Sozialverhalten Rechthaber und Samariter
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»Der Mensch ist gar nicht gut, drum hau ihn auf den Hut«

»Der Mensch ist gar nicht gut, drum hau ihn auf den Hut«

Jesus erzählt die Geschichte einem Pharisäer auf dessen Frage, wer der »Nächste« sei, von dem das Gebot der Nächstenliebe spreche. Die Pointe liegt darin, dass der Priester und der Levit (ein Abkömmling des Stammes Levi) hoch angesehene Personen sind, während der Samariter zu einer verachteten religiösen Gruppierung zählt. Man kann also sagen, dass der Samariter der Prototyp des guten Menschen ist, der in spontaner Regung das Notwendige tut – aus »tiefem Mitleid«, wie es heißt. Er scheut nicht den lästigen Aufwand an Geld und Zeit, er vollbringt die gute Tat, obwohl kein Reporter sie beobachtet, obwohl sie kein politisch-moralisches Programm erfüllt.

Der gute Mensch handelt gut im Dienste eines konkreten einzelnen Menschen. Ansonsten leitet er nichts daraus ab, es fällt ihm nicht ein, anderen ein schlechtes Gewissen zu machen. Der Gutmensch aber stellt sein Gutsein in den Dienst der Menschheit, darunter macht er es nicht. Sein Ziel besteht darin, als gut zu wirken, und er erreicht es am schnellsten, wenn er die anderen als Sünder erscheinen lässt.

Die biblische Utopie vom barmherzigen Samariter zählt zu jenen Menschheitserzählungen, die darauf vertrauen, dass es das Gute im Menschen gibt. Einen ähnlichen Gedanken finden wir in den zahllosen Märchen, die davon handeln, wie die absichtslos gute Tat, und sei es nur die an einem unscheinbaren Tier, sich hundertfach auszahlt. Es stimmt wohl, dass wir solche beispielhaften Geschichten, wie sie vermutlich auch heute noch die Kindergärtnerinnen und die Tagesmütter erzählen, pflegen sollten, weil sie eine positive Wette eingehen.

Wer glaubt, dass es einen ursprünglichen, vernunftgeleiteten Impuls zum richtigen Handeln gibt, gewinnt daraus eine beflügelnde Energie, die allen zugutekommt, auch ihm selber. Das Gegenteil schildert mit schöner Deutlichkeit das Lied von der Unzulänglichkeit des menschlichen Strebens in Brechts Dreigroschenoper: »Der Mensch ist gar nicht gut, / drum hau ihn auf den Hut. / Hast du ihn auf den Hut gehaut, / dann wird er vielleicht gut.«

Was wir Gewissen nennen und was uns oft nur als bloßes Gefühl erscheint, hat zu tun mit jener »dunkel gedachten Metaphysik, die jedem Menschen in seiner Vernunftanlange beiwohnt«, wie Kant in der Metaphysik der Sitten sagt. Dass diese alte Erkenntnis durch die neuesten Ergebnisse der Naturwissenschaft bestätigt wird, kann man durchaus als einen Fortschritt betrachten.

 
Leser-Kommentare
    • Hontes
    • 29.12.2009 um 10:10 Uhr

    Wer das Wort "Gutmensch" in einem Kommentar nutzt wird gerügt.

    Hier erscheint das Wort im Artikel mehrfach!

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    der autor verwendet das wort nicht als schimpfwort, sondern erörtert zwei unterschiedliche aber nahestehende begriffe.

    es wäre genauso akzeptabel, wenn er über das wort arschloch schreiben würde, und dazu gehörig ebenso unpassend, wenn die kommentatoren dieses wort auf ihre mitkommentatoren anwenden, weswegen es im artikel nicht zensiert würde, im gebrauch bei nachfolgenden diskussionen als anrede durchaus schon.

    "Wer das Wort "Gutmensch" in einem Kommentar nutzt wird gerügt. Hier erscheint das Wort im Artikel mehrfach!"

    Vielleicht, weil der Gutmensch Thema des Artikels ist und es deshalb keinen Sinn machen würde, ihn zu vermeiden?
    *Kopfschüttel*

    der autor verwendet das wort nicht als schimpfwort, sondern erörtert zwei unterschiedliche aber nahestehende begriffe.

    es wäre genauso akzeptabel, wenn er über das wort arschloch schreiben würde, und dazu gehörig ebenso unpassend, wenn die kommentatoren dieses wort auf ihre mitkommentatoren anwenden, weswegen es im artikel nicht zensiert würde, im gebrauch bei nachfolgenden diskussionen als anrede durchaus schon.

    "Wer das Wort "Gutmensch" in einem Kommentar nutzt wird gerügt. Hier erscheint das Wort im Artikel mehrfach!"

    Vielleicht, weil der Gutmensch Thema des Artikels ist und es deshalb keinen Sinn machen würde, ihn zu vermeiden?
    *Kopfschüttel*

    • Hontes
    • 29.12.2009 um 10:15 Uhr

    Meine Definition für einen "Gutmensch" ist folgende:

    Ein Gutmensch glaubt, dass nur seine Taten, Werke und Einstellungen gut sind, überlässt die weitgehendste Finanzierung seines Handels und seiner Vorstellungen bzw. das Erleben ("Ausbaden") negativer Folgen jedoch wie selbstverständlich Dritten.

    Tenor: "Ich bin ja so gut, aber zahlen sollen/können es andere"!

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    ...weil sie den begriff eher als beleidigung gebraucht haben und nicht als definition. zumindest sah es die redaktion so. =)

    ...weil sie den begriff eher als beleidigung gebraucht haben und nicht als definition. zumindest sah es die redaktion so. =)

    • dapeda
    • 29.12.2009 um 10:18 Uhr

    Und wenn man sich nun in beiden dieser "Definitionen" wiederfindet?
    Dieser Artikel lässt mich offengestanden ziemlich ratlos zurück. Eine Polemik, nicht mehr.

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    Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen, Gutmensch UND guter Mensch.

    Zu Erkennen, dass es im Menschen viele Seiten und Facetten gibt, ist ein großer Schritt. Der nächste Schritt wäre es, die "guten Seiten" zu pflegen und die "schlechten" zu vermeiden.

    Das scheint eine Binsenweisheit zu sein, ist jedoch des Menschen schwierigste, mühevollste Aufgabe ... wenn er es als Aufgabe begreift!

    Der Mensch ist ein vielschichtiges Wesen, Gutmensch UND guter Mensch.

    Zu Erkennen, dass es im Menschen viele Seiten und Facetten gibt, ist ein großer Schritt. Der nächste Schritt wäre es, die "guten Seiten" zu pflegen und die "schlechten" zu vermeiden.

    Das scheint eine Binsenweisheit zu sein, ist jedoch des Menschen schwierigste, mühevollste Aufgabe ... wenn er es als Aufgabe begreift!

    • hirmer
    • 29.12.2009 um 10:37 Uhr

    "Gutmensch" gehört in die gleiche Kategorie wie "Betroffenheitspolitiker" und "Sektierer", "Dissident".

    Das Ideal desjenigen, der das Wort "Gutmensch" gebraucht, ist das des guten Diktators. Der Mensch muß zu seinem Glück gezwungen werden. Betroffene, HartzIV-Leute z.B., dürfen keinesfalls persönlich für ihresgleichen Politik machen, sondern müssen durch Nichtbetroffene vertreten werden. Minderheitsmeinungen dürfen nicht beachtet werden, weil sie von der reinen Lehre abweichen.

    Viel mehr ist dazu nicht zu sagen.

    Harald Artur Irmer

    • quirtz
    • 29.12.2009 um 10:38 Uhr

    Ich kenne so einige, die sich "gut" verhalten, sich damit aber brüsten und Anerkennung verlangen. Meistens bekommen sie dann Vergünstigungen und hohes Ansehen bei etwas außenstehenden Personen, die nur die "guten Taten" sehen. Dies ist für sie der einzige Zweck des ganzen.

    Ich kenne aber nur wenige, die Gutes um des Guten willen tun. Meist sind dies auch noch die stillsten, die am wenigsten nach Anerkennung streben.

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    gesund ist wie immer die mittellage.
    der gutes tut, darf auch gern das lob dafür einheimsen und muß dieses feld nicht den heuchlern überlassen ;-)

    gesund ist wie immer die mittellage.
    der gutes tut, darf auch gern das lob dafür einheimsen und muß dieses feld nicht den heuchlern überlassen ;-)

  1. 6.

    der autor verwendet das wort nicht als schimpfwort, sondern erörtert zwei unterschiedliche aber nahestehende begriffe.

    es wäre genauso akzeptabel, wenn er über das wort arschloch schreiben würde, und dazu gehörig ebenso unpassend, wenn die kommentatoren dieses wort auf ihre mitkommentatoren anwenden, weswegen es im artikel nicht zensiert würde, im gebrauch bei nachfolgenden diskussionen als anrede durchaus schon.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Zweierlei Maß"
  2. 7.

    gesund ist wie immer die mittellage.
    der gutes tut, darf auch gern das lob dafür einheimsen und muß dieses feld nicht den heuchlern überlassen ;-)

    • ogdan
    • 29.12.2009 um 11:20 Uhr

    Ich finde es super, daß dieser Artikel es glasklar ausspricht: das Gute liegt in Nächstenliebe, in Selbstlosigkeit, in Demut.

    Ich stimme dem Autoren mit vollstem Herzen zu: wir müssen beginnen, uns um unsere Nächsten zu kümmern, um unsere Familie, unsere Nachbarn unsere Gemeinde.

    Anstrengungen die auf irgendwelche "Fernsten" gerichtet sind, sind nichts als das Druckmittel des perfiden sozial-ökologischen Komplexes, der unser Geld will um seine Macht zu sichern und seine Kassen zu füllen. Soziale Gerechtigkeit ist eben ein Kampfbegriff und keine moralische Selbstverpflichtung.

    Ein Heer von Abhängigen tut das Ihre dazu, daß statt Gut zu sein den Menschen die Illusion des "Gutseins" vermittelt wird: natürlich nur auf die durch den sozial-ökologischen Komplex vorgeschriebene Art und Weise.

    Das Kind der Krippe, unser kleiner, hilfloser und machtloser Herr Christus, der ist das leuchtendste Beispiel für die hier beschriebene Nächstenliebe und das Gute in der Welt.

    Folgen wir ihm nach!

    Eine Leser-Empfehlung
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    • PGMN
    • 30.12.2009 um 0:35 Uhr

    Der Christ ist mit ein wenig Glück vielleicht ein passabel guter Mensch.

    Qualitäten wie Höflichkeit und Hilfsbereitschaft haben inhärent nichts mit dem Christentum zu tun, vielmehr hat dieses diese Konzepte, welche jedem Menschen in gewissem Maße innewohnen, verinnerlicht, was ihm aber noch lange nicht das Recht einräumt, sie als sich eigen zu reklamieren.

    In dieser Sache eine kleine Frage: Nehmen wir an, ein Gott existiere und es sei der Christliche. Glauben Sie im Ernst, dass dieser seit Anbeginn der menschlichen Spezies mit verschränkten Armen auf einer Wolke saß und zusah, wie sich die Menschen gegenseitig umbrachten und sich generell so verhielten, wie es gute Menschen eben nicht tun, um dann vor 3500 Jahren zu entscheiden, dass es so nicht weitergehen kann und in einer der unterentwickeltsten Regionen dieser Zeit die Zehn Gebote zu verkünden? Oder denken Sie nicht auch, dass der Mensch ohne die Fähigkeit der Hilfsbereitschsft und des Mitgefühls gar nicht erst so lange hätte überleben können?

    Kurz: Um ein guter Mensch zu sein, muss man kein Christ sein. Vielmehr ist es viel ehrenwerter, um der Sache selbst willen gut zu sein, nicht weil man sich eine Belohnung im Nachleben erhofft.

    Btw.: Sie meinen, dass "unser kleiner, hilfloser und machtloser Herr Christus" der Sohn des Schöpfers des Universums und gleichzeitig der Schöpfer selbst ist. Dieser wird doch wohl auch in Ihrer (meiner Meinung nach) etwas verqueren Gedankenwelt nicht machtlos sein, oder?

    • PGMN
    • 30.12.2009 um 0:35 Uhr

    Der Christ ist mit ein wenig Glück vielleicht ein passabel guter Mensch.

    Qualitäten wie Höflichkeit und Hilfsbereitschaft haben inhärent nichts mit dem Christentum zu tun, vielmehr hat dieses diese Konzepte, welche jedem Menschen in gewissem Maße innewohnen, verinnerlicht, was ihm aber noch lange nicht das Recht einräumt, sie als sich eigen zu reklamieren.

    In dieser Sache eine kleine Frage: Nehmen wir an, ein Gott existiere und es sei der Christliche. Glauben Sie im Ernst, dass dieser seit Anbeginn der menschlichen Spezies mit verschränkten Armen auf einer Wolke saß und zusah, wie sich die Menschen gegenseitig umbrachten und sich generell so verhielten, wie es gute Menschen eben nicht tun, um dann vor 3500 Jahren zu entscheiden, dass es so nicht weitergehen kann und in einer der unterentwickeltsten Regionen dieser Zeit die Zehn Gebote zu verkünden? Oder denken Sie nicht auch, dass der Mensch ohne die Fähigkeit der Hilfsbereitschsft und des Mitgefühls gar nicht erst so lange hätte überleben können?

    Kurz: Um ein guter Mensch zu sein, muss man kein Christ sein. Vielmehr ist es viel ehrenwerter, um der Sache selbst willen gut zu sein, nicht weil man sich eine Belohnung im Nachleben erhofft.

    Btw.: Sie meinen, dass "unser kleiner, hilfloser und machtloser Herr Christus" der Sohn des Schöpfers des Universums und gleichzeitig der Schöpfer selbst ist. Dieser wird doch wohl auch in Ihrer (meiner Meinung nach) etwas verqueren Gedankenwelt nicht machtlos sein, oder?

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