Lars Fischer Einmal zahlen reicht
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"Auch das Ministerium will wissen, wo die Forschungsgelder bleiben"

ZEIT: Nicht jeder Forscher wird für die Publikation seiner Ergebnisse bezahlen können.

Fischer: Es müsste eine Umverteilung stattfinden. Die wissenschaftlichen Institutionen zahlen ja sowieso für die Publikation, heute meist durch Abogebühren über die Bibliotheken. Wenn die wegfallen, könnte man die Gelder dafür einsetzen, die Publikationen zu finanzieren.

ZEIT: Wie sollte denn Ihrer Meinung nach die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens aussehen, grün oder golden?

Fischer: Meine Wunschvorstellung wäre, dass man eine Mischform schafft, damit ein Großteil der Journale im Internet kostenlos erhältlich ist, aber trotzdem weiter von den Verlagen betrieben wird. Dazu müsste es eine zentrale Stelle geben, also ein Repositorium, über das jeder kostenfrei auf Zeitschriften zugreifen kann.

ZEIT: Und wer sollte ein solches Repositorium einrichten?

Fischer: Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) könnte das tun, oder die Bibliotheken oder die Hochschulen schließen sich zusammen. Mein Favorit wäre die DFG, weil sie das Know-how, die Möglichkeiten und auch die Glaubwürdigkeit hat, eine solche Einrichtung zu betreiben.

ZEIT: Von dieser Idee sind die Verantwortlichen der DFG wahrscheinlich begeistert?

Fischer: Nach meinen Informationen ist die DFG sehr interessiert an Open Access. Und auch im Forschungsministerium interessiert man sich für das Thema. Schließlich wollen die auch wissen, wo die ganzen Forschungsgelder bleiben. Wenn die Kosten für Zeitschriftenabonnements jedes Jahr exorbitant steigen, teilweise mit dem Vierfachen der Inflationsrate, dann ist das keine Kleinigkeit mehr.

ZEIT: Bis zum 22. Dezember läuft Ihre Eingabe noch. Unterschreiben mehr als 50.000 Menschen, muss der Petitionsausschuss die Vorlage nicht nur prüfen, sondern zusätzlich eine Anhörung einberufen. Werden Sie diese magische Grenze erreichen?

Fischer: Mal schauen, was noch passiert. Wenn die bisherige Entwicklung linear weiterginge, dann würden wir bei 25.000 Unterzeichnern hängen bleiben.

ZEIT: Wären Sie sehr enttäuscht?

Fischer: Nein, denn man will mit einer Petition ja die Aufmerksamkeit der Politiker erzielen, und das schafft die Eingabe vielleicht auch so. Es gab bereits genügend Petitionen, die zwar nicht bis zur Anhörung gekommen sind, für die sich dann aber ein einzelner Abgeordneter starkgemacht hat. Oder umgekehrt: Die Petition von Franziska Heine gegen die Internetsperren hatte so viele Unterzeichner wie nie zuvor, verhindert hat sie das Gesetz zunächst aber dennoch nicht. Alles ist also möglich – mit oder ohne 50.000 Unterschriften.

Lars Fischer ist Chemiker und Wissenschaftsjournalist. Auf wissenslogs.de betreibt er das "Fischblog" zu Themen aus der Wissenschaft

Die Fragen stellte Nicola Kuhrt

 
Leser-Kommentare
  1. 1. DANKE!

    Das unterschreibe ich sofort. Herzlichen Dank für Ihre Bemühungen Herr Fischer.

  2. Unterzeichnet, hoffentlich wird die 50k Grenze erreicht.

  3. Wenn sich an solchen Zeitschritenveröffentlichungen nicht mehr verdienen lässt würden auch die millionen unnötigen und oftmals grausamen Tierversuche stark zurückgehen. Die meisten finden ohnehin nur zur persönlichen Profilierung statt. Man muss endlich an den Punkt kommen, an dem Alternativen zum Tierversuche ausreichend erforscht sind um Tierversuche vollständig ersetzen zu können, das geht nur wenn die Politik Ihre Gelder endlich vermehr tin solche Projekte und Studien stekct, als die bisherigen 4 Millionen jährlich. Wir sind es ihnen schuldig.

  4. In 5 Tagen ist Frist der Mitzeichnung abgelaufen, kommt die
    Redaktion erst jetzt drauf ???
    MfG
    Keth, Worms

    • Vergin
    • 18.12.2009 um 9:37 Uhr

    Ein direkter Link zur Petition wäre sicherlich hilfreich!

    • hdz
    • 18.12.2009 um 16:26 Uhr

    Dies vorweg: Ich bin durchaus sehr für die OA Initiative, aber: Was mich grundsätzlich stört an der OA Debatte ist die oft sehr pauschalierende Diskussion, die dann zu - aus meiner Sicht - nicht ganz korrekten Schlussfolgerungen führt. Ich selbst arbeite seit 1991 in der Forschung an Hochschulen vor allem in der Schweiz im Bereich der BWL/Wirtschaftsinformatik. Und wenn ich dann lese "Die Wissenschaft wurde zuvor aber mit Steuergeldern gefördert," dann reibe ich mir die Augen: Die meiste Zeit meiner bisherigen beruflichen Laufbahn an Hochschulen war ich auf Stellen und in Forschergruppen tätig, die bis zu 100% aus - notabene privatwirtschaftlichen - Drittmitteln finanziert wurden. Publikationen, die aus solchen Projekten entstanden, sind also mitnichten mit Steuergeldern finanziert. Das spricht nicht gegen OA, ganz und gar nicht, aber relativiert doch das typische Argumentarium.

    Ich habe mich in meinem Blog immer wieder zu OA geäussert: http://krz.ch/J6u

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    a) der Anteil privat/wirtschaftlich geförderter Forschung ist im Verhältnis zum öffentlichen Anteil sehr gering, weil bei Forschungen, die dann auch publiziert werden
    b) Hat nicht Ihre Hochschule auch was beigetragen, z.B. die sogenannten Overheads?
    c) Und wer trägt die Kosten der Zeitschriften, in denen Sie so publizieren, also wer zahlt die Gutachter und wer kauft die Zeitschriften im Wesentlichen, doch wohl auch die öffentliche Hand?

    a) der Anteil privat/wirtschaftlich geförderter Forschung ist im Verhältnis zum öffentlichen Anteil sehr gering, weil bei Forschungen, die dann auch publiziert werden
    b) Hat nicht Ihre Hochschule auch was beigetragen, z.B. die sogenannten Overheads?
    c) Und wer trägt die Kosten der Zeitschriften, in denen Sie so publizieren, also wer zahlt die Gutachter und wer kauft die Zeitschriften im Wesentlichen, doch wohl auch die öffentliche Hand?

  5. a) der Anteil privat/wirtschaftlich geförderter Forschung ist im Verhältnis zum öffentlichen Anteil sehr gering, weil bei Forschungen, die dann auch publiziert werden
    b) Hat nicht Ihre Hochschule auch was beigetragen, z.B. die sogenannten Overheads?
    c) Und wer trägt die Kosten der Zeitschriften, in denen Sie so publizieren, also wer zahlt die Gutachter und wer kauft die Zeitschriften im Wesentlichen, doch wohl auch die öffentliche Hand?

  6. a) das Anteil der Wirtschaft bei Forschungen, die dann auch publiziert werden, ist im Verhältnis zu öffentlichen Förderungen verschwindend gering ...

    b) Auch bei Wirtschaftsförderungen tragen ja die Hochschulen in Form der sogenannten Overheadkosten einiges bei ...

    c) Und wer zahlt den die Kosten für die Zeitschriften, in denen Sie publizieren, also bswp. die Gutachten, und wer kauft dann im Wesentlichen diese Zeitschriften, doch auch die öffentliche Hand.

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