Galaxien Logenplatz im Weltall
Sind wir doch der Nabel des Universums? Einer neuen Theorie zufolge befindet sich unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, im Zentrum eines gigantischen Leerraums.
© Nasa/dpa

Unsere Galaxie, die Milchstraße, könnte im Zentrum des Universums liegen, in einem großen materiearmen Raum
Da ist diese Geschichte mit dem Luftballon, Timothy Clifton kann sie nicht mehr hören. Als er zur Schule ging, erzählte sie der Physiklehrer, als er Physik studierte, erzählte sie der Professor.
Das Universum, so geht diese Geschichte, könne man mit einem Luftballon vergleichen und die Galaxien mit Punkten auf der Oberfläche des Ballons. Wenn man den Luftballon aufblase, rückten die Punkte weiter auseinander. Mit dem Kosmos funktioniere es ähnlich, in drei Dimensionen: Der Raum dehne sich aus, die Galaxien entfernten sich voneinander.
Clifton unterrichtet inzwischen an der Universität Oxford, sein Spezialgebiet ist Kosmologie. Jetzt ist er es, der Studenten die Geschichten erzählt. Und er hat sich eine neue ausgedacht: »Wir alle kennen diese billigen Luftballons, die beim Aufblasen Beulen bilden. Ein Teil dehnt sich rasch aus, und der Rest braucht seine Zeit, um aufzuholen.« So könnte das neue Bild vom Universum aussehen, sagt Clifton.
Übertragen auf drei Dimensionen, hieße das: Das Weltall dehnt sich nicht, wie bisher gedacht, überall mit derselben Geschwindigkeit aus, sondern ungleichmäßig. Einige Regionen expandieren schneller, andere langsamer. Dadurch entstehen riesige Leerräume mit wenigen, andere Gegenden mit vielen Sternen und Galaxien.
- Wir sind hier
Das Sonnensystem mit der Erde liegt im Orion-Arm unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Dieses computergenerierte Bild zeigt die Milchstraße, wie sie von außerhalb aussehen würde. Mit ihren Nachbargalaxien (wie dem Andromeda-Nebel) bildet die Milchstraße unsere kosmische Kommune, die lokale Gruppe. Mit anderen Gruppen bildet sie den Virgo-Supercluster, einen Haufen von Galaxien mit einem Durchmesser von rund 100 Millionen Lichtjahren (ein Lichtjahr entspricht 9.500.000.000.000 Kilometern). Das sichtbare Universum ist knapp tausendmal so groß. Es ist 13,7 Milliarden Jahre alt und hat sich in dieser Zeit ausgedehnt. Unser Horizont ist daher weiter entfernt, rund 45 Milliarden Lichtjahre. Wie es dahinter weitergeht, weiß niemand.
- Glossar: Lehre von der Leere
Supernovae dienen als Entfernungsmaß im Weltall: Sternexplosionen eines speziellen Typs haben immer die gleiche absolute Leuchtkraft. Daher ist ihre scheinbare Helligkeit, von der Erde aus gesehen, ein Maß für ihre Entfernung. Je schwächer sie leuchten, umso weiter sind sie weg.
Dunkle Energie gilt als Ursache der beschleunigten Expansion des Universums. Sie ist bislang ein theoretisches Konstrukt. Auch Einstein hatte einen ähnlichen Faktor in seine Gleichungen eingefügt, ihn aber später als »größte Eselei« seines Lebens bezeichnet. Heute wird dieser Faktor – als »kosmologische Konstante« – wieder hervorgeholt. Erklären kann die Physik ihn aber nicht.
The Void (Die Leere) heißt im Physikerjargon ein Weltbild, das ohne die Dunkle Energie auskommt: Die Erde befindet sich in einer Sphäre, halb so groß wie das sichtbare Universum, in der die Materie stark verdünnt ist. Eine Variante ist das »Schweizer-Käse-Modell«, in dem es mehrere dieser Regionen gibt.
Nikolaus Kopernikus entwarf in seinem Hauptwerk »De Revolutionibus Orbium Coelestium«
das heliozentrische Weltbild, dem zufolge die Sonne und nicht die Erde im Mittelpunkt des Universums steht. Der darauf folgende Umbruch wurde zum Standardbeispiel für Paradigmenwechsel in der Wissenschaft.
Diese Idee wird unter Kosmologen derzeit heiß diskutiert. Sie könnte die größten Probleme der Zunft lösen, darunter das Rätsel der sogenannten Antischwerkraft, die unser Universum auf geheimnisvolle Weise aufzublähen scheint. Aber der Preis für die neue Sicht aufs Universum ist hoch: Zu den Beobachtungen der Astronomen passt sie nämlich nur, wenn die Position der Milchstraße (und der Erde) gegenüber anderen Regionen des Weltalls ausgezeichnet ist. »Dieses Weltbild«, sagt Clifton, »rückt uns an einen besonderen Ort.«
- Datum 19.12.2009 - 13:27 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.12.2009 Nr. 52
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@Redaktion:
Da die Kommentarfunktion in den letzten Tagen leider deaktiviert war, habe ich die paar von mir bemerkten Ungenauigkeiten in einem separaten Leserartikel festgehalten:
http://community.zeit.de/...
Gruß
PGMN
Wenn Sie schon auf die ersten paar von mir bemerkten Fehler, die einem Kosmologen den Blutdruck anheben würden, nicht reagieren, dann würde ich Sie bitten, den Artikel zumindest dahingehend zu korrigieren, dass Sie den Planck-Satelliten als das Projekt der ESA, nicht der NASA, bezeichnen, das er ist. Fehler dieser Art ziemen sich nicht für ein Qualitätsmedium, wie die ZEIT es ist.
Gruß PGMN
Sie haben recht, die Nasa ist bei der Planck-Mission nur Juniorpartner, federführend ist die Esa. Wir ändern das in der online-Fassung des Artikels.
Danke für den Hinweis,
Max Rauner
Sie haben recht, die Nasa ist bei der Planck-Mission nur Juniorpartner, federführend ist die Esa. Wir ändern das in der online-Fassung des Artikels.
Danke für den Hinweis,
Max Rauner
Sie haben recht, die Nasa ist bei der Planck-Mission nur Juniorpartner, federführend ist die Esa. Wir ändern das in der online-Fassung des Artikels.
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Max Rauner
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