Bahn Auf der BilligschieneSeite 2/2
Werden die neuen Anbieter der Deutschen Bahn ähnlich zusetzen wie Ryanair und easyJet der Lufthansa? Wird bald »Bahnfahren zum Taxipreis« eingeführt?
Die Bahn gibt sich unbeeindruckt. »Unsere Wettbewerber sind nicht andere Züge, sondern Autos und Flugzeuge«, heißt es aus dem Konzern. Und auch Rainer Engel ist skeptisch. Zwar seien Preisnachlässe möglich, sagt der Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn. Absolute Billigtickets werde es aber schon deshalb nicht geben, weil für die Benutzung des Schienennetzes zwischen vier und zehn Euro je Zugkilometer an die Deutsche Bahn gezahlt werden müssen. »Derart hohe Kosten gibt es im Flugverkehr nicht.« Engel rechnet zudem damit, dass die Kunden etwa bei Locomore Rail längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. »Geschwindigkeiten jenseits von 200 Stundenkilometern sind nur mit Neufahrzeugen möglich«, sagt Fahrgastlobbyist Engel – etwa mit den 15 neuen ICEs des Typs 3, die die Bahn gerade bestellt hat.
Zudem liegt es teilweise gar nicht im Interesse der Anbieter, Billigtickets zu verkaufen. Die großen europäischen Unternehmen haben unter dem Namen Railteam einen Pakt für Hochgeschwindigkeitszüge geschmiedet. Auf den internationalen Strecken stimmen sie sich ab. Die Deutsche Bahn plant beispielsweise, von 2012 an Fahrten von Frankfurt nach Marseille anzubieten – nach Rücksprache mit der französischen SNCF. Dass sich die Partner eines solchen Pakts wechselseitig mit Schleuderpreisen unterbieten, ist nicht zu erwarten.
Der Locomore-Rail-Betreiber Ladewig aber ist willens, eine neue Zeit anbrechen zu lassen. »Das Monopol wurde schon im Luftverkehr und in der Telekommunikation geknackt«, sagt er. »Warum sollte uns das nicht auch bei der Bahn gelingen?« Und der Politiker Michael Cramer wird sicher gerne hören, dass die Züge von der Locomore Rail 2011 auch am Bahnhof Zoo halten sollen.
- Datum 22.12.2009 - 14:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.12.2009 Nr. 53
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