Entwicklungshilfe Afrika ist längst angekommenSeite 2/2

Eine sinnvolle Kulturarbeit versucht, die kulturell produktiven Räume zu finden und zu bespielen, in denen differenzierte Identitäten wachsen. In Afrika öffnen sich diese wie überall auf der Welt in den komplexen Lebenswelten zwischen Peripherie und Zentrum, zwischen Virtualität, Projektion und Wirklichkeit, zwischen Stadt und Land. Die spezifischen Arbeitsbedingungen der Künstler und Künstlerinnen in Afrika müssen berücksichtigt werden. Das schließt die Bereitstellung von Infrastruktur und Produktionsmitteln ebenso ein wie die Unterstützung einer Öffentlichkeit, die den Mehrwert von Kunst achtet. Und dazu gehört auch eine Nachwuchsförderung, die jedem, der es möchte, die Möglichkeit gibt, seine Talente zu entdecken und auszubauen. Die Überwindung der Widrigkeiten und Widerstände, die eine kontinuierliche Ausbildung verhindern, ist ein herausragendes Ziel, um das Recht, aber auch den Stolz zu fördern, teilhaben zu können an einer vielschichtigen Welt. »Eine der schwierigsten Sachen ist nicht, die Gesellschaft zu ändern, sondern sich selbst«, hat Nelson Mandela im Jahr 2000 gesagt.

Der Generalverdacht, dass der Anteil der Kunst an diesen Veränderungsprozessen gegenüber den Schwergewichten der internationalen Entwicklungspolitik eine in Afrika zu vernachlässigende Größe sei, ist längst aufgehoben. Über das Klischee hinaus sind Imagination und Improvisation auf dem Kontinent so weit verbreitet, dass wir ruhig mal etwas ohne schlechtes Gewissen abgucken dürfen und eigentlich dann erst wissen, dass Afrika als gleichwertiger Partner in dieser Welt angekommen ist.

Peter Anders ist Programmleiter des Goethe-Instituts Subsahara Afrika und hat das Operndorf-Projekt von Christoph Schlingensief von Anfang an in Afrika begleitet. Er hat in den neunziger Jahren fünf Jahre für das Goethe-Institut in Kamerun gearbeitet, dann unter anderem in Brasilien. Zurzeit lebt er in Johannesburg.

Dieser Text ist dem Feuilleton der ZEIT Nr. 53/2009 entnommen, das Christoph Schlingensief gestaltet hat.

 
Leser-Kommentare
  1. .
    ...was Afrika jetzt braucht!

    Oder ist es am Ende doch nicht mehr als ein neues Hobby unserer saturierten "Kulturschaffenden"?

    Jedenfalls etwas mit deutlichem Marketingeffekt?

  2. nicht im Sinne von lustig, sondern eher tragikomisch. Gerade viele Aktive wie Bono oder Geldof betrachten offenbar ihre "Schützlinge" als kleine Kinder, die sie an die Hand nehmen müssen. Das erinnert an Marx, der viel über arbeiter schrie, sich aber nie persönlich mit einem Arbeiter getrofen hätte. Die Bürde des weißen Mannesy wird hier auf andere Weise fortgesetzt.

    • joG
    • 24.12.2009 um 9:36 Uhr

    ...wie "La Strada" nach WWII in Italien. Kultur zu machen in der Zeit der Vertreibung und des Völkermords, des Hungers und der Verelendung und in voller Sicht der Opfer. Ich mag diesen Humor.

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