Geistliche Gottes Wort im OderbruchSeite 3/3

Später geht Parr zum Weihnachtsmarkt in einer alten Festung. »Guten Tag«, sagt er zu einer Frau mit einem roten Kopftuch, wie denn der Mädchenchor gesungen habe. »Hallo«, sagt er zum Jäger, der im Posaunenchor spielt. Die Kirchengemeinden haben hier einen Stand aufgebaut, die Schmalzkringel sind noch warm, der Baumkuchen wird vor Ort gebacken von einem Konditormeister, der sich in der Kirche engagiert. Nebenan stehen die Kinder wie angewurzelt vor der Modelleisenbahn, Parr begrüßt eine Frau aus dem Heimatverein in Genschmar. Dort haben sie einen neuen Glockenschauer gebaut, mit vielen Spenden und trotz Kostenexplosion. Heute ist man stolz auf das neue Wahrzeichen.

Inzwischen kann Parr es sich vorstellen, einmal eine Landgemeinde zu übernehmen. Aber als sie letztens einen Waschbären im Garten des Pfarrhauses schießen mussten, weil der womöglich Tollwut hatte, erfuhr er nicht, dass dieses Ereignis Dorfgespräch war. »Bekomme ich überhaupt mit, was die Leute von mir erzählen?«, fragte er sich, noch neu im Ort. Als Pfarrer möchte man nicht nur für die Gläubigen da sein, doch den Kontakt muss man mühsam suchen.

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Am Abend vor dem dritten Advent sieht Robert Parr noch eine Probe zum Krippenspiel. Er ist elf Kilometer nach Buschdorf gefahren. Die Hirten stützen sich auf Besenstiele; Maria und Josef haben einen Unterschlupf im Stall von Bethlehem gefunden. Robert Parr setzt sich auf eine der hinteren Bänke und beobachtet. Die Kirchbaracke in Buschdorf ist erst seit 2007 wieder zum Kirchenraum geworden. Zehn Jahre lang verfiel sie, nachdem der letzte Pfarrer Weihnachten 1997 Gottesdienst feiern wollte und niemand kam. Vor zwei Jahren haben zwei Frauen, die neu in der Gemeinde waren, die Initiative ergriffen und die Baracke in fünf Wochen allein renoviert. Sie haben die Wände innen lindgrün gestrichen, den Holzboden hergerichtet, Altardecken selbst gemacht. Der Bürgermeister übernahm es, das Dach auszubessern. Heiligabend wird hier Gottesdienst gefeiert; Buschdorf hat wieder eine Verbindung zum Himmel.

 
Leser-Kommentare
    • Fokko
    • 27.12.2009 um 2:31 Uhr

    ... es könnte mich auch reizen, dort hin zu gehen. Unsere Bunbdesrepublik ist ganz klar übervölkert und da sind diese beiden Länder, Meckpomm und Brandenburg als am dünnsten besiedelte Bundesländer durchaus ein Option, wenn man etwas Ellenbogenfreiheit möchte.

    Fokko vom Selbstversorger-Blog/Fantasy-Blog
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    http://selbstversorger-bl...
    http://fokko.wordpress.com/

  1. dass sie sich mit diesem Artikel wohltuend vom Mainstream der deutschen Blätter abhebt, die ja grossmehrheitlich der Meinung sind, gerade an Weihnachten gegen die Religion im Allgemeinen und die christlichen Kirchen im Besonderen schiessen zu müssen.
    Eine schöne Ausnahme, dieser Artikel !

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