Terrorismus US-Dschihad

Bekommt Amerika ein neues Terrorproblem?, fragt Josef Joffe

Najibullah Zazi (vorn) auf einer Gerichtsraum-Skizze in New York. Ihm wird vorgeworfen, mit selbstgebauten Bomben Anschläge geplant zu haben

Najibullah Zazi (vorn) auf einer Gerichtsraum-Skizze in New York. Ihm wird vorgeworfen, mit selbstgebauten Bomben Anschläge geplant zu haben

Amerika hat zu Hause kein Terrorismusproblem. Richtiger muss es neuerdings heißen: »hatte es nicht«. Die Ermittler sind irritiert. Warum sind Ramy Zamzam und vier andere junge Amerikaner in Pakistan aufgetaucht, um Kontakt zu al-Qaida zu suchen? Im September wurde Najibullah Zazi, 24, verhaftet; ihm wird vorgeworfen, in New York selbst gebaute Bomben zünden zu wollen. Im Oktober wurde David Headley festgenommen. Sein Vater ist Pakistani, seine Mutter Amerikanerin. Ihm wird eine Ein-Mann-Verschwörung gegen die dänische Zeitung Jyllands-Posten (die mit den Mohammed-Karikaturen) angelastet.

Der November war der schlimmste Monat. Da erschoss Major Nidal Hasan 13 Kameraden in Fort Hood. Inzwischen weiß man von seiner Verbindung zu einem extremistischen Imam im Jemen. Ebenfalls im November wurden mehrere Männer angeklagt, weil sie 20 junge Somalis für den Kampf gegen die proamerikanische Regierung in der alten Heimat rekrutiert hätten. Die Liste lässt sich verlängern.

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Was ist los? Lange lebte Amerika in der Gewissheit, das bessere Einwandererland zu sein. Tatsächlich sind die hiesigen Muslime eher wohlhabend, gebildet und integriert, derweil sie in Europa eher an den Rändern leben – arm, entfremdet und wütend. Insider hier, Outsider in Europa. In Spanien, England oder Europa leben sie in Ghettos, hier verstreut übers Land – was die Assimilation begünstigt. Hier spricht niemand von »Migranten«, sondern nur von »Einwanderern«. Ein Anti-Minarett-Votum in den USA wäre undenkbar.

Josef Joffe
Josef Joffe

ist Herausgeber der ZEIT. Von 2001 bis 2004 war er auch ihr Chefredakteur, gemeinsam mit Michael Naumann. Davor leitete er das außenpolitische Ressort der Süddeutschen Zeitung. Weitere Texte von ihm finden Sie hier

Bislang sind dem FBI bloß Amateure ins Netz gegangen; Zazi, der in New York bomben wollte, soll aber in Pakistan ausgebildet worden sein – eine neue Qualität. Daniel Byman, Terrorismusexperte an der Georgetown-Universität, spekuliert, bin Laden habe noch eine Rechnung mit den USA offen und baue deshalb ein Terrornetzwerk im Lande auf.

Ist die Häufung Zufall oder ein neues Muster? Interessanter ist eine zweite Frage: Wieso hat keiner der Verdächtigen reüssiert? Weil der FBI so toll ist? Möglich. Aber die bessere Antwort hat doch mit dem Integrationstempo in diesem Einwanderungsland zu tun. Im Falle Zamzam haben Angehörige erst CAIR (die Repräsentanz von US-Muslimen) konsultiert und wurden von dort an den FBI verwiesen. Kooperation war die Devise. Nach 9/11 kamen die heißen Tipps aus der islamischen Gemeinschaft. Daraus darf man schließen, dass offene Arme eine bessere Waffe gegen den Terror abgeben als die gegenseitige Abkapselung oder gar Abwehr.

Die Islam-Forscherin Kathleen Moore schreibt in einem Beitrag mit dem bezeichnenden Titel Open House, Muslime in Amerika hätten die Phasen der »Tolerierung«, dann der »Anerkennung« bereits hinter sich; jetzt seien sie »Praktiker der Integration«. Die Frage ist, wann das Gleiche über Türken, Pakistanis oder Marokkaner in Europa gesagt werden kann.

Trotzdem teilen Amerika und Europa ein Problem: Die zweite und dritte Generation hier wie dort steht schlechter da als die Alteingesessenen. Gute Polizeiarbeit allein reicht nicht.

 
Leser-Kommentare
  1. 1.

    "Ein Anti-Minarett-Votum in den USA wäre undenkbar."

    nö, in god's own country werden nur sikhs zusammengeschlagen, weil sie wie talibane aussehen.

    ich kann den ausführungen des herrn j. einiges abgewinnen, glaube aber nicht, dass der 'melting pot' usa derart überbewertet werden sollte.

    generationen von italienern, afrikanern, japanern oder polen haben in diesem lande nämlich ganz andere erfahrungen gemacht.

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    Das die USA kein reines Paradies für Einwanderer frei von Konflikten ist, liegt einfach daran, dass es ein Paradies nicht gibt. Das linke USA-Bashing ist hier völlig unangebracht. Ich denke, die USA werden ihre enthnischen Konflikte friedlich lösen können. Ermöglicht wird dies durch strengen Kapitalismus, der Abwesenheit von Sozialsystemen und einem freien Spiel der Kräfte, das Spannungen kontrolliert abbaut. In Europa sieht das anders aus. Hier ist der Diskurs nur noch pathologisch, geprägt von Ideologie, Denkverboten, Doppeldenk. In manchen Foren fühlt man sich wie einem Irrenhaus mit der Linken als geschlossener Abteilung.

    Das die USA kein reines Paradies für Einwanderer frei von Konflikten ist, liegt einfach daran, dass es ein Paradies nicht gibt. Das linke USA-Bashing ist hier völlig unangebracht. Ich denke, die USA werden ihre enthnischen Konflikte friedlich lösen können. Ermöglicht wird dies durch strengen Kapitalismus, der Abwesenheit von Sozialsystemen und einem freien Spiel der Kräfte, das Spannungen kontrolliert abbaut. In Europa sieht das anders aus. Hier ist der Diskurs nur noch pathologisch, geprägt von Ideologie, Denkverboten, Doppeldenk. In manchen Foren fühlt man sich wie einem Irrenhaus mit der Linken als geschlossener Abteilung.

  2. 2.

    man sollte darüber hinaus auch die stigmatisierung der iren und schotten nicht vergessen

  3. Das scheint die Behauptung zu sein.
    Aber schon bei den 9/11-Mördern kann man sehen, daß es eben nicht die desintegrierten Looser sind, die aus dem Ruder laufen.
    Wie Bin Laden selbst sind es eher Stampfzucker-Bengel in der Luxussinnkrise, also Fälle von Wohlstandsverwahrlosung, die zu ideologisierten Gewalttätern werden.
    Die Parallele zur RAF ist dabei übrigens kaum zu übersehen.

  4. In ganz Nordamerika gibt es nur 4 Millionene Muslime: also weniger als allein in D.

    Die Muslime in den USA sind eine so kleine Minderheit, dass es dort kaum Probleme gibt. Dass sie dort keine "Ghettos" haben, liegt also nur an der geringen Zahl von Muslimen.
    Dass die Muslime bessergestellt sind als in Europa, liegt einzig und allein an den besseren Einwanderungsregeln, die nur fähige Leute reinlassen.

    Auch ein weiteres Joffe-Märchen ist die Behauptung vom Melting-Pot-Amerika.
    Richtig ist: jede Ethnie bleibt für sich: die Weißen, Hispanics, Asiaten, Schwarze.
    Eine Verschmelzung findet so gut wie nicht statt, man lebt nebeneinander her...

    Herr Joffe lebt in der Vergangenheit: der Glaube man könne in Europa Wohlstand durch Einwanderung erhalten, ist längst ausgertäumt. Dazu sollte er mal in Spanien und England nachfragen...

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    • xpol
    • 18.12.2009 um 18:47 Uhr

    ... vielleicht nicht gerade.
    Aber leider hat er gerade in letzter ZEIT ;-) einen ziemlichen Stuss zusammengeschmiert.
    Stellungnahmen ohne gründliche Recherche gehen halt nicht ...

    • xpol
    • 18.12.2009 um 18:47 Uhr

    ... vielleicht nicht gerade.
    Aber leider hat er gerade in letzter ZEIT ;-) einen ziemlichen Stuss zusammengeschmiert.
    Stellungnahmen ohne gründliche Recherche gehen halt nicht ...

  5. In den USA leben ca. 0,5% Muslime, in Deutschland 4-6%%, in der Schweiz in nur 10 Jahren verdoppelt von 152'200 auf heute mehr als 310'000, in 10 Jahren dann deutlich mehr als 10 %. Hochgerchnet auf die USA wären dies dann heute statt 3 Millionen zwischen 30-40 Millionen, die das Land zu ertragen hätte. Äpfel und Birnen Hr. Joffe.

    • xpol
    • 18.12.2009 um 18:47 Uhr

    ... vielleicht nicht gerade.
    Aber leider hat er gerade in letzter ZEIT ;-) einen ziemlichen Stuss zusammengeschmiert.
    Stellungnahmen ohne gründliche Recherche gehen halt nicht ...

  6. mein lieber herr josse, auf welcher journalistenschule waren Sie denn?
    [Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich. Vielen Dank. / Die Redaktion as] Denken Sie bitte darüber nach!

  7. mein lieber herr joffe, auf welcher journalistenschule waren Sie denn?
    [Entfernt. Siehe oben. / Die Redaktion as] Denken Sie bitte darüber nach!

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