ZEITmagazin Autotest Soul aus Seoul
Seele kann man nicht kaufen, Seele hat man. Margit Stoffels fährt den Kia Soul 1.6 Spirit und hangelt sich durch die Musikgeschichte.
© Kia

Schummerlicht und abgedunkelte Scheiben ab Werk. Auch wenn er von außen nicht so aussieht: Der Kia Soul ist ein Wagen für intime Momente.
Was ist denn das für einer? Sieht aus, als hätte man einen Designcomputer mit Daten aus der Marktforschung gefüttert, was junge, dynamische Metropolenbewohner sich so wünschen. Hoch wie ein Geländewagen, aber nicht böse. Geräumig wie ein Kombi, aber nicht brav. Bunt wie ein Spielzeug, aber nicht albern. Das alles bitte schön auf vier Metern Länge.
Der koreanische Hersteller Kia gab dieser Schöpfung den Namen »Soul«. Das ist natürlich ein großes Wort in Zusammenhang mit einem Fortbewegungsmittel. Gleichwohl, hier könnte man von einem Seelchen sprechen. In Werbespots kurven Hamster mit diesem Wagen durch die Stadt, während ihre Artgenossen in quietschenden Laufrädern stecken. Die Hamster im Wagen nehmen ihr natürliches Recht auf ausgelassene Lebensart wahr. Und die Frontpartie mit den großen Schweinwerfern scheint zu sagen: »Wenn ich groß bin, möchte ich auch mal was Wildes erleben.«
Der von Grund auf niedliche Auftritt wird verstärkt durch die gewagte Farbe »Cocktailorange«. Es erscheint angemessen, in diesem Wagen den »King of Bedroom Soul« zu hören. Spätestens dabei beginne ich, mich mit dem Kia Soul anzufreunden.
Den iPod anzuschließen war ein Kinderspiel. Das schlichte, ohne Hi-Fi-Schnickschnack auskommende Audiosystem setzt auf Anhieb Wohlklang frei. Während Barry White sich warmseufzt, entdecke ich das »Mood Light«: zwei rote Leuchtringe, die um die Türlautsprecher gelegt sind. Sie blinken im Rhythmus, wie eine Lichtorgel im Partykeller. Nun ahne ich, warum die hinteren Fenster schon ab Werk verdunkelt sind.
Springe weiter zum Soulbrother No. 1, James Brown. Der glaubte noch daran, dass wir in einer rauen, von Männern gemachten man’s man’s man’s world leben. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass das Seelenbrüderchen nicht unbedingt den rechten Fuß ansprechen will, sondern Qualitäten betont, auf die es im Leben wirklich ankommt. Der eher gemächliche Motor vermittelt das Gefühl: Take it easy, baby , sind wir nicht sowieso alle viel zu schnell unterwegs? Man hat plötzlich Zeit für solche Gedanken und – auch physisch – einen erstaunlich freien Kopf.
Andere Hersteller haben bei ihren Annäherungsversuchen an die Popkultur vielleicht mal einen Stones-Aufkleber ans Heck gepappt. Die Konstrukteure von Kia haben das Prinzip »Soul« offenbar ernst genommen: Seele kann man nicht kaufen, Seele hat man. Die Kunst besteht darin, ihr Raum zu geben.
Margit Stoffels ist Produktionsassistentin beim ZEITmagazin
- Datum 23.12.2009 - 15:53 Uhr
- Serie Autotest
- Quelle ZEITmagazin, 22.12.2009 Nr. 53
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Sind Sie mit dem Auto auch ein paar Meter gefahren....?
Stümmungschlicht änd bleck mägic windows, das gübs bei deutschen fremi..äh..premiumhör...äh...herstellern,
gegen gold und güldene worte nich. non.non.non.
je suis éblouie
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