EU auf dem Klimagipfel Der Berufsoptimist

Artur Runge-Metzger verhandelt für die Europäische Union beim Klimagipfel in Kopenhagen.

Persönlich hat er eine der schlimmsten Klimabilanzen aller 34.000 EU-Beamten, und doch erklärt Artur Runge-Metzger seinen Beruf mit den Worten: »Welt retten.« Um das Klima zu schützen, reiste er in den vergangenen Jahren quer über die Kontinente: Peking, Bali, Barcelona, Bangkok, Bonn. Der 50-Jährige ist der wichtigste Verhandler der Europäischen Kommission für das Klimaschutzabkommen in Kopenhagen – und ein ungewöhnlich gut informierter Mann.

»Er ist gereist wie ein Verrückter«, sagt sein Chef Jos Delbeke. Jetzt ist er endlich angekommen. In Kopenhagen. Jahrelang hat der Spitzenbeamte auf diese wenigen Verhandlungstage hingearbeitet, zunächst als Referatsleiter Klimastrategie, seit September ist er Direktor der gesamten Abteilung Klimaschutz und Luft.

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»Neben ihm gibt es höchstens fünf Europäer, die ähnlich gut im Thema sind«, so Delbeke, der selbst ein ausgezeichneter Kenner der Materie ist. Erfolg hat Runge-Metzger allerdings nur, wenn es ihm zusammen mit den 192 Nationen gelingt, einen Kompromiss auszuhandeln, der die Erwärmung der Welt auf höchstens zwei Grad begrenzt. Mehr Wärme führt zum Klimakollaps, so der Konsens der Wissenschaft. Im Grundsatz weiß Runge-Metzger genau, was zu tun ist: »Wir brauchen fixe Zusagen zur Emissionsreduktion und verbindliche Hilfen an Entwicklungsländer.« Doch all sein Wissen ist wenig wert, wenn andere davon wenig wissen wollen.

Zu unterschiedlich sind die Interessen. China hat sich längst mit den ärmsten Ländern solidarisiert. Diese Gruppe der 77 fordert Finanzhilfen in Milliardenhöhe von den Industrieländern, um sich gegen drohende Überflutungen und Trockenheit zu schützen und zugleich eine Ökowende in den Entwicklungsländern herbeizuführen. Sie sehen die Industrieländer, die Jahrzehnte der Verschwendung hinter sich haben, in einer historischen Schuld. Die USA wiederum wollten bis zuletzt möglichst unverbindlich bleiben – jeder Staat soll so viel zahlen, wie er möchte. Das lag weniger am Präsidenten Obama, sondern vielmehr am Druck der Lobbys in Washington.

Zwischen diesen Extremen bewegt sich Runge-Metzger. Er muss die Position der Europäischen Kommission vertreten. Die fordert schnelle Finanzhilfen in den nächsten Jahren. Merkel, Sarkozy und Co. stellten bei ihrem Gipfeltreffen Ende vergangener Woche bereits einige Milliarden Euro in Aussicht, aber nur wenn andere Industrieländer mitziehen. Solche Verknüpfungen machen es Unterhändlern wie Runge-Metzger nicht leichter. »Die EU ist in einer sehr schwierigen Position. Was China zu wenig ist, ist den USA noch zu viel«, sagt Jason Anderson vom Umweltschutzverband WWF.

Runge-Metzger ist die Belastung anzusehen. Schon am zweiten Tag der Konferenz in Kopenhagen sind die dunklen Haare zerzauster als sonst, die ohnehin schon ausgeprägten Augenringe hinter der eckigen Brille noch tiefer. »Wir fragen uns, wann Artur überhaupt schläft«, sagt eine Kollegin. »Zuletzt selten«, gibt Runge-Metzger zu. Entscheidend sei, genug Wasser zu trinken und zu essen. »Ich muss den Zuckerspiegel hoch halten an solchen Tagen.«

Für Endorphine sorgte auch die Ankündigung vieler Staats- und Regierungschefs, überraschend doch noch nach Kopenhagen zu reisen. Barack Obama, Angela Merkel und auch Chinas Premier Wen Jiabao kündigten sich an. »Wir haben niemals einen so großen politischen Willen gehabt wie jetzt, den Klimawandel zu stoppen«, sagt Runge-Metzger. 

Leser-Kommentare
  1. Klimawandel wird nicht in Brüssel oder Kopenhagen gemacht, sondern bei uns zu Hause. Wenn die Leute etwa den Nahverkehr nutzen, ihre Häuser besser dämmen und die Festbeleuchtung in ihrer Wohnung ausschalten würden, wäre schon viel gewonnen. Aber das ist natürlich unangenehm, weil man selbst aktiv werden muss. Lieber brettert man mit 250 über die Autobahn und schimpft dann über die Politiker, die nichts gegen den Klimawandel tun.

  2. Klimawandel wird nicht in Brüssel oder Kopenhagen gemacht, sondern bei uns zu Hause. Wenn die Leute etwa den Nahverkehr nutzen, ihre Häuser besser dämmen und die Festbeleuchtung in ihrer Wohnung ausschalten würden, wäre schon viel gewonnen. Aber das ist natürlich unangenehm, weil man selbst aktiv werden muss. Lieber brettert man mit 250 über die Autobahn und schimpft dann über die Politiker, die nichts gegen den Klimawandel tun.

  3. An der Wirklichkeit, dass Vertreter staatlicher Institutionen nie eine Antwort auf Fragen wie beispielsweise des künftigen Verlaufs des Weltklimas geben dürfen, weil es ihre Funktion ohnehin nicht gestattet und sie selbst sich deshalb davon auszuschließen haben, kommt keiner vorbei. Antworten sie dennoch, bleibt das beredtes Schweigen.

  4. An der Wirklichkeit, dass Vertreter staatlicher Funktionen sich eben deshalb zu Fragen wie beispielsweise des künfitgen Verlaufs klimatischer Änderungen nicht gültig äußern können, kommt keiner vorbei. Antworten sie dennoch, bleibt das beredtes Schweigen.

  5. Mach Dir nichts draus. Es war nicht Deine Schuld, dass der Klimagipfel in Kopenhagen keine konkreten Ergebnisse bringen konnte. Wenn Dich die Stinkstiefel und Saboteure der guten Sache, ob sie nun aus Russland oder aus dem Sudan kommen, zu sehr nerven, gehe in's Bruessler "A la mort subit" und gib Dir einfach mal die Kante, um Kraft zu schoepfen fuer den naechsten Gipfel. Ich bin in Gedanken bei Dir!

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