Gesellschaftskritik Über Erziehungsratschläge
Die dreijährige Tochter von Tom Cruise und Katie Holmes wurde unlängst in Stöckelschuhen gesichtet. Ist die Aufregung der Öffentlichkeit gerechtfertigt?
Erziehungsratschläge sind mit Vorsicht zu genießen, sie neigen zur Doppelbödigkeit, ja zur Hinterhältigkeit. Getarnt als Sorge um das Wohlergehen des Kindes, verfolgen sie in der Art rhetorischer Guerillataktik das Ziel, die Eltern zur Strecke zu bringen. Wer einer Frau unterjubeln will, dass sie schlampig aussieht, nimmt die Rotznase ihrer kleinen Tochter ins Visier und verkündet: "Ich finde ja, dass Laura alt genug ist, sich allein die Nase zu putzen." Wer einem Mann unterjubeln will, dass er ein Weichei ist, klopft seinem Söhnchen jovial auf die Schulter und ruft: "Wenn ihr mich fragt, ein Junge wie Jan gehört in einen Fußballverein!"
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Es fragt sich also, worauf der lautstarke, öffentlich an das Elternpaar Tom Cruise und Katie Holmes gerichtete Erziehungsratschlag, ihrer dreijährigen Tochter Suri um Himmels willen das Tragen von Schuhen mit Absätzen zu verbieten, in Wahrheit hinauswill. Glaubt jemand, es ginge hier tatsächlich nur um das orthopädische Wohl eines kleinen Mädchens? Wenn dem so wäre, befände sich die Welt im Generalstreik, um gegen Kinderschicksale zu protestieren, neben denen sich die Schäden, die sich aus Suris Hang zum Herumstöckeln möglicherweise ergeben, eher gering ausnehmen. Welche Botschaft aber ist es, die dem amerikanischen Schauspielerpaar untergejubelt werden soll?
Wahrscheinlich sind die meisten Menschen sowieso bereit, Suris Vater, einem bekennenden Scientologen, alles Schlechte zu unterstellen. Wer in einer Sekte ist, so denkt der Erziehungsberater, verkrüppelt auch Kinderfüße und -seelen. In diesem Fall allerdings trifft die Kritik die Eltern womöglich zu Recht. Ein Blick in die Schriften der Scientology-Sekte verrät, dass das scientologische Denken zwischen Erwachsenen und Kindern keinen Wesensunterschied macht. "Ein Kind ist ein Mann oder eine Frau, der bzw. die nicht voll ausgewachsen ist", schreibt Sektengründer L. Ron Hubbard im Vorwort eines 1983 erschienenen Buches, dessen Titel Kinder-Dianetik nichts Gutes verheißt.
Es ist durchaus denkbar, dass sich Suris gesamte kleindamenhafte Aufgeputztheit Dogmen verdankt, die in der Tat verdächtig sind. Und plötzlich sind nicht nur die Schuhe des Mädchens, sondern ist tatsächlich die ganze Erziehung der Eltern der Kritik würdig.
- Datum 21.12.2009 - 12:08 Uhr
- Serie Gesellschaftskritik
- Quelle ZEITmagazin, 22.12.2009 Nr. 53
- Kommentare 12
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kindererziehung - ein emotionales thema mit unterschiedlichsten ansichten. von der total antiautoritären erziehung bis zum dressieren eines kindes wie einen hund.
schön dass sie wenigstens zugeben, dass man eiem scientologen, selbst tom cruise, nur das schlechte unterstellen will. das zitat aus dem buch von l. ron hubbard ist zwar richtig, nur lässt es wiederum das ganze spektrum der interpretation zu, wenn man nicht den abschnitt davor gelesen hat. übrigens, das kapitel "wie man mit kindern lebt" befindet sich jetzt im buch: "scientology, eine neue sicht des lebens" in der auflage von 2007.
im grunde genommen ist nämlich der erwachsene das problem in der kindererziehung. "ein guter stabiler erwachsener mit liebe und toleranz im herzen ist etwa die beste therapie, die ein kind haben kann." schreibt hubbard.
wer selbst kinder aufzog, so wie ich, kann wirklich sagen, dass es manchmal einiges an toleranz und nerven bedarf. das wichtigste ist jedoch, dass die selbstbestimmung des kindes nicht gebrochen wird. wenn man das erreicht als vater oder mutter, dann war es doch die ganze mühe wert.
..."guter und stabiler Erwachsene mit Liebe und Toleranz (sic!) im Herzen" wird man duch Scientology ganz sicher nicht!!!
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Auch wenn Sie als Scientologe das natürlich ganz anders sehen - ich schließe mich da eher der Meinung von Anonymus an.
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by the way: auch 100 Millionen Anwender sprechen wohl eher vorgegebene Ideologien nach als für sich selbst. Aber das gilt selbstredend für alle Religionen und was sich so alles dafür hält...
..."guter und stabiler Erwachsene mit Liebe und Toleranz (sic!) im Herzen" wird man duch Scientology ganz sicher nicht!!!
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Auch wenn Sie als Scientologe das natürlich ganz anders sehen - ich schließe mich da eher der Meinung von Anonymus an.
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by the way: auch 100 Millionen Anwender sprechen wohl eher vorgegebene Ideologien nach als für sich selbst. Aber das gilt selbstredend für alle Religionen und was sich so alles dafür hält...
Zwei Welten prallen aufeinander. Wer die Berichte der Aussteiger liest, weiß zu genau, wie mit Kindern umgegangen wird. Was Scientologen behaupten, entbehrt jeder Grundlage. Mag sein, dass sie nicht wissen, was in den Straflagern passiert, aber schon Kinder können dort landen, wenn sie nicht das machen, was die Erwachsenen wollen. Mehr als genug Aussagen und Berichte von ehemaligen Scientologen liegen vor.
Man braucht Scientologen nichts schlechtes unterstellen, das aufdecken der Straftaten und Verbrechen, die im Namen der Sekte geschehen, reicht vollkommen aus. Siehe das Vorgehen gegen Kritiker (siehe den Tod Shawn Lonsdales) oder eigene Mitglieder (siehe den Tod Lisa McPherson), es ist eine verbrecherische Sekte, die letztlich das Menschenrecht mit Füßen tritt.
lieber ananymus, du vergisst die verhältnisse! aussteiger (die es bei jeder religion gibt) im verhältnis zu den bleibenden mitgliedern. das verhältnis dürfte so ca. ein paar 100 zu 10 millionen sein. befragen wir mal die 10 millionen anwender von
l. ron hubbards tech dann spricht das doch für sich selbst.
..."guter und stabiler Erwachsene mit Liebe und Toleranz (sic!) im Herzen" wird man duch Scientology ganz sicher nicht!!!
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Auch wenn Sie als Scientologe das natürlich ganz anders sehen - ich schließe mich da eher der Meinung von Anonymus an.
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by the way: auch 100 Millionen Anwender sprechen wohl eher vorgegebene Ideologien nach als für sich selbst. Aber das gilt selbstredend für alle Religionen und was sich so alles dafür hält...
ruft man "Cruise!" in den Wald, plärrt der Deutsche "Scientology!!" zurück.
Der Mann kann gar kein brauchbarer Schauspieler sein oder gar seine Tochter lieben, denn:
Scientology.
Man weiß ja Bescheid.
Wie wäre es denn mal, wenn man einfach mal die Kinder/Jugendliche von Scientologen direkt fragt. Diese Fernanalysen sind soch vollkommen am Thema vorbei. Ich kenne viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von Scientologen, die mit beiden Füßen im Leben stehen und ihren Beitrag in der Gesellschaft leisten. Auch andere gesellschaftliche Erscheinungen wie Gewalt unter Jugendlichen oder Drogen und Alkohol findet man hier nahezu vergeblich. Die Kinder werden zu selbständig denkenden Menschen erzogen, die in der Lage sind ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Man braucht sich nur einmal das Büchlein "Der Weg zum Glücklichsein" von L. Ron Hubbard durchzulesen, ein Moralkodex, den sowohl Scientologen als auch Nicht-Scientologen verwenden und durch deren Anwendung einfach ein glücklicheres Leben führen. Anstatt immer nur irgendwelche Zitate und Mißinterpretationen von einzelnen Textstellen zu verwenden ist es mal an der Zeit sich das gesamte Bild anzuschauen.
Verständlich, dass sie jaulen und jammern, denn die Zeit für ihre Firma ist abgelaufen. Auch wenn sie noch so sehr behaupten, dass die Millionen Beitragszahler existieren würden. In immer mehr Ländern werden die Machenschaften aufgedeckt und Scientology wird letztlich auf dem Misthaufen der Geschichte landen. Und das werden dann auch die Kinder feiern.
Das einbetonierte Feindbild von Anonymous-Vertretern zum Thema Scientology ist bestens bekannt und kann getrost als extremistisch unberücksichtigt bleiben. Um ein profundes Urteil zum Thema Hubbard und Kindererziehung abgeben zu können, ist es allerdings wirklich nötig, ein wenig mehr zu kennen als nur ein Zitat, welches von Scientology-Gegnern so gerne als Argument für ihr schräges Feindbild angeführt wird. Befasst man sich nämlich näher mit dem Thema, kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis, welches mit dem geliebten Feindbild nichts mehr gemein hat.
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