Lars Fischer Einmal zahlen reicht
Eine Onlinepetition fordert den freien Zugang zu den Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschung
DIE ZEIT: Herr Fischer, warum wollen Sie, dass Forschungsergebnisse künftig nur noch in frei zugänglichen Journalen (»Open Access«) publiziert werden?
Lars Fischer: Wenn eine wissenschaftliche Arbeit derzeit in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wird, gehen meist alle Rechte an den Verlag über. Die Wissenschaft wurde zuvor aber mit Steuergeldern gefördert, und ich sehe einfach nicht ein, dass dieser öffentlich finanzierte Inhalt von privatwirtschaftlichen Unternehmen teuer an die Öffentlichkeit zurückverkauft wird. Mit Open Access ändert sich das. Wissenschaftler können weiter über ihre eigene Arbeit verfügen, die Ergebnisse sind für alle frei und ohne Abogebühren zugänglich. Ich hoffe, dass der erleichterte Zugang zu Forschungsergebnissen der Wissenschaft nutzt und den Austausch zwischen den Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit fördert.
ZEIT: Und wie kamen Sie darauf, eine Petition an den Deutschen Bundestag zu richten?
Fischer: Ich finde, dass viele deutsche Wissenschaftler den Strukturwandel im Publikationswesen verschlafen und Gefahr laufen, international den Anschluss zu verlieren. Als dann noch der sogenannte Heidelberger Appell gegen Google Books und Open Access veröffentlicht wurde, konnte ich das einfach nicht mehr so stehen lassen.
ZEIT: Aber nicht jeder, der sich ärgert, reicht gleich eine Petition ein und fordert den Bundestag auf, die komplette Struktur wissenschaftlichen Veröffentlichens umzuwälzen.
Fischer: Das Thema Petitionen lag einfach in der Luft. Durch die viel beachtete Eingabe von Franziska Heine gegen die Internetsperren war diese neue Möglichkeit, in die Politik einzugreifen, in aller Munde.
ZEIT: Haben Sie erwartet, dass gleich in den ersten zwei Wochen über 10.000 Menschen unterzeichnen würden?
Fischer: Überhaupt nicht. Ich hatte mit 500 gerechnet. Ich hatte den Entwurf ja zunächst ins Netz gestellt in der Hoffnung, dass andere Internetnutzer die Eingabe mit mir zusammen formulieren würden. Da kam keine einzige Rückmeldung. Glücklicherweise – aus heutiger Sicht – habe ich aber ein großes Maul und hatte schon überall rumerzählt, dass es die Petition geben wird. Also habe ich sie irgendwann selbst fertig gemacht und eingereicht.
ZEIT: Wie beurteilen Sie den Umgang mit Open Access in Deutschland?
Fischer: Es gibt schon einen typisch deutschen Konservatismus, eine typisch deutsche Ablehnung gegenüber technischen Neuerungen, vor allem wenn es das Internet betrifft. Der wissenschaftliche Betrieb ist aber generell sehr konservativ, Open Access hat es überall schwer.
ZEIT: Kritiker befürchten, dass die Qualität der Veröffentlichungen nicht mehr gewährleistet ist, wenn keine Gutachter mehr die einzelnen Arbeiten vor der Veröffentlichung prüfen, also die Peer-Review übernehmen.
Fischer: Eine Peer-Review findet natürlich auch in Open-Access-Journalen statt und ist auch gar nicht so teuer, weil die Gutachter in den meisten Fällen nicht bezahlt werden. Aber man muss den Prozess natürlich organisieren, und dafür gibt es Alternativen.
ZEIT: Und zwar?
Fischer: Zum Beispiel die Variante, die die PLoS- Journale der Public Library of Science bereits durchführen: Der Autor bezahlt die Zeitschrift für diese Dienstleistung. Oder Fachgesellschaften können die Peer-Review organisieren. Man muss unterscheiden, ob man den sogenannten »grünen Weg« des Open Access geht, bei dem die wissenschaftlichen Fachartikel publiziert werden wie gehabt, aber gleichzeitig frei zugänglich sind, oder den »goldenen Weg«, bei dem die Fachzeitschriften ohne Abogebühren zugänglich sind. Das heißt, jeder kann sie ansehen, und die Kosten, die anfallen, werden durch die Autoren, durch Stiftungen oder Fachgesellschaften getragen.
- Datum 17.12.2009 - 14:36 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.12.2009 Nr. 52
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Das unterschreibe ich sofort. Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen Herr Fischer.
Unterzeichnet, hoffentlich wird die 50k Grenze erreicht.
Wenn sich an solchen Zeitschritenveröffentlichungen nicht mehr verdienen lässt würden auch die millionen unnötigen und oftmals grausamen Tierversuche stark zurückgehen. Die meisten finden ohnehin nur zur persönlichen Profilierung statt. Man muss endlich an den Punkt kommen, an dem Alternativen zum Tierversuche ausreichend erforscht sind um Tierversuche vollständig ersetzen zu können, das geht nur wenn die Politik Ihre Gelder endlich vermehr tin solche Projekte und Studien stekct, als die bisherigen 4 Millionen jährlich. Wir sind es ihnen schuldig.
In 5 Tagen ist Frist der Mitzeichnung abgelaufen, kommt die
Redaktion erst jetzt drauf ???
MfG
Keth, Worms
Ein direkter Link zur Petition wäre sicherlich hilfreich!
Dies vorweg: Ich bin durchaus sehr für die OA Initiative, aber: Was mich grundsätzlich stört an der OA Debatte ist die oft sehr pauschalierende Diskussion, die dann zu - aus meiner Sicht - nicht ganz korrekten Schlussfolgerungen führt. Ich selbst arbeite seit 1991 in der Forschung an Hochschulen vor allem in der Schweiz im Bereich der BWL/Wirtschaftsinformatik. Und wenn ich dann lese "Die Wissenschaft wurde zuvor aber mit Steuergeldern gefördert," dann reibe ich mir die Augen: Die meiste Zeit meiner bisherigen beruflichen Laufbahn an Hochschulen war ich auf Stellen und in Forschergruppen tätig, die bis zu 100% aus - notabene privatwirtschaftlichen - Drittmitteln finanziert wurden. Publikationen, die aus solchen Projekten entstanden, sind also mitnichten mit Steuergeldern finanziert. Das spricht nicht gegen OA, ganz und gar nicht, aber relativiert doch das typische Argumentarium.
Ich habe mich in meinem Blog immer wieder zu OA geäussert: http://krz.ch/J6u
a) der Anteil privat/wirtschaftlich geförderter Forschung ist im Verhältnis zum öffentlichen Anteil sehr gering, weil bei Forschungen, die dann auch publiziert werden
b) Hat nicht Ihre Hochschule auch was beigetragen, z.B. die sogenannten Overheads?
c) Und wer trägt die Kosten der Zeitschriften, in denen Sie so publizieren, also wer zahlt die Gutachter und wer kauft die Zeitschriften im Wesentlichen, doch wohl auch die öffentliche Hand?
a) der Anteil privat/wirtschaftlich geförderter Forschung ist im Verhältnis zum öffentlichen Anteil sehr gering, weil bei Forschungen, die dann auch publiziert werden
b) Hat nicht Ihre Hochschule auch was beigetragen, z.B. die sogenannten Overheads?
c) Und wer trägt die Kosten der Zeitschriften, in denen Sie so publizieren, also wer zahlt die Gutachter und wer kauft die Zeitschriften im Wesentlichen, doch wohl auch die öffentliche Hand?
a) der Anteil privat/wirtschaftlich geförderter Forschung ist im Verhältnis zum öffentlichen Anteil sehr gering, weil bei Forschungen, die dann auch publiziert werden
b) Hat nicht Ihre Hochschule auch was beigetragen, z.B. die sogenannten Overheads?
c) Und wer trägt die Kosten der Zeitschriften, in denen Sie so publizieren, also wer zahlt die Gutachter und wer kauft die Zeitschriften im Wesentlichen, doch wohl auch die öffentliche Hand?
a) das Anteil der Wirtschaft bei Forschungen, die dann auch publiziert werden, ist im Verhältnis zu öffentlichen Förderungen verschwindend gering ...
b) Auch bei Wirtschaftsförderungen tragen ja die Hochschulen in Form der sogenannten Overheadkosten einiges bei ...
c) Und wer zahlt den die Kosten für die Zeitschriften, in denen Sie publizieren, also bswp. die Gutachten, und wer kauft dann im Wesentlichen diese Zeitschriften, doch auch die öffentliche Hand.
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