Deutsch-ivorische Performance-Kunst Eleganz ist kein VerbrechenSeite 2/2
Gegen den Fake, für die Show! Wer will schon an seine Armut oder seine drohende Armut erinnert werden, die man durch die Performance gerade überwindet? Radikale Behauptung erzeugt möglicherweise Reichtum. Ihre Entzauberung verhindert neue Ökonomien und die Infragestellung gesellschaftlicher Verhältnisse. Das kann man klauen, das kann man lernen! Nicht relativieren, nicht aufklären, nicht ironisieren, sondern insistieren, bis es lebt!
An der Elfenbeinküste punkten unsere ivo- rischen Darsteller jederzeit mit uns. Mit uns aufzukreuzen bringt schon Kreditwürdigkeit: Denn da die Weißen die Meister des Understatements sind, könnte ja der größte Schluffi unter uns der reichste, mächtigste Mann sein. Die guten Geschichten über uns erfinden die Schwarzen, die damit andere Schwarze reinlegen, ohne dass wir es wissen. Wir Weißen können die Erwartungen unterlaufen: vielleicht gut performen oder vor Schwarzen über Schwarze spotten - solche Form von Talent, Humor oder Unkorrektheit wird von Weißen nicht erwartet und kann einen neuen Blick aufeinander erzeugen. Unsere deutsch-ivorische Zusammenarbeit ist ein utopisches Unterfangen voller Vertrauen auf gegenseitige Wertsteigerung für einen möglichst langen Moment.
Dieser Text ist dem Feuilleton der ZEIT Nr. 53/2009 entnommen, das Christoph Schlingensief gestaltet hat.
- Datum 28.12.2009 - 14:38 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.12.2009 Nr. 53
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