Der Minderheitenpark in Peking © Angela Köckritz

Die heile Welt liegt dort, wo man sie nicht vermutet hat. Zwischen Hochhäusern und Stadtautobahnen im Norden Pekings, gleich in der Nähe des Olympiastadions. Die heile Welt kostet acht Euro Eintritt, das ist nicht ganz billig, aber was gibt es heute schon umsonst, und Harmonie ist eben harte Arbeit. Man zahlt und tritt durch einen Märchenbaum aus Plastik in Pekings Minderheitenpark. 55 Minderheiten gibt es in China, hier sind sie alle ausgestellt, Uiguren, Tibeter, Mongolen.

Einer jeden haben sie ihr Haus, ihr Zelt, ihre Höhle nachgebaut. Neben roten Plastikbergen thront eine Moschee zentralasiatischen Typs, davor wächst, ewige mongolische Steppe, ein wenig Gras vor einer Jurte. Zierliche Stupas winden sich gen Himmel, in der Ferne flattern die Gebetsfähnchen eines Mini-Potala-Palasts, zwischen all dem eine breitschultrige Versammlungshalle von postrealsozialistischer Schönheit.

Vor jedem Haus steht ein Schild, das über Religion, Ernährung und Gebräuche seiner Bewohner informiert, sponsored by Nestlé. Und wer denkt, das ist ja wie im Zoo, der denkt ganz falsch: Tiere tanzen nicht, freuen sich nicht, wenn sie sich freuen sollen, zeigen dem Menschen nicht, wie glücklich sie sind mit seiner Güte. Es ist drei Uhr, wir wollen zu den Naxi, denn bei den Naxi wird Punkt drei Uhr getanzt. Die Touristen haben auf den Plastikstühlen Platz genommen, die Kamera im Anschlag, als die Naxi hereingewirbelt kommen.

Bunt die Trachten, gerötet die Wangen, singen sie von der Naxi-Braut, so lieblich, und den Wiesen, so grün. Sie singen auf Mandarin, denn die Touristen, die meisten von ihnen Han-Chinesen, sollen sie ja verstehen. Im Anschluss verkaufen die Naxi ihr Kunsthandwerk, Touristen lassen Fotos in Naxi-Tracht von sich machen, dann ziehen sie weiter, irgendwo tanzt schon wieder die nächste Minderheit.