend, es ändert aber nichts daran, dass unsere Grundwerte, die sich ja nicht auf eine Staatsreligion stützen, den Werten des Islam tatsächlich überlegen sind, das gilt auch für andere Lebensbereiche, und das ist auch gut so.

    • Hontes
    • 17.12.2009 um 18:43 Uhr

    Ein wesentlicher Unterschied wird leider viel zu wenig beleuchtet.

    Die Glocken werden üblicherweise zum Anzeigen der Uhrzeit und vor/während eines Gottesdienst genutzt.

    In Zusammenhang mit einem Gottesdienst stellt das Glockenläuten ein neutrales Signal dar.

    Hingegen ruft der Muezzin ein Glaubensbekenntnis vom Minarett.

    Ich denke, dass viele Nicht- und Andersgläubiger hierin einen nicht ganz unerheblichen Unterschied sehen.

    Eines hat der Volksentscheid in der Schweiz endlich geschafft. Es ist eine Diskussion in Gang gekommen. Ergebnis offen.

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    bravvoooo!

    endlich bringt's mal wieder jemand auf den punkt

    • outis
    • 19.12.2009 um 9:02 Uhr

    Das Glockengeläut, ist genau wie der Ruf des Muezzis, eine Aufforderung zum Gebet. Wer keine Minarette will, muss auch Kirchtürme abreißen.
    http://de.wikipedia.org/w...

    bravvoooo!

    endlich bringt's mal wieder jemand auf den punkt

    • outis
    • 19.12.2009 um 9:02 Uhr

    Das Glockengeläut, ist genau wie der Ruf des Muezzis, eine Aufforderung zum Gebet. Wer keine Minarette will, muss auch Kirchtürme abreißen.
    http://de.wikipedia.org/w...

  2. Als Soziarbeiter weiss ich um die (immer wieder auch recht komplexen) Aspekte rund um das Thema "Integration von Menschen mit Migrationshintergrund". Man stößt da in der Realität auch immer wieder recht schnell an Grenzen. Es gibt einfach kulturell bedingte Unterschiede, die sich nicht immer mit den westlich-europäisch (auch christlich) eingefärbten Konzepten, Ideen, Kommunikationsritualen, emotionalen Beziehungsgestaltungsangewohnheiten oder eben auch Herangehensweisen beheben lassen. Schon gar nicht im Kontext nur einer Generation. (Müssen sie vielleicht auch nicht.) (?)
    Ich formuliere mal eine etwas überspitzte, leicht polemische und provokante These: Vielleicht kommt das Minarettbauverbot der Schweizer den Kommunikations- und Umgangsgepflogenheiten vieler Menschen aus islamisch geprägten Ländern näher, als es "uns" lieb ist. Vielleicht ist das ein Verhandlungsangebot, ein Diskursangebot, das eher dem Kommunikationsduktus der "anderen Kultur" entspricht.
    An meinen privaten Kontakten zu Menschen aus islamisch geprägten Ländern (hauptsächlich Männer) weiss ich auch hauptsächlich deren lockeren Umgang mit Haltungen und Meinungen zu schätzen, die in "unserer" Kultur durchaus als reaktionät bezeichnet werden würden. Nur hört es sich in deren Ausdrucksweise herzlicher an. Finde ich. Ob Herr Assheuer bei der Annäherung der Kulturen mit seiner Forderung nach "Verbündete im Mainstream der Muslime finden" im Rahmen seines Kommunikationsangebots Erfolg hat, wage ich zu bezweifeln.

  3. Gesellschaftlich basiert Religion, wie auch Politik oder die Rechtsprechung, auf der Auslegung von Texten. Und wir sind mitten in einem Kampf um die Deutungshoheit bestimmter historischer Texte.
    Das ist nicht weiter erstaunlich für eine vielleicht durchaus notwendige gesellschaftliche Debatte. Aber es ist nicht nur schade, sondern geradezu erschütternd, dass eigentlich ganz gescheite Medienmenschen wie Herr Broder oder Frau Kelek sich so freigiebig für eine Sache einspannen lassen, die so leicht ausser Kontrolle geraten könnte, dass es zu einem Flächenbrand kommen könnte, der dann nicht mehr nur die involvierten Printerzeugnisse in Flammen aufgehen lässt. Und sehen die Kämpferinnen für Frauenrechte wie Frau Hirsi Ali oder Frau Schwarzer und Frau Julia Onken, denn nicht, dass diejenigen, denen sie ihre Argumente zur freien politischen Verwendung überlassen, sich in Wirklichkeit einen Dreck scheren um die Gleichstellung der Frau, weil sie eben für die Hierarchisierung der Menschen innerhalb eines ethnozentrischen Kategoriensystems eintreten?

    Begrifflichkeiten im Kontext von "Vernunft" und "Demokratie" sind historisch gewachsene Gebilde, deren Beständigkeit und Bedeutung mit jeder neuen Debatte auf dem Prüfstand steht. Mit der aktuellen emotional ausufernden Kakophonie tun wir hier im Westen alles dafür, diese Begriffe abermals zu verstümmeln und auszuhöhlen.

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    Sie werden bei einer realen Auseinandersetzung nicht um Emotionen herumkommen. Hier im Netz und auch sonst, wenn es um eine rein inhaltliche Auseinandersetzung, also auch um die Deutung von Texten geht, mag Ihre Sichtweise noch interssant sein. Im Zusammenleben von Menschen spielen Emotionen aber oft eine sehr wichtige Rolle. Meines Erachtens eben in islamisch geprägten Ländern noch viel mehr als bei "uns". Das war auch einer der Gründe für meinen Einwand unter dem Titel "Unterschiede". Wobei ich durchaus der Meinung bin, dass selbst im Bereich der Textdeutung Emotionen eine Rolle spielen. Und auch spielen sollten. Texte entstehen durch Menschen für Menschen. Wer Emotionen da ausklammert oder abwertet, kann keinem menschlichen Ansinnen mehr gerecht werden. Sie gehören nun mal dazu.

    Klar sind Emotionen als anthroplogische Konstante ein Faktor, mit dem immer zu rechnen ist. Ich muss das berücksichtigen, aber ich muss es auch als ein Problem betrachten. Der Mensch ist neurologisch betrachtet gerade noch dazu fähig, eine emotionale Bindung zu seinem unmittelbarsten Umfeld aufzubauen: Familie, Freundeskreis. Was in konzentrischen Kreisen darüber hinausgeht, pflegt er vielleicht noch mit patriotischer Wertschätzung als "unsere" Verbündete oder dergleichen zu bezeichnen, jenseits davon gibt`s dann aber bald nur noch amorphe Menschenmasse, bzw. "die Fremden". Die Bevölkerung eines Staates, oder gar das Zusammenleben von Menschen auf einem ganzen Kontinent, geschweige denn die Grösse "Weltbevölkerung", das sind Kategorien, die für den Menschen nur noch abstrakt zu fassen sind. Da hört leider die emotionale Bindung auf - und der Konflikt an.
    Mein Veto ist also: Wer auf (inter-)nationaler Ebene über das Zusammenleben verschiedenster Menschen auf einem immer kleiner werdenden Planeten spricht oder schreibt, der muss sich seiner Emotionen ohne Unterlass bewusst sein, oder er stürzt andere in eine Katastrophe. Das beherzigen in der aktuellen Debatte die Allerwenigsten.

    Sehr geehrte Mitforisten, zum ersten möchte ich ihnen für ihre m.E. klugen und mit kühlem Kopf geschrieben Beiträge danken.

    Zum zweiten wollte ich etwas einwerfen, zum Thema "eigentlich gescheite Medienmenschen wir Herr Broder". Bis vor kurzem habe ich dessen Ausführungen auch imemr noch interessiert gelesen, auch wenn ich oft nicht mit ihm übereinstimme. Nachdem ich jedoch diese Palmer/Broder Geschichte mal gelesen habe, hat sich meine Meinung über den Herrn Broder deutlich verschlechtert:

    http://www.stuttgarter-na...

    (Wenn der Link nicht funkioniert einfach "Palmer an Broder" googlen)

    Herr Broder ist m.E. ein Paradebeispiel für Leute die "Flächenbrände" auslösen - und niemand der sich hat einspannen lassen.

    Grüße,

    Sie werden bei einer realen Auseinandersetzung nicht um Emotionen herumkommen. Hier im Netz und auch sonst, wenn es um eine rein inhaltliche Auseinandersetzung, also auch um die Deutung von Texten geht, mag Ihre Sichtweise noch interssant sein. Im Zusammenleben von Menschen spielen Emotionen aber oft eine sehr wichtige Rolle. Meines Erachtens eben in islamisch geprägten Ländern noch viel mehr als bei "uns". Das war auch einer der Gründe für meinen Einwand unter dem Titel "Unterschiede". Wobei ich durchaus der Meinung bin, dass selbst im Bereich der Textdeutung Emotionen eine Rolle spielen. Und auch spielen sollten. Texte entstehen durch Menschen für Menschen. Wer Emotionen da ausklammert oder abwertet, kann keinem menschlichen Ansinnen mehr gerecht werden. Sie gehören nun mal dazu.

    Klar sind Emotionen als anthroplogische Konstante ein Faktor, mit dem immer zu rechnen ist. Ich muss das berücksichtigen, aber ich muss es auch als ein Problem betrachten. Der Mensch ist neurologisch betrachtet gerade noch dazu fähig, eine emotionale Bindung zu seinem unmittelbarsten Umfeld aufzubauen: Familie, Freundeskreis. Was in konzentrischen Kreisen darüber hinausgeht, pflegt er vielleicht noch mit patriotischer Wertschätzung als "unsere" Verbündete oder dergleichen zu bezeichnen, jenseits davon gibt`s dann aber bald nur noch amorphe Menschenmasse, bzw. "die Fremden". Die Bevölkerung eines Staates, oder gar das Zusammenleben von Menschen auf einem ganzen Kontinent, geschweige denn die Grösse "Weltbevölkerung", das sind Kategorien, die für den Menschen nur noch abstrakt zu fassen sind. Da hört leider die emotionale Bindung auf - und der Konflikt an.
    Mein Veto ist also: Wer auf (inter-)nationaler Ebene über das Zusammenleben verschiedenster Menschen auf einem immer kleiner werdenden Planeten spricht oder schreibt, der muss sich seiner Emotionen ohne Unterlass bewusst sein, oder er stürzt andere in eine Katastrophe. Das beherzigen in der aktuellen Debatte die Allerwenigsten.

    Sehr geehrte Mitforisten, zum ersten möchte ich ihnen für ihre m.E. klugen und mit kühlem Kopf geschrieben Beiträge danken.

    Zum zweiten wollte ich etwas einwerfen, zum Thema "eigentlich gescheite Medienmenschen wir Herr Broder". Bis vor kurzem habe ich dessen Ausführungen auch imemr noch interessiert gelesen, auch wenn ich oft nicht mit ihm übereinstimme. Nachdem ich jedoch diese Palmer/Broder Geschichte mal gelesen habe, hat sich meine Meinung über den Herrn Broder deutlich verschlechtert:

    http://www.stuttgarter-na...

    (Wenn der Link nicht funkioniert einfach "Palmer an Broder" googlen)

    Herr Broder ist m.E. ein Paradebeispiel für Leute die "Flächenbrände" auslösen - und niemand der sich hat einspannen lassen.

    Grüße,

  4. http://www.perlentaucher....

    Ich halte den Islam auch nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Sollte ich jemals gefragt werden, werde ich gegen den Islam stimmen!

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    Auf die Abstimmung bin ich gespannt: "Islam - ja oder nein?". Bin froh, dass es hierzulande keine Volksabstimmungen gibt, sonst käme wahrscheinlich so ein Unfug dabei raus. Das wäre das absolute Gegenteil davon, sich mit Problemen zu befassen.

    • K.Eh.
    • 19.12.2009 um 14:04 Uhr

    Ich habe Ihr Link angeklickt - und was war's? Necla Kelek, war ja zu erwarten! Warum fragen Sie eigentlich, wenn Sie sich für "den" Islam interessieren, nicht jemanden, der ihn kennt? Schon allein die Gegenüberstellung, hier Islam (also Religion) und da Grundgesetz ist doch schon vollkommen absurd.

    Auf die Abstimmung bin ich gespannt: "Islam - ja oder nein?". Bin froh, dass es hierzulande keine Volksabstimmungen gibt, sonst käme wahrscheinlich so ein Unfug dabei raus. Das wäre das absolute Gegenteil davon, sich mit Problemen zu befassen.

    • K.Eh.
    • 19.12.2009 um 14:04 Uhr

    Ich habe Ihr Link angeklickt - und was war's? Necla Kelek, war ja zu erwarten! Warum fragen Sie eigentlich, wenn Sie sich für "den" Islam interessieren, nicht jemanden, der ihn kennt? Schon allein die Gegenüberstellung, hier Islam (also Religion) und da Grundgesetz ist doch schon vollkommen absurd.

  5. Denken wir an das Treiben der katholischen Kirche vor 600 Jahren, an ihren, bis heute erhobenen, Anspruch der allein seligmachenden. Mit welchen brutalen Mitteln hat sie ihre Ansprüche durchgesetzt! Und ganz sichaer ging es nicht um die Verherrlichung Gottes sondern um gut getarnte Machtansprüche des Vatikans. Die jungen muslimischen Männer und Frauen, die sich in grenzenlosem Haß gegenüber Andersgläubigen selbst töten, sind von ihren Religionslehrern irregeleitet. Diese Blutströme, die angeblich aus religiösen Gründen fließen und flossen, hat mit Sicherheit weder der Prophet Mohamed noch Jesus von Nazareth gewollt.

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    Der selbsernannte "Prophet Mohammed" hat persönlisch Krieg geführt! Quelle Wikipedia

    genau! ebenso wie zwischen mystischem christentum und vatikan-staats-vermachtung unterschieden werden muss, sollte das, um der differenzierung willen mit dem islam auch geschehen.

    es gibt UN-fundamentalistische und äusserst friedliebende strömungen im islam.

    beides: mystisches christentum und mystischer islam haben eines gemeinsam:

    man kriegt nicht besonders viel davon mit, so wie auch nicht umsonst damals die schriftstücke JENER christen in tonkrügen geheimgehalten und versteckt werden mussten.

    noch heute tut der vatikan diese schriften - die mittlerweile unter dem namen apokryphe schriften veröffentlicht sind - ab.

    warum? ganz einfach: den vatikan interessiert religion im ur-sprünglichen sinne von rück-bindung an gott nicht die bohne. er ist eher dran interessiert seine firmeneigene bank und sein kino im (vatikan-)staat zu behalten.

    Oh, ja ich erinnere mich gut was die katholische Kirche damals alles Schlimmes gemacht hat. Deshalb sollte man bei den Moslems auch nicht so pingelig sein, bestechende Argumentation.

    Hinsichtlich der Fakten haben sie wohl Recht, doch ist ihre Beurteilung nur aus der heutigen Sicht heraus so eindeutig.
    Die Menschen glaubten damals wirklich, das sie im Namen Gottes handelten, die Missbräuche entstammten menschlicher Schwäche, die immer zu Geltung kommt, wenn kein Recht oder Gesetz dies verhindert und entsprechende Vorstellungen keine andere Rechtsetzung vorher ermöglichten.
    Weder die theologischen noch philosophischen Voraussetzungen der damaligen Zeit ließen eine andere Interpretation zu. Sie wurden aufgrund dieser Erfahrungen mühsam auch um den Preis vieler Menschenleben errungen.
    Das gilt für politische Systeme genauso wie für Religionen oder jede andere Normsetzung der Menschheitsgeschichte.
    Die Institutionalisierung durch Klerus, Mullahs etc., Polizei, Armee etc. ist dabei sowohl Fortschritt, als auch Fortschrittsverzögerung, wenn sie sich bzw. ihre Vorausetzungen grundlegend geändert haben oder neue Erkenntnisse und erlittenes Unrecht Fortschritt erforderlich machen.
    Veränderungen, auch Notwendige, bedeuten den Verlust von Macht und Besitzständen, was der Bereitschaft zur neuen Erkenntnis auch heute nicht förderlicher ist, geschweige denn die Fähigkeit überhaupt zu begreifen, wenn es einem selbst doch gut geht.
    Dem Islam fehlen die europäischen Erfahrungen, des gläubigen Machtmissbrauchs, die diesbezüglichen Gesetze entspringen fremden Normen, weshalb sie von breiten islamischen Bevölkerungskreisen nicht wirklich mitgetragen werden.

    H.

    Der selbsernannte "Prophet Mohammed" hat persönlisch Krieg geführt! Quelle Wikipedia

    genau! ebenso wie zwischen mystischem christentum und vatikan-staats-vermachtung unterschieden werden muss, sollte das, um der differenzierung willen mit dem islam auch geschehen.

    es gibt UN-fundamentalistische und äusserst friedliebende strömungen im islam.

    beides: mystisches christentum und mystischer islam haben eines gemeinsam:

    man kriegt nicht besonders viel davon mit, so wie auch nicht umsonst damals die schriftstücke JENER christen in tonkrügen geheimgehalten und versteckt werden mussten.

    noch heute tut der vatikan diese schriften - die mittlerweile unter dem namen apokryphe schriften veröffentlicht sind - ab.

    warum? ganz einfach: den vatikan interessiert religion im ur-sprünglichen sinne von rück-bindung an gott nicht die bohne. er ist eher dran interessiert seine firmeneigene bank und sein kino im (vatikan-)staat zu behalten.

    Oh, ja ich erinnere mich gut was die katholische Kirche damals alles Schlimmes gemacht hat. Deshalb sollte man bei den Moslems auch nicht so pingelig sein, bestechende Argumentation.

    Hinsichtlich der Fakten haben sie wohl Recht, doch ist ihre Beurteilung nur aus der heutigen Sicht heraus so eindeutig.
    Die Menschen glaubten damals wirklich, das sie im Namen Gottes handelten, die Missbräuche entstammten menschlicher Schwäche, die immer zu Geltung kommt, wenn kein Recht oder Gesetz dies verhindert und entsprechende Vorstellungen keine andere Rechtsetzung vorher ermöglichten.
    Weder die theologischen noch philosophischen Voraussetzungen der damaligen Zeit ließen eine andere Interpretation zu. Sie wurden aufgrund dieser Erfahrungen mühsam auch um den Preis vieler Menschenleben errungen.
    Das gilt für politische Systeme genauso wie für Religionen oder jede andere Normsetzung der Menschheitsgeschichte.
    Die Institutionalisierung durch Klerus, Mullahs etc., Polizei, Armee etc. ist dabei sowohl Fortschritt, als auch Fortschrittsverzögerung, wenn sie sich bzw. ihre Vorausetzungen grundlegend geändert haben oder neue Erkenntnisse und erlittenes Unrecht Fortschritt erforderlich machen.
    Veränderungen, auch Notwendige, bedeuten den Verlust von Macht und Besitzständen, was der Bereitschaft zur neuen Erkenntnis auch heute nicht förderlicher ist, geschweige denn die Fähigkeit überhaupt zu begreifen, wenn es einem selbst doch gut geht.
    Dem Islam fehlen die europäischen Erfahrungen, des gläubigen Machtmissbrauchs, die diesbezüglichen Gesetze entspringen fremden Normen, weshalb sie von breiten islamischen Bevölkerungskreisen nicht wirklich mitgetragen werden.

    H.

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