Sozialverhalten Rechthaber und Samariter
Der Gutmensch stellt sich in den Dienst der Menschheit und lässt sich feiern. Der gute Mensch aber stellt sich in den Dienst des Nächsten und hilft selbstlos.

Einige Menschen versuchen, im Kleinen Gutes zu tun, wie diese Frau, die einen Käfer aufhebt, damit er nicht zertreten wird
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es, sagt Erich Kästner. Doch wer Gutes tut, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Der zeitgemäße Zeitgenosse wappnet sich mit Sarkasmus und Zynismus gegen die Regungen des Herzens, er nennt jene, die philanthropisch dem Guten eine Gasse bahnen, verächtlich »Gutmenschen«.
Henryk M. Broder, der zuweilen begnadete, zuweilen bloß routinierte Polemiker, erzählte kürzlich in einem Interview von einem Freund aus früheren Tagen, mit dem er sich irgendwann entzweite: »Was unsere Freundschaft ruiniert hat, war, dass er der DKP beitrat, ein Gutmensch wurde und sein Leben den Unterdrückten der Dritten Welt widmete.« Das ist wieder mal sehr witzig. Aber was ist daran witzig?
Um der Klarheit willen empfiehlt es sich, zwischen dem Gutmenschen und dem guten Menschen zu unterscheiden. Der Gutmensch ist schwer erträglich, weil er sich immer auf die moralisch unangreifbare Seite stellt. Aus seiner Unangreifbarkeit bezieht er Macht, sein äußerliches Gutsein aber verdeckt das potenziell Schändliche des Machthabens.
Der Gutmensch kämpft gegen das Rauchen im Namen des Gesundheitsgebots, gegen schnelle Autos im Namen der Klimakatastrophe, gegen Steaks im Namen des Regenwalds, gegen höhere Bildung im Namen des Gleichheitsgrundsatzes, gegen erfrischende Witze im Namen der Menschenwürde. Kurz: Er kämpft gegen alles, was Spaß macht, und man kann nichts gegen ihn sagen, weil er recht hat, dieser Rechthaber par excellence.
Über den guten Menschen ist nicht viel zu sagen, weil im Grunde seines Herzens fast jeder weiß, worin das Gutsein bestünde, weil fast jeder ganz gern ein guter Mensch wäre, wenn er endlich nur Gelegenheit fände und die Umstände andere wären. Das Gemeinte findet sich am klarsten in der Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lk 10): »Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho hinunter. Unterwegs wurde er von Räubern überfallen. Sie nahmen ihm alles weg, schlugen ihn zusammen und ließen ihn halbtot liegen.
Zufällig ging ein Priester den gleichen Weg hinunter. Er sah den Mann liegen und machte einen Bogen um ihn. Genauso verhielt sich ein Levit. Auch er machte einen großen Bogen um den Überfallenen. Schließlich näherte sich ein Samariter. Als er den Mann sah, empfand er tiefes Mitleid. Er ging zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier, brachte ihn in ein Gasthaus und versorgte ihn dort.«
- Datum 28.12.2009 - 10:34 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.12.2009 Nr. 53
- Kommentare 84
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Wer das Wort "Gutmensch" in einem Kommentar nutzt wird gerügt.
Hier erscheint das Wort im Artikel mehrfach!
der autor verwendet das wort nicht als schimpfwort, sondern erörtert zwei unterschiedliche aber nahestehende begriffe.
es wäre genauso akzeptabel, wenn er über das wort arschloch schreiben würde, und dazu gehörig ebenso unpassend, wenn die kommentatoren dieses wort auf ihre mitkommentatoren anwenden, weswegen es im artikel nicht zensiert würde, im gebrauch bei nachfolgenden diskussionen als anrede durchaus schon.
"Wer das Wort "Gutmensch" in einem Kommentar nutzt wird gerügt. Hier erscheint das Wort im Artikel mehrfach!"
Vielleicht, weil der Gutmensch Thema des Artikels ist und es deshalb keinen Sinn machen würde, ihn zu vermeiden?
*Kopfschüttel*
der autor verwendet das wort nicht als schimpfwort, sondern erörtert zwei unterschiedliche aber nahestehende begriffe.
es wäre genauso akzeptabel, wenn er über das wort arschloch schreiben würde, und dazu gehörig ebenso unpassend, wenn die kommentatoren dieses wort auf ihre mitkommentatoren anwenden, weswegen es im artikel nicht zensiert würde, im gebrauch bei nachfolgenden diskussionen als anrede durchaus schon.
"Wer das Wort "Gutmensch" in einem Kommentar nutzt wird gerügt. Hier erscheint das Wort im Artikel mehrfach!"
Vielleicht, weil der Gutmensch Thema des Artikels ist und es deshalb keinen Sinn machen würde, ihn zu vermeiden?
*Kopfschüttel*
Meine Definition für einen "Gutmensch" ist folgende:
Ein Gutmensch glaubt, dass nur seine Taten, Werke und Einstellungen gut sind, überlässt die weitgehendste Finanzierung seines Handels und seiner Vorstellungen bzw. das Erleben ("Ausbaden") negativer Folgen jedoch wie selbstverständlich Dritten.
Tenor: "Ich bin ja so gut, aber zahlen sollen/können es andere"!
...weil sie den begriff eher als beleidigung gebraucht haben und nicht als definition. zumindest sah es die redaktion so. =)
...weil sie den begriff eher als beleidigung gebraucht haben und nicht als definition. zumindest sah es die redaktion so. =)
Und wenn man sich nun in beiden dieser "Definitionen" wiederfindet?
Dieser Artikel lässt mich offengestanden ziemlich ratlos zurück. Eine Polemik, nicht mehr.
Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen, Gutmensch UND guter Mensch.
Zu Erkennen, dass es im Menschen viele Seiten und Facetten gibt, ist ein großer Schritt. Der nächste Schritt wäre es, die "guten Seiten" zu pflegen und die "schlechten" zu vermeiden.
Das scheint eine Binsenweisheit zu sein, ist jedoch des Menschen schwierigste, mühevollste Aufgabe ... wenn er es als Aufgabe begreift!
Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen, Gutmensch UND guter Mensch.
Zu Erkennen, dass es im Menschen viele Seiten und Facetten gibt, ist ein großer Schritt. Der nächste Schritt wäre es, die "guten Seiten" zu pflegen und die "schlechten" zu vermeiden.
Das scheint eine Binsenweisheit zu sein, ist jedoch des Menschen schwierigste, mühevollste Aufgabe ... wenn er es als Aufgabe begreift!
"Gutmensch" gehört in die gleiche Kategorie wie "Betroffenheitspolitiker" und "Sektierer", "Dissident".
Das Ideal desjenigen, der das Wort "Gutmensch" gebraucht, ist das des guten Diktators. Der Mensch muß zu seinem Glück gezwungen werden. Betroffene, HartzIV-Leute z.B., dürfen keinesfalls persönlich für ihresgleichen Politik machen, sondern müssen durch Nichtbetroffene vertreten werden. Minderheitsmeinungen dürfen nicht beachtet werden, weil sie von der reinen Lehre abweichen.
Viel mehr ist dazu nicht zu sagen.
Harald Artur Irmer
Ich kenne so einige, die sich "gut" verhalten, sich damit aber brüsten und Anerkennung verlangen. Meistens bekommen sie dann Vergünstigungen und hohes Ansehen bei etwas außenstehenden Personen, die nur die "guten Taten" sehen. Dies ist für sie der einzige Zweck des ganzen.
Ich kenne aber nur wenige, die Gutes um des Guten willen tun. Meist sind dies auch noch die stillsten, die am wenigsten nach Anerkennung streben.
gesund ist wie immer die mittellage.
der gutes tut, darf auch gern das lob dafür einheimsen und muß dieses feld nicht den heuchlern überlassen ;-)
gesund ist wie immer die mittellage.
der gutes tut, darf auch gern das lob dafür einheimsen und muß dieses feld nicht den heuchlern überlassen ;-)
der autor verwendet das wort nicht als schimpfwort, sondern erörtert zwei unterschiedliche aber nahestehende begriffe.
es wäre genauso akzeptabel, wenn er über das wort arschloch schreiben würde, und dazu gehörig ebenso unpassend, wenn die kommentatoren dieses wort auf ihre mitkommentatoren anwenden, weswegen es im artikel nicht zensiert würde, im gebrauch bei nachfolgenden diskussionen als anrede durchaus schon.
gesund ist wie immer die mittellage.
der gutes tut, darf auch gern das lob dafür einheimsen und muß dieses feld nicht den heuchlern überlassen ;-)
Ich finde es super, daß dieser Artikel es glasklar ausspricht: das Gute liegt in Nächstenliebe, in Selbstlosigkeit, in Demut.
Ich stimme dem Autoren mit vollstem Herzen zu: wir müssen beginnen, uns um unsere Nächsten zu kümmern, um unsere Familie, unsere Nachbarn unsere Gemeinde.
Anstrengungen die auf irgendwelche "Fernsten" gerichtet sind, sind nichts als das Druckmittel des perfiden sozial-ökologischen Komplexes, der unser Geld will um seine Macht zu sichern und seine Kassen zu füllen. Soziale Gerechtigkeit ist eben ein Kampfbegriff und keine moralische Selbstverpflichtung.
Ein Heer von Abhängigen tut das Ihre dazu, daß statt Gut zu sein den Menschen die Illusion des "Gutseins" vermittelt wird: natürlich nur auf die durch den sozial-ökologischen Komplex vorgeschriebene Art und Weise.
Das Kind der Krippe, unser kleiner, hilfloser und machtloser Herr Christus, der ist das leuchtendste Beispiel für die hier beschriebene Nächstenliebe und das Gute in der Welt.
Folgen wir ihm nach!
Der Christ ist mit ein wenig Glück vielleicht ein passabel guter Mensch.
Qualitäten wie Höflichkeit und Hilfsbereitschaft haben inhärent nichts mit dem Christentum zu tun, vielmehr hat dieses diese Konzepte, welche jedem Menschen in gewissem Maße innewohnen, verinnerlicht, was ihm aber noch lange nicht das Recht einräumt, sie als sich eigen zu reklamieren.
In dieser Sache eine kleine Frage: Nehmen wir an, ein Gott existiere und es sei der Christliche. Glauben Sie im Ernst, dass dieser seit Anbeginn der menschlichen Spezies mit verschränkten Armen auf einer Wolke saß und zusah, wie sich die Menschen gegenseitig umbrachten und sich generell so verhielten, wie es gute Menschen eben nicht tun, um dann vor 3500 Jahren zu entscheiden, dass es so nicht weitergehen kann und in einer der unterentwickeltsten Regionen dieser Zeit die Zehn Gebote zu verkünden? Oder denken Sie nicht auch, dass der Mensch ohne die Fähigkeit der Hilfsbereitschsft und des Mitgefühls gar nicht erst so lange hätte überleben können?
Kurz: Um ein guter Mensch zu sein, muss man kein Christ sein. Vielmehr ist es viel ehrenwerter, um der Sache selbst willen gut zu sein, nicht weil man sich eine Belohnung im Nachleben erhofft.
Btw.: Sie meinen, dass "unser kleiner, hilfloser und machtloser Herr Christus" der Sohn des Schöpfers des Universums und gleichzeitig der Schöpfer selbst ist. Dieser wird doch wohl auch in Ihrer (meiner Meinung nach) etwas verqueren Gedankenwelt nicht machtlos sein, oder?
Der Christ ist mit ein wenig Glück vielleicht ein passabel guter Mensch.
Qualitäten wie Höflichkeit und Hilfsbereitschaft haben inhärent nichts mit dem Christentum zu tun, vielmehr hat dieses diese Konzepte, welche jedem Menschen in gewissem Maße innewohnen, verinnerlicht, was ihm aber noch lange nicht das Recht einräumt, sie als sich eigen zu reklamieren.
In dieser Sache eine kleine Frage: Nehmen wir an, ein Gott existiere und es sei der Christliche. Glauben Sie im Ernst, dass dieser seit Anbeginn der menschlichen Spezies mit verschränkten Armen auf einer Wolke saß und zusah, wie sich die Menschen gegenseitig umbrachten und sich generell so verhielten, wie es gute Menschen eben nicht tun, um dann vor 3500 Jahren zu entscheiden, dass es so nicht weitergehen kann und in einer der unterentwickeltsten Regionen dieser Zeit die Zehn Gebote zu verkünden? Oder denken Sie nicht auch, dass der Mensch ohne die Fähigkeit der Hilfsbereitschsft und des Mitgefühls gar nicht erst so lange hätte überleben können?
Kurz: Um ein guter Mensch zu sein, muss man kein Christ sein. Vielmehr ist es viel ehrenwerter, um der Sache selbst willen gut zu sein, nicht weil man sich eine Belohnung im Nachleben erhofft.
Btw.: Sie meinen, dass "unser kleiner, hilfloser und machtloser Herr Christus" der Sohn des Schöpfers des Universums und gleichzeitig der Schöpfer selbst ist. Dieser wird doch wohl auch in Ihrer (meiner Meinung nach) etwas verqueren Gedankenwelt nicht machtlos sein, oder?
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