Mattie, der Dobermann-Pinscher, posiert mit dem Weihnachtsmann © Robyn Beck/AFP/Getty Images

Ariella Sarkany lässt ihre makellosen French Nails über das Leder gleiten, dann legt sie das Hundehalsband auf den Rücken ihrer feingliedrigen Hand. Funkelnd verfängt sich das Licht in den drei in Gold gefassten, ockerfarbenen Edelsteinen. »Das verkauft sich vor Weihnachten sehr gut«, sagt sie mit gedämpfter Stimme, und dann, etwas leiser: »Von Hartman and Rose, für 400 Euro.« Feierlich legt die 26-Jährige, figurbetonender Rolli, schwarze, hautenge Designerjeans, die Preziose zurück in die Vitrine. Gleich neben das Swarovski-Halsband für 900 Euro. Dann stöckelt sie hinüber zu der Wand mit den pelzbesetzten Mäntelchen und den Lederjäckchen und zieht einen rosa Strampelanzug hervor. Nur der Aufdruck verrät, dass mit dem Einteiler kein Neugeborenes beglückt werden soll: Happy Dog prangt da in großen Lettern.

Der schicke Hundeoverall ist nur einer jener Tierträume, dem das Geschäft von Ariella Sarkany seinen Namen verdankt. Hier im dritten Wiener Gemeindebezirk, in modernem, schlichtem Ambiente warten ausgefallene Präsente, die das geliebte Haustier in ein kleines Prestigeobjekt verwandeln. Beheizbare Designer-Tragetaschen, pinkfarbene Katzenkörbe, nach Wunsch gefertigte Empire-Chaiselongues en miniature – an teurem, exklusivem Chichi herrscht kein Mangel. Wie zur Bestätigung pratzelt Gizmo, der Yorkshire-Terrier der Ladenbesitzerin, übers Eichenholz-Laminat. Er trägt heute rostbraunen Cord. Sehr sportlich. Doch Gizmo ist nicht nur voll im Trend, er wird von seinem Frauerl auch vergöttert. So sehr, dass Frau Sarkozy ihrem Liebling die Boutique Tierträume quasi geschenkt hat. »Ich habe einfach nie etwas Passendes für ihn gefunden«, sagt die ehemalige Immobilienmaklerin, »also habe ich im September das Geschäft für ihn gekauft.«

Ein nobles Präsent, mit dem der durchschnittliche Haustierhalter kaum konkurrieren kann. Doch immer mehr sorgen sich ums Pläsier fürs Tier. Was vor wenigen Jahren noch als dekadent galt, schmückt heute wie selbstverständlich Hund und Katz: Adrette Mäntelchen, praktische Schühchen für die Bergtour und jede Menge Spielzeug haben die alte Schlafdecke hinter der Tür und die abgenagte Häkelmaus abgelöst. Auch der Menüplan der Lieben hat mit Resteverwertung nichts mehr gemein. Man greift zu Biofleisch (Rind auf Kürbispüree mit Quinoa) oder ausbalancierter Gesundheitsnahrung, etwa mit dem schönen Namen Feline Health Nutrition Outdoor Mature. Was verführt jene Tierbesitzer dazu, ihre Lumpis und Minkis mit teurem Tand zu verwöhnen? Eine groteske Begleiterscheinung der Wohlstandsgesellschaft? Oder ist es nur Dankbarkeit gegenüber einem braven Begleiter, die ihre Blüten treibt?

»Bei meinem Schatzi ist das ganze Jahr Weihnachten«

Gewiss ist nur eines: Wenn daheim Hundeaugen treuherzig glänzen und Katzen sanft schnurren, geht bei Österreichs Tierhaltern die Geldbörse auf. Vor allem vor Weihnachten. »Von einer Krise merken wir zurzeit gar nichts«, sagt Heidi Obermeier, Geschäftsführerin der Tiermarktkette Fressnapf. »Im Weihnachtsgeschäft liegen wir traditionell 20 Prozent über den Vergleichsmonaten.« Wer sein Tier verwöhnen will, kommt in den Tagen vor dem frohen Fest an einer der 92 Filialen des Marktführers nicht vorbei. Hoch expansiv rollt die Franchise-Kette von ihrer Zentrale im deutschen Krefeld aus den einst verschlafenen Zoofachhandel auf. In zwölf europäischen Ländern leuchtet das Fressnapf-Logo von über 1000 Filialen. Vom Weihnachtskauartikelset über kleine Überraschungspäckchen für Hunde, Katzen und Nager bis hin zum schrägen Spielobjekt (etwa einem Weihnachtsschwein aus Plastik, 17 Zentimeter lang und mit Stimme) reicht das Angebot in den nüchternen Supermärkten. Zielgruppe sind vor allem die über 1,3 Millionen Katzen und 600.000 Hunde, die Österreichs Haushalte aktuellen Schätzungen zufolge bevölkern. Zwischen 350 und 400 Millionen Euro setzt der Handel jährlich mit Tierfutter und Accessoires um, die Spielzeugbranche kommt gerade einmal auf 210 Millionen Euro. Vor allem die Zubehörindustrie treibt die Umsätze mit immer neuen Angeboten langsam, aber stetig nach oben.