Jahresrückblick Voreilige Bilanz

Die erste Grippewelle ebbt ab, der Höhepunkt der Saison kommt noch

Könnte bald in Vergessenheit geraten: Die Impfung gegen das H1N1-Virus

Könnte bald in Vergessenheit geraten: Die Impfung gegen das H1N1-Virus

Abwrackprämie, Obamas Amtseid, Merkels Wiederwahl, Herta Müllers Nobelpreis, der Tod des Torwarts Enke und die mutigen Demonstranten gegen die Teheraner Theokratie… – den ganzen Dezember über beglücken uns die Fernsehschaffenden mit »Rückblicken« und »Das war 2009«-Listen in Abendsendungsform. Johannes B. Kerner machte vor Nikolaus den Anfang, als Letzter resümiert am Silvesterabend um 23.59 Uhr der fränkische Kabarettist Urban Priol im Bayerischen Rundfunk die Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres.

Bei keiner dieser audiovisuellen Aufzählung darf jenes Virus fehlen, das wohl in einem amerikanischen Schweinemastbetrieb entstanden ist und 2009 die Welt verängstigt hat. Aber anders als bei Müller (Freude) oder Enke (Trauer) fällt beim Seuchenzug von A/H1N1 um den Globus eine klare Bewertung noch schwer.

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Zwar gebe es weitere Tote, doch die Zahl neu Erkrankter in Deutschland sinke weiter, melden die Seuchenwächter. Was also texten für den Jahresrückblick? Das DeutschlandRadio bilanziert auf seiner Website: »Die sogenannte Schweinegrippe wurde zuerst aufgebauscht, und als die Medikamente abverkauft waren, entwich der Pandemie die Panik.«

Die schnelle Pointe (verbunden mit einem Schuss Besserwisserei) lockt bei der Jahresendbilanz. Dem sei nicht entgegengehalten, dass man bei A/H1N1 auch ein ganz anders lautendes 2009er-Resümee ziehen könnte. Sondern dass die »Pandemie« nicht an Silvester um 23.59 Uhr endet. Die erste Spitze der Infektionen ist überschritten, aber im neuen Jahr stehen uns noch drei Wintermonate bevor. Und damit nach aller Erfahrung auch der Höhepunkt der Epidemiesaison.

Ohne vorschnelle Schlüsse zu ziehen, wird man erst im April oder Mai sagen können, ob alle Pandemiesorgen von 2009 begründet waren. Oder ob uns ausgerechnet – wie heute schon mancher zur wissen glaubt – dieser Winter einen besonders glimpflichen Grippeverlauf beschert hat.

Immerhin, im Moment sieht es gut aus. Und wenn es tatsächlich so kommt, dann wird in den Jahresrückblicken auf 2010 sicher keine Sendeminute auf A/H1N1 verwendet werden. 

 
Leser-Kommentare
    • uman
    • 23.12.2009 um 11:34 Uhr

    vielleicht begreift man irgendwann, dass Krankheiten nicht von Tieren, Bazillen oder Viren herrühren, sondern dass die Ursachen tiefer liegen: im menschlichen Denken und Handeln und auch darin sich ins Bockshorn jagen zu lassen. Insofern könnte das ganze Theater einen Lerneffekt verursacht haben. Hoffnungsfroh stimmt es, dass zumindest in Deutschland ein Großteil der Bevölkerung gegen diese Propaganda und damit auch gegen die äußere Erscheinung solcher Seuchen immun ist.

  1. 2. Unsinn

    "vielleicht begreift man irgendwann, dass Krankheiten nicht von Tieren, Bazillen oder Viren herrühren ...".

    Ich habe schon lange nicht mehr einen solchen Unsinn lesen müssen. Irgendwann kommt eine Pandemie. Klimawandel und zunehmende Bevölkerungsdichte werden unweigerlich dazu führen. Wenn dann das große Sterben losgeht werden auch Sie merken, daß nicht alles Propaganda ist oder mit Beten zu heilen ist ...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Irgendwann kommt eine Pandemie. Klimawandel und zunehmende Bevölkerungsdichte werden unweigerlich dazu führen. "

    Bei allem Respekt, vermischen Sie da nicht was? Haben wir nicht jedes Jahr mehr oder weniger eine Pandemie, nur keinen kümmerts, weil eine normale Grippe halt nicht so brachial klingt wie das Wort Schweinegrippe? An der Vogelgrippe haben sich die Medien über Jahre abgearbeitet und nichts passierte. Jedenfalls nichts, was die Welt zum Stillstand brachte. Ein paar Infekte, ein paar Tote, normale Verläufe eben.

    Nun die Schweinegrippe und abgesehen vom medialen Hype um diese Grippe dreht auch hier die Welt sich weiter. Aber kaum ein Jahr vergeht, wo nicht die ganz große Pandemie heraufbeschworen wird, nur kommt sie einfach nicht. Vielleicht kommt sie irgendwann, vielleicht auch nicht, wer weiß das schon?

    Es gibt Stimmen, die unterstellen, die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 war deswegen so verheerend, weil die Menschen durch Kriege und Mangelernährung geschwächt waren. Unter heutigen hygienischen Bedingungen wäre sie nicht so verheerend gewesen. Vieleicht stimmt es, vielleicht auch nicht. Es gibt auch Stimmen, die sprechen von einer Lungenpest im Zusammenhang mit der Spanischen Grippe.

    Mensch muss damit Leben, Gefahren ausgesetzt zu sein. Aber Panik wie sie im Zusammenhang mit der Schweinegrippe veranstaltet wurde, hilft der Sache nicht. Kommt die große Pandemie nämlich irgendwann, wendet sich der Leser abgestumpft von ihr ab. Das ist die eigentliche Gefahr.

    "Irgendwann kommt eine Pandemie. Klimawandel und zunehmende Bevölkerungsdichte werden unweigerlich dazu führen. "

    Bei allem Respekt, vermischen Sie da nicht was? Haben wir nicht jedes Jahr mehr oder weniger eine Pandemie, nur keinen kümmerts, weil eine normale Grippe halt nicht so brachial klingt wie das Wort Schweinegrippe? An der Vogelgrippe haben sich die Medien über Jahre abgearbeitet und nichts passierte. Jedenfalls nichts, was die Welt zum Stillstand brachte. Ein paar Infekte, ein paar Tote, normale Verläufe eben.

    Nun die Schweinegrippe und abgesehen vom medialen Hype um diese Grippe dreht auch hier die Welt sich weiter. Aber kaum ein Jahr vergeht, wo nicht die ganz große Pandemie heraufbeschworen wird, nur kommt sie einfach nicht. Vielleicht kommt sie irgendwann, vielleicht auch nicht, wer weiß das schon?

    Es gibt Stimmen, die unterstellen, die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 war deswegen so verheerend, weil die Menschen durch Kriege und Mangelernährung geschwächt waren. Unter heutigen hygienischen Bedingungen wäre sie nicht so verheerend gewesen. Vieleicht stimmt es, vielleicht auch nicht. Es gibt auch Stimmen, die sprechen von einer Lungenpest im Zusammenhang mit der Spanischen Grippe.

    Mensch muss damit Leben, Gefahren ausgesetzt zu sein. Aber Panik wie sie im Zusammenhang mit der Schweinegrippe veranstaltet wurde, hilft der Sache nicht. Kommt die große Pandemie nämlich irgendwann, wendet sich der Leser abgestumpft von ihr ab. Das ist die eigentliche Gefahr.

    • topal
    • 23.12.2009 um 13:01 Uhr

    ...und um das noch etwas zu erweitern, gerade jetzt, wo (fast) alle ein Lamm (das auch jeder selbst ist) zur Schlachtbank führen:

    "So lange es Schlachthäuser gibt wird es auch Schlachtfelder geben" (L. Tolstoi)

  2. "Irgendwann kommt eine Pandemie. Klimawandel und zunehmende Bevölkerungsdichte werden unweigerlich dazu führen. "

    Bei allem Respekt, vermischen Sie da nicht was? Haben wir nicht jedes Jahr mehr oder weniger eine Pandemie, nur keinen kümmerts, weil eine normale Grippe halt nicht so brachial klingt wie das Wort Schweinegrippe? An der Vogelgrippe haben sich die Medien über Jahre abgearbeitet und nichts passierte. Jedenfalls nichts, was die Welt zum Stillstand brachte. Ein paar Infekte, ein paar Tote, normale Verläufe eben.

    Nun die Schweinegrippe und abgesehen vom medialen Hype um diese Grippe dreht auch hier die Welt sich weiter. Aber kaum ein Jahr vergeht, wo nicht die ganz große Pandemie heraufbeschworen wird, nur kommt sie einfach nicht. Vielleicht kommt sie irgendwann, vielleicht auch nicht, wer weiß das schon?

    Es gibt Stimmen, die unterstellen, die Spanische Grippe von 1918 bis 1920 war deswegen so verheerend, weil die Menschen durch Kriege und Mangelernährung geschwächt waren. Unter heutigen hygienischen Bedingungen wäre sie nicht so verheerend gewesen. Vieleicht stimmt es, vielleicht auch nicht. Es gibt auch Stimmen, die sprechen von einer Lungenpest im Zusammenhang mit der Spanischen Grippe.

    Mensch muss damit Leben, Gefahren ausgesetzt zu sein. Aber Panik wie sie im Zusammenhang mit der Schweinegrippe veranstaltet wurde, hilft der Sache nicht. Kommt die große Pandemie nämlich irgendwann, wendet sich der Leser abgestumpft von ihr ab. Das ist die eigentliche Gefahr.

    Antwort auf "Unsinn"
    • Pansen
    • 23.12.2009 um 14:05 Uhr

    Es ist eine Unverschämtheit, dass die Zeit die Siegesfeier zum Ende der Schweinegrippe stört. Gut, die Siegesfeier hat etwas von der Meisterfeier auf Schalke (2001), aber lasst uns doch feiern, immerhin sind wir das Volk der Schweinegrippe-Experten. Wir haben die Pharma-Propaganda von RKI, PEI, WHO, Bundesregierung und Virologen der Welt durchschaut, weswegen wir so schlau waren und uns nicht impfen lassen haben. Bei den bekloppten Schweden haben sich 60% das böse Gift Pandemrix einflössen lassen und das gegen ein gutmütiges Virus. Die Idioten haben die Pharma-Verschwörung nicht durchschaut. Und die ganzen Virologen, die mahnend auf aktuelle Entwicklungen hinweisen (Mutationen und anderer Schwachsinn), die brauchen wir nicht. Wellen gibt es in der Nordsee, aber doch nicht bei einer pandemischen Grippe. Was beschäftigen die sich auch jahrelang mit diesem Pseudothema. Wir Deutschen schlussfolgern zielsicher aus der Hüfte, da braucht es keine Jahre, das geschieht in emotionalen Augenblicken.
    Eigentlich wäre mal eine Kollegenschelte der feiernden Medien an der Zeit angebracht, angesichts dieser miesen Besserwisserei.

  3. ...gut "Welle 2" kam nicht im Winter 2009, also wird sie paar Monate auf die Wintermonate in 2010 verlegt...

    Könnten die Medien endlich aufhören diesen Unsinn im Dauertakt zu berichten - In England hört man zum Glück nichts mehr, die haben es kapiert.

    Die Amerikagrippe/Schweinegrippe ist aktuel eine normale Grippe - so, und dann soll sie auch nicht immer in dem Medien aufgebauscht werden.

    Vor allem - wie schon viele angemerkt haben - kommt jetzt eine "echte Pandemie" kümmert sich keiner drum - die Medien erzählen ja eh alles sei eine Pandemie... und die WHO stuft die Kriterien entsprechend herab...

  4. "Klimawandel und zunehmende Bevölkerungsdichte werden unweigerlich dazu führen. Wenn dann das große Sterben losgeht werden auch Sie merken, daß nicht alles Propaganda ist oder mit Beten zu heilen ist ..."

    Wunderbar, die Gehirnwäsche von Medien und Politik hat gewirkt.

    • uman
    • 23.12.2009 um 18:20 Uhr

    Immer noch gültig ist die erste Auseinandersetzung bei der Entdeckung der Bazillen zwischen den Professoren für Hygiene Robert Koch (1843-1910) in Berlin und Max von Pettenkofer (1818-1901) in München. Es ist die Sternstunde für einseitiges Denken in der Entstehung einer Krankheit: Robert Koch, der Entdecker des Cholerabazillus, den man heute den «Popstar» unter den Wissenschaftlern nennt, hatte seine Stunde erkannt und dafür gesorgt, dass mit Hilfe des neuen Mediums der Fotographie die Welt mit Bildern von allen möglichen Bazillenarten überschwemmt wurde. Endlich hatte das «Böse}) unter dem Mikroskop ein Gesicht bekommen, und die Pharmaindustrie bereitete sich auf die Herstellung der chemischen Vernichtungswaffen (Antibiotika) vor, die aber durch Missbrauch so unwirksam ge:worden sind, dass man
    sie schon als «stumpfe Wunderwaffen » bezeichnet; immerhin sterben allein in den USA fast 20.000 Mensehen jedes Jahr an den therapieresistenten Keimen.
    Max Pettenkofer, der damals München durch Umwelt- und Infrastruktursanierungen zu einer der saubersten und seuchensichersten Orte in Europa gemacht hat, hat vor seinen Studenten eine Bouillon mit Choleraerregern getrunken, um zu beweisen, dass es nicht die Bakterien sind, die uns krank machen, sondern das geschwächte Milieu im Inneren - er blieb mit Ausnahme einiger wenigen Symptome gesund!
    Obwohl diese Nachweismethode nicht unbedingt zu
    empfehlen ist, . . .
    (aus "Der Europäer im November 2009")

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