Geigenbau Die Mission: Stradivari übertreffen
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150 Stunden Arbeit stecken im Bau einer Violine

150 Stunden Arbeit stecken im Bau einer Violine

Den Vorwurf, ein kalter Geigentechnokrat zu sein, will Schleske allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Natürlich brauche es mehr als exakte Messungen, um gute Geigen zu bauen. »Ich muss mich darauf verlassen können, dass ich eine Intuition besitze, wie jeder andere Geigenbauer auch«, sagt Schleske. Und freimütig räumt er ein, dass es trotz aller Wissenschaft noch immer vieles gebe, »was ich umsetzen, mir aber nicht erklären kann«.

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Deshalb ist ihm auch die Schiebetür zwischen Klanglabor und Werkstatt so wichtig: Wenn er sie nach seinen Klangexperimenten schließt, lässt er die Physik hinter sich und wird wieder zum traditionsbewussten Geigenbauer, der weiß, dass jedes Holzstück individuell gewachsen ist und seinen eigenen Charakter hat.

Hochwertige Geigenherstellung, betont Schleske, werde immer Handarbeit bleiben; keine Maschine könne ihm diese Kunst abnehmen. Und ähnlich wie seinerzeit Stradivari braucht auch Schleske rund 150 Stunden Arbeitszeit für eine neue Violine, vom Auswählen des Holzes bis hin zum Aufspannen der Saiten. In die Arbeit am Klang investiert er dabei übrigens nur rund ein Drittel seiner Zeit, weitaus länger feilt er an der optischen Erscheinung. »Das ist so eine spezielle Leidenschaft von Geigenbauern«, erzählt Schleske.

Guarneri sei in dieser Hinsicht »eher ein Schluderer« gewesen. »In seinen F-Löchern sind oft noch unvermittelte Ecken, diejenigen von Stradivari hingegen sind vollkommen.« Das mache zwar im Klang keinen Unterschied, dennoch spiegele sich in ihren Instrumenten eben auch der Charakter der beiden Geigenbauer wider. Stradivari habe für ihn etwas Demütiges, Sanftes, während Guarneri eher wilder auftrete, einen dunklen, leidenschaftlichen Ton mit mehr Widerstand entwickle.

Und er selbst? Was ist das Charakteristikum einer Schleske-Geige? Darüber möchte der Innovator kein abschließendes Urteil abgeben. Noch nähere er sich seiner perfekten Geigensprache an, noch habe er nicht, so wie die alten Meister, seine endgültige Handschrift gefunden. Und ob er sich je mit der Kunst Stradivaris messen kann, wagt er nicht zu sagen. In einem aber ist sich Martin Schleske sicher: »Ohne die Physik wäre ich nie da, wo ich jetzt bin.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. .
    Höchstens Schleskes Marketing und seinem Image, den Dingen physikalisch auf den Grund gehen zu wollen.

    Ansonsten weiß jeder intime Kenner:

    Alte Geigen klingen zwar nicht immer besser. Und natürlich gibt es auch ganz hervorragende zeitgenössische Instrumente von Leuten wie Roger Hargrave u.a.

    Aber wenn man dann tatsächlich mal einen gut erhaltener echten "Italiener" aus dem 17. oder 18. Jahrhundert in Händen hält, dann hat der etwas an sich, was keine neue Geige erreichen kann. Da muss auch die Physik passen.

    Dies gilt für Klang, Aussehen, Ausstrahlung und erst recht für den "magischen" Impuls, den eine altitalienische Geige oder ein Cello auf den Spieler überträgt.

    Zudem erreicht das alte bzw. lange eingespielte Material der Instrumente (Holz, Lack) im Laufe der Zeit eine molekulare Verfassung, die nicht artifiziell eingeholt werden kann.

    Viele berühmte Solisten haben zwar gerne eine Kopie Ihres Originals in der Tasche oder mit auf Reisen. Aber im "Ernstfall" ist es dann doch die Geige von Stradivari, Guarneri oder das Cello von Montagnana, Grancino oder Testore...

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    • elveit
    • 19.12.2009 um 3:02 Uhr

    Lieber Papacello,
    Das macht mich jetzt neugierig: Wenn eine alte Meistergeige etwas an sich hat, bei dem auch die Physik passen muss - wie vermittelt sich das denn akustisch? Oder geschieht das auf eine andere Weise?
    Ich will nicht behaupten, dass ich wüsste, wie man mit heutigen Methoden Geigen baut, die den Klang einer Stradivari übertreffen und ich weiß auch nicht, ob jemand dazu in der Lage ist.
    Aber wodurch, wenn nicht durch ihre physikalische Eigenschaften, sollte der Klang einer Geige denn bestimmt sein?

    • elveit
    • 19.12.2009 um 3:02 Uhr

    Lieber Papacello,
    Das macht mich jetzt neugierig: Wenn eine alte Meistergeige etwas an sich hat, bei dem auch die Physik passen muss - wie vermittelt sich das denn akustisch? Oder geschieht das auf eine andere Weise?
    Ich will nicht behaupten, dass ich wüsste, wie man mit heutigen Methoden Geigen baut, die den Klang einer Stradivari übertreffen und ich weiß auch nicht, ob jemand dazu in der Lage ist.
    Aber wodurch, wenn nicht durch ihre physikalische Eigenschaften, sollte der Klang einer Geige denn bestimmt sein?

  2. @papacello!

    Die meisten Leser sind eben keine "intimen Kenner", sondern wie ich ambitionierte Laien! Und als solcher habe ich den Artikel als informativ und plausibel empfunden!

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    .
    eine gewisse "Strenge" ist aus sachlichen Gründen unerlässlich.

    Warum?

    Weil der Artikel neben dem Informationsgehalt auch reichlich Irreführendes an sich hat. Und dies möglicherweise gerade für Laien.

    .
    eine gewisse "Strenge" ist aus sachlichen Gründen unerlässlich.

    Warum?

    Weil der Artikel neben dem Informationsgehalt auch reichlich Irreführendes an sich hat. Und dies möglicherweise gerade für Laien.

  3. .
    eine gewisse "Strenge" ist aus sachlichen Gründen unerlässlich.

    Warum?

    Weil der Artikel neben dem Informationsgehalt auch reichlich Irreführendes an sich hat. Und dies möglicherweise gerade für Laien.

    • elveit
    • 19.12.2009 um 3:02 Uhr

    Lieber Papacello,
    Das macht mich jetzt neugierig: Wenn eine alte Meistergeige etwas an sich hat, bei dem auch die Physik passen muss - wie vermittelt sich das denn akustisch? Oder geschieht das auf eine andere Weise?
    Ich will nicht behaupten, dass ich wüsste, wie man mit heutigen Methoden Geigen baut, die den Klang einer Stradivari übertreffen und ich weiß auch nicht, ob jemand dazu in der Lage ist.
    Aber wodurch, wenn nicht durch ihre physikalische Eigenschaften, sollte der Klang einer Geige denn bestimmt sein?

  4. Natürlich gibt es objektive physikalische Kriterien, nach denen akustische Eigenschaften gemessen werden können. Und selbstverständlich kann man auch Tragweite, Frequenzumfang und Klangdichte etc. von Instrumenten metrisch bestimmen.

    Metrisch erfassen kann man ebenfalls, dass ein Dur-Dreiklang eine große und ein Moll-Dreiklang eine kleine Terz aufweisen?

    Aber kann man auch objektiv erklären, warum Dur und Moll allgemein und notwendig als "heiter" bzw. "traurig" empfunden werden?

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    Hi, papacello. Lies doch mal den Vortrag, den Herr Schleske auf der Jahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzler der Deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaft im letzten Jahr in der Pinakothek der Moderne in München gehalten hat. Ich denke, da kommt das Spannungsfeld zwischen Akustik und Klang (bzw. die Spannung zwischen dem Messbaren und dem Erfahrbaren) ganz gut zum Ausdruck.

    Auf seiner website hat er den Text als pdf reingestellt:
    http://www.schleske.de/ne...

    • elveit
    • 22.12.2009 um 16:04 Uhr

    Es gibt diesbezüglich natürlich musikpsychologische Erklärungsansätze. Aber "allgemein" und "notwendig" ist das ja gar nicht, sondern es handelt sich um kulturspezifische Phänomene. Die wirken erst Mal psychisch und nicht physikalisch. Ein Instrument kann natürlich unterschiedlich gut "gefunden werden", also die Beurteilung seines Klanges von Geschmacksfragen abhängen, zugegeben. Aber um diese Frage geht es hier doch gar nicht, sondern darum, wie ein Klang, der eben als ein "guter Klang" empfunden wird, erzeugt werden kann.

    Hi, papacello. Lies doch mal den Vortrag, den Herr Schleske auf der Jahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzler der Deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaft im letzten Jahr in der Pinakothek der Moderne in München gehalten hat. Ich denke, da kommt das Spannungsfeld zwischen Akustik und Klang (bzw. die Spannung zwischen dem Messbaren und dem Erfahrbaren) ganz gut zum Ausdruck.

    Auf seiner website hat er den Text als pdf reingestellt:
    http://www.schleske.de/ne...

    • elveit
    • 22.12.2009 um 16:04 Uhr

    Es gibt diesbezüglich natürlich musikpsychologische Erklärungsansätze. Aber "allgemein" und "notwendig" ist das ja gar nicht, sondern es handelt sich um kulturspezifische Phänomene. Die wirken erst Mal psychisch und nicht physikalisch. Ein Instrument kann natürlich unterschiedlich gut "gefunden werden", also die Beurteilung seines Klanges von Geschmacksfragen abhängen, zugegeben. Aber um diese Frage geht es hier doch gar nicht, sondern darum, wie ein Klang, der eben als ein "guter Klang" empfunden wird, erzeugt werden kann.

  5. Hi, papacello. Lies doch mal den Vortrag, den Herr Schleske auf der Jahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzler der Deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaft im letzten Jahr in der Pinakothek der Moderne in München gehalten hat. Ich denke, da kommt das Spannungsfeld zwischen Akustik und Klang (bzw. die Spannung zwischen dem Messbaren und dem Erfahrbaren) ganz gut zum Ausdruck.

    Auf seiner website hat er den Text als pdf reingestellt:
    http://www.schleske.de/ne...

    • elveit
    • 22.12.2009 um 16:04 Uhr

    Es gibt diesbezüglich natürlich musikpsychologische Erklärungsansätze. Aber "allgemein" und "notwendig" ist das ja gar nicht, sondern es handelt sich um kulturspezifische Phänomene. Die wirken erst Mal psychisch und nicht physikalisch. Ein Instrument kann natürlich unterschiedlich gut "gefunden werden", also die Beurteilung seines Klanges von Geschmacksfragen abhängen, zugegeben. Aber um diese Frage geht es hier doch gar nicht, sondern darum, wie ein Klang, der eben als ein "guter Klang" empfunden wird, erzeugt werden kann.

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