Geigenbau Die Mission: Stradivari übertreffen
Der oberbayerische Geigenbauer Martin Schleske versucht, mithilfe moderner Physik den Klang der Geige zu verstehen.
© Don Emmert/Getty Images

Die Geigen von Stradivari gelten als Maß aller Dinge. Ein Geigenbauer aus Oberbayern möchte sie nun übertreffen
Mit einem kleinen Gummihammer klopft Martin Schleske auf den Geigenkörper. Das dumpfe Pochen von Holz ertönt. Nichts erinnert an den strahlenden Violinenton, den ein Virtuose dem Instrument entlocken kann. Und doch genügt Schleske das dumpfe Hämmern, um das ganze Klangspektrum der Geige vor sich zu sehen.
Ein alter Röhrenbildschirm zeichnet Zacken und Täler, eine Messkurve wie ein Gebirgspanorama. Es zeigt, wie der Körper der Geige schwingt, welche Brillanz ihm ein Musiker entlocken kann und welche Klangfarben in diesem Resonanzraum stecken – und welche nicht.
Martin Schleske ist Geigenbauer, einer der innovativsten unserer Zeit. Mithilfe der modernen Physik will er erreichen, was noch keinem seiner Kollegen gelungen ist: die Instrumente der italienischen Geigenbauer Stradivari und Guarneri vom Anfang des 18. Jahrhunderts zu übertreffen.
Noch nach rund 300 Jahren gelten diese Meisterwerke als Maß aller Dinge. Der Geigenbau ist eins der konservativsten Handwerke in Europa. Auch Schleske hat in seiner Ausbildung gelernt, aus der Beschaffenheit des Holzes den späteren Klang zu erahnen und die Wände der Geige in die richtige Dicke zu schmirgeln. Was er nicht lernte, war, den Klang zu verstehen. Als die Lehrmeister seine Fragen danach unbeantwortet ließen, holte er das Abitur nach und studierte Physik. »Ich habe mir damals ganz arrogant gesagt, dass ich entweder bessere Instrumente bauen möchte als Stradivari oder zumindest verstehen möchte, warum das nicht geht.«
Er ist komplett in Schwarz gekleidet, eine Mütze bedeckt seinen kahlen Kopf. Schleske ist ein ausgeglichener Mann ohne ausladende Gesten, aber mit einem bestimmenden Händedruck.
- Datum 18.12.2009 - 16:22 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.12.2009 Nr. 52
- Kommentare 7
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Höchstens Schleskes Marketing und seinem Image, den Dingen physikalisch auf den Grund gehen zu wollen.
Ansonsten weiß jeder intime Kenner:
Alte Geigen klingen zwar nicht immer besser. Und natürlich gibt es auch ganz hervorragende zeitgenössische Instrumente von Leuten wie Roger Hargrave u.a.
Aber wenn man dann tatsächlich mal einen gut erhaltener echten "Italiener" aus dem 17. oder 18. Jahrhundert in Händen hält, dann hat der etwas an sich, was keine neue Geige erreichen kann. Da muss auch die Physik passen.
Dies gilt für Klang, Aussehen, Ausstrahlung und erst recht für den "magischen" Impuls, den eine altitalienische Geige oder ein Cello auf den Spieler überträgt.
Zudem erreicht das alte bzw. lange eingespielte Material der Instrumente (Holz, Lack) im Laufe der Zeit eine molekulare Verfassung, die nicht artifiziell eingeholt werden kann.
Viele berühmte Solisten haben zwar gerne eine Kopie Ihres Originals in der Tasche oder mit auf Reisen. Aber im "Ernstfall" ist es dann doch die Geige von Stradivari, Guarneri oder das Cello von Montagnana, Grancino oder Testore...
Lieber Papacello,
Das macht mich jetzt neugierig: Wenn eine alte Meistergeige etwas an sich hat, bei dem auch die Physik passen muss - wie vermittelt sich das denn akustisch? Oder geschieht das auf eine andere Weise?
Ich will nicht behaupten, dass ich wüsste, wie man mit heutigen Methoden Geigen baut, die den Klang einer Stradivari übertreffen und ich weiß auch nicht, ob jemand dazu in der Lage ist.
Aber wodurch, wenn nicht durch ihre physikalische Eigenschaften, sollte der Klang einer Geige denn bestimmt sein?
Lieber Papacello,
Das macht mich jetzt neugierig: Wenn eine alte Meistergeige etwas an sich hat, bei dem auch die Physik passen muss - wie vermittelt sich das denn akustisch? Oder geschieht das auf eine andere Weise?
Ich will nicht behaupten, dass ich wüsste, wie man mit heutigen Methoden Geigen baut, die den Klang einer Stradivari übertreffen und ich weiß auch nicht, ob jemand dazu in der Lage ist.
Aber wodurch, wenn nicht durch ihre physikalische Eigenschaften, sollte der Klang einer Geige denn bestimmt sein?
@papacello!
Die meisten Leser sind eben keine "intimen Kenner", sondern wie ich ambitionierte Laien! Und als solcher habe ich den Artikel als informativ und plausibel empfunden!
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eine gewisse "Strenge" ist aus sachlichen Gründen unerlässlich.
Warum?
Weil der Artikel neben dem Informationsgehalt auch reichlich Irreführendes an sich hat. Und dies möglicherweise gerade für Laien.
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eine gewisse "Strenge" ist aus sachlichen Gründen unerlässlich.
Warum?
Weil der Artikel neben dem Informationsgehalt auch reichlich Irreführendes an sich hat. Und dies möglicherweise gerade für Laien.
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eine gewisse "Strenge" ist aus sachlichen Gründen unerlässlich.
Warum?
Weil der Artikel neben dem Informationsgehalt auch reichlich Irreführendes an sich hat. Und dies möglicherweise gerade für Laien.
Lieber Papacello,
Das macht mich jetzt neugierig: Wenn eine alte Meistergeige etwas an sich hat, bei dem auch die Physik passen muss - wie vermittelt sich das denn akustisch? Oder geschieht das auf eine andere Weise?
Ich will nicht behaupten, dass ich wüsste, wie man mit heutigen Methoden Geigen baut, die den Klang einer Stradivari übertreffen und ich weiß auch nicht, ob jemand dazu in der Lage ist.
Aber wodurch, wenn nicht durch ihre physikalische Eigenschaften, sollte der Klang einer Geige denn bestimmt sein?
Natürlich gibt es objektive physikalische Kriterien, nach denen akustische Eigenschaften gemessen werden können. Und selbstverständlich kann man auch Tragweite, Frequenzumfang und Klangdichte etc. von Instrumenten metrisch bestimmen.
Metrisch erfassen kann man ebenfalls, dass ein Dur-Dreiklang eine große und ein Moll-Dreiklang eine kleine Terz aufweisen?
Aber kann man auch objektiv erklären, warum Dur und Moll allgemein und notwendig als "heiter" bzw. "traurig" empfunden werden?
Hi, papacello. Lies doch mal den Vortrag, den Herr Schleske auf der Jahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzler der Deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaft im letzten Jahr in der Pinakothek der Moderne in München gehalten hat. Ich denke, da kommt das Spannungsfeld zwischen Akustik und Klang (bzw. die Spannung zwischen dem Messbaren und dem Erfahrbaren) ganz gut zum Ausdruck.
Auf seiner website hat er den Text als pdf reingestellt:
http://www.schleske.de/ne...
Es gibt diesbezüglich natürlich musikpsychologische Erklärungsansätze. Aber "allgemein" und "notwendig" ist das ja gar nicht, sondern es handelt sich um kulturspezifische Phänomene. Die wirken erst Mal psychisch und nicht physikalisch. Ein Instrument kann natürlich unterschiedlich gut "gefunden werden", also die Beurteilung seines Klanges von Geschmacksfragen abhängen, zugegeben. Aber um diese Frage geht es hier doch gar nicht, sondern darum, wie ein Klang, der eben als ein "guter Klang" empfunden wird, erzeugt werden kann.
Hi, papacello. Lies doch mal den Vortrag, den Herr Schleske auf der Jahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzler der Deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaft im letzten Jahr in der Pinakothek der Moderne in München gehalten hat. Ich denke, da kommt das Spannungsfeld zwischen Akustik und Klang (bzw. die Spannung zwischen dem Messbaren und dem Erfahrbaren) ganz gut zum Ausdruck.
Auf seiner website hat er den Text als pdf reingestellt:
http://www.schleske.de/ne...
Es gibt diesbezüglich natürlich musikpsychologische Erklärungsansätze. Aber "allgemein" und "notwendig" ist das ja gar nicht, sondern es handelt sich um kulturspezifische Phänomene. Die wirken erst Mal psychisch und nicht physikalisch. Ein Instrument kann natürlich unterschiedlich gut "gefunden werden", also die Beurteilung seines Klanges von Geschmacksfragen abhängen, zugegeben. Aber um diese Frage geht es hier doch gar nicht, sondern darum, wie ein Klang, der eben als ein "guter Klang" empfunden wird, erzeugt werden kann.
Hi, papacello. Lies doch mal den Vortrag, den Herr Schleske auf der Jahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzler der Deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaft im letzten Jahr in der Pinakothek der Moderne in München gehalten hat. Ich denke, da kommt das Spannungsfeld zwischen Akustik und Klang (bzw. die Spannung zwischen dem Messbaren und dem Erfahrbaren) ganz gut zum Ausdruck.
Auf seiner website hat er den Text als pdf reingestellt:
http://www.schleske.de/ne...
Es gibt diesbezüglich natürlich musikpsychologische Erklärungsansätze. Aber "allgemein" und "notwendig" ist das ja gar nicht, sondern es handelt sich um kulturspezifische Phänomene. Die wirken erst Mal psychisch und nicht physikalisch. Ein Instrument kann natürlich unterschiedlich gut "gefunden werden", also die Beurteilung seines Klanges von Geschmacksfragen abhängen, zugegeben. Aber um diese Frage geht es hier doch gar nicht, sondern darum, wie ein Klang, der eben als ein "guter Klang" empfunden wird, erzeugt werden kann.
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