Aus gegebenem Anlass etwas Weihnachtliches. Wie können wir diese fehlerhafte Welt etwas besser machen, was können wir in unserem Jammertal realistischerweise tun?

Chancengleichheit – eine absurde Idee. Der Name ist ohnehin falsch, das, was alle wollen, muss "Chancengerechtigkeit" heißen. Warum ist die Idee absurd? Der Verlauf des Lebens hängt zu einem hohen Prozentsatz vom Zufall ab. Der Zufall ist ein Würfel, die Eins und die Sechs haben gleiche Chancen. Insofern gab es schon immer Chancengleichheit. Wer aber Chancengerechtigkeit haben will, muss den Zufall aus dem Universum verbannen, Glück und Pech ausrotten, dieses Ziel können nur Wahnsinnige sich setzen. Chancenähnlichkeit – vielleicht, meinetwegen.

Bildung? Eine schwere Hypothek für alle, die damit geschlagen sind. Gebildete Menschen machen sich Gedanken, lesen Bücher, besuchen Kulturveranstaltungen, statt sich unbefangen und ohne schlechtes Gewissen den ganzen Tag den Freuden des Drogenrausches, der Sexualität sowie der zucker- und fettreichen Ernährung hinzugeben. Bildung ist Mist. Unbildung bringt Genuss ohne Reue. Gewalt? Krieg? Ich persönlich möchte nicht in einen Krieg hineingeraten. Andererseits wäre eine Welt ohne Kriege in gewisser Weise eine schlechtere Welt. Wenn die Barbaren nicht mit Feuer und Schwert das Römische Reich niedergerungen hätten, dann gäbe es vermutlich immer noch Sklaverei, und unbequeme Geister würden gekreuzigt werden. Möchten Sie gerne gekreuzigt werden, verehrte unbequeme Leserin? Na also. Seien Sie nicht so denkfaul, Madame. In einer Welt ohne Kriege gäbe es vermutlich keine Bewegung. Die Demokratie, die Freiheit, Emanzipation, das ist doch alles nicht ohne Gewalt auf die Welt gekommen, diese Dinge mögen wir, aber wir wollen mit ihrer Entstehung nichts zu tun haben.

Liebe? Sie kommt und geht, wie jeder weiß, und wenn sie geht, ist sie eine der größten Quellen des Kummers. Gewinn und Verlust an Lebensqualität halten sich bei der Liebe die Waage, wozu also der ganze Aufwand? Kinder: eine biologische Notwendigkeit. Aber irgendwann sitzt man sich gegenüber, Alt und Jung, und stellt meistens fest, dass man sich wenig zu sagen hat. Ich könnte stundenlang so weitermachen. Aber ich wollte ja erklären, wie man die Welt besser machen kann.

Suchen Sie eine gut abgehangene Allerweltsthese, eine Meinung, der alle, die Sie kennen, beipflichten. Kriege sind schlecht, Chancengleichheit muss her, Kinder sind das Glück dieser Erde. Und nun vertreten Sie mit großem Nachdruck das genaue Gegenteil. Haben Sie keine Angst davor, dass deswegen ein Krieg ausbricht, dies wird nicht passieren. Stellen Sie sich nicht die Frage, ob Sie das, was Sie vertreten, tatsächlich meinen. Das ist egal. Die meisten Meinungen werden vertreten, weil es eh alle sagen, weil man sich davon einen Vorteil verspricht, weil man nicht unangenehm auffallen oder weil man einfach nur gemocht werden will, ein Grund so fragwürdig wie der andere.